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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Nachdem er sich kurz mit Dai unterhalten hatte – er war sich nie sicher, ob der Schmied wirklich kein Mann für viele Worte war, oder ob er einfach den Versuch aufgegeben hatte, den Schotten seinen Waliser Singsang verständlich zu machen –, klopfte Jamie Gideon ermunternd auf den Hals und überließ ihn seinem Hafer, damit er seine Lenden für die Ankunft der Stute kräftigen konnte.

Dai hatte ihm etwas zu essen angeboten, doch er lehnte ab; er war nervös, freute sich aber auf den Frieden seines fünf Meilen weiten Heimwegs. Der Tag war schön und der Himmel von einem blassen Blau. Über ihm murmelte das Frühlingslaub, und ein wenig Einsamkeit war ihm sehr willkommen.

Seine Entscheidung war gefallen, als er Robin bat, ihm die Gewehre zu besorgen. Doch die Lage erforderte weiteres Nachdenken.

Es gab vierundsechzig Cherokee-Dörfer, ein jedes mit seinem eigenen Oberhaupt, seinem eigenen Friedens- und Kriegshäuptling. Nur fünf dieser Dörfer lagen innerhalb seines Einflussbereiches – die drei Snowbirddörfer und zwei, die zu den Overhill-Cherokee gehörten. Er ging davon aus, dass diese den Anführern der Overhill folgen würden, ganz gleich, was er sagte.

Roger Mac hatte nur relativ wenig über die Cherokee oder darüber gewusst, welche Rolle sie bei der drohenden Auseinandersetzung spielen würden. Er hatte ihm nur sagen können, dass die Cherokee nicht en masse aktiv geworden waren; einige Dörfer entschlossen sich zu kämpfen, andere nicht – einige kämpften für die eine Seite, andere für eine andere.

Nun gut. Es war nicht sehr wahrscheinlich, dass irgendetwas, was er sagte oder tat, den Lauf des Krieges verändern würde, und das war tröstlich. Doch er konnte sich dem Bewusstsein nicht entziehen, dass der Zeitpunkt näher rückte, an dem er den Absprung wagen musste. Nach außen hin war er im Moment ein loyaler Untertan Seiner Majestät, ein Tory, der sich in Geordies Interesse abrackerte, die Wilden unterwarf und Gewehre unter das Volk brachte, um die aufrührerischen Leidenschaften der Regulatoren, Whigs und Möchtegernrepublikaner im Zaum zu halten.

Irgendwann jedoch musste diese Fassade bröckeln, um ihn als überzeugten Rebellen und Verräter preiszugeben. Doch wann? Er fragte sich müßig, ob diesmal ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt werden würde und wie hoch er sein würde.

Mit den Schotten würde er möglicherweise keine großen Schwierigkeiten bekommen. Sie waren zwar nachtragend und sturköpfig, doch er war einer von ihnen, und ihre persönlichen Sympathien würden eventuell die Entrüstung darüber dämpfen, dass er zum Rebellen geworden war, wenn es so weit war.

Nein, es waren die Indianer, die ihm Sorgen machten – denn zu ihnen kam er als Vertreter des Königs. Wie sollte er ihnen seinen Sinneswandel erklären? Noch dazu so, dass sie sich auf seine Seite schlugen? Mit Sicherheit würden sie es schlimmstenfalls als Verrat, bestenfalls als höchst verdächtiges Benehmen betrachten. Er glaubte nicht, dass sie ihn umbringen würden. Doch wie in Gottes Namen sollte er sie überreden, sich der Sache der Rebellen anzuschließen, wo sie doch beständige und fruchtbare Beziehungen zu Seiner Majestät unterhielten?

O Gott, und dann war da noch John. Was sollte er zu seinem Freund sagen, wenn die Zeit kam? Ihn mit Logik und Rhetorik überreden, ebenfalls die Farbe seiner Uniform zu wechseln? Er atmete zischend ein und schüttelte konsterniert den Kopf, während er – ganz und gar erfolglos – versuchte, sich vorzustellen, wie sich John Grey, Soldat von Kindesbeinen an, ehemaliger königlicher Gouverneur, die Loyalität in Person und eingefleischter Ehrenmann, plötzlich offiziell auf die Seite von Rebellion und Republik schlug.

Er machte sich im Weitergehen seine Gedanken, merkte jedoch allmählich, dass ihn das Laufen beruhigte und der friedvolle Tag seine Stimmung hob. Vor dem Abendessen würde er noch Zeit haben, mit dem kleinen Jemmy angeln zu gehen, dachte er; die Sonne schien zwar, doch unter den Bäumen hing eine gewisse Feuchte in der Luft, die ihm versprach, dass die Fliegen heute das erste Mal auf dem Wasser schlüpfen würden. Er spürte es in den Knochen, dass kurz vor Sonnenuntergang die Forellen an die Oberfläche steigen würden.

Ein wenig erleichtert, freute er sich, ein Stückchen unterhalb von Fraser’s Ridge seine Tochter zu treffen. Ihm wurde warm ums Herz, als er ihre rote Haarpracht sah, die ihr üppig über den Rücken fiel.

»Ciamar a tha thu, a nighean?«, sagte er und küsste ihr zum Gruß die Wange.

»Tha mi gu math, mo athair«, sagte sie und lächelte, doch er bemerkte, dass die glatte Haut ihrer Stirn von kleinen Fältchen gekräuselt wurde wie ein Forellenteich, auf dem die Larven schlüpfen.

»Ich habe auf dich gewartet«, sagte sie und nahm seinen Arm. »Ich wollte mich mit dir unterhalten, bevor du morgen zu den Indianern reitest.« Und in ihrer Stimme lag etwas, das ihn jeden Gedanken an Fische schlagartig vergessen ließ.

»Oh, aye?«

Sie nickte, aber es schien ihr schwerzufallen, Worte zu finden – etwas, das ihn noch mehr in Alarm versetzte. Doch er konnte ihr nicht helfen, solange er keine Ahnung hatte, worum es ging. Und so hielt er schweigend, aber ermutigend mit ihr Schritt. In ihrer Nähe war eine Nachtigall zugange und übte ihr Repertoire an Rufen. Es war der Vogel, der in der Rotfichte hinter dem Haus wohnte; er erkannte das Tier, weil es dann und wann mit seinem Gezwitscher innehielt, um das mitternächtliche Jaulen des Katers Adso perfekt zu imitieren.

»Als du mit Roger über die Indianer gesprochen hast«, sagte Brianna schließlich und wandte den Kopf, um ihn anzusehen, »hat er da etwas erwähnt, das sich Marsch der Tränen nennt?«

»Nein«, sagte er neugierig. »Was ist das?«

Sie schnitt eine Grimasse und zog den Kopf auf eine Weise ein, die ihm verstörend vertraut vorkam.

»Das dachte ich mir. Er hat gesagt, er hätte dir alles erzählt, was er über die Indianer und die Revolution weiß – nicht, dass das besonders viel ist, es war nicht sein Spezialgebiet –, aber dies ist nach … wird sich nach der Revolution ereignen. Also hat er es vielleicht nicht für wichtig gehalten. Vielleicht ist es ja auch nicht wichtig.«

Sie zögerte, als wünschte sie, dass er ihr bestätigte, dass es nicht wichtig war. Doch er wartete nur, und sie seufzte und betrachtete im Weitergehen ihre Füße. Sie trug Sandalen ohne Strümpfe, und ihre langen, nackten Zehen waren mit dem feinen Staub der Wagenstraße bedeckt. Der Anblick ihrer Füße erfüllte ihn stets mit einer merkwürdigen Mischung aus Stolz auf ihre elegante Form und schwachem Schamgefühl über ihre Größe – doch da er für beides verantwortlich war, hatte er wohl keinen Grund, sich zu beklagen.

»In etwa sechzig Jahren«, sagte sie schließlich, die Augen auf den Boden gerichtet, »wird die amerikanische Regierung die Cherokee von ihrem Land umsiedeln. Weit weg – in eine Gegend namens Oklahoma. Es sind mindestens tausend Meilen, und sie werden unterwegs zu Hunderten und Aberhunderten verhungern und sterben. Das ist der Grund, warum sie es Marsch der Tränen genannt haben – nennen werden.«

Er war beeindruckt, dass eine Regierung zu so etwas in der Lage sein konnte, und sagte das auch. Sie warf ihm einen wütenden Blick zu.

»Sie werden sich einer List bedienen. Sie werden einige der Cherokee-Anführer überreden, sich damit einverstanden zu erklären, indem sie ihnen Versprechungen machen, die sie dann nicht einhalten.«

Er zuckte mit den Achseln.

»Aber so machen es doch die meisten Regierungen«, merkte er nachsichtig an. »Warum erzählst du mir das? Ich werde doch – Gott sei Dank – längst unter der Erde liegen, bevor es dazu kommt.«

Er sah, wie etwas über ihr Gesicht huschte, als er von seinem Tod sprach, und bedauerte, ihr leichtfertig Kummer bereitet zu haben. Doch bevor er sich entschuldigen konnte, richtete sie sich auf und fuhr fort.

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