Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er sah alle Menschen so, aber es wurde ihm nur selten bewusst. Strasses Gesicht jedoch hatte irgendetwas an sich, das das geistige Bild noch verstärkte – die lange Achse von Stirn, Nase und Kinn, das eine tiefe Spalte hatte und durch eine pferdeähnliche Oberlippe noch betont wurde, die kürzere Querachse, die durch die langen schmalen Augen und die flachen dunklen Brauen nicht minder scharf akzentuiert war.
Er konnte die Herkunft des Jungen sehen – der das mittlere von neun Kindern war, aber der älteste Junge, Sohn eines dominanten Vaters und einer Mutter, die sich mit List und leiser Tücke behauptete – eine höchst delikate Anordnung auf seinem Scheitel; seine Religion – Lutheraner, aber nicht sehr devot – wie eine feine Klöppelarbeit unter seinem nicht minder spitzen Kinn; sein Verhältnis zu Robin – herzlich, aber wachsam, wie es sich für einen zukünftigen Schwiegersohn ziemte, der gleichzeitig Lehrling war – spross ihm wie eine buschige Ähre aus dem rechten Ohr, das zu Ute – eine Mischung aus Entsetzen und hilfloser Verlegenheit – aus dem linken.
Diese Vorstellung erheiterte ihn sehr, und er war gezwungen, den Blick abzuwenden und Interesse an Robins Werkbank vorzutäuschen, um den Jungen nicht anzustarren und in Verlegenheit zu bringen.
Der Büchsenmacher war nicht besonders ordentlich; auf der Bank lagen Holz- und Metallsplitter inmitten eines Durcheinanders aus Nägeln, Stiften, Hämmern, Holzklötzen, schmutzigen Tauen und Kohlestiften. Ein paar Papiere waren mit einem ruinierten Gewehrkolben beschwert, der bei der Fertigung entzweigesprungen war, und ihre schmutzigen Ränder flatterten im heißen Hauch des Schmiedefeuers. Er hätte sich nicht weiter darum gekümmert, wenn er den Zeichenstil nicht erkannt hätte – diese kühne und zugleich zarte Linienführung wäre ihm überall aufgefallen.
Er erhob sich stirnrunzelnd und zog die Blätter unter dem Gewehrkolben hervor. Zeichnungen eines Gewehrs aus verschiedenen Blickwinkeln – hier ein Schnitt durch den Lauf, die Ladevorrichtung deutlich zu erkennen – aber zugleich sehr merkwürdig. Die eine Zeichnung zeigte die Waffe vollständig, eigentlich vertraut, abgesehen von den komischen, an Hörner erinnernden Auswüchsen auf dem Lauf. Aber die nächste … Das Gewehr sah aus, als hätte es jemand über seinem Knie zerbrochen; es war entzweigeschnappt, und Kolben und Lauf zeigten in entgegengesetzter Richtung zu Boden, verbunden allein durch … Was für ein Scharnier war das? Er kniff ein Auge zu und überlegte.
Das Hämmern am Schmiedeofen verstummte, und das laute Zischen von Metall in der Gießwanne störte ihn bei seiner faszinierten Betrachtung der Zeichnungen, so dass er aufblickte.
»Hat dir deine Tochter diese Zeichnungen gezeigt?«, fragte Robin und wies kopfnickend auf die Blätter. Er zog seinen Hemdschoß hinter der Lederschürze hervor und wischte sich mit belustigter Miene den Dampf aus dem verschwitzten Gesicht.
»Nein. Was will sie denn? Möchte sie, dass du ihr ein Gewehr machst?« Er überreichte dem Büchsenmacher die Blätter, und dieser sah sie durch und zog neugierig die Nase hoch.
»Oh, das kann sie im Leben nicht bezahlen, Mac Dubh, es sei denn, Roger Mac hätte im Lauf der letzten Woche einen Goldschatz entdeckt. Nein, sie hat mir nur ein paar Ideen erzählt, wie man die Kunst der Büchsenmacherei verbessern könnte, und sich erkundigt, was es wohl kosten würde, ein solches Gewehr zu machen.« Das zynische Lächeln, das in Robins Mundwinkel gelauert hatte, verbreiterte sich zu einem Grinsen, und er schob Jamie die Blätter wieder hin. »Man merkt, dass sie deine Tochter ist, Mac Dubh. Welche andere junge Frau würde ihre Zeit damit verbringen, über Gewehre nachzudenken statt über Kleider und Kinder?«
In dieser Bemerkung steckte ein gutes Maß an angedeuteter Kritik – Brianna verhielt sich zweifellos um einiges unverblümter, als es sich geziemte –, doch für den Moment ignorierte er das. Er war auf Robins Wohlwollen angewiesen.
»Nun, jede Frau hat ihre Vorlieben«, beschied er ihn nachsichtig. »Selbst unsere Lizzie, nehme ich an – aber darum wird sich Manfred ja sicher kümmern. Ist er gerade in Salisbury? Oder in Hillsboro?«
Robin McGillivray war beileibe kein Dummkopf. Er zog bei diesem abrupten Themenwechsel eine Augenbraue hoch, verkniff sich aber jede Bemerkung. Stattdessen schickte er Heinrich ins Haus, um ihnen Bier zu holen, und wartete, bis der Junge verschwunden war, bevor er sich erwartungsvoll erneut an Jamie wandte.
»Ich brauche dreißig Musketen, Robin«, sagte dieser ohne Umschweife. »Und ich brauche sie schnell – innerhalb von drei Monaten.«
Das Gesicht des Büchsenmachers wurde vor Erstaunen so ausdruckslos, dass es geradezu komisch war, jedoch nur für eine Sekunde. Dann kniff er die Augen zu, schloss abrupt den Mund und setzte seine übliche Miene sardonischen Humors wieder auf.
»Willst wohl deine eigene Armee gründen, was, Mac Dubh?«
Jamie lächelte nur, ohne zu antworten. Wenn es sich herumsprach, dass er vorhatte, seine Pächter zu bewaffnen und als Reaktion auf Richard Browns Übeltaten sein eigenes Komitee aufzustellen, konnte das nicht schaden, sondern es würde ihm möglicherweise sogar von Nutzen sein. Falls allerdings herauskam, dass der Gouverneur heimlich daran arbeitete, die Wilden zu bewaffnen, für den Fall, dass er einen bewaffneten Aufstand im Hinterland niederschlagen musste, und dass er, Jamie Fraser, dabei seine rechte Hand war … so würde dies ein exzellenter Weg sein, sein Leben zu verlieren und sein Haus niederbrennen zu sehen, ganz zu schweigen von den restlichen Problemen, die sich daraus ergeben konnten.
»Wie viele kannst du für mich auftreiben, Robin? Und wie schnell?«
Der Büchsenmacher überlegte blinzelnd, dann warf er ihm einen raschen Seitenblick zu.
»Bargeld?«
Er nickte und sah, wie sich Robins Lippen zu einem tonlosen Pfiff des Erstaunens spitzten. Robin wusste genauso gut wie jeder andere, dass er keine größeren Geldsummen besaß – doch der Büchsenmacher schwieg. McGillivray bohrte konzentriert die Schneidezähne in seine Unterlippe, dann entspannte er sich.
»Ich kann in Salisbury und Salem sechs, vielleicht sieben zusammenbekommen. Brugge –«, das war der Büchsenmacher der Herrnhuther, »– könnte eine oder zwei beisteuern, wenn er wüsste, dass es für dich ist …« Er sah, wie Jamie kaum merklich den Kopf schüttelte, und nickte resigniert. »Aye, nun gut, vielleicht also sieben. Und Manfred und ich schaffen vielleicht noch drei – du willst doch nur Musketen, nichts Besonderes?« Sein Humor von vorhin blitzte noch einmal auf, als er mit dem Kopf auf Briannas Zeichnung wies.
»Nichts Besonderes«, bestätigte Jamie lächelnd. »Das macht dann zehn.« Er wartete. Robin ergab sich seufzend in sein Schicksal.
»Ich höre mich um«, sagte er. »Aber es wird nicht leicht sein. Vor allem, wenn du nicht möchtest, dass dein Name damit in Zusammenhang gebracht wird – und ich vermute, das möchtest du nicht.«
»Du bist ein Mann von seltener Klugheit und Diskretion, Robin«, versicherte ihm Jamie ernst und brachte ihn damit zum Lachen. Allerdings stimmte es; Robin McGillivray hatte in Culloden an seiner Seite gefochten, hatte drei Jahre mit ihm zusammen in Ardsmuir verbracht; Jamie hätte ihm jederzeit sein Leben anvertraut – wie er es gerade tat. Allmählich wünschte er sich, das Schwein hätte MacDonald doch gefressen, verdrängte diesen unwürdigen Gedanken jedoch, trank das Bier, das Heinrich ihnen brachte, und plauderte über Belanglosigkeiten, bis die Höflichkeit es ihm gestattete, sich zu verabschieden.
Er hatte Gideon geritten, um MacDonald zu Pferd Gesellschaft zu leisten, hatte aber vor, ihn bei Dai Jones im Stall zu lassen. Als Ergebnis eines komplexen Tauschhandels würde Gideon John Woolam’s Scheckstute decken – und dann zurückgebracht werden, wenn Woolam vom Bear Creek zurückkehrte. Und wenn im Herbst die Ernte eingebracht war, würde Jamie einen Fuder Gerste kassieren, und Dai würde für seine Hilfe eine Flasche Whisky erhalten.