Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Im Freien waren Schritte und gedämpfte Worte zu hören; aus den umliegenden Talmulden waren noch mehr Menschen gekommen, die sich jetzt um die Tür drängten. Ich fing das Wort dèan caithris auf, das in fragendem Ton fiel, und plötzlich wurde mir klar, was hier so seltsam war.
Es gab keine Totenwache. Normalerweise hätte man die Tote gewaschen und zurechtgemacht, sie dann aber ein oder zwei Tage aufgebahrt, damit alle Bewohner der Gegend Gelegenheit zu einem Beileidsbesuch bekamen. Ich hörte angestrengt zu und fing einen deutlichen Ton der Verstimmung und Überraschung auf – die Nachbarn empfanden diese Hast als unziemlich.
»Was ist mit der Totenwache?«, flüsterte ich Jamie zu. Er zog eine Schulter kaum merklich hoch, wies aber kopfnickend zur Tür und auf den bedeckten Himmel draußen.
»Bevor es Abend wird, wird es eine Menge Schnee geben, a Sorcha«, sagte er. »Und wie es aussieht, schneit es wahrscheinlich noch tagelang weiter. Bei dem Wetter würde ich auch nicht gern ein Grab schaufeln und einen Sarg beerdigen müssen. Und wenn es mehrere Tage lang schneit, wohin sollen sie dann mit der Leiche?«
»Das stimmt, Mac Dubh«, sagte Kenny Lindsay, der ihn hörte. Er warf einen Blick auf die Leute, die um uns herumstanden, dann schob er sich dichter an uns heran und senkte die Stimme. »Aber es stimmt auch, dass Hiram Crombie keine großen Gefühle für die alte Schach– äh, seine Schwiegermutter hegt.« Er hob sein Kinn ein Stückchen, um auf die Verstorbene zu deuten. »Man erzählt sich, dass er die Alte gar nicht schnell genug unter die Erde bekommen kann – bevor sie es sich anders überlegt, aye?« Er grinste kurz, und Jamie senkte den Blick, um sich sein Lächeln nicht anmerken zu lassen.
»Das spart obendrein Verpflegung, nehme ich an.« Hiram war weithin als Geizkragen bekannt – was angesichts der als sparsam, aber gastfreundlich bekannten Highlander einiges sagte.
Draußen kam erneut Hektik auf, als noch mehr Neuankömmlinge eintrafen. An der Tür gab es ein Gedränge, weil sich jemand hineinzuzwängen versuchte, obwohl die Leute im Haus Schulter an Schulter standen und sich die einzige freie Stelle auf dem Fußboden unter dem Tisch befand, auf dem Mrs. Wilson ruhte.
Die Leute an der Tür machten widerstrebend Platz, und Mrs. Bug rauschte in die Hütte, angetan mit ihrer besten Haube und ihrem guten Schultertuch, Arch an ihrer Seite.
»Ihr habt den Whisky vergessen, Sir«, unterrichtete sie Jamie und reichte ihm eine verkorkte Flasche. Sie sah sich um, erspähte die Crombies und verneigte sich mit ein paar gemurmelten Beileidsworten vor ihnen. Dann richtete sie sich auf, rückte ihre Haube gerade und sah sich erwartungsvoll um. Jetzt konnten die Festivitäten offenbar beginnen.
Hiram Crombie sah sich um, dann nickte er Roger zu.
Roger richtete sich etwas gerader auf, erwiderte das Kopfnicken und begann. Er hielt eine schlichte Rede, die sich über ein paar Minuten erstreckte und sich mit der Kostbarkeit des Lebens, der Enormität des Todes und der Bedeutung von Verwandten und Nachbarn bei der Bewältigung solcher Dinge befasste. Dies alles schien gut anzukommen, denn die Anwesenden nickten beifällig mit den Köpfen und schienen auf ordentliche Unterhaltung eingestellt zu sein.
Roger hielt inne, um zu husten und sich die Nase zu putzen, dann ging er zu etwas über, was eine bestimmte Version des presbyterianischen Seelenamtes zu sein schien – oder das, was ihm aus seiner Zeit bei Reverend Wakefield davon im Gedächtnis geblieben war.
Auch das schien auf Akzeptanz zu stoßen. Brianna entspannte sich etwas und stellte Jemmy hin.
Alles verlief gut … und doch war ich mir nach wie vor einer gewissen Beklommenheit bewusst. Das lag natürlich zum Teil daran, dass ich Roger sehen konnte. Durch die zunehmende Wärme im Inneren der Hütte lief ihm die Nase; er behielt sein Taschentuch in der Hand, betupfte sich verstohlen die Nase und hielt hin und wieder inne, um sie sich so diskret wie möglich zu putzen.
Doch Hustenschleim fließt bergab. Und je zäher er wurde, umso stärker beeinträchtigte er Rogers empfindliche Kehle. Der erstickte Unterton, der immer in seiner Stimme mitklang, wurde merklich schlimmer. Er musste sich wiederholt räuspern, um sprechen zu können.
Jemmy wurde an meiner Seite unruhig, und ich sah aus dem Augenwinkel, wie ihm Brianna die Hand auf den Kopf legte, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er sah zu ihr auf, doch ihre ganze Aufmerksamkeit war gebannt auf Roger gerichtet.
»Wir danken Gott für das Leben dieser Frau«, sagte er und hielt inne, um sich zu räuspern – schon wieder. Ich erwischte mich dabei, dass ich mich vor lauter nervösem Mitgefühl ebenfalls räusperte.
»Sie ist eine Dienerin Gottes, gläubig und treu, und jetzt preist sie ihn vor seinem Thron, mit allen Hei…« Ich sah plötzlichen Zweifel über sein Gesicht huschen – teilte die hier versammelte Gemeinde den Glauben an die Heiligen, oder würde sie ihre Erwähnung als römische Häresie betrachten? Er hustete und schloss »mit den Engeln«.
Engel waren offenbar harmlos; die Gesichter ringsum trugen ernste Mienen, in denen aber kein Affront zu lesen war. Roger atmete sichtlich auf, griff nach der kleinen grünen Bibel und schlug eine markierte Seite auf.
»Lasst uns gemeinsam einen Psalm sprechen zum Lobpreis dessen, der –« Er sah die Seite an, und zu spät erkannte er die Schwierigkeit, einen Psalm ad hoc aus dem Englischen ins Gälische zu übersetzen.
Er räusperte sich explosiv, und ein halbes Dutzend Kehlen in der Menge fiel automatisch ein. Neben mir murmelte Jamie, »O Gott«. Es kam von Herzen.
Jemmy zupfte seine Mutter am Rock und flüsterte etwas, doch sie gebot ihm zu schweigen. Ich konnte sehen, wie sich Brianna Roger entgegensehnte, sich ihr ganzer Körper in dem dringenden Bedürfnis anspannte, ihm irgendwie zu helfen, wenn auch nur durch Telepathie.
Da sich keine Alternative auftat, begann Roger stockend, den Psalm vorzulesen. Die Hälfte der Anwesenden hatte ihn beim Wort genommen, als er sie einlud, »gemeinsam zu sprechen«, und sagten den Psalm auswendig auf – um einiges schneller, als er lesen konnte.
Ich schloss die Augen, weil ich es nicht mit ansehen konnte, doch ich konnte die Ohren nicht verschließen, und so hastete die Gemeinde den Psalm durch und verstummte, um dann voll mürrischer Geduld abzuwarten, bis Roger holpernd das Ende erreichte. Was er auch hartnäckig tat.
»Amen«, sagte Jamie laut. Und als Einziger. Als ich die Augen öffnete, sah ich, dass uns alle anstarrten. Die Mienen reichten von nachsichtiger Überraschung bis hin zu unterdrückter Feindseligkeit. Jamie holte tief Luft und atmete sehr langsam wieder aus.
»Lieber Himmel«, sagte er ganz leise.
Eine Schweißperle rann Roger über die Wange, und er wischte sie mit dem Rockärmel fort.
»Möchte jemand noch ein paar Worte über die Verstorbene sagen?«, fragte er und musterte ein Gesicht nach dem anderen. Ihm antworteten nur Schweigen und das Heulen des Windes.
Er räusperte sich, und jemand kicherte.
»Oma –«, flüsterte Jemmy und zupfte an meinem Rock.
»Schh.«
»Aber Oma –« Sein drängender Ton brachte mich dazu, mich umzudrehen und zu ihm hinunterzusehen.
»Musst du pinkeln?«, flüsterte ich und bückte mich. Er schüttelte den Kopf, so heftig, dass sein dichtes, rotgoldenes Haar auf seiner Stirn hin- und herflog.
»O Gott, unser himmlischer Vater, der uns durch den Wandel der Zeiten zur gesegneten Rast der Ewigkeit führt, sei uns nun nahe zu unserem Trost und unserer Stütze.«
Ich sah hoch und verfolgte, dass Roger seine Hand wieder auf der Leiche liegen hatte. Offenbar hatte er beschlossen, zum Ende zu kommen. Die Erleichterung in seinem Gesicht und seiner Stimme ließ darauf schließen, dass er sich jetzt auf bekannte Verse verlegt hatte, die ihm so vertraut waren, dass er sie auch auf Gälisch hinreichend fließend hinbekam.