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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ich sage Ihnen nicht, daß ich es wußte, ich sage Ihnen auch nicht, daß ich es nicht wußte, ich sage Ihnen nur: Beachten Sie meinBenehmen seit den vier Jahren, seitdem Sie nicht mehr meine Frau sind und ich nicht mehr Ihr Mannbin, und Sie werden sehen, obes immer folgerecht gewesen ist. Kurze Zeit vor unseremBruche wünschten Sie von demberühmtenBariton, der mit so großem Erfolg in der italienischen Oper auftrat, fingen zu lernen; ich wollte von jener Tänzerin tanzen lernen, die sich in London einen so großen Ruf erworben hat. Das kostete mich, sowohl für Sie als für mich, ungefähr 100 000 Franken. 100 000 Franken, damit der Mann und die Frau gründlich tanzen und musizieren lernen, ist nicht zuviel. Bald waren Sie des Gesanges überdrüssig, und Sie wünschten, von einem Ministerialsekretär Diplomatie zu lernen. Ich habe nichts dagegen, da Sie die Lektionen, die Sie nehmen, aus Ihrer Kassebezahlen. Doch nun sehe ich, daß es auf Rechnung der meinigen geht, und daß mich Ihr Unterricht 700 000 Franken monatlich kosten kann. Halt, meine Dame! Das geht nicht weiter. Entweder gibt der Diplomat unentgeltliche Lektionen, und ich werde ihn dulden; oder er setzt keinen Fuß mehr in mein Haus; verstehen Sie mich?

Oh! das ist zu stark, rief sie, vom Zornbeinahe erstickt. Sie überschreiten die Grenzen der Gemeinheit.

Sie haben recht; wir wollen unsere Sache ruhig und kaltbehandeln, um zum Ziele zu kommen. Wenn ich mich je in Ihre Angelegenheiten mischte, so geschah es nur zu IhremBesten, machen Sie es ebenso! Meine Kasse geht Sie nichts an, operieren Sie mit der Ihrigen, aber füllen Sie die meinige nicht, und leeren Sie sie ebensowenig. Wer weiß übrigens, obnicht diese ganze Geschichte ein politischer Messerstich ist, obnicht der Minister, wütend darüber, daß ich der Opposition angehöre, sich mit Herrn Debray verständigt hat, um mich zu Grunde zu richten?

Wie wahrscheinlich ist das!

Allerdings; wer hat je so etwas gesehen… eine falsche telegraphische Nachricht, das scheint ja unmöglich oder fast unmöglich! Es ist in der Tat ausdrücklich für mich geschehen.

Sie wissen, sagte dieBaronin, wie es scheint, nicht, daß der Telegraphenbeamte sogar fortgejagt wurde, daß man denBefehl erteilte, ihn zu verhaften, und daß dieserBefehl vollstreckt worden wäre, hätte er sich nicht der ersten Nachforschung durch Flucht entzogen, woraus sich seine Verrücktheit oder seine Schuld ergibt… Das ist ein Irrtum.

Ja, der mich 700 000 Franken kostet.

Mein Herr, sagte plötzlich Herminie, wenn diese ganze Geschichte Ihrer Ansicht nach von Herrn Debray herrührt, warum sagen Sie es mir, statt es unmittelbar ihm selbst zu sagen? Warumbeschuldigen Sie den Mann und halten sich an die Frau?

Kenne ich Herrn Debray? Will ich ihn kennen? Will ich wissen, daß er Ratschläge gibt? Will ich siebefolgen? Spiele ich? Nein, Sie tun dies alles und nicht ich!

Doch da Sie Nutzen daraus ziehen…

Danglars zuckte die Achseln und erwiderte: In der Tat, tolle Geschöpfe, diese Weiber! Sie halten sich für Genies, weil sie ein paar Intrigen so durchgeführt haben, daß nicht ganz Paris davon voll ist. Dochbedenken Sie, hätten Sie Ihre Extratouren auch Ihrem Manne verborgen, was das ABC der Kunst ist, da die Ehemänner meist gar nicht sehen wollen, so wären Sie doch nur eineblasse Kopie von dem, was die Hälfte Ihrer Freundinnen, die Frauen von Welt, tun. Das ist aber nicht mein Fall. Ich habe seit etwa sechzehn Jahren gesehen und immer gesehen, Sie konnten mir vielleicht einen Gedanken verbergen, aber nie einen Schritt, Handlung, einen Fehler. Während Sie sich selbst wegen Ihrer GeschicklichkeitBeifall spendeten und fest überzeugt waren, Sie täuschten mich, was war das Resultat? Daß infolge meiner vermeintlichen Täuschung, von Herrn von Villefort anbis zu Herrn Debray, nicht einer von Ihren Freunden nicht vor mir zitterte. Jederbehandelte mich als Herrn des Hauses; keiner wagte es, Ihnen von mir zu sagen, was ich Ihnen heute selbst sage. Ich erlaube Ihnen, mich verhaßt zu machen, aber ich werde Sie verhindern, mich lächerlich zu machen, und ich verbiete Ihnenbesonders auf dasbestimmteste und vor allein, mich zu Grunde zu richten.

Bis zu dem Augenblick, wo der Name Villefort ausgesprochen wurde, beobachtete dieBaronin eine ziemlich gute Haltung; dochbei diesem Name erbleichte sie, streckte, indem sie, wie von einer Feder geschnellt, auffuhr, ihre Arme aus, wie um eine Erscheinung zubeschwören, und machte drei Schritte gegen ihren Gatten, als wollte sie ihm das volle Geheimnis entreißen.

Herr von Villefort! Was soll dasbedeuten? Was wollen Sie damit sagen?

Das sollbedeuten, daß Herr von Nargonne, Ihr erster Mann, der weder ein Philosoph noch einBankier war und sah, daß sich aus einem Staatsanwalt kein Nutzen ziehen ließ, aus Kummer oder aus Ingrimm starb, als er Sie nach einer Abwesenheit von neun Monaten im sechsten Monat schwanger fand. Ichbin roh und unverschämt, ich weiß es nicht nur, sondern ich rühme mich dessen; es ist eines von meinen Mitteln, in Geschäftsunternehmungen Erfolg zu erzielen. Warum hat er sich selbst töten lassen, statt zu töten? Weil er keine Kasse zu retten hatte; aber ichbin mich meiner Kasse schuldig. Herr Debray, mein Associé, ist schuld, daß ich 700 000 Franken verliere! er trage seinen Teil am Verlust, und wir setzen unsere Geschäfte fort; wenn nicht, so mache er mirBankerott mit diesen 175 000 Livres, und tue dann, wasBankerottierer tun, er verschwinde! Mein Gott! ich weiß wohl, er ist ein reizenderBursche, wenn seine Nachrichten pünktlich und richtig sind; doch wenn sie dies nicht sind, so gibt es fünfzig in der Welt, die mehr Wert haben, als er.

Frau Danglars war niedergeschmettert; sie machte jedoch eine äußerste Anstrengung, um diesen letzten Angriff zu erwidern. Sie fiel in einen Lehnstuhl, denn sie dachte an Villefort, an die Szene in Auteuil, au die Unglücksfälle, die seit ein paar Tagen über ihr Haus hereingebrochen waren.

Danglars schaute sie nicht einmal an, obgleich sie alles mögliche tat, um ohnmächtig zu werden. Er öffnete die Tür des Schlafzimmers, ohne ein Wort hinzuzufügen, und kehrte in seine Wohnung zurück, so daß Frau Danglars, als sie von ihrer Halbohnmacht wieder zu sich kam, glauben konnte, sie hätte einenbösen Traum gehabt.

Heiratspläne

Am Tage nach dieser Szene machte Debray Frau Danglars keinenBesuch.

Gegen halbzwei Uhr verlangte die Dame nach ihrem Wagen und fuhr aus.

Danglars hatte, hinter dem Fenster stehend, dieses Ausfahren, das er erwartete, beobachtet. Er gabBefehl, ihn zubenachrichtigen, sobald seine Frau wiedererscheinen würde; doch um zwei Uhr war sie noch nicht zurückgekehrt.

Von Mittagbis zwei Uhr war Danglars in seinem Kabinett geblieben, wo er Depeschen entsiegelte, immer düsterer wurde, Ziffern auf Ziffern häufte, und unter anderenBesuchen auch den des Majors Cavalcanti empfing, der stets gleichblau, gleich steif und gleich pünktlich zu der am Tage vorherbezeichneten Stunde sich einfand, um seine Angelegenheit mit demBankier abzumachen.

Um zwei Uhr forderte er seine Pferde, begabsich in die Kammer, zeigte sich hier sehr aufgeregt und war herber undbitterer gegen das Ministerium, als je. Nach der Sitzung stieg er wieder in seinen Wagen undbefahl dem Kutscher, ihn nach der Avenue der Champs‑Elysées zu fahren.

Monte Christo war zu Hause, nurbefand sich jemandbei ihm, und erbat Danglars, einen Augenblick im Salon zu warten.

Während derBankier wartete, öffnete sich die Tür, und er sah einen als Abbé gekleideten Mann eintreten, der, statt zu warten wie er, ohne Zweifel vertrauter in dem Hause, ihn grüßte, in das Innere der Gemächer ging und verschwand.

Einen Augenblick nachher öffnete sich die Tür, durch die der Priester eingetreten war, abermals, und Monte Christo erschien.

Verzeihen Sie, lieberBaron, sagte er, einer meiner Freunde, der AbbéBusoni, den Sie wohlbemerkt haben, ist soeben angekommen; wir waren seit langer Zeit getrennt, und ich hatte nicht den Mut, ihn sogleich zu verlassen; ich hoffe, daß Sie mich deshalbentschuldigen.

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