Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
Nach fünfhundert Schritten hatten sie sich festgekämpft, es ging weder vorwärts noch rückwärts.
Eingekreist von den widerlichsten Kreaturen, standen sie Schulter an Schulter und mussten sich darauf beschränken, ihr Leben zu verteidigen, bis die Arme zu schwer würden, um den Attacken länger standzuhalten.
Schlimm genug war, dass sie Rodario auf den ersten zehn Schritten einbüßten; er verschwand zunächst unbemerkt zwischen den Rüstungen der Orks, und zu spät merkte Tungdil, dass der Schauspieler Opfer eines Schlages geworden war.
Damit verloren sie das notwendige Drachenfeuer, um die Esse anzufachen.
Ich bin so dicht vor meinem Ziel, Vraccas. »Wir müssen umkehren«, rief er über die Schulter. »Rodario und die letzte Fackel gingen verloren.«
Andôkai setzte zu einer Entgegnung an, als helle Flammen am Durchgang emporloderten.
»Zurück«, hörten sie eine krächzende, herrische Stimme. »Sie gehören mir.«
Die Bestien verstummten abrupt; sie stoben augenblicklich auseinander und bildeten eine Gasse, um Platz zu schaffen. Tungdil erkannte die feiste Gestalt in der malachitfarbenen Robe wieder, die sich nach vorne schob, und der letzte Hauch Hoffnung, der sich mit zwergischem Trotz gehalten hatte, verflüchtigte sich.
»Nôd’onn«, ging das Raunen ehrfürchtig durch die Reihen der Ungeheuer, die gebannt auf ihn starrten. Einige verneigten sich oder fielen vor ihm auf die Knie.
»Ich dachte mir, dass ich euch bei der Esse antreffe«, begrüßte er sie schnarrend und musste husten. Ein hellroter Speichelklumpen klatschte dem nächsten Bogglin ins Gesicht, der ihn freudig ableckte. »Daher sandte ich meine Diener, um euch aufzulauern.« Schritt für Schritt kam er auf sie zu. »Das Vergnügen, euch eigenhändig zu vernichten, wollte ich mir nicht entgehen lassen.«
Ein Ork sprang diensteilig vor, riss sein Schwert heraus. »Ich tue es für dich, Herr!«, quiekte er.
»Unwürdiger!« Der Magus reckte seine Hand; es blitzte kurz auf, und ein Flammenstrahl traf den Ork, der sofort brannte und blind umhertaumelte, bis er ohnmächtig vor Schmerzen auf den Steinboden fiel. »Weichet!«, befahl er wieder. »Macht Platz, damit ich sie mit meinen Kräften vernichten kann, ohne euch zu schaden.« Das bleiche Gesicht war unter der Kapuze, die er trug, nur mehr als heller Fleck zu erkennen.
»Ich werde es versuchen«, flüsterte Andôkai Tungdil zu. »Ihr lauft los.« Sie wischte sich die blonden Haare aus dem herben Antlitz, packte ihr Schwert und setzte zu einem Sprung an, hielt aber inne.
Tungdil bemerkte ihr Zögern. »Was ist?«
Sie wirkte irritiert. »Er hat seinen Stab nicht dabei. Der echte Nôd’onn würde seinen Stab niemals ablegen, so wenig wie ich mein Schwert anderen überließe. Es ist eine Täuschung...«
»Bei allen Göttern! Es ist Rodario!«, raunte ihr Furgas zu und bemühte sich, nicht zu glücklich zu wirken und die Maskerade des Freundes zu verraten. »Was immer er auch von uns verlangt, wir müssen sein Spiel mitspielen.«
Der Zwerg machte große Augen. Die Verwandlung in den Verräter gelang dem Mann ebenso vollendet wie damals im Theater, doch dieses Mal stand er vor einem Publikum, das ihn aufspießen würde, wenn sein Können zu gering wäre. Wie hat er das geschafft?
»Und ihr«, wandte er sich krächzend an sie, »werdet leiden. Ich gewähre euch die Gnade, bis ans Tor der Schmiede zu gehen und das ersehnte Portal zu berühren, ehe ihr in tausende kleiner Stücke zerrissen werdet! Ist das nicht grausam?!«, rief er laut, und die Bestien um ihn herum brüllten ihre Zustimmung.
Die Masse teilte sich hinter der Gruppe und gewährte ihnen einen schmalen Korridor, der bis zum verschlossenen Einlass führte. Der verkleidete Rodario folgte ihnen schwankend, hustete und krächzte die wüstesten Drohungen, die mit frenetischem Gekreisch seiner Rotte begrüßt wurden.
Sie waren zehn Schritt von dem Eingang entfernt, als der Schauspieler noch stärker taumelte und nach vorn stürzte.
»Bleibt«, hielt Tungdil Narmora und Furgas zurück, die ihm aufhelfen wollten. »Das würde ihn und uns verraten.«
Mühsam stemmte er sich auf. Ein Helm rollte unter seinem Fuß hervor, und das linke Bein erschien plötzlich ein gutes Stück kürzer. Die behelfsmäßige Stelze, die dazu gedient hatte, die Größe des wahren Magus nachzuahmen, war dahin und der Schwindel aufgeflogen. Dennoch benötigten die Kreaturen eine Zeit lang, bis sie die Zusammenhänge erfassten.
»Das ist nicht der Herr!«, belferte ein Ork und sprang mit erhobener Waffe vor. Rodario humpelte in die Reihen seiner Freunde zurück, das Gefecht begann von neuem.
»Wo ist die Fackel?«, wollte Tungdil wissen.
Der Schauspieler hielt sich die Seite und spuckte erneut Blut, das von einer echten Verletzung und nicht von einem Farbstoff stammte. Mit einem verzerrten Grinsen hielt er eine kleine Sturmlampe hoch, deren Docht glomm. »Das war besser. Nôd’onn hätte mit einer Fackel dämlich ausgesehen.«
Sie schlugen und fochten sich mit neuem Mut bis zum Portal durch, während die Orks die kleineren Wesen nach hinten scheuchten und einen brachialen Angriff unternahmen. Dieses Mal sollten die Menschen und Zwerge nicht mehr zu retten sein.
Nacheinander wurden sie von den Beilen, Schwertern und Äxten getroffen, die kleinere und größere Wunden schlugen, doch eisern hielten die Zwerge ihre Position. Tungdil bemühte sich, die Runen zu entziffern, die ihnen Einlass verschaffen sollten. Dieses Mal aber versagte sein Wissen.
»Ich verstehe sie nicht«, rief er Andôkai verzweifelt zu. »Es muss ein Rätsel sein.«
»Wie ungelegen«, meinte Rodario gepresst. Er lehnte sich gegen das Tor, weil die Beine ihn nicht mehr tragen wollten. »Nun, mein Verlust wird euch nicht allzu sehr schmerzen. Aber das Geborgene Land, das sei noch angemerkt, verliert einen formidablen Mimen«, ächzte er und schloss die Augen. Sein Körper erschlaffte und sank auf die Sturmlampe; der Docht drohte zu ersticken.
»Nein«, wisperte Gandogar, der den Tod des Schauspielers aus dem Augenwinkel verfolgte. »Die Flamme! Sie darf nicht verlöschen!« Er wandte sich um und versuchte sie zu retten, als sich ein gewaltiger Ork in die Bresche schob und brüllend sein gezacktes Schwert gegen den Rücken des abgelenkten Zwerges schwang.
»Mein König!«, schrie Goїmgar warnend, aber erkannte, dass es seinem Herrscher nichts mehr nützen würde. Kurzerhand warf er sich in den Schlag, den Schild nach vorn gereckt und den Kopf eingezogen.
Die Schneide traf singend auf den Rand des Schildes. Die Wucht des Treffers drückte ihn nach unten, sodass der Zwerg bis zum Hals sichtbar wurde.
Der Ork schnaubte ihm seinen stinkenden Atem entgegen, dass sein Bart wehte, und zeigte ihm die gewaltigen Hauer. Dann zog er die lange Klinge von rechts nach links und nutzte die Schildkante als Führungslinie.
Goїmgar hielt ihm sein Kurzschwert entgegen. Klirrend zerbrach sein Eisen unter der Kraft des Angreifers, und im nächsten Augenblick glitt die Schneide durch Haut, Sehnen, Muskeln und Wirbel.
Goїmgars abgetrennter Schädel fiel nach rechts, sein zuckender Torso stürzte nach links gegen Balyndis, die vor Wut aufschrie und umso wilder kämpfte.
Gandogar drehte sich um und sah Goїmgar für ihn sterben. Als der Kopf des Toten auf den Boden schlug, erlosch die Lampe, ein dünner Rauchfaden kräuselte zur Hallendecke hinauf. »Zu Tion mit dir!« Gandogar spaltete den Mörder Goїmgars vom Kopf bis zum Nabel.
Der Tod der beiden Gefährten und das Verlöschen des Drachenfeuers lähmten die Arme der Übriggebliebenen, ihre Gegenwehr wurde schwächer und schwächer.
»Hast du uns so weit kommen lassen, um uns zu vernichten, Vraccas?«, rief Tungdil anklagend, während er einem Ork seine Axt in den geöffneten Rachen schlug.