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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Aber wo sind die ganzen Viecher?« Boїndil wirbelte kampflustig mit den Beilen.

»Am Steinernen Torweg vermutlich«, schätzte Tungdil, der sich an die Karte in einem der vielen Bücher aus Lot-Ionans Bibliothek erinnerte. »Wir können froh sein, dass sie dort sind.« Er wandte sich dem Eingang zu. »Gehen wir die Esse Drachenbrodem entfachen.«

Seinen ersten Schritt machte er mit Bedacht, mit Ehrfurcht, Zaudern und einer gehörigen Portion Regung in seiner Brust. Das Reich der Fünften wurde zum ersten Mal wieder von einem lebendigen Zwerg betreten.

Rodario und Furgas entzündeten Lampen, und das rotgelbe Licht erweckte das Leben im Gebirge neu. Der Schein, den die Wände zurückwarfen, blendete sie, sodass sie schnell die Leuchtkraft verringerten.

Sie standen in einem Gang, dessen Wände mit poliertem und gehärtetem Palandium verkleidet worden war. Tausend Zyklen in Einsamkeit hatten dem weißen Metall nichts von seinem Glanz geraubt. In die Platten waren Bildnisse der Könige getrieben worden; die bärtigen Gesichter der Zwergenherrscher schauten freundlich auf sie herab und hoben ihre aus rotgelbem Vraccasium gegossenen Äxte zum Gruß.

»Welch ein Reichtum«, raunte Rodario.

Ergriffen sanken die Zwerge auf die Knie und beteten zu Vraccas. Selbst Bavragor konnte sich trotz seiner Veränderung der Wirkung nicht entziehen. Sein Gebet gelang ihm nur mit größter Konzentration, das Böse in ihm versuchte, seinen Willen, seine Gedanken, seine Überzeugung zu brechen und stattdessen die Kontrolle zu übernehmen, doch mit der Beharrlichkeit des zwergischen Verstands, der viel gerühmten Dickköpfigkeit, hatte es nicht gerechnet.

Die Menschen, Andôkai und Djerůn warteten geduldig.

Tungdil erhob sich und atmete ein. Der Gang roch alt, staubig, ehrwürdig, die Horden von Orks und anderen Bestien hatten ihm nichts nehmen können. »Wir müssen uns umsehen, um den Weg zum Feuersee zu finden«, erklärte er und setzte sich in Bewegung. Boїndil lief an seiner Seite.

Staub wirbelte zu ihren Füßen auf, gelegentlich huschte ein kleines Tier vor ihnen davon, hier und da lagen Knochenstücke, Reste von Kettenhemden und Schilden am Boden.

Schweigend legten sie die Strecke bis zu einem aus den Angeln geschlagenen Tor zurück, das sie in eine säulengetragene Halle führte. Sie war fünfeckig aus dem Stein getrieben worden und enorm groß; fünfzehn Ausgänge gingen von hier aus ab, und die Hinweistafeln lagen zerschlagen am Boden.

»Das nenne ich einmal eine Auswahl«, meinte Rodario unglücklich. »Leider haben wir es eilig und nicht den ganzen Tag, um wie die Mäuse herumzurennen und den richtigen Durchgang zu suchen.«

»Wir sollten den Gang wählen, in dem wir die wenigsten Fußspuren finden«, schlug Tungdil vor. »Die Orks werden kaum ständig zum Feuersee gehen. Da gibt es für sie nichts von Bedeutung.«

»Guter Einfall«, nickte Ingrimmsch und machte sich gleich daran, die vielen Gänge zu untersuchen. Narmora, Djerůn und Andôkai unterstützten ihn dabei. Währenddessen wagten es die anderen, sich einen geschützten Platz in der Halle zu suchen und sich auszuruhen.

Rodario schrieb sich einige Dinge auf, ehe er sich mit Furgas das Essen teilte. Bavragor stand einfach nur da, die Augen blickten teilnahmslos geradeaus. Goїmgar versteckte sich halb hinter seinem Schild, kaute auf getrocknetem Würzfleisch herum und achtete sorgsam auf die Umgebung. Die vielen Ausgänge, die in die Halle mündeten, waren ihm nicht geheuer.

»Ich möchte wetten, er macht sich Gedanken darüber, was mit Gandogar geschehen ist«, sagte Balyndis leise zu Tungdil.

»Da ist er nicht der Einzige«, gab er nachdenklich zurück. »Wir haben unterwegs nichts von einer zweiten Zwergengruppe gehört, und bei deinem Stamm ist er ebenfalls nicht aufgetaucht. Ich hoffe, dass ihm nichts zugestoßen ist.« Seine Besorgnis war echt; müde schloss er die Augen, nur um sie mit einem Ruck wieder zu öffnen. Er knöpfte den Pelzmantel auf. Im Stollen war es lange nicht so kalt wie im Freien, und die Wärme machte ihn noch müder.

»Nein, schlaf ruhig«, beruhigte ihn die Zwergin. »Ich halte Wache und wecke dich, falls sie etwas gefunden haben.«

»Ich bin der Anführer, ich dürfte nicht schlafen.«

»Unausgeschlafene Anführer begehen Fehler«, hielt sie energisch dagegen und drückte ihn an den Schultern nach hinten, bis er sich sträubend umsank. »So, nun liegst du. Schlaf und träume von der Rettung unserer Heimat.« Balyndis lächelte ihm zu, wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wandte sich der Halle zu.

Sie saß dicht neben ihm, eine Hand auf den Griff ihrer Axt gestützt, und blickte wachsam umher. Sie war das Abbild einer Kriegerin.

*

»Der Weg muss es sein.« Boїndil hatte seine Wahl getroffen und war, was niemanden verwunderte, nicht mehr davon abzubringen.

»Fangen wir einfach mit ihm an«, sagte Tungdil und gab das Zeichen zum Aufbruch. »Solltest du falsch liegen, probieren wir den aus, den Andôkai vorschlug.«

Die Zeit der Ruhe war vorüber, sie hatten sich alle einen kurzen Schlaf gegönnt, um für den Kampf gegen das Drachenweibchen ausgeruht zu sein.

»Sie heißt Argamas und ist das Weib des großen Drachen Branbausíl, der im Grauen Gebirge lebte«, erklärte Tungdil Balyndis. »Die Fünften nahmen seine weißen Flammen und entzündeten damit ihre Esse, ehe sie ihn töteten und seinen Hort eroberten. Argamas flüchtete in den Feuersee...«

»... und kam nie wieder zum Vorschein«, ergänzte Goїmgar erleichtert. »Um ehrlich zu sein, ich wäre froh, wenn die Geschuppte in dem See bliebe. Unsere Strategie klingt mir nicht so, als könnten wir damit Erfolg haben. Drachenschuppen sind hart wie Stahl.«

»Alles, was wir benötigen, ist ihr Feuer, nicht ihr Leben«, sagte Andôkai, die sich wenig sorgte. »Gerade du müsstest dich darüber freuen.«

»Und ich bedauere es, dass wir dem Viech nicht den Garaus machen. Etwas Größeres zu erlegen wird im Geborgenen Land schwer möglich sein«, meinte Ingrimmsch beleidigt, weil ihn keiner verstehen wollte. »Drachen! Wo gibt es sie heute denn noch? Da müsste man doch jede Gelegenheit nutzen, die sich einem Beil bietet, oder?«

»Nein, die ehrenwerte Maga spricht wahr«, leistete Rodario ihr Beistand.

»Dass du nicht der Mutigste sein kannst, ist mir klar«, wehrte ihn Boїndil ab. »Aber, Balyndis, wie sieht es mit dir aus? Lass uns den Drachen...«

»Sei still«, verlangte Tungdil. Er roch Schwefel, die Luft im Gang erwärmte sich. Nach unzähligen Treppenstufen abwärts und zahlreichen Röhren näherten sie sich ihrem Ziel. »Keinen Ton mehr, bis wir uns umgeschaut haben. Ich will Argamas nicht früher als notwendig bei ihrem Bad in der Lava stören.«

Der schmächtige Goїmgar klammerte sich an den Griff seines Schildes. »Mir kam der Gedanke, dass wir sie bitten könnten, uns zu helfen. Drachen sind schlau, und vielleicht ist sie einsichtig.«

Ingrimmsch schaute ihn vorwurfsvoll an. »Du willst mir das letzte bisschen Spaß auch noch nehmen, indem du sie anbettelst, uns das Feuer freiwillig zu geben?«, schnaubte er. »Niemals, hörst du!?«

»Zwerge haben ihren Gatten getötet. Was glaubst du, wie ihre Hilfsbereitschaft aussehen würde?«, meinte Tungdil. »Wir möchten nicht, dass einer von uns stirbt, deshalb wird es vollkommen ausreichen, wenn wir sie nur zum Feuerspeien bringen, um uns etwas davon zu nehmen.« Er klopfte auf die mitgeführte Fackel.

»Schlimm genug«, grummelte Boїndil. »Nun vermiest man mir auch noch diese Herausforderung.«

Sie verließen den Gang und wurden in dunkles, gelbliches Licht getaucht. Es roch nach faulen Eiern, das Luftholen gelang nur mit Mühe und verursachte ein Stechen, doch der Anblick entschädigte sie für die Unannehmlichkeiten.

Eine Hitzewelle schlug ihnen vom Ufer des Sees entgegen, dessen flüssige Lava unaufhörlich brodelte, blubberte und Blasen an der Oberfläche warf. Mal blähten sie sich weit auf, ehe sie barsten und ihre glühenden Tropfen verspritzten, mal vergingen sie einfach und sanken in sich zusammen.

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