In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Min, früher oder später muss ich sterben«, sagte er geduldig. Das hatten ihm jene gesagt, denen er glauben musste. Wenn du leben willst, musst du sterben. Für ihn ergab das noch immer keinen Sinn, aber es stellte eine unverrückbare Tatsache dar. Er musste sterben, genau wie es scheinbar in den Prophezeiungen des Drachen stand. »Ich hoffe, es wird nicht bald sein. Jedenfalls will ich das nicht. Es tut mir Leid, Min. Ich hätte niemals zulassen dürfen, dass du mit mir den Bund eingehst.« Aber er war nicht stark genug gewesen, es ihnen abzuschlagen, genauso wenig wie er stark genug gewesen war, um sie von sich zu stoßen. Er war zu schwach, um das zu tun, was getan werden musste. Er musste im Winter trinken, bis das Herz des Winters wie der Mittag eines Sonnentags aussah.
»Hättest du dich geweigert, hätten wir dich gefesselt und es trotzdem getan.« Er kam zu dem Schluss, dass es besser war, sie nicht zu fragen, wie sich das von dem unterschieden hätte, was Alanna getan hatte. Sie sah darin auf jeden Fall einen Unterschied. Sie kniete sich aufs Bett und nahm sein Gesicht in beide Hände. »Rand al'Thor, du wirst mir jetzt zuhören. Ich lasse dich nicht sterben. Und wenn du es trotzdem schaffst, nur um mir eins auszuwischen, folge ich dir und hole dich zurück.« Plötzlich schob sich starke Belustigung durch den Ernst, den er in seinem Kopf fühlte. Ihre Stimme nahm eine spöttische Strenge an. »Und dann bringe ich dich an diesen Ort, um hier zu leben. Ich werde dich zwingen, dir das Haar bis zur Taille wachsen zu lassen und Haarspangen mit Mondsteinen zu tragen.«
Er lächelte sie an. Sie konnte ihn noch immer zum Lächeln bringen. »Ich habe noch nie von einem Schicksal gehört, das schlimmer als der Tod ist, aber ich glaube, das könnte es durchaus sein.«
Jemand klopfte an der Tür und Min erstarrte. In einer stummen Frage formten ihre Lippen Alannas Namen. Rand nickte und zu seiner Überraschung stieß ihn Min auf die Kissen und warf sich auf seine Brust. Sie wand sich und hob dann den Kopf, und ihm wurde klar, dass sie versuchte, ihr Bild in dem Spiegel über dem Waschtisch zu sehen. Endlich fand sie eine Position, die ihr gefiel; sie lag halb auf ihm drauf, eine Hand in seinem Nacken und die andere neben ihrem Gesicht auf seiner Brust. »Herein«, rief sie.
Cadsuane betrat den Raum und blieb stehen, ihr Blick richtete sich auf das Messer, das im Boden steckte. Mit dem Gewand aus feinem dunkelgrünen Tuch und dem von einer Silberbrosche gehaltenen pelzbesetzten Umhang hätte sie durchaus als erfolgreiche Kauffrau oder Geldverleiherin durchgehen können, obwohl die goldenen Vögel, Fische, Sterne und Monde, die von dem eisengrauen Haarknoten auf ihrem Kopf baumelten, für beide zu protzig gewesen wäre. Sie trug ihren Großen Schlangenring nicht, was vermuten ließ, dass sie sich bemühte, nicht zu viel Aufsehen zu erregen. »Habt ihr Kinder euch gestritten?«, fragte sie nachsichtig.
Rand konnte beinahe spüren, wie Lews Therin ganz still wurde, so wie eine Bergkatze, die sich in den Schatten duckte. Lews Therin hütete sich vor dieser Frau fast genauso sehr wie er auch.
Min kämpfte sich mit knallrotem Gesicht auf die Füße und glättete wütend die Röcke. »Du hast gesagt, sie wäre es!«, sagte sie anklagend in dem Augenblick, in dem Alanna eintrat. Cadsuane schloss die Tür.
Alanna warf Min einen Blick zu und tat sie als unwichtig ab, während sie sich auf Rand konzentrierte. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, nahm sie den Umhang ab und warf ihn über einen der beiden Stuhle, die es in dem Raum gab. Ihre Hände legten sich auf die dunkelgrauen Röcke und verkraUten sich in dem Stoff. Auch sie trug keinen Aes Sedai-Ring. Von dem Augenblick an, in dem ihr Blick auf ihn fiel, strömte Freude durch ihren Bund. Der Rest war immer noch da, die Nervosität und der Zorn, aber dass sie Freude empfand, damit hätte er nie gerechnet!
Er blieb liegen, wo er war, ergriff die Flöte und spielte damit. »Sollte ich überrascht sein, Euch zu sehen, Cadsuane? Ihr taucht viel zu oft dort auf, wo ich Euch nicht sehen will. Wer hat Euch das Schnelle Reisen beigebracht?« Es konnte nur das gewesen sein. Im einen Augenblick war Alanna ein vager Gedanke an der Schwelle seines Bewusstseins gewesen, im nächsten erblühte sie in seinem Kopf zu voller Stärke auf. Zuerst hatte er gedacht, sie hätte das Schnelle Reisen gelernt, aber als er jetzt Cadsuane sah, wusste er es besser.
Alanna presste die Lippen aufeinander und selbst Min sah missbilligend aus. Die Gefühle, die von der einen durch den Behüterbund flössen, waren sprunghaft; bei der anderen war es jetzt nur noch Wut, in die sich Entzücken mischte. Warum verspürte Alanna Freude?
»Wie ich sehe, habt Ihr noch immer keine besseren Manieren als eine Ziege«, sagte Cadsuane trocken. »Mein Junge, ich glaube kaum, dass ich Eure Erlaubnis brauche, um meinem Geburtsort einen Besuch abzustatten. Und was das Schnelle Reisen anbelangt, es geht Euch nichts an, was ich wo gelernt habe.« Sie löste den Umhang, steckte die Brosche in ihren Gürtel, wo sie schnell bei der Hand war, und legte ihn sich über den Arm, und zwar auf eine Weise, als wäre er viel wichtiger als Rand. Ihre Stimme nahm einen gereizten Unterton an. »Auf die eine oder andere Weise habt Ihr mir eine Menge Reisegefährten aufgehalst. Alanna war so begierig, Euch wiederzusehen, nur ein Herz aus Stein hätte sich weigern können, sie nicht mitzunehmen, und Sorilea hat gesagt, dass einige der anderen, die Euch den Treueid geleistet haben, zu nichts zu gebrauchen seien, bis man ihnen erlauben würde, Alanna zu begleiten, also habe ich Nesune, Sarene, Erian, Beldeine und Elza auch mitgebracht. Ganz zu schweigen von Harine und ihrer Schwester und ihrem Schwertmeister. Sie wusste nicht, ob sie in Ohnmacht fallen, schreien oder jemanden beißen sollte, als sie herausfand, dass Alanna Euch suchen wollte. Und dann sind da noch drei von Euren schwarzbemäntelten Freunden. Ich weiß nicht, wie dringend sie Euch sehen wollen, aber sie sind auch hier. Nun, jetzt, da wir Euch gefunden haben, kann ich Euch ja die Meervolkfrauen und die Schwestern schicken, damit Ihr Euch um sie kümmert.«
Rand sprang mit einem unterdrückten Fluch auf die Beine. »Nein! Haltet sie von mir fern!«
Cadsuanes dunkle Augen wurden schmal. »Ich habe Euch schon einmal wegen Eurer Ausdrucksweise ermahnt; ich werde es nicht noch einmal tun.« Sie sah ihn noch einen Augenblick lang stirnrunzelnd an, dann nickte sie, als würde sie glauben, dass er sich die Lektion zu Herzen nehme. »Nun, was bringt Euch auf die Idee, Ihr könntet mir sagen, was ich zu tun habe, mein Junge?«
Rand kämpfte mit sich. Er konnte hier keine Befehle geben. Er hatte Cadsuane noch nie irgendwo etwas befehlen können. Min behauptete, dass er die Frau brauchte, dass sie ihm etwas beibringen würde, das er lernen musste, aber wenn überhaupt machte ihn das nur noch misstrauischer, was ihre Person betraf. »Ich will meine Angelegenheiten hier zu Ende bringen und in aller Ruhe abreisen«, sagte er schließlich. »Wenn Ihr ihnen schon Bescheid sagt, dann sorgt wenigstens dafür, dass sie verstehen, warum ich es mir nicht leisten kann, dass sie sich in meiner Nähe aufhalten, ehe ich zur Abreise bereit bin.« Die Frau sah ihn mit hochgezogener Augenbraue erwartungsvoll an, und er holte tief Luft. Warum musste sie immer alles so schwierig machen? »Ich würde es zu schätzen wissen, wenn Ihr keiner von ihnen verratet, wo ich bin.« Dann fügte er zögernd, sehr zögernd hinzu: »Bitte.« Min atmete aus, als hätte sie die Luft angehalten.
»Gut«, sagte Cadsuane nach einem Augenblick. »Ihr habt Manieren, wenn Ihr es nur versucht, selbst wenn es Euch aussehen lässt, als hättet Ihr Zahnschmerzen. Ich schätze, ich kann für den Moment Euer Geheimnis bewahren. Nicht alle von ihnen wissen, dass Ihr in der Stadt seid. Ach ja. Ich sollte Euch sagen, dass Merise mit Narishma den Behüterbund eingegangen ist. Corele hat Damer und der junge Hopwil gehört zu Daigian.« Sie sagte es, als wäre es eine Nebensächlichkeit, die sie leicht hätte vergessen können.