In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Bei einer Frau wären sie rot, nicht schwarz«, sagte Kumira beinahe flüsternd. Sie stand noch immer ein Stück vom Geländer entfernt, aber sie hielt sich mit beiden Händen daran fest und beugte sich vor, um alles sehen zu können. »Es warnt und lokalisiert und verteidigt. Und was sonst noch? Die Frauen, die es geschaffen haben, würden mehr gewollt haben, vielleicht haben sie sogar noch ganz andere Dinge benötigt. Nicht zu wissen, was es sonst noch vermag, könnte schrecklich gefährlich sein.« Sie klang nicht ängstlich. Sie klang aufgeregt.
»Ich schätze, es ist ein Asha'man«, sagte Aleis ruhig und löste den Blick von Cadsuane. »Sie können uns nicht belästigen. Sie dürfen die Stadt betreten, so lange sie sich an die Gesetze halten.« So beherrscht sie auch war, einige der hinter ihr stehenden Frauen tuschelten wie frisch gebackene Decksmädchen, die zum ersten Mal unter Küstengebundenen waren. »Vergebt mir, Aes Sedai. Far Madding heißt Euch willkommen. Ich fürchte, ich kenne Euren Namen nicht.«
Verin starrte noch immer auf den Boden der Kuppel. Shalon warf einen erneuten Blick über das Geländer und blinzelte, als sich die schwarzen Keile veränderten. Im einen Augenblick waren sie schwarz und wiesen nach Norden, im nächsten waren sie wieder glasklar und zeigten auf die Mitte des Labyrinths. Sie drehten sich nicht; zuerst waren sie das eine, dann das andere.
»Ihr dürft mich Eadwina nennen«, sagte Verin. Shalon konnte kaum ihre Überraschung verbergen. Kumira blinzelte nicht einmal. »Denkt Ihr an die Geschichte, Erste Ratsherrin?«, fuhr Verin fort, ohne aufzusehen. »Guaire Amalasans Belagerung von Far Madding dauerte drei Wochen. Am Ende war es eine üble Sache.«
»Ich bezweifle, dass sie etwas über ihn hören wollen«, sagte Cadsuane scharf, und aus irgendeinem Grund sah mehr als nur eine Ratsherrin unbehaglich aus. Wer, beim Licht, war dieser Guaire Amalasan? Der Name schien vage vertraut, aber Shalon konnte ihn nicht unterbringen. Offensichtlich ein küstengebundener Eroberer.
Aleis sah Cadsuane an und ihre Lippen wurden schmal. »Die Geschichte betrachtet Guaire Amalasan als einen bemerkenswerten General, Eadwina Sedai, der vielleicht gleich nach Artur Falkenflügel kommt. Wie kommt Ihr auf ihn?«
Shalon war noch nie Zeugin geworden, dass eine der Aes Sedai aus Cadsuanes Gefolge ihre beiläufigen Warnungen nicht genauso schnell befolgte wie ihre Befehle, aber Verin ignorierte sie dieses Mal. Sie schaute nicht auf. »Ich dachte nur daran, dass er die Macht nicht benutzen konnte, und doch zerquetschte er Far Madding wie eine überreife Pflaume.« Die stämmige kleine Aes Sedai verstummte, als wäre ihr gerade etwas in den Sinn gekommen. »Wie Ihr wisst, hat der Wiedergeborene Drache Heere in Illian, Tear, Andor und Cairhien. Ganz zu schweigen von den vielen Zehntausenden von Aiel. Sehr wild, diese Aiel. Ich frage mich, wie Ihr es so ruhig aufnehmen könnt, dass seine Asha'man Euch ausspionieren.«
»Ich glaube, Ihr habt ihnen genug Angst eingejagt«, sagte Cadsuane energisch.
Verin wandte sich mit weit aufgerissenen Augen von dem vergoldeten Geländer ab, ein runder, überraschter Küstenvogel. Sogar ihre pummeligen Hände flatterten wie Flügel. »Oh. Ich wollte nicht... O nein. Der Wiedergeborene Drache wäre sicherlich schon längst gegen Euch marschiert, wenn er das im Sinn hätte. Nein, ich nehme an, die Seanchaner ... Ihr habt von ihnen gehört? Was wir aus Altara und weiter westlich hören, ist überaus schrecklich. Sie scheinen alles vor sich herzutreiben. Nein, ich nehme an, dass sie für seine Pläne viel wichtiger sind als die Eroberung Far Maddings. Es sei denn, natürlich, Ihr tut etwas, um ihn zu verärgern oder seine Anhänger aufzuscheuchen. Aber ich bin sicher, Ihr seid viel zu intelligent, um dies zu tun.« Sie sah sehr unschuldig aus. In die Ratsherrinnen kam Bewegung, Wellen, die kleine Fische an der Oberfläche machten, wenn unter ihnen ein Löwenfisch vorbeischwamm.
Cadsuane seufzte, ihre Geduld war nun sichtlich erschöpft. »Falls Ihr über den Wiedergeborenen Drachen diskutieren wollt, Eadwina, dann müsst Ihr das ohne mich tun. Ich will mir das Gesicht waschen und einen Schluck heißen Tee trinken.«
Die Erste Ratsherrin zuckte zusammen, als hätte sie Cadsuanes Anwesenheit völlig vergessen, so unmöglich das auch erschien. »Ja. Ja, natürlich. Cumere, Narvais, würdet Ihr bitte die Herrin der Wogen und Cadsuane Sedai in meinen... Palast begleiten und es ihnen dort bequem machen?« Die kleine Pause war das einzige Zeichen des Unbehagens, das sie sich bei dem Gedanken, Cadsuane in ihrem Haus zu haben, anmerken ließ. »Ich möchte mich noch mit Eadwina Sedai unterhalten, falls ihr das nichts ausmacht.« Von den meisten Ratsherrinnen gefolgt, rauschte Aleis die Galerie entlang. Verin sah plötzlich alarmiert und unsicher aus, als sie sie bei den Armen nahmen und sie förmlich mit sich schleiften. Shalon glaubte die Überraschung oder das Unbehagen genauso wenig wie die zuvor zur Schau gestellte Unschuld. Sie glaubte jetzt zu wissen, wo Jahar war. Sie wusste nur nicht, warum.
Die Frauen, die Aleis angesprochen hatte — die hübsche, die Cadsuane mit dem Stirnrunzeln bedacht hatte, und eine schlanke grauhaarige Frau —, f assten die Bitte der Ersten Ratsherrin als Befehl auf, was es vermutlich auch gewesen war. Sie breiteten die Roben aus, machten eine halbe Verbeugung und fragten Harine, ob sie die Güte hätte, sie zu begleiten, und verkündeten in blumigen Redewendungen ihre Freude, sie begleiten zu dürfen. Harine hörte mit mürrischem Gesicht zu. Sie hätten vor ihr Rosenblätter ausstreuen können, aber die Erste Ratsherrin hatte sie ihren Untergebenen überlassen. Shalon fragte sich, ob es wohl eine Möglichkeit gab, ihrer Schwester aus dem Weg zu gehen, bis sie sich wieder beruhigt harte.
Cadsuane sah nicht zu, wie Verin mit Aleis ging, zumindest nicht offen, aber ihr Mund verzog sich zu einem flüchtigen Lächeln, als sie im nächsten Torbogen der Galerie verschwanden. »Cumere und Narvais«, sagte sie unvermittelt. »Ihr seid doch bestimmt Cumere Powys und Narvais Maslin? Ich habe von Euch gehört.« Das riss ihre Aufmerksamkeit von Harine. »Es gibt Maßstäbe, die jede Ratsherrin erfüllen sollte«, fuhr Cadsuane in strengem Tonfall fort, nahm jede von ihnen am Ärmel und drehte sie rechts und links von sich zur Treppe. Die beiden tauschten besorgte Blicke und ließen sie gewähren; Harine hatten sie anscheinend völlig vergessen. An dem Durchgang blieb Cadsuane noch einmal stehen, um zurückzusehen, aber weder zu Harine noch zu Shalon. »Kumira? Kumira!«
Die Aes Sedai zuckte zusammen und riss sich mit einem letzten, sehnsuchtsvollen Blick über das Geländer los, um Cadsuane zu folgen. Was Harine und Shalon keine andere Wahl ließ, als sich ihr ebenfalls anzuschließen, wollten sie nicht zurückgelassen werden und selbst den Weg finden. Shalon schoss hinter den anderen her und Harine war nicht weniger schnell. Cadsuane hielt die Ratsherrinnen fest, führte den Weg die Wendeltreppe hinunter an und sprach leise auf sie ein. Da sich Kumira zwischen ihr und den dreien befand, konnte Shalon kein Wort verstehen. Cumere und Narvais versuchten zu sprechen, aber Cadsuane gestattete keiner von ihnen mehr als ein paar Worte, bevor sie erneut loslegte. Sie schien ganz ruhig und nüchtern zu sein. Ihre Begleiterinnen machten langsam einen nervösen Eindruck. Was, beim Licht, hatte Cadsuane nur vor?
»Macht Euch dieser Ort zu schaffen?«, fragte Harine plötzlich.
»Es ist, als hätte ich meine Augen verloren.« Die Wahrheit dieser Worte ließ Shalon erbeben. »Ich fürchte mich, Herrin der Wogen, aber so lange es das Licht will, kann ich meine Furcht kontrollieren.« Licht, sie hoffte es zumindest. Sie musste es schaffen.
Harine nickte und warf den vor ihr gehenden Frauen stirnrunzelnd einen Blick zu. »Ich weiß nicht, ob es in Aleis' Palast eine Badewanne gibt, die groß genug für uns ist, dass wir zusammen baden können, und ich bezweifle, dass sie mit Honig gesüßten Wein haben, aber wir werden schon etwas für uns finden.« Sie wandte den Blick von Cadsuane und den anderen und berührte unbeholfen Shalons Arm. »Als Kind habe ich mich vor der Dunkelheit gefürchtet, und du hast mich nie allein gelassen, bis die Angst weg war. Ich werde dich auch nicht allein lassen, Shalon.«