In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Das leise Geräusch von Halbschuhen verkündete die Ankunft neuer Personen auf der Galerie, die durch die gleiche Türöffnung kamen, die sie benutzt hatten. Es handelte sich um ein Dutzend lächelnder Frauen mit hoch gestecktem Haar und wehenden blauen Seidenroben, die reich mit goldenen Stickereien versehen waren und hinter ihnen über den Boden schleiften. Sie trugen sie wie ärmellose Mäntel über den Gewändern. Diese Leute wussten, wie man seinen Rang zur Schau stellte. Jede der Frauen hatte einen großen Anhänger in der Form jenes goldgesäumten roten Ovals, der an einer Kette aus schweren goldenen Gliedern baumelte; das gleiche Emblem wiederholte sich an der Vorderseite eines schmalen Diadems aus Gold. Bei einer der Frauen bestanden die roten Ovale aus Rubinen statt Emaille, und der Goldreif über ihren Brauen lag beinahe unter Saphiren und Mondsteinen verborgen; am rechten Zeigefinger trug sie einen schweren goldenen Siegelring. Sie war hoch gewachsen und erhaben, das schwarze Haar war hoch gesteckt und zu einer Kugel geformt; obwohl ihr Haar großzügig von weißen Strähnen durchsetzt war, war ihr Gesicht faltenfrei. Die anderen Frauen waren groß, klein, stämmig, dünn, hübsch und unscheinbar; keine von ihnen war jung, aber jede strahlte Autorität aus. Doch sie hob sich durch mehr als ihre Edelsteine von ihnen ab. In ihren großen dunklen Augen lagen Leidenschaft und Weisheit, und von ihr ging mehr als nur Autorität aus; hier war jemand, der zu befehlen gewohnt war. Man brauchte Shalon nicht sagen, dass das die Erste Ratsherrin war, aber die Frau verkündete es trotzdem.
»Ich bin Aleis Barsalla, Erste Ratsherrin von Far Madding.« Ihre honigsüße Stimme war tief für eine Frau und sie schien eine Proklamation zu verkünden und Beifall zu erwarten. Sie hallte durch die Kuppel. »Far Madding heißt Harine din Togara Zwei Winde, Herrin der Wogen des Clans Shodein und Außerordentliche Botschafterin der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere willkommen. Möge das Licht Euch erleuchten und Wohlstand bescheren. Euer Kommen erfreut jedes Herz in Far Madding. Ich begrüße die Gelegenheit, mehr über das Atha'an Miere zu erfahren, aber Ihr müsst von Eurer beschwerlichen Reise ermüdet sein. Ich habe Euch in meinem Palast Quartiere zuweisen lassen. Wenn Ihr Euch ausgeruht und gegessen habt, können wir uns unterhalten, zu unserem gegenseitigen Nutzen, wenn es dem Licht gefällt.« Die anderen Frauen hoben die Röcke und machten einen kleine Verbeugung.
Harine neigte leicht den Kopf; in ihrem Lächeln lag eine Spur von Zufriedenheit. Hier war endlich jemand, der ihr den nötigen Respekt erwies. Außerdem war es bestimmt hilfreich, dass sie nicht ihren und Shalons Schmuck anstarrten.
»Anscheinend sind die Boten vom Tor so schnell wie eh und je, Aleis«, sagte Cadsuane. »Und für mich gibt es kein Willkommen?« Aleis' Lächeln flackerte einen Augenblick lang, und bei einigen der anderen verschwand es sogar völlig, als sich Cadsuane neben Harine stellte. Die freundlichen Mienen, die aufrecht erhalten wurden, sahen gezwungen aus. Eine hübsche Frau mit ernster Miene ging sogar so weit, dass sie die Stirn runzelte.
»Wir sind Euch dankbar, dass Ihr die Herrin der Wogen hergebracht habt, Cadsuane Sedai.« Aber die Erste Ratsherrin klang nicht gerade dankbar. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und sah starr geradeaus, und zwar über Cadsuanes Kopf hinaus statt in ihr Gesicht, »Ich bin sicher, wir finden eine Möglichkeit, Euch vor Eurer Abreise das Ausmaß unserer Dankbarkeit wissen zu lassen.«
Sie hätte ihre abweisende Haltung nicht deutlicher zum Ausdruck bringen können, aber die Aes Sedai lächelte die größere Frau an. Es war nicht unbedingt ein höhnisches Lächeln, aber es war auch nicht im mindesten amüsiert. »Es kann durchaus sein, dass meine Abreise noch in weiter Ferne liegt, Aleis. Ich danke Euch für das Angebot einer Unterkunft und nehme an. Ein Palast auf den Hügeln ist selbst dem besten Gasthaus vorzuziehen.« Die Augen der Ersten Ratsherrin weiteten sich erstaunt, dann kniff sie sie entschlossen zusammen.
»Cadsuane muss bei mir bleiben«, verkündete Harine, bevor Aleis etwas sagen konnte, und es gelang ihr tatsächlich, die Worte nicht ganz erstickt klingen zu lassen. »Wo sie nicht willkommen ist, bin ich es ebensowenig.« Das war ein Teil der Abmachung gewesen, die man ihr aufgezwungen hatte, falls sie Cadsuane begleiten wollten. Bis sie sich mit dem Caramoor vereinigten, mussten sie dorthin gehen, wohin sie es befahl, und sie in jede Einladung mit einschließen, die sie erhielten. Letzteres war als keine große Sache erschienen, vor allem, wenn man es mit dem Rest verglich, aber offensichtlich hatte die Frau genau gewusst, wie man sie hier empfangen würde.
»Das muss Euch nicht entmutigen, Aleis.« Cadsuane beugte sich vertraulich zu der ersten Ratsherrin vor, aber sie senkte ihre Stimme nicht. Das Echo der Kuppel verstärkte ihre Worte. »Ich bin sicher, Ihr habt keine schlechten Angewohnheiten mehr, die ich korrigieren müsste.«
Das Gesicht der Ersten Ratsherrin wurde blutrot und hinter ihrem Rücken tauschten die anderen Ratsherrinnen fragende Blicke aus. Einige betrachteten sie wie aus einem neuen Blickwinkel. Wie erlangten sie ihre Stellung und wie verloren sie sie? Es waren zwölf, Aleis nicht mitgezählt, aber die Ersten Zwölf unter den Segelherrinnen wählten die Herrin der Wogen, und die Ersten Zwölf unter den Herrinnen der Wogen wählten die Herrin der Schiffe. Darum hatte Harine die Worte des seltsamen Mädchens geglaubt; sie gehörte den Ersten Zwölf an. Darum und weil die beiden Aes Sedai behauptet hatten, dass die Visionen des Mädchens der Wahrheit entsprachen. Eine Herrin der Wogen und selbst die Herrin der Schiffe konnte abgesetzt werden, wenn auch nur aus genau bestimmten Gründen, so wie erwiesener Unfähigkeit oder wenn sie den Verstand verlor, und die Ersten Zwölf mussten zu einem einstimmigen Ergebnis kommen. Unter den Küstengebundenen schienen die Dinge anders geregelt zu werden, und oftmals schlampig. Aleis' Augen, nun fest auf Cadsuane gerichtet, waren sowohl voller Hass als auch gehetzt. Vielleicht konnte sie die zwölf Blicke in ihrem Rücken spüren. Die anderen Ratsherrinnen stellten sie auf den Prüfstand. Aber falls sich Cadsuane dazu entschieden hatte, sich in die politischen Affären dieses Ortes einzumischen, lautete die Frage, warum sie es getan hatte. Und warum so plump?
»Ein Mann hat gerade die Macht benutzt«, sagte Verin plötzlich. Sie hatte sich nicht zu den anderen gesellt und schaute zehn Schritte entfernt über das Geländer. Die Kuppel ließ ihre Stimme weit tragen. »Habt Ihr in letzter Zeit viele Männer die Macht lenken lassen, Erste Ratsherrin?«
Shalon schaute in die Tiefe und blinzelte. Die eben noch durchsichtigen Keile waren jetzt tiefschwarz, und statt zum Herzen des Raums zu zeigen, hatten sie sich alle in die gleiche Richtung gedreht. Eine der Frauen war aufgesprungen und beugte sich vornüber, um zu bestimmen, wo der schmale schwarze Keil auf der Markierung hinzeigte, und die anderen beiden Frauen eilten bereits auf einen Torbogen zu. Plötzlich verstand Shalon. Jede Windsucherin konnte mühelos triangulieren. Irgendwo hinter der Tür war eine Karte, und bald würde darauf die Position des Mannes eingezeichnet sein, der die Macht gelenkt hatte.