In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Sie hoffte, dass Rand Emondsfelde noch immer lieben konnte, aber es war nicht länger das Dorf, in dem er und Egwene aufgewachsen waren. Hier in der Welt der Träume gab es keine Menschen, dennoch war Emondsfelde nun offensichtlich eine richtige Stadt, sogar eine blühende Stadt, in der fast jedes dritte Haus aus Stein errichtet war. Einige waren sogar drei Stockwerke hoch und es waren mehr Dächer mit Ziegeln in allen Farben des Regenbogens gedeckt als mit Stroh. Einige Straßen waren mit glatten, genau passenden Ziegeln gepflastert, die noch neu und nicht abgetreten waren, und um die Stadt wuchs sogar eine dicke Steinmauer mit Türmen und eisenbeschlagenen Toren empor, die einer Grenzland-Stadt zur Ehre gereicht hätte. Außerhalb der Mauer gab es Säge- und Getreidemühlen, eine Eisengießerei und große Webereien sowohl für Wolle als auch für Teppiche; in ihrem Schutz reihten sich Läden von Möbeltischlern, Töpfermeistern, Näherinnen, Scherenschleifern und Gold-und Süberschmieden aneinander, von denen viele mindestens genauso gut wie die Caemlyns waren, obwohl einige der Dekore aus Arad Doman oder Tarabon zu stammen schienen.
Ehe Luft war kühl, aber nicht kalt, und es gab keinerlei Anzeichen für Schnee auf dem Boden, zumindest nicht im Augenblick. Hier stand die Sonne genau im Zenit, allerdings hoffte Elayne, dass es in der wachen Welt noch immer Nacht war. Sie wollte noch etwas echten Schlaf mitbekommen, bevor sie sich dem Morgen stellen musste. In den letzten paar Tagen war sie immer müde gewesen; es gab einfach so viel zu tun und so wenige Stunden. Sie waren hergekommen, weil es unwahrscheinlich erschien, dass sie hier von einem Spion entdeckt wurden, aber Egwene war stehen geblieben, um sich die Veränderungen des Ortes anzuschauen, in dem sie geboren worden war. Und Elayne hatte außer Rand ihre eigenen Gründe, sich Emondsfelde genau anzusehen. Das Problem — eines der Probleme — war nur, dass in der wachen Welt eine Stunde verging, während man in der Welt der Träume fünf oder zehn verbrachte, doch es konnte auch genauso gut anders herum sein. Möglicherweise war es in Caemlyn bereits Morgen.
Egwene blieb an der Einmündung zum Dorfplatz stehen und blickte zurück zu der breiten Steinbrücke, die sich über den schnell breiter werdenden Fluss spannte; er entsprang einer Quelle, die stark genug aus einem aus dem Boden hervorragenden Felsen schoss, urn einen Mann von den Füßen zu reißen. In der Mitte des Dorfplatzes erhob sich eine Marmorsäule, in die man überall Namen eingemeißelt hatte, die von zwei hohen Fahnenmasten auf Steinpodesten flankiert wurde. »Ein Schlachtendenkmal«, murmelte sie. »Wer hätte sich solch ein Ding in Emondsfelde vorstellen können? Obwohl Moraine behauptet hat, dass an dieser Stelle einst eine große Schlacht geschlagen wurde, in den Trolloc-Kriegen, als Manetheren unterging.«
»Es stand in den Geschichtsbüchern, die ich studiert habe«, sagte Elayne leise und betrachtete die leeren Fahnenmasten. Die im Augenblick leeren Masten. Sie konnte Rand hier nicht fühlen. Oh, er war noch immer genauso sehr in ihrem Kopf wie Birgitte, ein felsengleicher Knoten aus Gefühlen und körperlichen Empfindungen, der jetzt, da Rand weit weg war, sogar noch schwerer zu deuten war, doch hier im Tel'aran'rhiod vermochte sie nicht zu sagen, in welcher Richtung er sich befand. Sie vermisste dieses Wissen, so geringfügig es auch war. Sie vermisste ihn.
Banner erschienen an den Fahnenmasten und blieben gerade lange genug, um einmal müde zu flattern. Lange genug, um einen roten Adler sichtbar werden zu lassen, der über ein blaues Feld flog. Nicht einen roten Adler: der Rote Adler. Als sie diesen Ort einmal mit Nynaeve im Tel'aran'rhiod besucht hatte, hatte sie geglaubt, ihn gesehen zu haben, später dann aber entschieden, dass es ein Irrtum gewesen war. Meister Norry hatte sie aufgeklärt. Sie liebte Rand, aber falls jemand an dem Ort seiner Jugend versuchte, Manetheren aus seinem uralten Grab wiederauferstehen zu lassen, würde sie das zur Kenntnis nehmen müssen, so sehr ihn das auch schmerzen würde. Dieses Banner und dieser Name verkörperten noch immer genug Macht, um Andor zu bedrohen.
»Ich habe von Bode Cauthon und anderen Novizinnen aus der Heimat von den Veränderungen gehört«, fuhr Egwene fort und betrachtete die um den Dorfplatz stehenden Häuser stirnrunzelnd, »aber davon war keine Rede.« Die meisten der Häuser waren aus Stein. Neben dem gewaltigen Steinfondament eines viel größeren Hauses stand eine winzige Schenke, aus deren Mitte eine prächtige Eiche wuchs, aber auf der anderen Seite des Fundaments war etwas, das wie eine viel größere Schenke aussah, so gut wie fertig gestellt, und über dessen Tür hing bereits ein Schild mit der Aufschrift Die Bogenschützen. »Ich würde gerne wissen, ob mein Vater noch Bürgermeister ist. Geht es meiner Mutter gut? Meinen Schwestern?«
»Ich weiß, dass du morgen das Heer abrücken lässt«, sagte Elayne, »wenn es nicht schon Morgen ist, aber sobald du Tar Valon erreicht hast, wirst du doch sicherlich ein paar Stunden Zeit finden, um ihnen einen Besuch abzustatten.« Das Schnelle Reisen machte solche Dinge einfach. Vielleicht sollte sie selbst jemanden nach Emondsfelde schicken. Wenn sie herausgefunden hatte, wem sie eine solche Mission anvertrauen konnte. Falls sie jemanden entbehren konnte, dem sie vertraute.
Egwene schüttelte den Kopf. »Elayne, ich musste Frauen, mit denen ich aufgewachsen bin, eine Prügelstrafe verabreichen lassen, weil sie nicht glauben, dass ich der Amyrlin-Sitz bin, oder weil sie der Meinung sind, dass sie die Regeln brechen können, weil sie mich kennen.« Plötzlich lag die Stola mit den sieben farbigen Streifen auf ihren Schultern. Bis sie sie mit einer Grimasse bemerkte und verschwinden ließ. »Ich glaube nicht, dass ich mich Emondsfelde als Amyrlin stellen könnte«, sagte sie traurig. »Noch nicht.« Sie rief sich zur Ordnung und ihre Stimme nahm einen energischeren Tonfall an. »Das Rad dreht sich und alles verändert sich. Ich muss mich daran gewöhnen. Ich werde mich daran gewöhnen.« Sie hörte sich beinahe so an wie Siuan Sanche, so wie sich Siuan in Tar Valon angehört hatte, bevor sich alles veränderte. Stola oder nicht, Egwene klang wie der Amyrlin-Sitz. »Bist du sicher, dass ich dir nicht ein paar von Gareth Brynes Soldaten schicken soll? Wenigstens genug, um Caemlyn zu sichern?«
Plötzlich umgab sie funkelnder Schnee, der bis zu ihren Knien reichte. Schnee, der die Dächer mit leuchtend weißen Hauben versah. Das war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah, und die beiden Frauen weigerten sich einfach, sich von der plötzlichen Kälte berühren zu lassen, statt sich Umhänge und wärmere Kleider vorzustellen.
»Vor dem Frühling wird keiner gegen mich ins Feld ziehen«, sagte Elayne. Heere reisten im Winter nicht, es sei denn, sie hatten den Vorteil des Schnellen Reisens auf ihrer Seite, so wie es bei Egwenes Heer der Fall war. Der Schnee verhinderte jede Bewegung, und dort, wo er schmolz, trat der Schlamm an seine Stelle. Diese Grenzländer hatten ihren Marsch nach Süden vermutlich unter der Annahme begonnen, dass es in diesem Jahr keinen Winter geben würde. »Außerdem wirst du jeden Mann brauchen, wenn du Tar Valon erreichst.«
Es war keine Überraschung, dass Egwene lediglich zustimmend nickte, ohne das Angebot zu wiederholen. Obwohl sie den ganzen vergangenen Monat große Anstrengungen in der Rekrutierung neuer Mariner unternommen hatten, verfügte Gareth Bryne noch immer nicht über mehr als die Hälfte der Soldaten, die er seiner Aussage zufolge brauchte, um Tar Valon zu erobern. Laut Egwene war er bereit, mit dem anzufangen, was er hatte, aber es bereitete ihr offensichtlich Sorgen. »Ich muss harte Entscheidungen treffen, Elayne. Das Rad webt, wie es das Rad will, aber ich bin diejenige, die entscheiden muss.«