Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Mr. Gowan – hat Colum Euch geschickt, um mir zu helfen?« Er zögerte, ehe er antwortete, doch innerhalb der Grenzen, die ihm sein Beruf setzte, war er ein Mensch von untadeliger Aufrichtigkeit.
»Nein«, sagte er unverblümt. Ein Hauch von Verlegenheit huschte über seine verwitterten Gesichtszüge, und er fügte hinzu: »Ich bin … allein gekommen.« Er setzte sich den Hut auf, wandte sich zur Tür und wünschte mir knapp einen guten Abend, ehe er im hell erleuchteten Treiben des Gasthauses verschwand.
Man hatte nicht viele Vorbereitungen für meinen Aufenthalt getroffen, doch auf einem der Fässer standen ein kleiner Weinkrug und ein Brotlaib – diesmal sauber –, und davor lag zusammengefaltet eine alte Decke.
Ich hüllte mich in die Decke und setzte mich auf eins der kleineren Fässer, um während des kargen Mahls zu überlegen.
Colum hatte den Anwalt also nicht geschickt. Hatte er überhaupt gewusst, dass Mr. Gowan vorhatte zu kommen? Es war gut möglich, dass Colum verboten hatte, dass irgendjemand ins Dorf ging, weil er nicht in die Hexenjagd verwickelt werden wollte. Die Wogen der Angst und der Hysterie, die durch das Dorf peitschten, waren deutlich zu spüren; ich konnte fühlen, wie sie an die dünnen Wände meiner Zuflucht schlugen.
Plötzlicher Lärm aus dem Schankraum unterbrach mich in meinen Gedanken. Es mochte ja so sein, dass sich meine Totenwache nur hinauszögerte. Doch am Rand der Vernichtung war jede zusätzliche Stunde Grund zur Dankbarkeit. Ich wickelte mich in die Decke, zog sie mir über den Kopf, um den Lärm aus dem Gasthaus auszusperren, und konzentrierte mich mit aller Kraft auf dieses Gefühl des Dankes.
Nach einer furchtbar unruhigen Nacht scheuchte man mich bei Tagesanbruch auf und führte mich wieder hinaus auf den Platz, obwohl die Richter erst eine Stunde später eintrafen.
Rundum ausgeschlafen und fett gefrühstückt machten sie sich geradewegs an die Arbeit. Patachon wandte sich an John MacRae, der seinen Posten hinter den Angeklagten wieder bezogen hatte.
»Wir sehen uns außerstande, allein auf der Basis der angeführten Beweise eine Schuld festzustellen.« Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch die Menge, die sich jetzt wieder gesammelt hatte und längst zu ihren eigenen Schlüssen gekommen war. Doch Pat heftete den Blick bohrend auf die jungen Männer in der ersten Reihe, die verstummten wie mit kaltem Wasser begossene Hunde. Nachdem die Ordnung wiederhergestellt war, richtete er sein kantiges Gesicht wieder auf den Dorfschulzen.
»Führt die Gefangenen zum Ufer des Sees, bitte.« Diese Worte verursachten ein erwartungsvolles Raunen, das meinen schlimmsten Argwohn weckte. John MacRae nahm mich an einem Arm und Geilie am anderen, um uns mitzunehmen, doch er bekam reichlich Hilfe. Brutale Hände zerrten an meinem Kleid und kniffen und schubsten mich, während ich vorwärtsgezerrt wurde. Irgendein Idiot hatte eine Trommel dabei und schlug einen rauhen Wirbel. Die Menge sang im Rhythmus der Trommel etwas, das ich im Lärm der Ausrufe und Schreie nicht verstand. Ich hatte allerdings auch nicht das Gefühl, dass ich unbedingt wissen wollte, was es bedeutete.
Die Prozession zog sich über die Wiese zum Ufer des Sees, wo ein kleiner Holzsteg in das Wasser ragte. Wir wurden an das Ende dieses Stegs gezogen, wo die Richter jetzt rechts und links Position bezogen hatten. Patachon wandte sich der Menge am Ufer zu.
»Bringt uns die Stricke!« Allgemeines Gemurmel und erwartungsvolle Blicke, bis jemand hastig mit einem dünnen Strick angelaufen kam. MacRae nahm ihn entgegen und kam sehr zögernd auf mich zu, doch ein verstohlener Blick auf die Inspektoren schien ihn in seiner Entschlossenheit zu bestärken.
»Bitte seid so gütig, Eure Schuhe auszuziehen, Madam«, ordnete er an.
»Warum zum Teu… warum denn?«, fragte ich aufsässig und verschränkte die Arme.
Da er auf Widerstand sichtlich nicht vorbereitet war, blinzelte er nur, doch einer der Richter nahm ihm die Antwort ab.
»Es ist die gängige Vorgehensweise bei der Wasserprobe. Die der Hexerei verdächtige Person bekommt den rechten Daumen mit einem Hanfstrick an den großen Zeh des linken Fußes gebunden. Ebenso wird der linke Daumen an den rechten großen Zeh gebunden Und dann …« Er warf einen vielsagenden Blick auf das Wasser des Sees. Zwei Fischer standen barfuß im Uferschlamm, die Hosen bis über die Knie aufgerollt und mit einem Faden festgebunden. Einer von ihnen sah mich mit einem anzüglichen Grinsen an, griff nach einem kleinen Stein und warf ihn auf die stahlgraue Oberfläche hinaus. Er hüpfte einmal auf und versank.
»Wenn sie in das Wasser eintaucht«, meldete sich der kurze Richter zu Wort, »wird eine schuldige Hexe an der Oberfläche treiben, da die Reinheit des Wassers ihre verderbte Person abweist. Eine unschuldige Frau wird untergehen.«
»Ich kann mir also aussuchen, ob ich als Hexe verurteilt werde oder für unschuldig befunden werde, aber ertrinke, ist es das?«, fuhr ich ihn an. »Nein danke!« Ich klammerte mich noch fester an meine Ellbogen und versuchte, das Zittern zu unterdrücken, das jetzt mein permanenter Begleiter zu sein schien.
Der Richter blies sich auf wie eine Kröte, die sich bedroht fühlt.
»Es steht Euch nicht zu, vor diesem Gericht Eure Stimme zu erheben, Weib! Wagt Ihr es etwa, Euch der rechtmäßigen Untersuchung zu widersetzen?«
»Ob ich es wage, mich zu weigern, ertränkt zu werden? Das tue ich, absolut!« Zu spät fiel mein Blick auf Geilie, die heftig den Kopf schüttelte, so dass ihr das blonde Haar rings um das Gesicht wehte.
Der Richter wandte sich an MacRae.
»Entkleidet sie und gebt ihr die Peitsche«, sagte er ausdruckslos.
Durch den Nebel meines Unglaubens hörte ich ein kollektives Einatmen, das eigentlich schockiert hätte sein müssen – in Wirklichkeit aber Vorfreude war. Und ich begriff, was Hass tatsächlich bedeutete. Nicht der ihre. Der meine.
Sie machten sich nicht die Mühe, mich zum Dorfplatz zurückzubringen. Ich hatte kaum noch etwas zu verlieren, und ich hatte nicht vor, es ihnen leichtzumachen.
Grobe Hände rissen mich vor und zerrten mir an Hemd und Mieder.
»Loslassen, du verdammter Rüpel!«, brüllte ich und trat einen meiner Peiniger dorthin, wo es am wirkungsvollsten war. Er sackte stöhnend zusammen, doch seine vornübergekrümmte Gestalt verlor sich schnell in einer Eruption schreiender, spuckender, wütend funkelnder Gesichter. Andere Hände packten meine Arme und schoben mich stolpernd weiter, hoben mich halb über diejenigen hinweg, die im Gedränge gestürzt waren, und drückten mich durch Lücken, die eigentlich viel zu klein waren.
Irgendjemand boxte mich in den Magen, und mir verging der Atem. Mein Mieder hing jetzt buchstäblich in Fetzen, so dass sie mir den Rest ohne große Schwierigkeiten ausziehen konnten. Mein Schamgefühl war zwar nie besonders übertrieben gewesen, aber hier halb nackt vor dieser fluchenden Menge zu stehen, die Abdrücke verschwitzter Hände auf den bloßen Brüsten, erfüllte mich mit einem Gefühl des Hasses und der Erniedrigung, das ich nie für möglich gehalten hätte.
John MacRae fesselte mir die Hände vor dem Körper, indem er mir einen Strick um die Handgelenke schlang und ein längeres Ende hängen ließ. Er besaß zwar den Anstand, dabei beschämt auszusehen, doch er blickte mir nicht in die Augen, und mir war klar, dass ich von ihm weder Hilfe noch Milde erwarten konnte; er war der Menge genauso ausgeliefert, wie ich es war.
Geilie war ebenfalls da und wurde zweifellos kaum anders behandelt; aus den Augenwinkeln sah ich ihr Platinhaar im Wind wehen, der sich jetzt plötzlich erhob. Sie warfen den Strick über den Ast einer großen Eiche und zogen fest daran, bis sich meine Arme ausgestreckt über meinen Kopf hoben. Ich biss die Zähne zusammen und klammerte mich fest an meine Wut; sie war meine einzige Waffe gegen die Angst. Es herrschte atemlose Erwartung, hin und wieder unterbrochen von erregtem Gemurmel oder Ausrufen aus der Menge.