Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Gagat würde doch die Haut einer Hexe verbrennen, nicht wahr?«, wollte er von den Richtern wissen. »Ich könnte mir vorstellen, dass dies für das Kreuz unseres Herrn erst recht gilt. Doch seht.« Er schob den Finger unter die Perlen und hob das Kruzifix an. Darunter war meine Haut rein und weiß, makellos bis auf den Schmutz der Gefangenschaft, und die Menge schnappte nach Luft und begann zu murmeln.
Blanker Mut, eiskalte Geistesgegenwart und dieser Instinkt für gutes Theater. Colum MacKenzie hatte Jamies mögliche Ambitionen völlig zu Recht gefürchtet. Und angesichts seiner Angst, ich könnte Hamishs Vaterschaft preisgeben oder das, was er glaubte, was ich darüber wusste, verstand ich auch, warum er mir das angetan hatte. Es war verständlich, aber nicht verzeihlich.
Die Stimmung der Menge war jetzt ins Wanken geraten. Der Blutdurst, der sie bis zu diesem Zeitpunkt angetrieben hatte, verflog allmählich, doch es war immer noch möglich, dass er umschlug wie eine brechende Welle und uns unter sich begrub. Pat und Patachon warfen sich unentschlossene Blicke zu; die jüngsten Entwicklungen hatten sie so verblüfft, dass ihnen die Lage vorübergehend entglitten war.
Geillis Duncan nutzte den Moment und trat vor. Ich weiß nicht, ob es an diesem Punkt noch Hoffnung für sie gab. So oder so … sie schüttelte sich trotzig das Haar über die Schulter und warf ihr Leben fort.
»Diese Frau ist keine Hexe«, sagte sie schlicht. »Ich aber schon.«
So erstklassig Jamies Auftritt auch gewesen sein mochte, dagegen kam er nicht an. Der folgende Aufruhr ließ die Stimmen der Richter vollständig in Fragen und Ausrufen untergehen.
Auch jetzt war nicht zu erkennen, was sie dachte oder empfand; ihre hohe weiße Stirn war glatt; in ihren großen grünen Augen glänzte etwas auf – vielleicht sogar Belustigung. Aufrecht stand sie da in zerlumpten, schmutzigen Kleidern und trotzte ihren Anklägern mit ihrem Blick. Als sich der Tumult ein wenig gelegt hatte, begann sie zu sprechen, nicht etwa, indem sie sich herabließ, die Stimme zu erheben, sondern indem sie die Leute zum Stillsein zwang, um sie hören zu können.
»Ich, Geillis Duncan, bekenne, dass ich eine Hexe bin und die Mätresse Satans.« Dies löste einen weiteren Aufschrei aus, und wieder wartete sie geduldig ab, bis die Leute zur Ruhe kamen.
»Meinem Herrn gehorsam bekenne ich, dass ich meinen Mann, Arthur Duncan, mit den Mitteln der Hexerei ermordet habe.« Bei diesen Worten blickte sie zur Seite und sah mich an, und der Hauch eines Lächelns umspielte ihre Lippen. Ihr Blick fiel auf die Frau mit dem gelben Schultertuch, ohne weicher zu werden. »Aus bösem Willen habe ich einen Bann auf das Wechselbalg gelegt, auf dass es sterbe und das Menschenkind an seiner Stelle bei den Feen bleibe.« Sie drehte sich und wies in meine Richtung.
»Ich habe Claire Frasers Ahnungslosigkeit ausgenutzt und sie für meine Zwecke missbraucht. Doch sie hatte weder Anteil an meinem Tun, noch wusste sie davon, noch dient sie meinem Meister.«
Die Menge tuschelte nun wieder, die Leute schubsten sich gegenseitig, um besser sehen zu können, und drängten sich nach vorn. Sie streckte beide Hände in ihre Richtung.
»Zurück!«, erscholl ihre klare Stimme wie ein Peitschenhieb und mit ähnlicher Wirkung. Sie hob den Blick zum Himmel und erstarrte, als lauschte sie.
»Hört!«, sagte sie. »Hört den Wind seines Kommens! Hütet euch, ihr Menschen von Cranesmuir. Denn mein Meister kommt auf den Schwingen des Windes!« Sie senkte den Kopf und schrie, ein schriller, gespenstischer Triumphlaut. Ihre großen grünen Augen starrten wie in Trance vor sich hin.
Der Wind wurde stärker; ich konnte die Sturmwolken über das andere Ufer des Sees hinwegrollen sehen. Die Leute begannen, sich beklommen umzusehen; einige Seelen lösten sich bereits vom Rand der Menge.
Geilie fing an, sich um sich selbst zu drehen, wieder und wieder, das Haar vom Wind gepeitscht, die Hände anmutig über den Kopf gehoben wie beim Tanz um den Maibaum. Verdattert und ungläubig sah ich ihr zu.
Solange sie sich drehte, war ihr Gesicht von ihrem Haar verborgen. Bei der letzten Drehung jedoch ruckte sie mit dem Kopf, um die blonde Mähne zur Seite zu werfen, und ich konnte ihr Gesicht sehen. Ihre Augen funkelten mich an. Die Maske der Trance war für eine Sekunde verschwunden, und ihr Mund formte ein einziges Wort. Dann trug die Drehung sie wieder der Menge zu, und ihr gespenstisches Schreien begann von neuem.
»Flieht!« war das Wort gewesen.
Plötzlich kam sie zum Stillstand, und mit einer Miene irren Jubels packten ihre Hände die Überreste ihres Mieders und rissen es der Länge nach auf. Rissen es so weit auf, dass die Menge das Geheimnis sah, das ich erfahren hatte, als ich mit ihr in der schmutzigen Kälte des Diebeslochs kauerte. Das Geheimnis, das Arthur Duncan in der Stunde vor seinem Tod erfahren hatte. Das Geheimnis, das ihn das Leben gekostet hatte. Die Fetzen ihres Kleides fielen zu Boden und gaben die Rundung eines Bauches frei, der im sechsten Monat schwanger war.
Ich stand immer noch wie angewurzelt da und starrte sie an. Jamie jedoch kannte kein Zögern mehr. Mit der einen Hand packte er mich, mit der anderen das Schwert und stürzte sich mitten in die Menge, stieß die Leute mit Ellbogen, Knien und dem Schwertgriff beiseite und bahnte sich gewaltsam den Weg bis zum Ufer. Dort pfiff er schrill durch die Zähne.
Da alles immer noch gebannt auf das Spektakel unter der Eiche starrte, begriff zunächst kaum jemand, was geschah. Dann begannen die ersten Häscher rufend nach uns zu greifen, und gleichzeitig erklang das Geräusch galoppierender Hufe auf dem festen Boden am Ufer.
Donas hatte nach wie vor nicht viel für Menschen übrig und war nur zu gern bereit, das zu demonstrieren. Er biss die erste Hand, die nach seinem Zaumzeug griff, und ein blutender Mann fuhr mit einem lauten Aufschrei zurück. Das Pferd stieg und trat in der Luft um sich, und die letzten tapferen Seelen, die es trotz allem noch aufhalten wollten, verloren urplötzlich das Interesse.
Jamie warf mich wie einen Mehlsack über den Sattel und schwang sich augenblicklich hinterher. Er machte uns den Weg mit dem Schwert frei und lenkte Donas mitten durch die hinderliche Menschenmenge. Die Leute wichen vor dem Ansturm von Zähnen, Hufen und Klinge zurück, und wir wurden schneller und ließen den See, das Dorf und Leoch hinter uns. Die harte Landung auf dem Pferderücken hatte mir den Atem verschlagen, doch ich versuchte zu sprechen, Jamie anzuschreien.
Denn es war nicht der Anblick von Geilies Schwangerschaft, der mich hatte erstarren lassen. Es war etwas anderes gewesen, was mir das Mark in den Knochen gefrieren ließ. Als sich Geilie mit erhobenen Armen drehte, hatte ich etwas gesehen, was auch sie gesehen hatte, als man mir die Kleider vom Leib riss. Ein Zeichen an ihrem Arm, wie auch ich es trug. Hier in dieser Zeit ein Zeichen der Hexerei, das Zeichen eines Magiers. Die unscheinbare kleine Narbe einer Pockenimpfung.
Regen prasselte auf das Wasser, eine Wohltat für mein geschwollenes Gesicht und meine aufgescheuerten Handgelenke. Ich schöpfte eine Handvoll Wasser aus dem Bach und trank es schluckweise. Dankbar spürte ich, wie mir das kalte Nass durch die Kehle rann.
Jamie verschwand ein paar Minuten. Er kam mit einer Handvoll kreisrunder, dunkelgrüner Blätter zurück und kaute etwas. Wenig später spuckte er einen Klecks grünen Brei auf seine Handfläche, stopfte sich ein paar neue Blätter in den Mund und drehte mich so, dass ich ihm den Rücken zuwandte. Er rieb mir die zerkauten Blätter sacht auf den Rücken, und das Brennen ließ beträchtlich nach.
»Was ist das«, fragte ich und versuchte, mich in den Griff zu bekommen. Ich zitterte und schniefte immer noch, aber die hilflosen Tränen verebbten allmählich.
»Brunnenkresse«, antwortete er ein bisschen undeutlich durch die Blätter in seinem Mund. Er spuckte sie aus und trug sie auf meinen Rücken auf. »Du bist nicht die Einzige, die ein bisschen von Grünzeug versteht«, sagte er etwas deutlicher.
»Wie … wie schmeckt sie denn?«, fragte ich und schluckte mein Schluchzen herunter.