The Vampire Journals - Geliebt: Band 2 (German Edition)
- Автор: Rice Morgan
- Серия: The Vampire Journals #2
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Жанр: Городское фэнтези
Электронная книга - «The Vampire Journals - Geliebt: Band 2 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Mach dir keine Gedanken, du wirst es lernen.
Wieder blickte Caitlin Caleb an und war noch verblüffter, als sie begriff, dass er ihr gerade einen Gedanken geschickt hatte – und sie ihn verstanden hatte.
***
Sie hatten das Museum für sich, als sie durch die schmalen, schwach beleuchteten Gänge spazierten. Bilder, Gedenktafeln und alle möglichen Utensilien säumten die Wände. Alle Exponate standen im Zusammenhang mit Hexen, Richtern und Hinrichtungen. Es war ein düsterer Ort.
Im weiteren Verlauf erreichten sie eine große Schautafel. Caitlin begann zu lesen und war derart fasziniert, dass sie Caleb den Text laut vorlas.
»Hör dir das mal an«, sagte sie. »In Salem erkrankte im Jahr 1692 plötzlich eine Gruppe von Mädchen im Teenageralter an einer seltsamen Krankheit. Die meisten bekamen hysterische Anfälle und behaupteten, dass sie von Hexen heimgesucht worden wären. Viele dieser Mädchen gingen sogar so weit, die Hexen beim Namen zu nennen, die ihnen angeblich zugesetzt hatten.
Weil die Erkrankungen so rätselhaft waren, viele der jungen Mädchen plötzlich starben und es keine andere Erklärung dafür gab, verfielen die Bewohner der Stadt in Panik. Sie machten Jagd auf die Leute, die der Hexerei beschuldigt worden waren.
Bis zum heutigen Tage konnte nicht herausgefunden werden, woran diese Mädchen erkrankt und warum sie derart hysterisch geworden waren.«
»Es lag daran, dass sie erwachsen wurden«, erklärte Caleb leise.
Caitlin sah ihn an.
»Genau wie du«, fügte er hinzu. »Sie waren welche von uns, und sie wurden von schmerzhaften Hungerattacken überrascht. Sie waren nicht krank, sondern nur hysterisch. Die Veränderungen in ihrem Körper haben sie völlig überfordert. Sie hatten keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollten.«
Caitlin dachte scharf nach. Mädchen im Teenageralter im Jahr 1692 in Salem, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden gestanden hatten. Mädchen, die genau das Gleiche durchlebt hatten, was sie gerade durchmachte.
Sie war überwältigt. Es gab eine Verbindung zwischen ihr und diesen historischen Ereignissen. Sie fühlte sich nicht mehr so allein, doch gleichzeitig erschreckte die Erkenntnis sie. Diese Bestätigung wollte sie gar nicht hören. Im Gegenteil, sie wollte hören, dass nichts davon der Wahrheit entsprach, alles nur ein Albtraum war und bald wieder Normalität Einzug in ihr Leben halten würde. Doch je mehr sie erfuhr, desto größer wurde ihre Furcht, dass es für sie keine Normalität mehr geben würde.
»Hier ist es«, sagte Caleb, der sich am anderen Ende des Raumes befand.
Caitlin eilte zu ihm hinüber.
»Die Liste der einhundertdreiunddreißig Beschuldigten.«
Langsam lasen sie die lange Liste der Namen, die in einer altertümlichen Handschrift verfasst war. Die Schrift war schwer zu entziffern, deshalb kamen sie nur langsam vorwärts.
Als Caitlin beinahe das Ende der Liste erreicht hatte, erstarrte sie plötzlich. Sie zeigte mit dem Finger auf das Glas.
Dort stand ihr Nachname, Paine. Er war genauso geschrieben wie ihr Name, und er befand sich auf der Liste der ›Beschuldigten‹.
»Elizabeth Paine. Der Hexerei angeklagt. 1692.«
Elizabeth? Eine Frau?
»Ich habe es gewusst«, sagte Caleb. »Ich habe gewusst, dass es eine Verbindung gibt.«
»Aber …«, stammelte Caitlin völlig verwirrt, »… Elizabeth. Das ist doch eine Frau. Ich dachte, wir suchen nach meinem Dad?«
»So einfach ist das nicht. Vergiss nicht, wir haben es hier mit mehreren Generationen zu tun. Es könnte sein, dass Elizabeth die Gesuchte ist. Aber es könnte genauso gut sein, dass wir nach ihrem Vater suchen, möglicherweise auch nach ihrem Ehemann. Wir wissen nicht, wo deine Abstammung beginnt oder endet. Uns ist lediglich bekannt, dass es eine Verbindung gibt.«
»Sieh dir das an!«, rief Caitlin aufgeregt und hastete zu einem anderen Exponat ganz in der Nähe.
Beide standen davor und betrachteten die Informationstafel. Es war unglaublich – es gab ein ganzes Exponat, das Elizabeth Paine gewidmet war.
Caitlin las laut vor: »Elizabeth Paine war einzigartig unter den Personen der Beschuldigtenliste. Sie erreichte traurige Berühmtheit, denn ihr Schicksal ist in Der scharlachrote Buchstabe verewigt. Es ist weithin akzeptiert, dass die Geschichte der berühmten Heldin des Romans, Hester Prynne, in Wahrheit auf dem Leben von Elizabeth Paine basiert. Sie war die Grundlage für das bedeutendste Werk von Nathaniel Hawthorne, der lange Zeit in Salem lebte.«
Caitlin blickte Caleb mit vor Erregung geweiteten Augen an.
»Das ist es!«, stieß sie atemlos hervor. Sie war kaum in der Lage, ihre Aufregung zu zügeln.
»Was denn?«, fragte er. Er verstand immer noch nicht.
»Erkennst du es denn nicht?«, sagte sie. »Das Rätsel ist ein Wortspiel. Hawthorne. Haw wie Hagebutte und Thorne wie Dorn. Aus der Hagebutte wird eine Rose. Die Rose und der Dorn. Der Dorn ist Hawthorne. Und die Rose ist scharlachrot, wie in Der Scharlachrote Buchstabe. Damit muss Elizabeth Paine gemeint sein. Anders ausgedrückt, es geht um Hawthorne und Paine.«
In diesem Augenblick betrat die alte Frau den Raum, die offensichtlich wieder zu Sinnen kam. Sie sagte: »Es tut mir leid, aber ich muss jetzt wirklich schließen …«
Caitlin eilte zu ihr hin und ergriff ihren Arm. »Wo lebte Hawthorne?«
»Wie bitte?«
»Nathaniel Hawthorne«, wiederholte sie aufgeregt. »Es heißt, er lebte eine Zeitlang in Salem.«
»Junge Dame, wir wissen genau, wo er wohnte. Sein Haus wurde erhalten und steht immer noch hier, bis zum heutigen Tage. Es ist völlig intakt.«
Caitlin und Caleb wechselten einen Blick.
Beiden war klar, was ihr nächstes Ziel sein würde.
10.
Kapitel
Die Sonne ging gerade unter, als Caitlin und Caleb sich Hawthornes Haus näherten. Das einfache rote Haus lag etwa fünfzehn Meter vom Bürgersteig zurückgesetzt und sah mit seinem Vorgarten und den Büschen aus wie jedes andere bescheidene Kleinstadthaus. Der dunkelrote Anstrich und die Fensterläden verliehen ihm einen Hauch altertümlicher Schlichtheit.
Trotzdem konnte man erkennen, dass es anders war – es strahlte Geschichte aus.
Schweigend betrachteten Caitlin und Caleb das einfache Häuschen.
»Ich habe es mir größer vorgestellt«, meinte Caitlin.
Caleb stand mit gerunzelter Stirn da.
»Was ist los?«
»Dieses Haus kommt mir bekannt vor«, antwortete Caleb. »Ich bin nicht sicher, woher, aber es scheint mir woanders gestanden zu haben.«
Caitlin betrachtete seine perfekten Gesichtszüge und staunte darüber, an wie viele Dinge er sich noch erinnern konnte. Nachdenklich fragte sie sich, wie es wohl war, so viele Erinnerungen zu haben. Hunderte von Jahren – sogar Tausende. Er trug Erfahrungen mit sich herum, von denen sie nur träumen konnte. War das ein Segen oder ein Fluch? Würde sie sich das für sich selbst wünschen?
Sie ging auf den Eisenzaun zu, der das Grundstück umgab, und wollte das Tor öffnen. Überrascht stellte sie fest, dass es verschlossen war. Jetzt sah sie auch das Schild: Geöffnet an Werktagen von 9 bis 17 Uhr.
Prüfend warf sie einen Blick auf ihre Uhr. Achtzehn Uhr dreißig. Das Haus war bereits geschlossen.
»Was jetzt?«, fragte sie.
Caleb sah sich verstohlen um. Weit und breit war keine Menschenseele zu entdecken. Auf einmal begriff Caitlin, was er dachte. Als er sie ansah, nickte sie zustimmend.
Schnell streckte er die Hand nach dem Metallriegel aus und riss ihn mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung ab. Erneut schaute er sich um. Als er niemanden sah, öffnete er das kleine Tor und gab ihr ein Zeichen, sich zu beeilen. So gut es ging, schloss er das Gartentürchen wieder und legte den Riegel behutsam ins Gras. Dann eilte er ihr hinterher.