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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Darum ging sie ohne Widerspruch und sogar mit einer gewissen Freude auf Stolz' Vorschlag, ihn zu erziehen, ein, da sie glaubte, daß er sich dort, und nicht hier in der »Gemeinheit«, zusammen mit ihren schmutzigen Neffen, den Kindern des Bruders, in der ihm gebührenden Umgebung befinden würde.

Ein halbes Jahr lang nach Oblomows Tod lebte sie mit Anissja und Sachar in ihrem Hause, in tiefen Gram versunken. Sie hatte zum Grabe ihres Mannes einen Weg ausgetreten und sich die Augen ausgeweint, sie aß fast nichts, nährte sich nur von Tee, schloß manchmal ganze Nächte lang kein Auge und ermattete ganz. Sie beklagte sich nie bei jemand und schien sich in dem Maßstabe, als sie dem Augenblicke der Trennung ferner rückte, immer mehr in sich und ihrem Schmerz zu verschließen und teilte sich niemand, nicht einmal Anissja, mit.

»Ihre Gnädige beweint noch immer ihren Mann«, sagte der Händler auf dem Markte, bei dem die Hausvorräte gekauft wurden, zu der Köchin. »Sie trauert noch immer um ihren Mann«, sagte der Küster in der Friedhofskirche der Hostienverkäuferin, auf die trostlose Witwe hinweisend, die jede Woche beten und weinen kam. »Sie grämt sich immer noch!« sprach man im Hause des Bruders.

Eines Tages kam zu ihr unerwartet die ganze Familie des Bruders mit den Kindern und sogar mit ihr Tarantjew, unter dem Vorwande, Trost zuzusprechen. Sie wurde mit banalen Ratschlägen überschüttet, »sich nicht zugrunde zu richten und der Kinder wegen zu schonen«, alles das, was ihr vor fünfzehn Jahren aus Anlaß des Todes ihres ersten Mannes gesagt wurde und was damals die gewünschte Wirkung erzielte, ihr jetzt aber Langeweile und Ekel einflößte. Es wurde ihr aber viel wohler ums Herz, als man von etwas anderem zu sprechen begann und ihr mitteilte, sie könnten jetzt wieder zusammen leben, es würde ihr viel leichter sein, unter den Ihrigen den Schmerz zu vergessen, das würde auch ihnen angenehm sein, denn niemand verstehe es so wie sie, das Haus in Ordnung zu halten. Sie bat um Bedenkzeit, grämte sich noch zwei Monate lang und willigte endlich ein, mit ihnen zusammen zu leben. Um diesen Zeitpunkt nahm Stolz Andrjuscha zu sich.

Jetzt geht sie in dunklem Kleide, mit einem schwarzen Tuch um den Hals, wie ein Schatten aus dem Zimmer in die Küche, öffnet und schließt wie früher die Schränke, näht, bügelt Spitzen; sie tut es aber langsam und ohne Energie, sie spricht ungern, mit leiser Stimme und blickt nicht mehr mit sorglos von einem Gegenstand zum andern irrenden Augen, sondern mit einem innerlichen Ausdruck und einem verborgenen tiefen Inhalt darin. Dieser Ausdruck schien in dem Augenblick, als sie bewußt und lange das tote Gesicht ihres Mannes betrachtete, unsichtbar in ihr aufzusteigen und verließ sie seitdem nicht mehr. Sie ging im Hause herum, besorgte alles, was nötig war, eigenhändig, doch ihre Gedanken nahmen an alledem nicht teil. Als sie ihren Mann verloren hatte und über seiner Leiche stand, begriff sie plötzlich ihr Leben und dachte über dessen Sinn nach, und dieser Gedanke legte sich für immer wie ein Schatten auf ihr Gesicht. Als die Tränen dann ihren Schmerz erleichtert hatten, vertiefte sie sich in das Bewußtsein ihres Verlustes; alles außer dem kleinen Andrjuscha war für sie gestorben. Sowie sie ihn erblickte, erwachten in ihr Anzeichen des Lebens, die Gesichtszüge erhellten sich, die Augen erfüllten sich mit freudigem Strahlen und dann mit Tränen der Erinnerung. Ihre ganze Umgebung war ihr fremd; sie beachtete es nicht, wenn der Bruder ihr eines verausgabten oder nicht erhandelten Rubels, eines angebrannten Bratens oder nicht frischen Fisches wegen zürnte, wenn die Schwägerin eines nicht genügend gestärkten Rockes oder des zu schwachen, kalten Tees wegen schmollte oder wenn die dicke Köchin mit ihr grob war, als ob es sich gar um sie handelte, sie hörte nicht einmal das giftige Flüstern: »Gnädige Frau Gutsbesitzerin!« Sie beantwortete alles mit der Würde ihres Schmerzes und mit stolzem Schweigen. An Feiertagen, zu Ostern, an den lustigen Karnevalsabenden, da alles im Hause jubelte, sang, aß und trank, brach sie plötzlich, inmitten der allgemeinen Fröhlichkeit, in heiße Tränen aus und versteckte sich in ihre Ecke. Doch dann sammelte sie sich wieder und blickte sogar manchmal den Bruder und dessen Frau gleichsam bedauernd und stolz an. Sie begriff, daß es mit ihrem Glück vorüber war, daß Gott diesem Leben eine Seele eingehaucht und sie ihm wieder genommen hatte; daß die Sonne in ihr aufgeleuchtet und dann für immer wieder erloschen war ... Ja, für immer; aber dafür hatte ihr Leben einen Sinn erhalten; jetzt wußte sie schon, warum sie gelebt hatte und daß es nicht vergeblich war.

Sie hatte so viel und so aus ganzer Seele geliebt; sie hatte Oblomow als Geliebten, als Gatten und als ihren Herrn geliebt, doch sie konnte das niemals jemand erzählen. Es würde sie auch niemand von ihrer Umgebung verstanden haben. Wo würde sie die nötigen Ausdrücke hergenommen haben? Im Lexikon ihres Bruders, Tarantjews und der Schwägerin gab es keine solchen Worte, weil es keine solchen Begriffe gab; nur Ilja Iljitsch hätte sie verstanden, doch sie hatte es ihm gegenüber niemals geäußert, da sie es damals selbst noch nicht begriff. Mit den Jahren wurde ihr die Vergangenheit immer verständlicher und klarer, sie verbarg sie immer tiefer und wurde immer schweigsamer und verschlossener. Die wie ein Augenblick vorübergeflogenen sieben Jahre hatten ihr ganzes Leben wie mit Strahlen und stillem Licht erfüllt, und sie hatte keine Wünsche und keine Ziele mehr. Nur wenn Stolz im Winter vom Gut kam, lief sie in sein Haus, blickte Andrjuscha gierig an, liebkoste ihn mit zärtlicher Schüchternheit und wollte dann Andrej Iwanitsch etwas sagen, ihm danken und ihm endlich alles das, was unwandelbar in ihrem Herzen lebte und sich darin angesammelt hatte, mitteilen; er würde das verstehen, sie konnte es aber nicht sagen, stürzte nur zu Oljga hin, schmiegte ihre Lippen an deren Hände und brach in einen Strom so heißer Tränen aus, daß auch Oljga unwillkürlich mit ihr zu weinen begann und Andrej erregt und eilig das Zimmer verließ. Sie alle waren durch eine allgemeine Sympathie und durch die Erinnerung an die kristallreine Seele des Verstorbenen verbunden. Sie baten sie, mit ihnen aufs Gut zu reisen und mit ihnen zusammen neben Andrjuscha zu leben - sie antwortete aber immer nur das eine: »Man muß dort sterben, wo man geboren ist und wo man das ganze Leben verbracht hat.« Stolz berichtete ihr vergeblich über die Verwaltung des Gutes und schickte ihr die ihr zukommenden Einkünfte; sie gab alles zurück und bat, es für Andrjuscha aufzuheben. »Das gehört ihm und nicht mir«, wiederholte sie eigensinnig, »er wird das brauchen, er ist ein Edelmann, und ich werde mein Leben auch so fristen.«

Elftes Kapitel

Eines Tages um die Mittagsstunde schritten über das Holztrottoir der Wiborgsakastraße zwei Herren; hinter ihnen fuhr langsam ein Wagen. Der eine dieser Herren war Stolz, der zweite sein Freund, ein Schriftsteller von ziemlicher Leibesfülle, mit apathischem Gesicht und sinnenden, gleichsam schläfrigen Augen. Sie erreichten die Kirche; die Messe war zu Ende, und die Menge strömte auf die Straße hinaus; allen voran die Bettler, die eine große, bunt zusammengewürfelte Gruppe bildeten.

»Ich möchte wissen, woher so viele Bettler kommen«, sagte der Schriftsteller, die Menge anblickend.

»Wieso woher? Sie kriechen aus ihren Höhlen und Winkeln hervor.«

»Ich meine das nicht so«, entgegnete der Schriftsteller, »ich möchte wissen: wie man zu einem Bettler werden und sich dieser Gesellschaftsklasse anreihen kann? Ob das wohl plötzlich oder allmählich, aufrichtig oder heuchlerisch geschieht ...«

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