Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Das war wieder eine List.
»Das macht nichts, ich esse alles«, sagte Alexejew.
»Warum bereitet man für ihn wirklich keinen Schinken mit Erbsen oder kein Beefsteak vor?« fragte Oblomow. »Er liebt das ...«
»Ich bin selbst einkaufen gegangen, Ilja Iljitsch, es war kein gutes Fleisch da! Dafür habe ich Ihnen aber aus Weichselsirup ein Gelee machen lassen; ich weiß, daß Sie ein Liebhaber davon sind«, fügte sie hinzu, sich an Alexejew wendend.
Das Gelee konnte Ilja Iljitsch nichts schaden, und darum mußte der stets gehorsame Alexejew es gerne essen.
Nach dem Speisen konnte niemand und nichts Ilja Iljitsch vom Liegen abbringen. Er legte sich gewöhnlich für eine Stunde auf das Sofa hin. Die Hausfrau schenkte gleich darauf den Kaffee ein und ließ die Kinder daneben auf dem Teppich spielen, damit Ilja Iljitsch nicht einschlief, und er mußte notgedrungen an allem teilnehmen.
»Höre auf, Andrjuscha zu necken; er wird gleich weinen!« wies er Wanja zurecht, wenn dieser das Kind neckte.
»Maschenjka, schau, Andrjuscha wird sich am Sessel stoßen!« warnte er sorgsam, wenn das Kind unter die Sessel kroch.
Und Mascha stürzte dem »Brüderchen« nach, wie sie das Kind nannte.
Dann verstummte alles für einen Augenblick, die Hausfrau war in die Küche nachsehen gegangen, ob der Kaffee fertig war. Die Kinder wurden ruhig. Im Zimmer ertönte ein zuerst gedämpftes Schnaufen, das immer lauter wurde, und als Agafja Matwejewna mit der dampfenden Kaffeekanne erschien, war sie vom Schnarchen betroffen, das so laut wie in einem Bauernhaus erklang. Sie nickte Alexejew vorwurfsvoll zu.
»Ich habe ihn geweckt, er hört aber nicht auf mich!« sagte dieser, um sich zu entschuldigen.
Sie stellte die Kaffeekanne schnell auf den Tisch hin, nahm Andrjuscha vom Fußboden auf und setzte ihn leise aufs Sofa zu Ilja Iljitsch hin.
Das Kind kroch auf ihn hinauf, erreichte sein Gesicht und packte ihn bei der Nase.
»Was? Wer?« fragte unruhig der erwachte Ilja Iljitsch.
»Sie sind eingenickt, und Andrjuscha ist auf Sie hinaufgekrochen und hat Sie aufgeweckt«, sagte die Hausfrau freundlich.
»Wann bin ich denn eingenickt?« rechtfertigte sich Oblomow, Andrjuscha in seine Arme nehmend. »Habe ich denn nicht gehört, wie er mit seinen Händchen auf mir herumgekrabbelt ist? Ich höre alles. Ach, dieser Wildfang; er hat mich bei der Nase gepackt! Wart nur, wart! Du kriegst dafür schon etwas ab!« sagte er, das Kind liebkosend. Dann ließ er es auf den Fußboden herab und seufzte laut auf.
»Erzählen Sie etwas, Iwan Alexeitsch«, sagte er.
»Wir haben schon über alles gesprochen, Ilja Iljitsch; ich habe jetzt nichts mehr zu erzählen«, antwortete Alexejew.
»Wieso denn? Sie kommen ja mit Menschen zusammen, gibt es denn nichts Neues? Ich denke, Sie lesen auch?«
»Ja, ich lese manchmal, oder die anderen lesen und sprechen darüber, und ich höre zu. Gestern hat bei Alexej Spiridonitsch der Sohn, ein Student, laut vorgelesen ...«
»Was hat er denn gelesen?«
»Von den Engländern, die jemandem Gewehre und Pulver geschickt haben. Alexej Spiridonitsch hat gesagt, daß es Krieg geben wird.«
»Wem haben sie es denn geschickt?«
»Nach Spanien oder nach Indien, ich weiß es nicht mehr, aber der Gesandte war sehr unzufrieden.«
»Welcher Gesandte?«
»Das habe ich schon vergessen!« sagte Alexejew, die Nase zum Plafond erhebend und sich zu erinnern bemüht.
»Mit wem wird es denn Krieg geben?«
»Ich glaube mit dem türkischen Pascha.«
»Nun, was gibt es noch Neues in der Politik?« fragte Ilja Iljitsch nach einem Schweigen.
»Man schreibt, daß die Erdkugel sich immer mehr abkühlt; sie wird einmal ganz erstarren.«
»Ist denn das Politik?« fragte Oblomow.
Alexejew war verblüfft.
»Dimitrij Iwanitsch hat zuerst etwas über Politik gesagt«, rechtfertigte er sich, »und hat dann weitergelesen, ohne mitzuteilen, wenn die Politik zu Ende ist. Ich weiß, daß das schon Literatur ist.«
»Was hat er denn über Literatur gelesen?« fragte Oblomow.
»Er hat gelesen, daß Dimitriew, Karamsin, Batjuschkow und Schukowskij die besten Schriftsteller sind ...«
»Und Puschkin?«
»Puschkin war nicht dabei. Es ist auch mir aufgefallen, daß er nicht dabei war! Er ist ja ein Genie!« sagte Alexejew, das »G« wie ein »Sch« aussprechend.
Darauf folgte Schweigen. Die Hausfrau brachte ihre Arbeit herein und begann die Nadel hin und her zu bewegen, indem sie ab und zu Ilja Iljitsch und Alexejew anblickte und mit wachsamen Ohren lauschte, ob es nicht irgendwo Lärm und Unordnung gab, ob Sachar sich nicht in der Küche mit Anissja zankte, ob Akulina das Geschirr abwusch, ob die Pforte nicht auf dem Hof knarrte, das heißt, ob der Hausbesorger sich nicht in die »Kneipe« entfernt hatte.
Oblomow versenkte sich leise in Schweigen und Sinnen. Dieses Sinnen war weder Schlaf noch Wachen; er ließ die Gedanken sorglos frei herumirren, ohne sie auf etwas zu konzentrieren, hörte dem gleichmäßigen Schlag seines Herzens zu und blinzelte manchmal, wie jemand, der seinen Blick auf nichts Bestimmtes richtet. Er hatte sich in einen unbestimmten, rätselhaften Zustand, in eine Art von Halluzination, versenkt.
Der Mensch hat manchmal seltene und kurze Momente des Sinnens, wenn es ihm scheint, daß er dem schon einmal irgendwo erlebten Augenblick zum zweitenmal begegnet. Er weiß nicht, ob das um ihn Vorgehende ihm im Traum erschienen ist, oder ob er schon einmal gelebt und es vergessen hat; er sieht aber, daß ihn jetzt dieselben Personen umgeben, die einst um ihn herum waren, und daß dieselben Worte schon einmal gesprochen wurden. Die Phantasie kann sich nicht dorthin zurückversetzen, das Gedächtnis läßt die Vergangenheit nicht auferstehen und ruft nur tiefes Sinnen hervor. Das war jetzt Oblomows Zustand. Auf ihn senkte sich die schon einmal von ihm erlebte Stille herab, er sieht den bekannten Pendel sich bewegen und hört das Knistern des abgebissenen Fadens; bekannte Worte und bekanntes Flüstern wiederholen sich: »Ich kann nicht mit dem Faden in die Nadel hineinkommen, probiere du's, Mascha, du hast schärfere Augen!« Er blickte träge, mechanisch und wie im Traum auf das Gesicht der Hausfrau, und aus der Tiefe seiner Erinnerungen taucht eine bekannte, von ihm irgendwo gesehene Gestalt auf. Er sucht darauf zu kommen, wann und wo er das gesehen hat ... Und er sieht den großen, dunklen, von einer Paraffinkerze beleuchteten Salon in seinem Vaterhause, und um den Tisch herum sitzt die verstorbene Mutter mit ihren Gästen; sie nähen schweigend; der Vater geht auf und ab. Gegenwart und Vergangenheit haben sich verwebt und verflochten. Ihm träumt, daß er jenes gelobte Land erreicht hat, wo Milch und Honig fließen, wo man, ohne zu arbeiten, ißt und sich in Gold und Silber kleidet ... Er hört von den Träumen und Vorzeichen sprechen und das Klappern der Teller und Messer ertönen, schmiegt sich an die Kinderfrau und lauscht ihrer greisenhaft zitternden Stimme: »Militrissa Kirbitjewna!« sagt sie, ihn auf die Gestalt der Hausfrau hinweisend. Er glaubt, dasselbe Wölkchen wie damals über den blauen Himmel gleiten zu sehen, derselbe Wind bläst ins Fenster hinein und spielt mit seinen Haaren; und ein Oblomower Truthahn geht unter dem Fenster und schreit.
Jetzt bellt der Hund; es ist gewiß ein Gast gekommen. Vielleicht ist es Andrej, der mit dem Vater aus Werchljowo kommt? Das war ein Feiertag für ihn. Das ist er wahrscheinlich. Die Schritte nähern sich immer mehr, die Tür öffnet sich ... »Andrej!« sagt er. Vor ihm steht wirklich Andrej, aber nicht als Knabe, sondern als reifer Mann. Oblomow erwachte; vor ihm stand kein Gespenst, sondern der wirkliche und greifbare Stolz.
Die Hausfrau ergriff schnell Andrjuscha, nahm ihre Arbeit vom Tisch auf und führte die anderen Kinder fort; auch Alexejew verschwand. Stolz und Oblomow blieben allein und blickten einander schweigend und unbeweglich an. Stolz durchdrang ihn förmlich mit den Augen.