Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Die Rumpfregierung von Tarelsk scheint zu glauben, dass sie immer noch ein funktionierendes Geschäft leitet. Hier ist unsere Analyse…« Der neue Sprecher sprach ein flüssiges Nese; sie hatten jetzt zwanzig Jahre Zeit gehabt, um ihre gemeinsame Sprache abzustimmen. Dieser Flottenkapitän war ein junger… Mann… von der Alten Erde. Im Laufe von achttausend Jahren war die Alte Erde viermal entvölkert worden. Wären nicht die Tochterwelten gewesen, wäre die menschliche Rasse längst ausgestorben. Was jetzt auf der Erde lebte, war seltsam. Keiner von ihrer Art war bisher so weit vom Zentrum des Menschenraums aufgetaucht. Nun aber, als die Flotten ihre Annäherung an das Namqem-System vollendeten, befanden sich die Schiffe der Alten Erde kaum zehn Lichtsekunden von Phams Flaggschiff entfernt. Sie hatten ebenso wie alle anderen an der Vorbereitung dessen mitgewirkt, was sie mittlerweile alle die Rettung nannten.
Sammy wartete höflich, um sicherzugehen, dass der andere fertig war. Unterhaltung über eine Entfernung von vielen Sekunden erforderte eine besondere Disziplin. Dann nickte er. »Tarelsk wird wahrscheinlich der Schauplatz der ersten Megatoten sein, obwohl wir noch keine genaue Vorstellung von der Ursache haben.«
Pham saß im selben Beratungsraum wie Sammy. Er nutzte seine Position, um sich einzuschalten, ehe die Zeitscheibe des anderen wirklich vorüber war. »Geben Sie uns eine Zusammenfassung von Suras Situation, Sammy.«
»Kauffahrerin Vinh befindet sich noch immer im Haupt-Planetoidengürtel. Sie ist etwa zweitausend Lichtsekunden von unserer gegenwärtigen Position entfernt.« Es würde noch eine Weile dauern, ehe Sura sich unmittelbar beteiligen konnte. »Sie hat eine Menge nützliche Hintergrundinformationen geliefert, aber sie hat ihr Temp und viele von ihren Schiffen eingebüßt.« Sura besaß eine Anzahl Grundstücke im Gürtel; zweifellos war sie für den Augenblick in Sicherheit. »Sie empfiehlt, den Ort des Großen Treffens nach der Brisgo-Lücke zu verlegen.«
Sekunden trieben träge dahin, während sie auf Kommentare von weiter draußen warteten. Zwanzig Sekunden. Nichts von der Flotte der Alten Erde, doch das konnte Höflichkeit sein. Vierzig Sekunden. Der Flottenkapitän von Strentmann ergriff das Wort, natürlich war es eine Frau. »Nie gehört. Brisgo-Lücke?« Sie hob die Hand, um zu zeigen, dass sie ihre Sprechzeit weiter nutzen wollte. »Gut, ich sehe. Ein Dichtewellen-Phänomen in ihrem Planetoidengürtel.« Sie ließ ein verdrießliches Lachen hören. »Ich nehme an, um diesen Ort wird kein Streit entbrennen. Sehr gut, wir könnten eine Längenposition in der Nähe von Kauffahrer Vinhs Besitz auswählen und uns alle dort treffen… nachdem wir die Rettung vollbracht haben.«
Sie waren über Dutzende, manche über Hunderte von Lichtjahren gekommen. Und nun würde ihr Großes Treffen im leeren Raum stattfinden. So gut es bei der Verzögerung zwischen ihnen möglich war, hatte Pham mit Sura wegen dieses Vorschlags gestritten. Sich an einem Ort im Nirgendwo zu treffen, hieß, ein Versagen einzugestehen. Als die Lange Sicht wieder an der Reihe war, ergriff Pham das Wort. »Gewiss hat Kauffahrer Vinh Recht, wenn sie eine abgelegene Ecke des Namqem-Systems für das Treffen auswählt. Aber wir hatten jahrelang Zeit, die Rettung zu planen. Wir haben unsere fünftausend Schiffe. Wir haben Aktionsstrategien für jede der Megalopolis-Bevölkerungen und für die, die schon auf den Planeten verlegt worden sind. Ich stimme Flottenkapitän Transolet zu. Ich schlage vor, dass wir unseren Plan ausführen, ehe wir uns bei dieser Lücke treffen.«
Achtunddreissig
Es war ein Krieg im Gange. Drei verschiedene Megalopolis-Bevölkerungen schwebten in Gefahr. Die Ressourcen von fast tausend Schiffen wurden eingesetzt, um den Wildwuchs an Militär niederzuhalten, der im Chaos aufgekommen war. Die Landekapazitäten von zweihundert Schiffen wurden auf die Oberfläche von Namqem selbst geschickt. Der Planet war etliche tausend Jahre lang ein geschniegelter Park gewesen — doch nun würde er für Milliarden zur Heimat werden. Ein Teil der Megalopolis-Bevölkerung war schon auf der Oberfläche.
Über zweitausend Schiffe wurden nach Maresk geschickt. Das Regime dort war kaum noch vorhanden — doch die Hungersnot drohte in wenigen Megasekunden. Ein großer Teil von Maresk war vielleicht durch eine Kombination von fein abgestimmtem Vorgehen und grober Masse an Transportkapazität zu retten.
Tarelsk hatte noch eine aktive Regierung, doch die glich keiner Regierung aus der Geschichte des Namqem-Systems. Es war etwas aus den finsteren Zeiten anderer Welten, wo Herrscher von Versöhnung tönten und vorsätzlich millionenfach mordeten. Die Regierung von Tarelsk war ein bodenloser Wahnsinn.
Einer von Sammys Analytikern sagte: »Die niederzuschlagen, wird fast auf eine bewaffnete Eroberung hinauslaufen.«
»Fast?« Pham schaute von den Anflugplänen auf; jedes Besatzungsmitglied trug Druckanzug und Helm. »Verdammt, das ist einfach eine.« Im einfachsten Fall würde die Rettungsmission der Dschöng Ho aus drei koordinierten Coups bestehen. Wenn sie gelangen, würden sie in der Erinnerung etwas anderes sein. Wenn sie gelangen, wäre jede Operation ein kleines Wunder, eine Errettung, die die Einheimischen nicht aus eigener Kraft leisten konnten. Vielleicht zehnmal in der ganzen Geschichte hatte es echten interstellaren Krieg über mehr als ein paar Lichtjahre hinweg gegeben. Pham fragte sich, was wohl sein Vater gedacht hätte, wenn er gewusst hätte, was sein abgeschobener Sohn eines Tages vollbringen würde. Er wandte sich wieder den Anflugplänen zu. Der schnellste würde fünfzig Kilosekunden erfordern, um Tarelsk zu erreichen. »Was gibt es Neues?«
»Wie erwartet geht die Regierung von Tarelsk nicht auf unsere Argumente ein. Sie halten uns für Invasoren, nicht für Retter. Und sie geben, was wir sagen, nicht an die Bevölkerung von Tarelsk weiter.«
»Aber die Leute wissen es doch sicherlich trotzdem?«
»Nicht unbedingt. Wir hatten drei erfolgreiche Vorbeiflüge.« Die Roboter waren vor vier Megasekunden losgeschickt worden, Erkundungspfeile, die fast ein Zehntel Lichtgeschwindigkeit schafften. »Wir haben nur einen Blick von Millisekunden erhascht, doch was wir gesehen haben, stimmt mit dem überein, was uns Suras Spione sagen. Wir glauben, die Regierung hat sich für staatliche Totalregulierung entschieden.«
Pham stieß einen leisen Pfiff aus. Nun war jedes verkoppelte Computersystem bis hinab zur Kinderrassel ein Apparat der Regierung. Es war die extremste Form sozialer Steuerung, die jemals erfunden worden war. »Also müssen sie jetzt alles lenken.« Der Gedanke war für einen autoritären Geist schrecklich verlockend… Das Problem war nur, dass kein Despot über die Mittel verfügte, um jede Einzelheit im Verhalten seiner Gesellschaft zu planen. Nicht einmal Planetenknacker-Bomben hatten einen derart schrecklichen Ruf, was die Fähigkeit anging, Zivilisationen auszulöschen. Die Herrscher von Tarelsk waren in der Tat weit zurückgefallen. Pham lehnte sich in seinem Sessel zurück. »In Ordnung. Das macht es leichter und riskanter. Wir werden den schnellsten Kurs einschlagen; diese Kerle werden alle umbringen, wenn man sie einfach sich selbst überlässt. Verfahrt nach Abwurfplan neun.« Das bedeutete immer neue Wellen unbemannter Apparate. Die ersten, zielgenaue Impulsbomben, würden versuchen, Augen und Automatik von Tarelsk blind und taub zu machen. Später würden Mineur-Sonden folgen, die die Stadtgebiete des Mondes mit Dschöng-Ho-Automatik überfluten sollten. Wenn Phams Pläne aufgingen, würde sich die Automatik von Tarelsk mit einem anderen System konfrontiert sehen, das ziemlich fremdartig und für die staatliche Totalregulierung der Machthaber nicht zu kontrollieren war.
Phams Flotte vollführte einen nahen Vorbeiflug an Namqem. Das Manöver hielt sie ein paar tausend Sekunden aus der direkten Schusslinie von Tarelsk. Das war an sich eine Art Premiere. Zivilisierte Systeme mochten es nicht, wenn große Fusionsraketen — ganz zu schweigen von interstellaren Triebwerken — inmitten dicht besiedelter Zonen operierten. Hohe Geldstrafe, sogar Ausweisung oder Beschlagnahme waren der Preis für solche Gesetzwidrigkeiten. Immerhin war es hübsch, das eine Mal auf all das zu pfeifen. Die dreißig Schiffe von Pham verzögerten mit maximaler Schubkraft, über ein g, und das schon seit Kilosekunden. Sie schossen in weniger als zweihundert Kilometern Höhe über die nördlichen mittleren Breiten von Namqem hinweg — und das mit nahezu zweihundert Kilometern pro Sekunde. Sie erhaschten einen Blick auf Wälder, auf gepflegte Wüsten, auf die provisorischen Städte für die Flüchtlinge von Alqin. Und dann entfernten sie sich wieder vom Planeten, ihre Bahn kaum gekrümmt von seiner Masse. Es war wie in einer Illustration für Kinder, wie der Planet buchstäblich in ihrer Sicht vorbeischoss.