Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Oh, das habe ich. Sie sind ein bisschen zusammenhanglos, meinen Sie nicht?«
»Nun ja, er war der große Reisende. Ich glaube nicht, dass er sich jemals besonders um die Historiker gekümmert hat.«
»Herr Vinh, Pham Nuwen schätzte den Respekt der Geschichte so sehr wie jeder von den Giganten. Ich denke — ich weiß —, dass eure Dschöng-Ho-Archive sorgfältig zurechtgestutzt sind, wahrscheinlich von Ihrer eigenen Familie. Aber sehen Sie, jemand derart Großes wie Pham Nuwen hat andere Historiker angezogen — von den Welten, die er verändert hat, von anderen Raumfahrt betreibenden Kulturen. Auch deren Geschichten fließen durch die Epochen, und ich habe alles gesammelt, was durch diesen Teil des Menschenraums gekommen ist. Er ist ein Mann, dem gleichzutun ich mich immer bemüht habe. Ihr Pham Nuwen war kein sich einschleimender Händler. Pham Nuwen war jemand, der eine Ordnung geschaffen hat, ein Eroberer. Freilich, er benutzte eure Kauffahrer-Techniken, die Täuschung und die Bestechung. Doch er ist nie vor Drohungen und roher Gewalt zurückgeschreckt, wenn es notwendig war.«
»Ich…« Die Diagnostik malte eine bemerkenswerte Kombination von Wut und Überraschung und Zweifel über Vinhs Gesicht, genau die Mischung, die Nau geschätzt hätte.
»Ich kann es beweisen, Herr Vinh.« Er sprach Schlüsselwörter in die Luft. »Ich habe soeben einige von unseren Archiven in Ihren persönlichen Bereich übertragen. Sehen Sie sie sich an. Das sind ungeschminkte, nicht von der Dschöng Ho gemodelte Ansichten von dem Mann. Ein Dutzend kleine Gräueltaten. Lesen Sie die wahre Geschichte, wie er den strentmannischen Pogrom beendete oder wie er bei der Brisgo-Lücke verraten wurde. Dann lassen Sie uns weiterreden.«
Erstaunlich. Nau hatte nicht vorgehabt, derart unverblümt zu sprechen, aber die hervorgerufenen Wirkungen waren so interessant. Sie wechselten noch ein paar bedeutungslose Sätze, und die Besprechung war vorüber. Rot schimmerte rings um Vinhs Hände, Symptome eines unsichtbaren Zitterns, als er sich zur Tür bewegte.
Nau saß noch einen Moment still da, nachdem der Krämer fort war. Er starrte ins Leere, doch in Wahrheit las er in seiner Datenbrille. Der Bericht der Schnüffler war ein Strom farbiger Zeichen vor einer Landschaft von Diamant Eins. Er würde den Bericht sorgfältig lesen… später. Zuerst waren da seine eigenen Gedanken zu ordnen. Die Orter-Diagnostik war fast Zauberei. Ohne sie, wusste er, hätte er Vinhs Erregung kaum bemerkt. Vor allem wäre ich ohne die Diagnostik nicht imstande gewesen, das Gespräch zu lenken und mich auf die Themen einzuschießen, die Vinh unter die Haut gingen. Also ja, aktive Manipulation schien tatsächlich machbar zu sein; das war nicht einfach eine Schnüffeltechnik. Und jetzt wusste er, dass ein erheblicher Teil des Selbstbildes von Ezr Vinh an den Dschöng-Ho-Märchen hing. Konnte der Junge wirklich von einer anderen Sicht dieser Geschichten umgedreht werden? Bisher hätte er das nie für möglich gehalten. Mit diesen neuen Werkzeugen vielleicht…
Siebenunddreissig
»Wir sollten uns noch einmal zu einem Gespräch treffen.«
»… Gut. Schauen Sie, Pham. Ich glaube diese Lügen nicht, die Nau mir da aufgetischt hat.«
»Tja, jeder schreibt sich eben seine eigene Version von der Vergangenheit. Die Hauptsache ist, ich möchte dir ein bisschen zeigen, wie man mit derlei hinterhältigen Gesprächen umgeht.«
»Tut mir Leid. Ein paar Sekunden lang glaubte ich, wir seien aufgeflogen.« Die Stimme des Jungen klang schwach in Phams Ohr. Ezr Vinh war ziemlich gut im Umgang mit ihrer geheimen Sprechverbindung geworden; gut genug, dass Pham den verblüfften Tonfall hören konnte.
»Du hast es schon ganz gut gemacht. Mit ein bisschen Rückkopplungs-Training wirst du noch besser sein.« Sie redeten noch ein paar Augenblicke, legten einen Zeitpunkt und eine Tarnlegende fest. Dann wurde die schmale Verbindung unterbrochen, und Pham konnte über die Ereignisse des Tages nachdenken.
Verdammt. Heute war eine Katastrophe ganz knapp vermieden worden… oder nur vorläufig vermieden. Pham schwebte im abgedunkelten Zimmer, doch sein Blick schweifte über die kilometerbreite Lücke nach Diamant Eins und Hammerfest. Die Orter waren dort jetzt überall, und sie waren in Betrieb — obwohl die MRT-Geräte in der Fokus-Klinik fast augenblicklich alle Orter in der Nähe rösteten. Funktionierende Orter nach Hammerfest zu kriegen, war der Durchbruch, auf den er seit Jahren gewartet hatte, aber… Wenn ich nicht an der Diagnostik, die von Vinh kam, herumgefummelt hätte, hätten wir alles verlieren können. Pham hatte gewusst, wie der Hülsenmeister seine neuen Spielzeuge vielleicht verwenden würde; Ähnliches geschah, wenn auch weniger intensiv, im Temp seit Jahren. Nicht geahnt hatte er, dass Nau so tödlich viel Glück bei seiner Wortwahl haben würde. Nahezu zehn Sekunden lang war sich der Junge sicher gewesen, dass Nau alles herausbekommen hatte. Pham hatte die Meldung der Schnüffler über diese Reaktion abgeschwächt, und Vinh hatte eine ziemlich gute Tarnung dafür gefunden, aber…
Ich hätte nie geglaubt, dass Tomas Nau so viel über mich weiß. Im Laufe der Jahre hatte der Hülsenmeister oft behauptet, ein größerer Bewunderer der ›Giganten der Geschichte‹ zu sein, und er schloss Pham Nuwen immer in seine Liste ein. Es hatte immer nach einem leicht zu durchschauenden Versuch ausgesehen, eine gemeinsame Grundlage mit der Dschöng Ho herzustellen. Doch jetzt war sich Pham dessen nicht mehr sicher. Während Tomas Nau damit beschäftigt war, Ezr Vinh zu ›lesen‹, hatte Pham eine ähnliche Diagnostik auf den Hülsenmeister angewandt. Tomas Nau bewunderte tatsächlich sein Bild von dem historischen Pham Nuwen! Irgendwie glaubte das Ungeheuer, er und Pham Nuwen seien sich ähnlich. Er hat mich einen genannt, der ›eine Ordnung geschaffen hat.‹ Das weckte eine sonderbare Resonanz. Obwohl Pham nie daran gedacht hatte, diese Formulierung zu verwenden, war es fast genau das, was er selbst wollte. Aber wir haben nichts gemein. Tomas Nau tötet und tötet, und immer nur für sich selbst. Ich habe nie etwas anderes gewollt , als das Töten zu beenden, die Barbarei zu beenden. Wir sind unterschiedlich! Pham steckte die Absurdität wieder weg. Wirklich erstaunlich war, dass Nau so viel von der wahren Geschichte kannte. Im Laufe der letzten zehn Kilosekunden hatte Pham Vinh über die Schulter geschaut, während der Junge einen Großteil davon las. Jetzt eben zapfte Pham die ganze Datenbank aus Vinhs Bereich ab und kopierte sie in den verteilten Speicher des Orternetzes. Im Laufe der nächsten Megasekunden würde er das ganze Ding studieren.
Was er bisher gesehen hatte, war interessant. Vieles davon war sogar wahr. Doch Wahrheit oder Lüge, es war nicht die ehrfürchtige Geschichte, die Sura Vinh in der Geschichtsschreibung der Dschöng Ho hinterlassen hatte. Es war nicht die Lüge, die Suras endgültigen Verrat kaschierte. Und wie wird Ezr Vinh das aufnehmen? Pham war schon viel zu offen Vinh gegenüber gewesen. In Bezug auf Fokus war Vinh völlig unbeweglich; er würde einfach nicht aufhören, wegen der Blitzköpfe zu quengeln. Es war seltsam. Zeit seines Leben hatte Pham Verrückte und Schurken und Kunden und sogar Leute von der Dschöng Ho munter angelogen… aber auf Vinhs Besessenheit einzugehen, erschöpfte ihn. Vinh verstand einfach nicht, welche Wunder Fokus vollbringen konnte.
Und in Naus Archiv gab es Dinge, die es Pham sehr schwer machen würden, dem Jungen seine wahren Ziele zu verheimlichen.