Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Aber wir wussten… ich meine, sie wussten das. Es hat immer Sicherheitsreserven gegeben.«
Namqem war ein Triumph dezentralisierter Automation. Und jedes Jahrzehnt wurde es ein wenig besser. Jedes Jahrzehnt reagierte die Flexibilität der Regierung auf die Zwänge, die Ressourcenverteilung zu optimieren, und die Sicherheitsreserven schwanden. Die abwärts führende Spirale war viel subtiler als der Frühzeit-Pessimismus eines Karl Marx oder Han Su und hing nur unscharf mit den Erkenntnissen eines Mancur Olson zusammen. Die Regierung unternahm keine Versuche zur direkten Reglementierung. Freies Unternehmertum und individuelle Planung waren weitaus wirkungsvoller. Doch selbst wenn man alle klassischen Fallen von Korruption und Planwirtschaft und verrückten Erfindungen vermied… »Am Ende gibt es Ausfälle. Die Regierung wird direkt eingreifen müssen.« Wenn man alle anderen Bedrohungen vermied, machte einem schließlich die Komplexität der eigenen Erfolge den Garaus.
»Schön, ich weiß.« Sammy blickte weg, und Pham synchronisierte seine Datenbrille, um zu verfolgen, was der junge Mann sah: Tarelsk und Maresk, die beiden größten Monde. Zwei Milliarden Menschen auf jedem. Sie waren funkelnde Scheiben von Stadtlichtern, wie sie übers Antlitz ihrer Mutterwelt glitten — die ihrerseits der größte Park im Menschenraum war. Wenn Namqem endlich am Ende wäre, würde es ein steiler, rascher Zusammenbruch sein. Das Sonnensystem von Namqem war nicht von so desolater Natur wie die reinen Planetoiden-Kolonien in der Anfangszeit der Raumfahrtära — doch die Megalopolis-Monde brauchten Hochtechnologie, um ihre Milliarden am Leben zu erhalten. Große Ausfälle dort konnten sich leicht zu einem Krieg ausweiten, der das ganze Planetensystem ergriff. Das war die Sorte Debakel, die in mehr als einer Heimat der Menschheit alles Leben ausgelöscht hatte. Sammy beobachtete die Szene, friedlich und wunderbar — und jetzt um Jahre veraltet. Und dann sagte er: »Ich weiß. Das ist genau das, was Sie den Leuten immer sagen, in all den Jahren, seit ich bei der Dschöng Ho bin. Und Jahrhunderte vorher. Tut mir Leid, Pham. Ich habe immer geglaubt… Ich dachte einfach nie, dass mein eigener Geburtsort so bald sterben würde.«
»Ich… frage mich…« Pham schaute übers Kommandodeck seines Flaggschiffs und, in kleineren Fenstern, die Kommandodecks der anderen dreißig Schiffe seiner Flotte. Jetzt, mitten auf Fahrt, waren nur drei, vier Leute auf jeder Brücke. Es war die ödeste Arbeit im Weltall. Aber die Nuwen-Flotte war eine der größten, die zum Treffen kamen. Über zehntausend Dschöng-Ho-Leute schliefen an Bord seiner Schiffe. Sie hatten gerade vor einem Jahrhundert Terneu verlassen und flogen in der engsten Formation, die ihre Staustrahlfelder erlaubten. Bis zum fernsten Kommandodeck waren es von Phams Flaggschiff keine viertausend Lichtsekunden. »Bis nach Namqem haben wir noch zwanzig Jahre Flugzeit. Das ist eine Menge Zeit, wenn wir uns entschließen würden, sie auf Wache zu verbringen. Vielleicht… ist das eine Gelegenheit, um zu beweisen, dass das, wovon ich die ganze Zeit geredet habe, wirklich funktionieren kann. Bei unserer Ankunft wird Namqem wahrscheinlich ein Chaos sein. Doch wir sind eine Hilfe von außerhalb ihrer planetaren Falle, und wir treffen zahlreich genug ein, um etwas zu bewirken.«
Sie saßen auf dem Kommandodeck von Sammys Schiff, der Lange Sicht. Auf dieser Brücke war beinahe viel los, fünf von den dreißig Kommandoposten waren besetzt. Sammy ließ den Blick von Posten zu Posten schweifen und schließlich wieder zu Pham. Eine Art Hoffnung breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Ja… der ganze Grund für das Treffen kann illustriert werden.« Beiläufig ließ er Zeitplanprogramme laufen, schon von der Idee ergriffen. »Wenn wir Reserveressourcen verwenden, können wir fast hundert Leute pro Schiff auf Wache halten, den ganzen Weg bis nach Namqem. Das genügt, um die Lage zu untersuchen und Aktionspläne zu entwerfen. Verdammt, in zwanzig Jahren sollten wir auch imstande sein, uns mit den anderen Flotten abzustimmen.«
Sammy Park war jetzt ganz Flaggkapitän. Er starrte auf seine Berechnungen, wendete die Möglichkeiten hin und her. »Ja. Die Flotte von der Alten Erde ist weniger als ein viertel Lichtjahr von uns entfernt. Die Hälfte aller Teilnehmer ist unter sechs Lichtjahren von uns entfernt, und natürlich nimmt die Entfernung ab. Was ist mit Sura und den Dschöng-Ho-Leuten, die schon im System sind?«
Sura hatte im Laufe der Jahrhunderte Wurzeln geschlagen, aber: »Sura und ihre Leute haben ihre eigenen Ressourcen. Sie wird es überleben.« Sura verstand das Rad des Schicksals, auch wenn sie nicht glaubte, dass es durchbrochen werden könnte. Sie hatte ihr Hauptquartier vor einem Jahrhundert von Tarelsk wegverlegt; Suras ›Temp‹ war ein uralter Palast im Planetoidengürtel. Sie würde erraten, was Pham vorhatte. Die Wellenfront ihrer Analyse kam wahrscheinlich schon auf sie zu. Vielleicht gab es doch einen Herrn Allen Handels. Zweifellos gab es eine Unsichtbare Hand. Das Treffen bei Namqem würde mehr bedeuten, als selbst er sich erträumt hatte.
Jahr für Jahr strömte die Flotte aller Flotten bei Namqem zusammen. Fünftausend Lichtfäden, Glühwürmchen, über Lichtjahre hinweg zu sehen — mit anständigen Fernrohren über Tausende von Lichtjahren. Jahr für Jahr wurde das Leuchten ihrer Triebwerke beim Bremsen dichter, eine feine Kugel von Distelwolle auf den Fenstern jedes eintreffenden Schiffs.
Fünftausend Schiffe, über eine Million Menschen. Die Schiffe enthielten Maschinen, die Welten einäschern konnten. Die Schiffe enthielten Bibliotheken und Computernetze… Und alle zusammen waren sie nicht einmal ein Wölkchen Distelwolle im Vergleich zur Macht und den Mitteln einer Zivilisation wie Namqem. Wie konnte ein Wölkchen Distelwolle einen fallenden Koloss retten? Pham hatte seine Antwort auf diese Frage persönlich und über das Netzwerk der Dschöng Ho gepredigt. Lokale Zivilisationen sind allesamt isolierte Fallen. Eine einfache Katastrophe konnte sie auslöschen, doch ein wenig Hilfe von außen würde sie vielleicht in die Sicherheit führen. Und was die schwierigen Fälle wie Namqem betraf, wo generationenlange Optimierung sich schließlich selbst zermalmte, so beruhten selbst diese Katastrophen auf dem Wesen sesshafter Zivilisationen als geschlossene Systeme. Eine Regierung hatte zu wenig Wahlmöglichkeiten, zu viele Verpflichtungen, und am Ende wurde sie von Barbarei hinweggefegt. Ein Blick von außen, eine neue Automatik — das war es, was die Dschöng Ho liefern konnte. Das, behauptete Pham, würde den Unterschied ausmachen. Nun sollte er eine Gelegenheit bekommen, seinen Standpunkt nicht nur zu verfechten, sondern zu beweisen. Zwanzig Jahre waren nicht zu viel Zeit, um sich vorzubereiten.
In zwanzig Jahren war der einst sanfte Niedergang von Namqem über Unannehmlichkeiten, über wirtschaftliche Rezession hinausgegangen. Die Regierung war nun dreimal gestürzt worden, jedes Mal ersetzt von einem Regime, das ›wirksamer‹ sein sollte — und jedes Mal war der Weg für radikalere soziale und technische Korrekturen geöffnet worden, für Ideen, die auf hundert anderen Welten versagt hatten. Und mit jedem Schritt abwärts wurden die Pläne der herannahenden Flotten präziser.
Jetzt starben Menschen. Eine Milliarde Kilometer von Namqem entfernt sahen die Flotten den Beginn von Namqems erstem Krieg. Sie sahen ihn buchstäblich mit bloßem Auge: Die Explosionen lagen im Gigatonnen-Bereich, die Zerstörung einer rivalisierenden Regierung, die sich mit zwei Dritteln der automatisierten Industrie auf den äußeren Planeten abgespalten hatte. Nach den Detonationen blieb nur ein Drittel dieser Industrie übrig, doch das befand sich fest in der Hand der Megalopolis-Regimes.
Flaggkapitän Sammy Park berichtete bei einer Besprechung: »Alqin versucht, sich auf die Planetenoberfläche zu evakuieren. Maresk steht am Rande des Hungers, die Lieferungen aus dem äußeren System werden ein paar Tage vor unserer Ankunft versiegen.«