Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Sie können nichts tun, als alles noch schlimmer zu machen«, sagte Pham zu ihnen.
»Unsinn. Wir haben Tarelsk. Wir haben euch und die Fresssäcke auf Maresk ausgelöscht. Wir haben mehr als genug Ressourcen, um für Tarelsk Selbstversorgung zu erreichen. Wenn ihr fort seid, werden wir eine neue Ordnung errichten.« Und dann zitterte und verblasste die Videoverbindung; Pham sollte nie erfahren, ob das Absicht war oder nur eine Folge des zersplitterten Kommunikationssystems.
Egal. Das Gespräch hatte lange genug gedauert, um die Zwischenknoten zu identifizieren. Und Phams Truppen besaßen Hardware und Software, die außerhalb der Abstammungslinien von Namqem lagen. Mit ihrer Ausrüstung und mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung war der Sturz der wahnsinnigen Regierung eine Sache von noch ein paar Kilosekunden.
Als das geschafft war, begann die schwerste Arbeit des Rettungsplans.
Neununddreissig
Das Große Treffen der Dschöng Ho fand 20 Megasekunden später statt. Das Sonnensystem von Namqem war immer noch Katastrophengebiet. Alqin war größtenteils leer, die Bevölkerung war in Lagern auf Namqem untergebracht, hungerte aber nicht. Maresk, der kleinste Mond, war ein radioaktives Wrack; ihn wieder aufzubauen, würde Jahrhunderte dauern. Fast eine Milliarde Menschen waren dort gestorben. Doch die letzte Nahrungsmittelfracht war gerettet, die automatische Landwirtschaft der äußeren Welten wieder in Gang gebracht worden, und es gab genug Nahrung für die zwei Milliarden Überlebenden auf Tarelsk. Die Automatik auf Namqem war schwer angeschlagen und funktionierte vielleicht mit zehn Prozent ihrer Effizienz vor der Katastrophe. Die Menschen im Namqem-System, die bis jetzt überlebt hatten, würden weiter leben und alles wieder aufbauen. Die Menschen im System würden nicht aussterben und kein Dunkles Zeitalter durchmachen. Die Enkel der Überlebenden würden sich wundern, was das für eine schreckliche Zeit war.
Doch es gab noch immer keinen zivilisierten Austragungsort für das Große Treffen. Pham und Sura hielten sich an den ursprünglichen Entschluss. Das Treffen würde draußen bei der Brisgo-Lücke stattfinden, dem verlassensten Ort im mittleren System. Dort brauchte man sich wenigstens keine Zerstörungen anzusehen, keine lokalen Probleme zu lösen. Von der Brisgo-Lücke aus waren der Planet Namqem und seine drei Monde nur eine blaugrüne Scheibe und drei Lichtpunkte.
Sura Vinh verwendete ihre letzten Ressourcen aus den Planetoiden, um das Temp für das Große Treffen zu bauen. Pham hatte gehofft, sie würde von dem Erfolg beeindruckt sein, die die Dschöng Ho errungen hatte. »Wir haben die Zivilisation gerettet, Sura. Sicherlich glaubst du mir jetzt. Wir können mehr sein als geheimniskrämerische Kauffahrer.«
Doch Sura Vinh war so alt geworden. In der Morgenröte der Zivilisation hatte die Medizin Unsterblichkeit verheißen. In den frühen Jahrtausenden war der Fortschritt schnell gewesen. Zweihundert Lebensjahre, sogar dreihundert wurden erreicht. Danach war jeder weitere Fortschritt weniger beeindruckend und teurer. Und so hatte die Menschheit allmählich noch einen ihrer naiven Träume verloren. Kälteschlaf konnte den Tod um Jahrtausende hinausschieben, doch selbst mit der besten medizinischen Hilfe konnte man nicht mit viel mehr als fünfhundert Jahren wirklicher Lebenszeit rechnen. Das war die äußerste Grenze, die ein einzelner Mensch erreichen konnte. Und wenn man dieser Grenze nahe kam, zahlte man einen schrecklichen Preis.
Suras Rollstuhl glich eher einem mobilen Krankenzimmer als einem Möbelstück. Ihre Arme zuckten hoch, selbst in der Schwerelosigkeit schwach. »Nein, Pham«, sagte sie. Ihre Augen waren klar und grün wie eh und je, gewiss Transplantate oder künstlich. Ihrer Stimme war der synthetische Ursprung deutlicher anzumerken, doch Pham hörte ihr vertrautes Lächeln darin. »Das Große Treffen muss entscheiden, du weißt doch? Wir haben deinen Plänen niemals zugestimmt. Der Zweck der Zusammenkunft war, die Frage zur Abstimmung zu stellen.«
Eben das hatte Sura seit den frühesten Jahrhunderten immer gesagt, als sie erkannte, dass Pham seinen Traum nie aufgeben würde. O Sura, ich möchte dir nicht weh tun, aber wenn meine Ansicht explizit über deine siegen muss, dann soll es so sein.
Das Temp, das Sura in der Mitte der Brisgo-Lücke positioniert hatte, war riesig, sogar nach den Maßstäben ihrer Besitztümer aus der Zeit vor der Katastrophe. Die Sternenschiffe aller überlebenden Flotten konnten daran festmachen, und Sura sorgte für die Sicherheit mehr als zwei Millionen Kilometer über die Lücke hinaus.
Der zentrale Raum des Temps war eine Versammlungshalle mit Schwerelosigkeit. Sie war wahrscheinlich die großartigste in der Geschichte, über jeden praktischen Zweck hinaus weiträumig. Megasekunden vor dem Treffen selbst gab es gesellschaftliche Kontakte, die größte Begegnung von Kauffahrern, die es jemals gegeben hatte und wahrscheinlich jemals geben würde. Pham verwendete jede Kilosekunde, die er sich von den Rettungsarbeiten freimachen konnte, um daran teilzunehmen. Jeden Tag knüpfte er mehr Kontakte, hatte mehr Wechselwirkung, als es in einem Jahrhundert seines bisherigen Lebens möglich gewesen war. Irgendwie musste er die Zweifler umstimmen. Und es gab so viele davon. Sie waren im Grunde anständig, aber so vorsichtig und schlau. Viele von ihnen waren seine eigenen Nachfahren. Ihre Bewunderung — sogar ihre Zuneigung — wirkte echt, doch er war sich nie sicher, wie viele er wirklich überzeugt hatte. Pham wurde gewahr, dass er nervöser war als jemals im Kampf oder sogar bei schwierigen Geschäften. Macht nichts, sagte er sich. Darauf hatte er sein Leben lang gewartet. Kein Wunder, dass er ein paar Megasekunden vor der endgültigen Entscheidung aufgeregt war.
Die letzten Megasekunden vor dem Treffen brachten eine fieberhafte Neuordnung der Zeitpläne. Dem Sonnensystem von Namqem fehlte immer noch ordentliche Automation. Es würde wahrscheinlich noch ein Jahrzehnt dauern, dass Hilfe von außen notwendig wäre, um Rückfälle zu verhindern und zu sichern, dass nicht wieder Opportunisten hochkamen. Doch Pham wollte seine Leute bei dem Treffen haben. Und Sura trickste nicht an seinem Wunsch herum. Gemeinsam entwarfen sie einen Plan, der alle Leute Phams im Temp versammeln und dennoch die neue Regierung von Namqem nicht gefährden würde.
Und schließlich kam Phams Zeit. Seine einzige, größte Gelegenheit, die Dinge in Gang zu bringen. Er schaute durch den Schleier der Vorhänge am Eingang in die Weite der Halle. Sura hatte soeben ihre Vorstellung Phams beendet und war im Begriff, die Rednerplattform zu verlassen. Applaus brandete aus allen Richtungen auf. »Herr…«, murmelte Pham.
Hinter ihm sagte Sammy Park: »Nervös, Kapitän?«
»Und wie.« Im Grunde hatte er nur einmal ebensolche Angst verspürt — als er als kleiner Junge zum ersten Mal die Brücke eines Sternenschiffs betreten und sich den Kauffahrern von der Dschöng Ho gegenüber gesehen hatte. Er wandte sich um und betrachtete seinen Flaggkapitän. Sammy lächelte. Seit den Rettungsaktionen auf Tarelsk wirkte er glücklicher als je zuvor. Zu schade. Womöglich ging er nicht wieder auf Fahrt, jedenfalls nicht mit Phams Flotte. Die Menschen, die seine Mannschaft gerettet hatte, waren wirklich seine eigene Familie. Und diese niedliche Groß-Groß-Großnichte von ihm: Jun war in Ordnung, aber sie hatte ihre eigenen Vorstellungen, was Sammy mit seinem Leben anfangen sollte. Sammy streckte die Hand aus. »V-viel Glück, Kapitän.«
Und dann war Pham durch die Vorhänge. Auf dem Weg nach oben kam er an Sura vorbei. Es war keine Zeit, um zu sprechen oder zu hören. Ihre gebrechliche Hand strich über seine Wange. Durch Woge um Woge von Applaus stieg er zur zentralen Plattform hinan. Sei ruhig. Es waren noch mindestens zwanzig Sekunden, ehe er etwas sagen musste. Neunzehn, achtzehn… Die Große Halle maß nahezu siebenhundert Meter im Durchmesser und war in der uralten Tradition eines Hörsaals gebaut. Sein Publikum war eine fast vollständige Kugel von Menschen, die es sich über die ganze innere Oberfläche der Halle bequem gemacht hatten, der winzigen Rednerplattform zugewandt. Pham schaute hin und her, nach oben und unten, und wo immer sein Blick hinfiel, schauten Gesichter zurück. Berichtigung: Es gab eine Flucht leerer Plätze, nahezu hunderttausend, für die Toten der Dschöng Ho, die bei der Zerstörung von Maresk umgekommen waren. Sura hatte auf dieser Anordnung bestanden — um die Toten zu ehren. Pham hatte zugestimmt, doch er wusste, dass Sura auf diese Weise auch alle daran erinnerte, dass Phams Vorschlag einen schrecklichen Preis fordern könnte.