Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Hätte sie niemals einladen dürfen!« sagte Colonel Mering.
»Wenn sie nicht Mr. St. Trewes kennengelernt hätte«, klagte Mrs. Mering, »wäre ihr der Gedanke ans Heiraten überhaupt nicht gekommen.« Ihre Stimme erstarb in schluchzendem Gemurmel, und es war nett zu wissen, daß andere Leute ihre Handlungen hinterfragten, aber auch eindeutig Zeit, aufzubrechen.
Ich öffnete die Kommode und betrachtete die Sachen, die Baine sorgfältig darin gestapelt hatte. Die Hemden gehörten allesamt Elliot Chattisbourne und ins victorianische Zeitalter. Ebenso die Kragen und Manschetten und Nachthemden. Bei den Socken war ich mir nicht sicher, aber ich mußte das Paar getragen haben, als ich hierherkam oder das Netz hätte sich hinterher nicht mehr geöffnet. Natürlich nur, wenn ich damit nicht eine Inkonsequenz erzeugt hätte, in welchem Fall nicht einmal erhöhter Schlupfverlust entstanden wäre.
Und wenn das Kontinuum so begierig gewesen war, Verity und mich loszuwerden. Warum war das Netz nicht einfach geschlossen geblieben, als wir zum ersten Mal von Oxford aus zurückwollten, nachdem wir Dunworthy Bericht erstattet hatten? Warum hatte es sich überhaupt geöffnet, als Verity Prinzessin Arjumand mitnehmen wollte? Baine hatte die Katze nicht ersäufen wollen. Er hätte sich gefreut, Verity mit der Katze im Arm am Gartenpavillon stehen zu sehen, gefreut, daß sie in die Themse gewatet war und sie gerettet hatte. Warum hatte es sich geöffnet, als Verity das allererste Mal nach Muchings End kam? Es ergab alles keinen Sinn.
Ich öffnete die unterste Schublade. Tüchtig, wie er war, hatte Baine meine zu kleinen Hemden zusammengelegt und meine zu kleinen Lacklederschuhe geputzt. Ich packte alles in die Reisetasche und schaute mich im Zimmer um, ob ich nicht noch etwas mitnehmen mußte. Die Rasiermesser nicht, gottseidank. Und auch nicht die silbernen Haarbürsten.
Mein Strohhut lag auf dem Nachttisch. Ich wollte ihn aufsetzen, besann mich dann aber. Es war wohl nicht der Anlaß, forsch auszusehen.
Nichts von allem ergab Sinn. Wenn das Kontinuum nicht gewollt hatte, daß wir uns einmischten, warum hatte es mich dann vierzig Meilen entfernt von Muchings End ankommen lassen? Und Carruthers in einem Kürbisfeld? Warum hatte es sich nach dem Luftangriff drei Wochen lang geweigert, sich für Carruthers zu öffnen? Warum hatte es mich ins Jahr 2018 und 1395 geschickt und Verity ins Jahr 1940? Und die wichtigste Frage von allen — warum schickte es uns jetzt zurück?
»Ein Amerikaner!« schrillte Mrs. Merings Stimme vom Ende des Korridors her. »Es ist alles Mr. Henrys Schuld. Er und seine unmöglichen amerikanischen Ansichten über Klassengleichheit!«
Eindeutig Zeit, aufzubrechen. Ich schloß die Reisetasche und ging auf den Korridor. An Veritys Tür hielt ich und wollte gerade klopfen, ließ es aber auch lieber sein.
»Wo ist Jane?« erschallte Mrs. Merings Stimme. »Warum ist sie noch nicht zurück? Irische Dienstboten! Das ist alles deine Schuld, Mesiel.Ich wollte…«
Ich huschte rasch und lautlos die Treppe hinunter, an deren Fuß Colleen-Jane stand, die Schürze in den Händen zerknüllend.
»Hat sie Sie entlassen?« fragte ich sie.
»Nein, Sorrr, noch nicht.« Sie schaute nervös in die Richtung von Mrs. Merings Zimmer. »Aber sie ist dermaßen wütend.«
Ich nickte. »Ist Miss Brown schon nach unten gekommen?«
»Ja, Sorrr. Ich soll Ihnen sagen, sie wartet am Bahnhof auf Sie.«
»Am Bahnhof?« Dann begriff ich, daß Verity das Netz meinte. »Danke, Jane. Colleen. Und viel Glück.«
»Danke, Sorrr.« Zögernd ging sie die Treppe hoch und bekreuzigte sich dabei.
Ich öffnete die Eingangstür und stand direkt vor Finch, der seinen Schwalbenschwanz und Derby trug und gerade nach dem Türklopfer hatte greifen wollen.
»Mr. Henry!« sagte er. »Genau Sie wollte ich treffen.«
Ich schloß die Tür hinter mir und führte ihn zu einer Stelle, wo wir von den Fenstern aus nicht gesehen werden konnten.
»Ich bin so froh, daß ich Sie noch getroffen habe, bevor Sie abreisten, Sir«, sagte Finch. »Ich stecke in einem Dilemma.«
»Ich bin kaum die Person, die Sie da fragen sollten.«
»Sehen Sie, Sir, mein Auftrag ist beinahe beendet und ich könnte eigentlich morgen früh bereits nach Oxford zurück, aber Mrs. Chattisbourne hat morgen nachmittag zum Tee eingeladen, wegen der Wohltätigkeitsveranstaltung am Tag der Heiligen Anna. Es ist ihr furchtbar wichtig und deshalb wollte ich, damit alles glatt geht, noch bleiben. Dieses Mädchen von ihr, Gladys, hat ein Spatzenhirn und…«
»Und Sie befürchten, daß Sie die Einweihung verpassen könnten, wenn Sie noch ein paar Tage länger bleiben?« fragte ich.
»Nein. Ich fragte Mr. Dunworthy, und er meinte, es sei in Ordnung, sie könnten mich zur selben Zeit wie geplant zurückbringen. Nein, mein Dilemma kommt daher.« Er hielt mir einen viereckigen Umschlag mit den eingravierten goldenen Initialen M. M. hin. »Das ist ein Angebot von Mrs. Mering. Sie möchte, daß ich als Butler zu ihnen komme.«
Also deshalb hatte Colleen-Jane ihren Umhang an gehabt! Ihre einzige Tochter verschwunden, durchgebrannt mit einem Butler, ihr Herz gebrochen — und das erste, was Mrs. Mering tat, war Colleen-Jane zu den Chattisbournes zu schicken, um deren Butler abzuwerben.
»Es ist ein sehr gutes Angebot, Sir«, sagte Finch. »Es ist außerordentlich verlockend.«
»Denken Sie daran, permanent in diesem Jahrhundert zu bleiben?«
»O nein, Sir! Obwohl…«, sagte Finch versonnen, »es Augenblicke gibt, wo ich fühle, daß das hier mein wahres Metier ist. Nein, mein Dilemma ist, daß Muchings End mehr meinem Auftrag entgegenkommt wie die Chattisbournes. Wenn ich alles richtig deute, müßte dieser Auftrag heute nacht beendet sein, also macht es nichts, aber es könnte auch noch mehrere Tage dauern. Und falls dem so ist, wird mein Auftrag…«
»Was ist überhaupt Ihr Auftrag, Finch?« fragte ich.
Er blickte gequält. »Das darf ich Ihnen leider nicht sagen, Sir. Mr. Lewis hat mich zu strengstem Stillschweigen verpflichtet, und ich war Zeuge von Ereignissen, von denen Sie noch nichts wissen, außerdem habe ich Zugang zu Informationen, die Sie nicht kennen, und ich möchte auf gar keinen Fall den Erfolg meines oder Ihres Auftrags aufs Spiel setzen, indem ich etwas zur unrechten Zeit ausplaudere. Wie Sie wissen, Sir, Feind hört mit.«
Wieder suchte mich jenes seltsame desorientierte Gefühl heim, als ob die Dinge wieder in Bewegung wären und sich neu ordneten, und ich bemühte mich, es festzuhalten, wie ich mich an dem Fußgängereingang festgehalten hatte.
»Feind hört mit.« Wer das gesagt hatte, wußte ich. Ich selbst war es gewesen, als ich über Ultra und Coventry und Geheimnisse, die Krisenpunkte waren, nachgedacht hatte. Es hatte etwas mit Ultra zu tun gehabt und was passiert wäre, wenn die Nazis herausgefunden hätten, daß wir ihren Code entziffert hatten — nein, das ganze war sinnlos. Gerade als die Dinge sich zu bewegen anfingen, war das Gefühl wieder verschwunden.
»Falls mein Auftrag doch noch einige Tage in Anspruch nehmen sollte«, sagte Finch gerade, »läge Muchings End für mich bedeutend günstiger — näher am Netz und am Pfarrhaus. Und es ist auch nicht so, daß ich Mrs. Chattisbourne einfach im Stich lassen würde. Durch eine Agentur in London habe ich bereits einen exzellenten Butler für sie gefunden. Ich habe vor, ihn telegrafisch von der freien Stelle in Kenntnis zu setzen, bevor ich gehe. Aber es scheint mir nicht fair, die Stellung bei Mrs. Mering anzunehmen, wo ich doch weiß, daß ich bald von hier fort gehe. Ich könnte mich ja nach noch einem Butler umsehen, aber…«