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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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»Nein, vielen Dank, das geht schon«, erwiderte ich.

»Kein Problem. Werde Baine sagen, daß…« Er brach mit hilflosem Blick ab.

»Ich bringe Miss Brown zum Bahnhof«, sagte ich.

Colonel Mering nickte. »Muß nach meiner lieben Frau sehen«, meinte er und wollte die Treppe wieder hoch. Verity lief hinter ihm her. »Colonel Mering«, sagte sie und folgte ihm halbwegs hoch. »Ich denke, Sie sollten Ihre Tochter nicht enterben.«

Er schaute betreten. »Fürchte, Malvinia wird nicht umzustimmen sein. Furchtbarer Schock, das alles. Butler!«

»Baine — ich meine, Mr. Callahan — hat Tossies Katze davon abgehalten, Ihren Schwarzen Mauren zu fressen«, sagte Verity.

Es war genau das Falsche. »Er hat sie aber nicht davon abgehalten, meinen kugeläugigen perlmuttfarbenen Ryunkin zu fressen«, erwiderte Colonel Mering erbost. »Kostete zweihundert Pfund.«

»Aber er hat Prinzessin Arjumand mitgenommen«, sagte Verity beschwörend, »und er hat verhindert, daß Madame Iritosky Tante Malvinias Rubinenhalsband stehlen konnte. Und er hat Gibbon gelesen.« Sie legte ihre Hände aufs Geländer und schaute zu ihm hoch. »Und sie ist Ihre einzige Tochter.«

Colonel Mering schaute mich hilfesuchend an. »Was meinen Sie, Henry? Wird dieser Bursche von Butler ihr ein guter Ehemann sein?«

»Er will nur ihr Bestes«, sagte ich mit überzeugter Stimme.

Der Colonel schüttelte den Kopf. »Fürchte, meine Frau ist durch und durch entschlossen, niemals wieder mit unserer Tochter zu sprechen. Sagt, von diesem Moment an sei Tossie für sie gestorben.« Bekümmert stieg er ein paar Stufen hoch.

»Aber sie ist doch Spiritistin.« Verity folgte ihm. »Sie ist doch imstande, mit den Toten zu sprechen.«

Das Gesicht des Colonels erhellte sich. »Phantastische Idee! Könnten eine Seance veranstalten.« Glücklich setzte er den Aufstieg fort. »Liebe Seancen. Könnte klopfen ›Vergib‹. Muß klappen. Dachte niemals, daß dieser ganze Blödsinn doch zu was gut sein könnte.« Er klopfte dreimal aufs Geländer. »Phantastische Idee!« Er wollte den Korridor entlang, hielt aber noch mal inne und legte seine Hand auf Veritys Arm. »Solltet packen und so schnell wie möglich zum Bahnhof fahren. Will nur das Beste für euch. Die Nerven, weißt du.«

»Ich verstehe vollkommen.« Verity öffnete die Tür zu ihrem Zimmer. »Mr. Henry und ich brechen sofort auf.« Sie schloß die Tür hinter sich.

Colonel Mering verschwand im Korridor, wo sich eine Tür öffnete und schloß, aber nicht, bevor nicht Mrs. Merings Stimme gleich die der Herzkönigin in Alice im Wunderland herausgedröhnt hatte: »…endlich verschwunden? Ich sagte dir, daß…« — peng.

Es war Zeit, aufzubrechen.

Ich ging hoch in mein Zimmer, öffnete den Schrank und holte meine Reisetasche heraus. Dann setzte ich mich aufs Bett, stellte sie neben mich und überlegte, was gerade geschehen war. Irgendwie hatte das Kontinuum es fertiggebracht, die Inkonsequenz zu beseitigen und Liebende einander zuzuführen wie in einer Shakespearschen Komödie, obwohl mir nicht klar war, wie es das geschafft hatte. Klar war aber, daß es uns bei dem, was immer es auch getan hatte, nicht hatte dabeihaben wollen. Also hatte es etwas getan, das, nur aber der Zeitreise entsprechend, dem Einsperren in unsere Zimmer gleichgekommen war. Aber warum hatte es uns nach Coventry während des Luftangriffs geschickt, einem Krisenpunkt, wo wir doch nur noch mehr Schaden anrichten konnten? Oder war Coventry selbst der Krisenpunkt? Die Unmöglichkeit, es während des Angriffs zu erreichen, hatte daraufhin gedeutet, daß es ein Krisenpunkt war und logischerweise sollte Ultras Verwicklung in die Sache es ebenfalls zu einem machen, aber vielleicht war der Luftangriff nur off-limits, wenn wir nach des Bischofs Vogeltränke suchten, denn Verity und ich waren ja jetzt dort gewesen. Vielleicht war es off-limits gewesen, um uns die Dinge klarer zu machen.

Doch wozu? Damit wir beobachten konnten, wie Probst Howard die Kerzenleuchter und Regimentsfahnen zur Polizeistation brachte und damit wir sahen, daß des Bischofs Vogeltränke nicht unter den geretteten Gegenständen war? Damit wir sahen, daß sie sich während des Angriffs nicht in Kirche befand?

Ich hätte alles darum gegeben, dies nicht gesehen zu haben und es Lady Schrapnell nicht sagen zu müssen. Doch sie war eindeutig nicht dort gewesen. Ich fragte mich, ob sie jemand gestohlen hatte und wann.

Es mußte am Nachmittag passiert sein. Carruthers sagte, daß Miss Sharpe, die Befehlshaberin des Blumenausschusses, des Bischofs Vogeltränke gesehen hatte, als sie die Kathedrale nach dem Adventsbasar und dem Treffen des »Päckchen-für-unsere-Soldaten«-Komitees verlassen hatte, stehengeblieben war und drei verwelkte Stengel herausgezogen hatte.

Alles begann zu verschwimmen, genauso wie damals, als Finch gesagt hatte: »Sie stehen auf Mertons Sportgelände«, und ich griff haltesuchend nach dem Bettpfosten, als sei er der Fußgängereingang.

Eine Tür wurde zugeschlagen. »Jane!« hörte ich Mrs. Merings Stimme vom Korridor her. »Wo ist mein schwarzes Wollkleid?«

»Hier, Ma’am«, erwiderte Janes Stimme.

»Oh, das geht ja gar nicht!« Wieder Mrs. Merings Stimme. »Es ist viel zu warm für Juni. Wir müssen Trauerkleidung bei Swan und Edgar’sbestellen. Dort hatten sie ein entzückendes schwarzes weiches Crepekleid mit schwarzem Besatz am Oberteil und einem plissierten Unterkleid.«

Eine kleine Pause, entweder für weitere Tränenbäche oder Garderobenplanung.

»Jane! Bringen Sie diese Nachricht nach Nottinghill hinüber. Und kein Sterbenswörtchen zu Mrs. Chattisbourne! Haben Sie verstanden?«Peng — war die Tür wieder zu.

»Ja«, flüsterte Jane eingeschüchtert.

Ich stand da, immer noch den Bettpfosten umklammernd, und versuchte, mir den Gedanken, das seltsame Gefühl wieder in Erinnerung zu rufen, aber es war verschwunden, so rasch wie es gekommen war, und so mußte es Mrs. Mering in der Kathedrale auch gegangen sein. Sie hatte keine Nachricht von der Anderen Seite oder von Lady Godiva erhalten. Sie hatte Baine und Tossie angesehen, und für einen Augenblick hatten sich die Dinge zu ihrer wahren Bestimmung verschoben, und sie hatte gesehen, was passieren würde.

Und dann war es ihr wieder entflohen, denn sonst hätte sie Baine auf der Stelle entlassen und Tossie auf eine große Reise quer durch Europa geschickt. Es mußte so schnell entflohen sein, wie es gekommen war, genau wie bei mir eben, und dieser seltsame zahnfühlende Gesichtsausdruck von ihr war entstanden, als sie sich zu erinnern versuchte, was das Gefühl ausgelöst hatte.

Der Butler war’s. »Wenn ich je irgend etwas tun kann, um Ihnen zu danken, daß Sie Prinzessin Arjumand zurückgebracht haben, werde ich es mit größter Freude tun«, hatte Baine gesagt, und wahrhaftig, er hatte mir gedankt. »Der Butler war’s«, hatte Verity gesagt, und wirklich, er war’s gewesen.

Doch nicht nur Verity. Auch die pelztragende Frau bei Blackwell’s. »Es ist immer der Butler«, sagte sie, und die andere, die mit dem Cyril ähnelnden Pelz über den Schultern, hatte gesagt: »Das erste Verbrechen stellt sich als das zweite heraus. Das wirkliche Verbrechen ist bereits Jahre davor geschehen. Aber niemand weiß, daß es begangen wurde.« Das wirkliche Verbrechen. Ein Verbrechen, dessen sich die Person, die es begangen hatte, nicht bewußt war. Und noch etwas war gesagt worden. Etwas von einer Frau, die einen Bauern geheiratet hatte.

»Aber einen Butler!« Mrs. Merings aufgebrachte Stimme hallte den Korridor hinab, gefolgt von tröstendem Gemurmel.

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