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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Keiner von ihnen sprach, aber das war auch nicht nötig. Torian glaubte, die Gedanken der anderen hören zu können. Sie spürten alle dasselbe wie er, obwohl einige der Männer so in sich zusammengesunken dasaßen, daß sie vor Erschöpfung offensichtlich gegen ihren Willen im Sitzen eingeschlafen waren. Vielleicht war es das Beste, was ihnen passieren konnte, und er beneidete die Männer fast. Zugleich aber wußte er, daß er die Augen eher mit Hilfe zweier Stöckchen offenhalten würde, als seinem eigenen Verlangen nach Schlaf nachzugeben.

Aber auch die festesten Vorsätze waren eine Sache; sie einzuhalten, eine andere. Er merkte nicht einmal, daß die Erschöpfung ihn irgendwann doch übermannte und er einschlief.

Torian wußte nicht zu sagen, was er beim Anblick des zerfransten Brückenstumpfes empfand. Umsonst! hämmerte eine Stimme in seinen Gedanken. Alles war umsonst! Minutenlang stand er einfach nur reglos da und starrte ins Leere, dann trat er zwei Schritt weiter auf die Felsnase hinaus und beugte sich ein wenig vor; gerade genug, um einen Blick über den Rand zu werfen, ohne aber in Gefahr zu geraten abzustürzen. Dennoch begann sich beinahe augenblicklich alles vor seinen Augen zu drehen. Die Tiefe schien wie mit gierigen Händen an ihm zu zerren, und er trat hastig von dem Abgrund zurück. Bislang hatte er sich immer für schwindelfrei gehalten, aber nun mußte er erkennen, daß es auch in dieser Hinsicht für jeden Menschen eine Grenze seiner Unempfindlichkeit gab. Die seine wurde hier um ein gutes Stück überschritten.

Tief, unendlich tief unter ihm erstreckte sich der Wüstenboden. Mannsgroße Felsen sahen aus dieser Höhe wie winzige Kiesel aus, aber es gab keinerlei Überreste der Brücke, keinen Stahlträger, nichts. Der Anblick überraschte Torian nicht, zumindest nicht wirklich. Wenn die Brücke eingestürzt wäre, hätten sie bereits am Fuße des Berges Spuren des Unglücks finden müssen.

Aber wie konnte sich eine ganze Brücke einfach in Luft auflösen?

Cathar hatte die ganze Zeit über kein Wort gesagt, sondern Torian nur spöttisch gemustert.

»Was… was hat das zu bedeuten?« fragte Shyleen verständnislos.

Cathar wandte sich zu ihr um. Der Ausdruck von Spott in seinem Gesicht vertiefte sich noch.

Das erste Stück war das schwerste. Der Berg lag noch keine zwanzig Schritte hinter ihnen, aber Torian hatte trotzdem das Gefühl, seit einer Ewigkeit über den schmalen, spiegelglatten Fels der Brücke zu balancieren. Der steinerne Pfad führte nicht nur steil in die Höhe, er fiel auch nach beiden Seiten in sanfter Krümmung ab, und zu allem Überfluß war der Felsen so rutschig, daß selbst seine groben Stiefel kaum ausreichend Halt fanden. Der Wind zerrte an seinem Haar und seiner Kleidung, und vor ihm, unendlich weit entfernt, am Ende der Brücke, wogten Schatten und gestaltlose finstere Dinge, die sich seinem Auge immer wieder entzogen, sobald er sich darauf zu konzentrieren versuchte.

Torian hatte Angst; eine Angst wie niemals zuvor in seinem an Gefahren nicht gerade armen Leben. In seinem Mund fühlte er einen bitteren Geschmack, und seine Kleidung klebte in großen, dunklen Flecken an seinem Körper. Er wußte, daß er stürzen würde, wenn er den Fehler beging, auch nur einmal in die Tiefe zu blicken. Vielleicht war es wirklich so, wie Cathar gesagt hatte: daß diese Brücke immer da war; unsichtbar und nur darauf wartend, daß jemand den Mut zu einem ersten Schritt ins scheinbare Nichts wagte. Für Torian jedoch war allein die Vorstellung, über einen Pfad zu gehen, den es in Wirklichkeit vielleicht doch nicht gab, grauenhaft.

Wie zur Bestätigung erscholl in diesem Augenblick hinter ihm ein gellendes Aufkreischen. Er wandte instinktiv den Kopf. Vor seinen entsetzt geweiteten Augen stürzte einer der Söldner durch den massiven Fels hindurch und verschwand schreiend in der Tiefe. Torian starrte auf die Stelle, wo der Mann gerade noch gestanden hatte. Es stimmte doch! durchzuckte es ihn. Diese Brücke existierte nicht! Sie war nichts als ein Trugbild: ein Spuk, der ihre Sinne narrte!

Im gleichen Moment, in dem er diesen Gedanken dachte, begannen auch seine Füße in den Fels zu sinken. Torian heulte auf. Seine Augen quollen ihm vor Entsetzen aus den Höhlen, als er sah, wie seine Füße im schimmernden Gestein verschwanden, als wäre es plötzlich zu Morast geworden. Schneller und schneller sank er in den massiven Fels ein. Unter ihm war kein Boden mehr, nur noch ein schwammiges, weiches Etwas, das immer rascher unter seinem Körpergewicht nachgab. Schon war er bis an die Knie eingesunken, dann bis an die Oberschenkel.

Niemand kümmerte sich um ihn. Nicht einmal Garth oder Shyleen, die ein Stück vor ihm gingen, wandten den Kopf, denn sie wußten, daß es ihr eigenes Ende bedeuten würde, so wie Torian den Fehler begangen hatte, den abstürzenden Mann anzusehen. Jeder von ihnen empfand die gleiche lebensgefährliche Angst, und jeder Anlaß, der ihnen die Ungewisse Existenz der Brücke vor Augen führte, stellte eine tödliche Bedrohung dar.

»Torian!« Bards Stimme klang schrill und überschlug sich fast. »Du darfst nicht zweifeln! Bei Ch’tuon, du darfst nicht an der Existenz der Brücke zweifeln! Sie trägt dich, der Fels ist massiv!«

Torian warf sich mit einem Schrei herum. Seine Hände scharrten über den Fels, suchten verzweifelt Halt, aber da war nichts: Seine Finger glitten durch den schwarzschimmernden Granit hindurch, und er sank immer noch tiefer in den Fels ein, war jetzt schon bis zu den Hüften darin verschwunden und stürzte weiter.

Eine Hand packte ihn an den Schultern, riß ihn zurück und nach oben. »Du darfst nicht zweifeln!« keuchte der Rattengesichtige noch einmal. »Es ist nur die Magie der Schattenburg. Die Brücke existiert, aber sie verschwindet, wenn du nicht daran glaubst!«

»Nein!« kreischte Torian. Verzweifelt schlug er um sich, noch immer irgendwo Halt suchend, und hätte Bard, der ihn hielt, dabei um ein Haar in die Tiefe gefegt. Er schloß die Augen und klammerte sich mit aller Kraft an die Vorstellung der Brücke, wie er sie gesehen und in Erinnerung hatte. Gleichzeitig fanden seine Hände wieder Halt; er spürte den harten Stein und zog sich mit einem Ruck auf den Felsen hinauf. Einige Sekunden lang blieb er liegen und starrte zu den Wolken hoch, die vom Wind über den Himmel getrieben wurden – und verdrängte jeden Gedanken an das, was diese Brücke wirklich sein mochte.

Bard war bereits weitergegangen, ohne sich noch einmal zu ihm umzuwenden. Torian blickte ihm nach und wurde sich bewußt, daß er dem Rattengesichtigen erneut sein Leben verdankte, und diesmal war es ganz eindeutig nicht nur aus Berechnung geschehen. Der Parasit in seinem Körper mochte ihnen bei einigen der überwundenen Fallen von Nutzen gewesen sein, jetzt hingegen war sein Leben nicht mehr wert als das irgendeines der anderen. Er wurde aus dem Mann mit den Rattengesicht nicht schlau, aber dies war kaum der richtige Moment, darüber nachzugrübeln.

Torian richtete jedes bißchen Kraft, das er noch aufbringen konnte, darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen, sich schräg gegen den Wind zu stemmen und einfach nur vorwärts zu gehen: über massiven, harten Untergrund zu schreiten, über Fels, dessen Härte er durch die Stiefelsohlen spürte, der den Wind brach, so daß er heulte und wimmerte wie eine Meute unsichtbarer Wölfe, der da war, so massiv und kompakt wie ein Stück Felsen nur sein konnte. Er konzentrierte sich auf jede noch so winzige Einzelheit, ertastete mit halb geschlossenen Augen jede feine Unebenheit der kühn geschwungenen Brücke, jede rauhe Stelle, jeden haarfeinen Riß im Stein, klammerte sich an jeden Schatten, jede Lichtspiegelung auf dem glattpolierten Felsen, alles, was sein Denken davon überzeugen konnte, daß dieser Fels wirklich da war, und nicht nur ein Trugbild. Eine Ewigkeit – die in Wahrheit sicher nicht mehr als zehn, allerhöchstens fünfzehn Minuten andauerte – schleppte er sich so über den schmalen Felsbuckel.

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