Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Sie gingen durch die unteren Etagen zurück, erwiderten die Grüße und das Winken von Technikern, sowohl Aufsteigern als auch vormals von der Dschöng Ho. Sie ließen Ali Lin in dem Gartenpark zurück, der seine Werkstatt war. Qiwis Vater war nicht in den Käfigwaben der Obergeschosse eingesperrt. Sein Fachgebiet erforderte offene Räume und Lebewesen. Zumindest stellte es Tomas Nau so Qiwi gegenüber dar. Es war plausibel, und es bedeutete, dass das Mädchen nicht fortwährend dem gewöhnlichen Anblick des Fokus ausgesetzt war; das trug dazu bei, ihren unvermeidlichen Durchbruch zum Verständnis hinauszuzögern.
»Du musst rüber ins Temp, Qiwi?«
»Ja, ein paar Aufträge. Ein paar Freunde treffen.« Qiwi hatte Geschäfte zu Ende zu bringen, Gefälligkeiten einzuholen.
»Gut.« Er zog sie zu einem Kuss hoch, dass es im ganzen Büroflur zu sehen war. Egal. »Du hast es gut gemacht, Liebes!«
»Danke.« Ihr Lächeln war etwas Verwirrendes. Mit über dreißig Jahren war Qiwi Lisolet immer noch von seiner Billigung abhängig. »Bis zum Abend.«
Sie verschwand den Zentralschacht hinauf, zog sich Hand über Hand immer schneller voran, schoss geradezu an anderen Leuten im Schacht vorbei. Qiwi übte noch jeden Tag in einer 2-g-Zentrifuge, trainierte noch die Kampfsportarten. Das war alles, was vom Einfluss ihrer Mutter geblieben war, zumindest alles, was davon zu sehen war. Zweifellos war ein Gutteil ihrer Antriebsenergie eine Art sublimiertes Bemühen, es ihrer Mutter recht zu tun.
Nau schaute empor, vergaß fast die Leute, die ringsum herabkamen; sie würden ihm schon aus dem Weg gehen. Er sah zu, wie Qiwis Gestalt auf dem Weg nach oben kleiner wurde.
Nach Anne Reynolt war Qiwi sein kostbarster Besitz. Doch Reynolt hatte er im Grunde geerbt; Qiwi Lin Lisolet war sein persönlicher Triumph, eine brillante, unfokussierte Person, die all die Jahre uneingeschränkt für ihn arbeitete. Sie zu besitzen, sie zu manipulieren — das war eine Herausforderung, die nie ihren Reiz verlor. Und es gab immer einen Anflug von Gefahr. Sie hatte genug Kraft und Geschwindigkeit — mindestens —, um mit bloßen Händen töten zu können. In den frühen Jahren hatte er das nicht begriffen. Doch damals hatte er auch nicht erkannt, welch ein wertvolles Ding sie war.
Ja, sie war sein Triumph, doch Nau war realistisch genug, um zu wissen, dass er auch Glück gehabt hatte. Er hatte Qiwi gerade im richtigen Alter und in der richtigen Situation zum ersten Mal errungen — als sie alt genug war, um den Dschöng-Ho-Hintergrund mit einer gewissen Tiefe in sich aufgenommen zu haben, aber jung genug, um vom Diem-Massaker geformt zu werden. In den ersten zehn Jahren des Exils hatte sie seine Lügen nur dreimal durchschaut.
Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. Qiwi glaubte, sie verändere ihn, sie habe ihm gezeigt, wie gut die Methoden der Freiheit funktionieren. Nun ja, sie hatte Recht. In den Anfangsjahren war seine Erlaubnis der Untergrundwirtschaft ein Teil des Spiels gewesen, das er mit ihr spielte, eine vorübergehende Schwäche. Aber die Untergrundwirtschaft hatte wirklich funktioniert. Sogar die Lehrbücher der Dschöng Ho behaupteten, der freie Markt müsse in einer derart abgeschlossenen und beschränkten Umwelt wie dieser bedeutungslos sein. Und dennoch hatten die Krämer Jahr für Jahr dafür gesorgt, dass es besser wurde — selbst bei Unternehmungen, die Nau sowieso verlangt hätte. Wenn sie ihm also jetzt versicherte, dass Leute ihr Gefälligkeiten schuldig waren, dass sie richtig hart arbeiten würden, um den Seepark zu bauen — Pest, ich möchte den See wirklich haben —, lachte sich Tomas Nau nicht heimlich ins Fäustchen. Sie hatte Recht: Die Leute — sogar die Aufsteiger — würden an diesem Park besser arbeiten, weil sie Qiwi etwas verdankten, als aus dem Grund, dass Tomas Nau der Hülsenmeister war und sie letzten Ende allesamt ins Vakuum schießen konnte.
Qiwi war eine winzige Gestalt am oberen Ende des Schachts. Sie wandte sich um und winkte. Nau winkte zurück, und sie verschwand seitwärts in einem der Tunnel zu den Taxis.
Nau stand noch einen Augenblick da und starrte empor, ein Lächeln auf dem Gesicht. Qiwi hatte ihn die Macht verwalteter Freiheit gelehrt. Onkel Alan und die Nau-Clique hatten ihm die Macht fokussierter Sklaven vererbt. Und der EinAus-Stern…? Je mehr sie über den Stern und seinen Planeten erfuhren, um so stärker spürte er die ehrfürchtige Überzeugung, dass sich dort Wunder verbargen, vielleicht nicht die Schätze, die sie sich erhofft hatten, sondern viel Größeres. Die Biologie, die Physik, die weite galaktische Umlaufbahn des Sterns… was das zusammen bedeutete, überstieg einfach das Verständnis der Analytiker und forderte seine Phantasie heraus.
Und in ein paar Jahren würden ihm die Spinnen eine industrielle Ökologie liefern, mit der man all das ausbeuten konnte.
Es hatte nie einen Ort und eine Zeit in der menschlichen Geschichte gegeben, wo sich einem einzelnen Mann so große Gelegenheiten geboten hatten. Vor fünfundzwanzig Jahren hatte ein jüngerer Tomas Nau vor den Ungewissheiten gebebt. Doch die Jahre waren vergangen, und Schritt für Schritt hatte er sich den Problemen gestellt und sie gemeistert. Aus der Arachna zu gewinnen, war die Macht einer Dynastie, wie sie die Menschheit noch nicht erlebt hatte. Es würde Zeit erfordern, vielleicht noch ein, zwei Jahrhunderte, doch am Ende würde er kaum älter sein als die mittleren Jahre bei der Dschöng Ho. Er konnte die Aufsteiger-Cliquen beseitefegen. Dieser Teil des Menschenraums würde das größte Imperium aller Zeiten sehen. Die Legenden von Pham Nuwen würden in dem Licht verblassen, das Tomas Nau ausstrahlen würde.
Und Qiwi? Er warf einen letzten Blick hinauf. Er hoffte, sie würde das Ende des Exils erleben. Es gab so viel, wobei sie ihm helfen konnte, wenn sie die Spinnen niederzwangen. Doch die Maske wurde dünn. Die Gehirnwäsche war nicht perfekt; Qiwi holte schneller auf als in den Anfangsjahren. Ohne große Teile des Hirngewebes zu zerstören, konnte Anne nicht das ausschalten, was sie ›neurale Restbelastung‹ nannte. Und natürlich gab es ein paar Widersprüche, die Kälteschlaf-Amnesie nicht plausibel überdecken konnte. Letzten Endes, selbst bei geschicktester Manipulation… Wie sollte er es erklären, dass er die versprochene Freilassung widerrief? Wie konnte er die Maßnahmen erklären, die er gegen die Spinnen ergreifen würde, oder das Menschenzuchtprogramm, das notwendig sein würde? Nein. Unvermeidlich, aber höchst bedauerlich — er würde sich Qiwis entledigen müssen. Doch selbst dann konnte sie ihm noch dienen. Kinder von ihr wären immer noch möglich. Eines Tages würde seine Herrschaft Erben brauchen.
Qiwi trudelte etwa zweitausend Sekunden später in Bennys Salon ein. Und es war Benny, der diese Wache den Laden schmiss. Gut. Er war ihr liebster Wirt. Einen Augenblick lang feilschten sie über die neue Ausrüstung, die er haben wollte. »Herrgott, Benny! Du brauchst mehr Tapete? Es gibt andere Projekte, die welche gebrauchen könnten, weißt du.« Wie ein gewisser Park unter Hammerfest.
Benny zuckte die Achseln. »Bring den Hülsenmeister dazu, Gemeinbild-Darstellung zu erlauben, und ich brauche keine Tapete. Aber das Zeug nutzt sich einfach ab. Siehst du?« Er deutete auf den Fußboden, wo das Bild der Arachna permanent angebracht war. Sie sah ein Sturmsystem, das Weißenberg wahrscheinlich in ein paar Kilosekunden erreichen würde; zweifellos waren die Bildtreiber noch in Funktion. Doch sie sah auch die Verzerrungen und die verschwommenen Farben.
»In Ordnung, wir können noch etwas davon aus der Unsichtbare Hand ausschlachten, aber das kostet dich einiges.« Ritser Brughel würde Zeter und Mordio schreien, obwohl er für die Tapete keine Verwendung hatte. Ritser betrachtete die Hand als sein privates Lehen. Sie schaute auf Bennys handgeschriebene Liste, auf die anderen Punkte. Die aufgebrauchten Speisen stammten alle aus der Baktrei und den Agros des Temps — darum würde sich Gonle Fong kümmern wollen. Flüchtige Stoffe und Basis-Organik, aha. Wie üblich, verhandelte Benny deswegen unter der Hand separat und versuchte, Gonle Fong kurzzuschließen, indem er sich direkt an die Leute vom Bergbaubetrieb auf dem Felshaufen wandte. Für beste Freunde, die die beiden waren, nahmen sie ihren geschäftlichen Wettbewerb schrecklich ernst.