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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Luet dachte: Sie befürchtet, daß eine ihrer Töchter dieses Gesetz zuerst brechen wird. Und was Elemaks Bestimmung betrifft, daß nur die Frau sterben muß, so zäumt er das Pferd von hinten auf. Nur wenige Männer denken an die Konsequenzen, wenn sie von Begierde erfüllt sind, aber eine Frau kann ihre Begierde unterdrücken, wenn das Leben eines Mannes, den sie liebt, auf dem Spiel steht.

»Wie die Herrin wünscht«, sagte Elemak. »Das Gesetz der Wüste überläßt die Wahl dem Karawanenführer. Ich würde mich normalerweise für einen schnellen, sauberen Tod durch den Pulsator entscheiden, aber hoffen wir, daß wir solch eine Wahl nie treffen müssen.« Er drehte sich einmal um die Achse, damit er auch diejenigen ansehen konnte, die hinter ihm standen. »Ich bitte euch bei dieser Angelegenheit nicht um eure Zustimmung«, sagte er. »Ich sage euch einfach, daß es so geschehen wird. Wenn ihr das Gesetz, nach dem wir leben werden, verstanden habt, hebt nun eure Hand.«

Alle hoben die Hände, wenngleich einige sichtlich wütend waren.

Nein, nicht alle. »Meb«, sagte Elemak. »Hebe die Hand. Du bringst deine liebe Frau Dol in Verlegenheit. Sie fragt sich mittlerweile zweifellos, wer die Frau unter uns ist, deren Liebe du für so wünschenswert hältst, daß du dafür den Tod einer völlig tugendhaften Dame in Kauf nimmst.«

Nun hob auch Meb die Hand.

»Gut«, sagte Elemak. »Und nun zu der anderen Sache. Wir müssen eine Entscheidung treffen.«

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und so war es bitter kalt — besonders für diejenigen, die beim Abbrechen der Zelte und Beladen der Kamele kaum geholfen hatten. Also lag es vielleicht nur an der Kälte, daß Mebbekews Stimme zitterte, als er sagte: »Ich dachte, du triffst jetzt alle Entscheidungen.«

»Ich treffe alle Entscheidungen, die damit zu tun haben, daß wir überleben und vorankommen«, sagte Elemak. »Aber ich halte mich nicht für einen Tyrannen. Die Entscheidungen, die nichts mit unserem Überleben zu tun haben, müssen von der ganzen Gruppe gefällt werden, nicht nur von mir. Wir können nicht überleben, wenn wir nicht zusammenbleiben, also werde ich nicht dulden, daß wir uns trennen. Aber ich entsinne mich nicht, daß wir uns tatsächlich entschlossen haben, wohin unsere Reise führt.«

»Wir kehren zu Vater und Issib zurück«, sagte Nafai sofort. »Du weißt, daß sie mit unserer Rückkehr rechnen.«

»Solange sie an Ort und Stelle bleiben, haben sie genug Wasser. In den nächsten paar Monaten müssen sie jemanden losschicken, der ihnen Nachschub besorgt. Vorräte haben sie aber für einige Jahre«, sagte Elemak. »Also wollen wir keine Sache auf Leben und Tod daraus machen, wenn es nicht unbedingt sein muß. Wenn die Mehrheit weiterziehen will, bis wir Volemaks Lager in der Wüste erreichen, habe ich nichts dagegen. Dann ziehen wir alle dorthin.«

»Wir können nicht nach Basilika zurückkehren«, sagte Luet. »Das hat mein Vater sehr klar gemacht.« Ihr Vater war natürlich Muuzh, der große General der Gorajni. Aber indem sie die anderen an diese verwandtschaftliche Beziehung erinnerte, die ihr erst vor kurzem offenbart worden war, hoffte sie, ihren Worten mehr Gewicht zu verleihen. Sie war nicht besonders erfahren darin, andere Menschen zu überreden; sie hatte immer schlicht und einfach die Wahrheit gesagt, und da die Frauen Basilikas wußten, daß sie die Wasserseherin war, nahmen sie ihre Worte ernst. Es war aber etwas ganz anderes, zu einer Gruppe zu sprechen, der Männer angehörten. Aber Luet wußte jedoch, daß die Leute in Basilika leichter ihren Willen bekamen, wenn sie ihren Familienstatus geltend machten, und so versuchte sie es nun ebenfalls auf diese Weise.

»Ja«, sagte Kokor, »dein dich zärtlich liebender Vater, der versucht hat, seine eigene Tochter zu heiraten, und uns dann alle aus der Stadt geworfen hat, als ihm dies nicht möglich war.«

»So ist es nicht gewesen«, sagte Luet.

Huschidh griff nach Luets Hand, um sie zum Schweigen zu bringen. »Versuche es erst gar nicht«, flüsterte sie leise. »Koja ist viel besser darin.«

»Luet hat durchaus recht damit, daß wir wahrscheinlich nicht nach Basilika zurückkehren können«, sagte Elemak, »zumindest nicht sofort — ich glaube, das wollte Muuzh auch zum Ausdruck bringen, als er uns eine Eskorte Soldaten mit auf den Weg gab, um dafür zu sorgen, daß wir sicher aus der Stadt kommen.«

»Ich bin es so leid, ständig hören zu müssen, daß keiner von uns nach Basilika zurückkehren kann«, sagte Mebbekew, »obwohl nur diese da ihn vor allen Leuten beleidigt haben.« Er deutete auf Huschidh, Luet und Nafai.

»Halt die Klappe, Meb«, sagte Elemak mit ehrlicher Verachtung. »Ich will nicht, daß wir noch immer hier stehen und uns unterhalten, wenn die Sonne aufgeht. Wir sind genau in der Gegend, in der Banditen sich gern verkriechen, und wenn sich einige in den nahe gelegenen Höhlen vor der Dunkelheit verbergen, werden sie bei Tagesanbruch herauskommen.«

Luet fragte sich, ob Elemak tatsächlich Informationen über jene Banditen aufgeschnappt hatte, die die Überseele kontrollierte. Vielleicht wußte er aber auch, daß solche Männer nur am hellichten Tag tapfer waren und sich des Nachts versteckten. Außerdem war es möglich, daß Elemak die Nachrichten der Überseele unterbewußt empfing und nicht begriff, woher diese Gedanken und Ideen kamen. Schließlich war er genauso ein Produkt des geheimen Zuchtprogramms der Überseele wie alle anderen hier, und er hatte vor nicht allzu langer Zeit einen Traum empfangen. Wenn Elemak nur eingestehen würde, daß er mit der Überseele kommunizieren konnte, und ihre Pläne bereitwillig auszuführen gedachte — das würde alles vereinfachen. Doch so blieb ihr und Huschidh nichts anderes übrig, als zu versuchen, Elemaks eigenständige Pläne überall zu durchkreuzen, wo es ihnen möglich war.

»Obwohl wir im Augenblick wirklich nicht nach Basilika zurückkehren können«, fuhr Elemak fort, »heißt das noch lange nicht, daß wir sofort zu Vater müssen. Es gibt viele andere Städte, die eine fremde Karawane aufnehmen würden, wenn auch nur, weil Schedemei eine äußerst wertvolle Fracht an Embryos und Samen mit sich führt.«

»Sie stehen nicht zum Verkauf an«, sagte Schedemei. Ihre Stimme war so barsch, ihre Antwort so knapp, daß alle wußten, sie hatte nicht die Absicht, sich darüber zu unterhalten.

»Nicht einmal, wenn es um unser Leben geht?« fragte Elemak freundlich. »Aber schon gut — ich habe sowieso nicht vor, sie zu verkaufen. Sie sind nur wertvoll, wenn jemand über das Wissen verfügt, das Schedja in ihrem Kopf hat. Wichtig ist nur, sie werden uns einlassen, wenn sie wissen, daß wir nicht nur eine Bande mittelloser Wanderer sind, die vor kurzem von General Muuzh von den Gorajni aus Basilika verbannt wurden, sondern statt dessen von der berühmten Genetikerin Schedemei begleitet werden, einer Biologin, die ihr Labor von dem von Hader zerrissenen Basilika in eine friedliche Stadt verlegt, die ihr garantiert, daß sie ohne Störungen ihrer Arbeit nachgehen kann.«

»Ausgezeichnet«, sagte Vas. »Es gibt keine Stadt auf der Ebene, die uns unter diesen Umständen die Einreise verweigern würde.«

»Sie werden uns sogar Geld anbieten«, sagte Obring.

»Sie werden mir Geld anbieten, meinst du«, sagte Schedemei. Aber sie war eindeutig geschmeichelt — ihr war gar nicht in den Sinn gekommen, daß ihre Anwesenheit jeder Stadt, in der sie sich niederlassen würde, ein gewisses Prestige verschaffte. Luet sah, daß Elemaks Schmeicheleien Wirkung zeigten.

›Er wird eine Abstimmung durchführen lassen .‹ Die Überseele sprach in Luets Verstand.

Das ist mittlerweile offensichtlich, dachte Luet. Was hat er vor?

›Wenn Nafai sich der Entscheidung widersetzt, in die Stadt zurückzukehren, wird es Meuterei sein.‹

Dann darf er sich nicht widersetzen.

›Dann würde meine Arbeit zunichte gemacht werden.‹

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