Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Die Furcht verschwand allmählich von Oblomows Gesicht und machte friedlichem Sinnen Platz; er hob die Augen noch nicht, aber sein Gemüt war nach einer Weile von stiller, tiefer Freude erfüllt, und als er Stolz langsam anblickte, waren in seinem Blick schon Tränen der Rührung.
»Lieber Andrej!« sprach Oblomow, ihn umarmend. »Liebe Oljga ... Sjergejewna!« fügte er dann, sein Entzücken eindämmend, hinzu. »Gott selbst hat euch gesegnet! O wie glücklich ich bin! Sag ihr ...«
»Ich werde ihr sagen, daß ich keinen zweiten Oblomow kenne!« unterbrach ihn der tiefgerührte Stolz.
»Nein, sag und erinnere sie daran, daß ich ihr darum begegnet bin, um sie auf den rechten Weg zu führen, und daß ich diese Begegnung und sie auf dem neuen Wege segne! Wie würde sich alles gestalten, wenn es ein anderer wäre! ...« fügte er entsetzt hinzu. »Und jetzt«, schloß er fröhlich, »erröte ich nicht über meine Rolle und bereue nicht; mir ist ein Stein von der Seele gefallen, jetzt ist dort alles licht, und ich bin glücklich. Gott, ich danke dir!«
Er sprang wieder vor Erregung bald weinend und bald lachend auf dem Sofa herum.
»Sachar, Champagner zum Mittagessen!« schrie er, vergessend, daß er keine Kopeke besaß.
»Ich werde alles Oljga erzählen, alles!« sagte Stolz. »Es hat schon seinen Grund, daß sie dich gar nicht vergessen kann. Nein, du warst ihrer wert; dein Herz ist tief wie ein Brunnen!«
Sachar steckte aus dem Vorzimmer seinen Kopf herein.
»Kommen Sie, bitte!« sagte er, dem Herrn zublinzelnd.
»Was ist denn?« fragte dieser ungeduldig. »Geh hinaus!«
»Bitte um Geld!« flüsterte Sachar.
Oblomow schwieg plötzlich.
»Dann ist es nicht nötig!« flüsterte er durch die Tür. »Sage, daß du vergessen hast oder daß es schon zu spät war! Geh! ... Nein, komm her!« sagte er laut. »Weißt du schon das Allerneueste, Sachar? Gratuliere: Andrej Iwanowitsch hat geheiratet!«
»Ach, Väterchen! Gott hat uns eine solche Freude erleben lassen! Wir gratulieren, Väterchen Andrej Iwanowitsch. Gott soll Sie unzählige Jahre leben lassen und Ihnen Kinderchen schenken. Ach Gott, ist das eine Freude!«
Sachar verneigte sich, lächelte, krächzte und knarrte. Stolz nahm einen Papierschein heraus und gab ihn ihm.
»Da hast du und kaufe dir einen Rock«, sagte er, »du siehst ja wie ein Bettler aus!«
»Wen denn, Väterchen?« fragte Sachar, Stolz' Hände fangend.
»Oljga Sjergejewna - weißt du noch?« sagte Oblomow.
»Das Iljinskysche Fräulein! O Gott, ein so liebes Fräulein! Sie haben mich alten Hund damals mit Recht gescholten, Ilja Iljitsch! Ich bin schuldig und sündhaft; ich habe die Klatschgeschichten über Sie verbreitet. Ich hab' es auch den Iljinskyschen Dienstboten erzählt, und nicht Nikita! Es ist wahr, daß damals ein Klatsch herausgekommen ist. Ach Gott, ach du mein Gott! ...« sprach er, ins Vorzimmer gehend.
»Oljga ladet dich zu sich aufs Gut zum Besuche ein; deine Liebe ist erkaltet, es ist nicht gefährlich. Du wirst nicht eifersüchtig sein. Komm mit!«
Oblomow seufzte.
»Nein, Andrej«, sagte er, »ich fürchte weder die Liebe noch die Eifersucht, ich fahre aber trotzdem nicht zu euch.«
»Was fürchtest du denn?«
»Ich fürchte den Neid. Euer Glück wird für mich ein Spiegel sein, in dem ich immerwährend mein getötetes, reizloses Leben sehen werde; ich werde aber nicht mehr anders leben, ich kann nicht.«
»Genug, lieber Ilja! Du wirst unwillkürlich so leben, wie man um dich herum lebt. Du wirst rechnen, wirtschaften, lesen, Musik hören. Wie ihre Stimme sich jetzt entwickelt hat! Erinnerst du dich noch an Casta diva?«
Oblomow winkte ihm mit der Hand, er solle ihn nicht daran erinnern.
»Komm doch mit!« ließ Stolz nicht nach. »Es ist ihr Wille; sie wird darauf bestehen. Wenn ich müde werde, ist sie es noch lange nicht. In ihr ist so viel Feuer und Leben, daß sogar ich manchmal mein Teil abbekomme. Dann wird die Vergangenheit wieder in deiner Seele erwachen. Du wirst dich an den Park und den Flieder erinnern, und es wird sich in dir etwas regen ...«
»Nein, Andrej, nein! Erinnere mich nicht daran und wecke in mir um Gottes willen nichts!« unterbrach Oblomow ihn ernsthaft. »Es tut mir weh, und mir wird nicht wohl dabei. Erinnerungen sind entweder höchste Poesie, wenn sie sich auf lebendiges Glück beziehen, oder brennender Schmerz, wenn sie vernarbte Wunden berühren ... Sprechen wir von etwas anderem. Ja, ich habe dir nicht für deine Sorge um meine Angelegenheiten und um mein Gut gedankt. Mein Freund! Ich kann nicht, ich habe nicht die Kraft; suche in deinem eigenen Herzen nach Dankbarkeit und nach Glück, und in Oljga ... Sjergejewna, ich aber ... ich ... kann nicht! Verzeih, daß ich dich noch bis jetzt nicht von den Scherereien befreit habe. - Aber jetzt kommt bald der Frühling, und ich reise bestimmt nach Oblomowka.«
»Und weißt du, wie es in Oblomowka aussieht? Du wirst es gar nicht wiedererkennen!« sagte Stolz. »Ich habe dir nicht geschrieben, weil du die Briefe nicht beantwortest. Die Brücke ist fertig, das Haus ist schon vorigen Sommer unter Dach gewesen. Du mußt dich aber selbst um die innere Einrichtung kümmern und sie nach deinem Geschmack zusammenstellen - das übernehme ich nicht. Die Wirtschaft wird vom neuen Verwalter, einem von meinen Leuten, geführt. Hast du dir die Ausgaben angesehen?«
Oblomow schwieg.
»Hast du die Berichte nicht gelesen?« fragte Stolz, ihn anblickend. »Wo sind sie?«
»Weißt du, ich werde sie nach dem Essen suchen; ich muß erst Sachar fragen ...«
»Ach, Ilja, Ilja! Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.«
»Wir werden sie nach dem Essen finden. Wollen wir essen!«
Stolz furchte die Stirn, als er sich zu Tisch setzte. Er dachte an den Iljatag, an die Austern, die Ananas und die Schnepfen; und jetzt sah er ein grobes Tischtuch, Essig- und Ölflaschen mit Papierstücken statt der Pfropfen; auf den Tellern lag je eine große Schnitte Schwarzbrot, die Gabeln hatten zerbrochene Griffe. Oblomow reichte man Fischsuppe und ihm Suppe mit Grütze und ein gekochtes junges Huhn; darauf folgte harte Zunge und dann Hammelfleisch. Man brachte Rotwein. Stolz schenkte sich ein halbes Glas ein, kostete, stellte das Glas auf den Tisch und trank nicht mehr. Ilja Iljitsch trank zwei Gläschen Johannisbeerschnaps hintereinander und nahm gierig den Hammelbraten in Angriff.
»Der Wein taugt nichts!« sagte Stolz.
»Verzeih, man hat in der Eile nicht so weit gehen können«, sagte Oblomow. »Willst du nicht Johannisbeerschnaps trinken? Es ist ausgezeichnet, Andrej, koste doch!«
Er schenkte sich noch ein Gläschen ein und trank.
Stolz betrachtete ihn erstaunt, schwieg aber.
»Agafja Matwejewna bereitet ihn selbst; sie ist eine liebe Frau!« sagte Oblomow, auf den der Schnaps zu wirken begann. »Ich weiß wirklich nicht, wie ich auf dem Gut ohne sie leben werde. Man findet keine zweite solche Hausfrau.«
Stolz hörte ihm mit leicht gefurchten Brauen zu.
»Wer, glaubst du, hat das alles gekocht, Anissja? Nein!« fuhr Oblomow fort. »Anissja befaßt sich mit den Hühnern, jätet das Kraut im Gemüsegarten und fegt die Fußböden; und das alles macht Agafja Matwejewna.«
Stolz aß weder den Hammelbraten noch den Obstkuchen, sondern legte die Gabel hin und sah zu, mit welchem Appetit Oblomow das alles verzehrte.
»Jetzt wirst du nicht mehr ein verkehrt angezogenes Hemd auf mir sehen«, sprach Oblomow weiter, mit Appetit an einem Knochen nagend - »sie sorgt sich um alles und sieht alles, ich habe keinen einzigen ungestopften Strumpf - und sie macht alles selbst. Und wie sie Kaffee kocht! Ich werde dich nach dem Mittagessen damit bewirten.«
Stolz hörte schweigend mit besorgter Miene zu.
»Jetzt ist ihr Bruder übersiedelt, es ist ihm eingefallen, zu heiraten, so daß die Wirtschaft nicht mehr so groß ist. Aber früher hatte sie alle Hände voll zu tun! Sie ist von früh bis spät nur so herumgeflogen, auf den Markt und in die Läden. Weißt du, ich werde dir was sagen«, schloß Oblomow, der seine Zunge nicht mehr ganz in der Gewalt hatte, »wenn du mir zwei-, dreitausend geben könntest, würde ich dich nicht mit Hammelfleisch bewirten; dann würde ich dir einen ganzen Stör, Forellen und das beste Filet geben lassen. Und Agafja Matwejewna würde auch ohne Koch wahre Wunder leisten - ja!«