Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»O doch, ich verstehe dich sehr wohl«, antwortete Rostow, der von seinem neuen Freund ganz entzückt war.
Im Herbst kehrte die Familie Rostow nach Moskau zurück. Zu Anfang des Winters traf auch Denisow wieder in Moskau ein und logierte bei Rostows. Diese erste Zeit des Winters 1806, welche Nikolai Rostow in Moskau verlebte, war eine besonders glückliche und heitere für ihn und für seine ganze Familie. Nikolai brachte eine ganze Menge junger Männer mit in sein Elternhaus. Wjera war eine schöne junge Dame von zwanzig Jahren, Sonja ein sechzehnjähriges Mädchen mit dem ganzen Reiz einer sich eben erschließenden Blume, Natascha ein Mittelding zwischen junger Dame und Kind, bald kindlich komisch, bald mädchenhaft bezaubernd.
In dem Rostowschen Haus hatte sich damals gleichsam eine besondere Liebesatmosphäre gebildet, wie das häufig geschieht, wenn viele nette junge Mädchen in einem Haus sind. Kam ein junger Mann in das Rostowsche Haus und sah er diese jungen, angeregten Mädchengesichter, die immer über etwas (wahrscheinlich über ihre eigene Glückseligkeit) lächelten, und erblickte er dieses muntere, lebhafte Treiben und hörte er dieses nicht gerade tiefsinnige, aber gegen jedermann freundliche, auf jedes Thema, auf jeden Scherz gern eingehende, von stillen Hoffnungen erfüllte Geplauder der weiblichen Jugend und hörte er, wie nach Lust und Laune bald gesungen, bald musiziert wurde: dann bemächtigte sich seiner unfehlbar dieselbe Empfindung, von der die Jugend des Rostowschen Hauses erfüllt war, eine willige Bereitschaft zur Liebe und die Erwartung eines hohen Glückes.
Unter den jungen Männern, die Rostow bei den Seinigen einführte, trat besonders Dolochow hervor, der allen im Haus gut gefiel, mit Ausnahme von Natascha. Über Dolochow hätte sie sich beinahe mit ihrem Bruder veruneinigt. Sie behauptete mit aller Bestimmtheit, er sei ein schlechter Mensch; bei dem Duell mit Besuchow habe dieser recht gehabt und Dolochow unrecht; er sei ein unangenehmer Mensch und gebe sich nicht so, wie er wirklich sei.
»Ich will von gar nichts weiter wissen!« rief sie mit eigensinniger Hartnäckigkeit. »Er ist ein böser, gefühlloser Mensch. Siehst du, da ist dein Denisow; den habe ich ganz gern; er ist ja wohl ein arger Zecher und mag auch sonst noch Fehler haben; aber ich habe ihn doch ganz gern; für den habe ich Verständnis. Ich weiß nicht, wie ich mich da deutlich ausdrücken soll; aber bei Dolochow ist alles überlegt, und das mag ich nicht. Dagegen Denisow …«
»Na, Denisow, das ist doch eine ganz andere Sache«, erwiderte Nikolai und deutete durch seinen Ton an, daß im Vergleich mit Dolochow selbst Denisow eine Null sei. »Man muß wissen, was für eine herrliche Seele dieser Dolochow hat; man muß ihn im Verkehr mit seiner Mutter sehen. So ein edles Herz!«
»Ich weiß nicht, wie es zugeht; aber ich fühle mich in seiner Gegenwart immer unbehaglich. Weißt du auch wohl, daß er in Sonja verliebt ist?«
»Unsinn!«
»Ich bin davon überzeugt. Du wirst es ja sehen.«
Nataschas Vorhersage bewahrheitete sich. Dolochow, der bisher Damengesellschaft nicht gemocht hatte, begann viel in dem Haus zu verkehren, und die Frage, wer denn auf ihn eine solche Anziehungskraft ausübe, konnte sich bald ein jeder (obgleich niemand darüber sprach) dahin beantworten, daß er um Sonjas willen kam. Und wiewohl Sonja nie gewagt hätte, dies auszusprechen, so wußte sie es doch recht wohl und wurde jedesmal, wenn Dolochow erschien, rot wie eine Mohnblume.
Dolochow speiste oft bei Rostows zu Mittag, versäumte nie eine Theatervorstellung, wenn sie dort waren, und besuchte sogar die Backfischbälle des Herrn Jogel, an denen Rostows immer teilnahmen. Er bezeigte Sonja ungewöhnliche Aufmerksamkeit und blickte sie mit solchen Augen an, daß nicht nur sie sich eines tiefen Errötens nicht erwehren konnte, sondern auch die alte Gräfin und Natascha verlegen wurden, wenn sie diesen Blick bemerkten.
Es unterlag keinem Zweifel, daß dieser kraftvolle, eigenartige Mann sich unter der unwiderstehlichen Einwirkung des Zaubers befand, den auf ihn dieses schwarzhaarige, anmutige Mädchen ausübte, das doch einen andern liebte.
Rostow bemerkte zwar, daß etwas Neues zwischen Dolochow und Sonja vorging; aber er machte es sich nicht klar, worin diese neue Beziehung bestand. »Die beiden Mädchen sind immer in irgend jemand verliebt«, dachte er mit Bezug auf Sonja und Natascha. Aber er fühlte sich im Verkehr mit Sonja und Dolochow nicht mehr so behaglich wie früher und begann, seltener zu Hause zu sein.
Seit dem Herbst 1806 wurde wieder allgemein vom Krieg mit Napoleon gesprochen, und zwar mit noch größerem Eifer als im vorhergehenden Jahr. Es war verfügt worden, daß von je tausend Seelen nicht nur zehn Rekruten, sondern auch noch neun Landwehrleute gestellt werden sollten. Überall hörte man Bonaparte verwünschen, und in Moskau war von nichts anderem als von dem bevorstehenden Krieg die Rede. In der Familie Rostow drehte sich das gesamte Interesse für diese Kriegsvorbereitungen nur darum, daß Nikolai erklärt hatte, um keinen Preis in Moskau bleiben zu wollen, und nur das Ablaufen von Denisows Urlaub abwartete, um mit ihm nach den Feiertagen zum Regiment zu reisen. Indessen hinderte ihn die bevorstehende Abreise in keiner Weise daran, sich zu amüsieren, ja, sie bildete für ihn vielmehr einen Ansporn, die Zeit auszunutzen. So verbrachte er denn den größten Teil seiner Zeit außer dem Haus, auf Diners, Abendgesellschaften und Bällen.
XI
Am dritten Weihnachtstag aß Nikolai zu Hause Mittag, was er in der letzten Zeit nur selten getan hatte. Es war dies eine Art von offiziellem Abschiedsdiner, da er mit Denisow gleich nach dem Epiphaniasfest zum Regiment abreisen sollte. An dem Diner nahmen gegen zwanzig Personen teil, darunter Dolochow und Denisow.
Niemals hatte sich im Rostowschen Haus die Liebeslust und die Atmosphäre der Verliebtheit so stark fühlbar gemacht wie in diesen Feiertagen. »Ergreife den Augenblick des Glückes; mache andere in dich verliebt, und verliebe dich selbst! Das ist das einzig Wahre in der Welt; alles übrige ist Torheit. Und das ist das einzige, womit wir uns hier beschäftigen«, sagte diese Atmosphäre gleichsam.
Nachdem Nikolai, wie gewöhnlich, zwei Paar Pferde müde gejagt und es doch nicht fertiggebracht hatte, überall vorzusprechen, wo er Besuche zu machen hatte, und wo zu erscheinen er aufgefordert war, kam er erst unmittelbar vor dem Diner nach Hause. Sowie er eingetreten war, merkte und fühlte er die besondere Spannung der Liebesatmosphäre im Haus; außerdem aber nahm er wahr, daß zwischen einigen Mitgliedern der Tischgesellschaft eine seltsame Verlegenheit herrschte. Ganz besonders aufgeregt waren Sonja, Dolochow und die alte Gräfin, etwas weniger Natascha. Nikolai sagte sich, es müsse sich vor Tisch zwischen Sonja und Dolochow etwas begeben haben, und benahm sich mit dem ihm eigenen Taktgefühl des Herzens während des Diners gegen diese beiden außerordentlich zart und rücksichtsvoll. An demselben Abend, dem dritten Weihnachtsfeiertag, sollte bei dem Tanzlehrer Jogel ein Ball stattfinden, wie Herr Jogel dergleichen öfter an Feiertagen für alle seine dermaligen und früheren Schüler und Schülerinnen zu veranstalten pflegte.
»Nikolai, kommst du auch zu Jogel? Bitte, komm doch hin!« sagte Natascha zu ihm. »Er hat dich noch besonders einladen lassen. Wasili Dmitrijewitsch« (das war Denisow) »kommt auch mit.«
»Wohin würde ich nicht auf Befehl der Komtesse gehen!« sagte Denisow, der im Rostowschen Haus scherzhaft Nataschas Ritter spielte. »Ich bin sogar bereit, den pas de châle zu tanzen.«