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Der Splitter im Auge Gottes

Электронная книга - «Der Splitter im Auge Gottes». Краткое содержание книги:

In ferner Zukunft: Die menschliche Rasse hat einen Teil der Galaxis besiedelt, hat Großreiche gegründet, die wieder zerfielen, hat Bürgerkriege ausgefochten und neue Imperien aufgebaut, ist in interstellares Neuland vorgedrungen — auf eine andere intelligente Rasse ist sie nie gestoßen. Da naht aus dem Bereich des Kohlensack-Nebels, aus einem System, dessen Zentralgestirn Splitter im Auge Gottes genannt wird, ein rätselhaftes Flugobjekt — eine Sonde, die von einem Lichtsegel angetrieben wird. Ein Schiff der Raumflotte fängt das Objekt ab, bevor es in eine Sonne stürzt. Das seltsame Lebewesen, das sich an Bord befindet, kommt bei dem riskanten Bergungsmanöver ums Leben. Es war der Abgesandte einer völlig andersartigen, offensichtlich uralten und technologisch hochentwickelten Rasse. Hatte er die Möglichkeit, vor seinem Tod eine Botschaft an seine Heimatwelt abzusetzen? Hat er die Begegnung mit den Menschen als Angriff auf sich und sein Schiff interpretiert? Es gibt nur eine Möglichkeit, der potentiellen Gefahr zu begegnen und guten Willen zu beweisen: das Heimatsystem der Fremden aufzusuchen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Der Splitter ist ein Werk über die Begegnung von Menschen mit einer anderen hochentwickelten Spezies. Niven und Pournelle haben dafür ein schlüssiges Universum generiert und sich weitgehend an die Erkenntnisse der Physik und Astronomie gehalten.
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Wir werden noch viel Zeit haben, die Splits zu studieren, überlegte Sally. Und erstaunlicherweise hat keiner von uns im Augenblick irgendwelche Pflichten — und wir sind allein. »Ich auch«, sagte sie sanft.

Trotz der Kubikkilometer gelbglühender Gase, die sie umgaben, war die Lenin ein glückliches Schiff. Kutuzov lockerte die strengen Bestimmungen und ließ seine Mannschaft zum ersten Mal seit der Vernichtung der Mac Arthur wieder die normale Wacheinteilung aufnehmen. Das Schiff befand sich zwar mitten in einer ›Sonne‹, aber es hatte mehr als genug Treibstoff, und alle Probleme waren Routinesachen, die sich den Vorschriften gemäß erledigen ließen. Selbst die Wissenschaftler vergaßen ihre Enttäuschung darüber, dass sie das fremde System mit einer Menge unbeantworteter Fragen verlassen mussten: sie waren auf dem Heimweg.

Die einzige Frau im Umkreis von zehn Parsek wäre auf jeden Fall die Zielscheibe der verschiedensten Spekulationen geworden. An jeder von zwei Fragen hätten sich Streitigkeiten entzünden können: Wie stehen meine/deine Chancen bei ihr? und Will sie denn eine alte Jungfer werden? Sally hatte jedoch ganz offensichtlich bereits ihre Wahl getroffen. Das erleichterte jenen das Leben, die sich über solche Fragen den Kopf zerbrechen, und auch jenen, deren Aufgabe es ist, Raufhändel unter den Männern zu verhindern.

Am ersten Abend nach dem Sprung gab Kutuzov ein Abendessen. Es war eine sehr förmliche Angelegenheit, und die meisten Gäste unterhielten sich nicht besonders gut; die Tischgespräche des Admirals beschränkten sich auf professionelle Themen. Er ging jedoch ziemlich früh, und danach wurde die Gesellschaft noch recht munter.

Rod und Sally blieben drei Stunden. Alle wollten über die Splits sprechen, und Rod stellte überrascht fest, dass er sich über die Fremden unterhalten konnte, ohne noch viel von der dumpfen Bitterkeit zu verspüren, die ihn früher überkommen hatte, wenn er nur an sie dachte. Sallys Begeisterung war eine Hilfe — und außerdem schien sie um ihn genauso besorgt zu sein wie um die Splits. Sie hatte sich sogar Stunden damit geplagt, Michailovs Reserve-Galauniform zu ändern, so dass sie ihm jetzt beinahe passte.

Als sie sich von der Gesellschaft zurückgezogen hatten, wurden in den Stunden, die sie noch miteinander verbrachten, bevor sie in ihre Kabinen zurückkehrte, weder die Splits noch der Splitter erwähnt.

Das Schiff strebte aus dem Zentrum des Riesensterns nach außen. Endlich färbte sich das wabernde Gelb außerhalb seines Schutzfeldes orange, dann ziegelrot, und schließlich zeigten die Sonden der Lenin an, dass ihr Feld heißer war als die umgebende Photosphäre. Wissenschaftler und Besatzung beobachteten gleichermaßen eifrig die Bildschirme, und als endlich vor einem rötlich-schwarzen Hintergrund wieder Sterne sichtbar wurden, feierten das alle mit Drinks und Begeisterung. Sogar der Admiral Schloss sich an, ein breites Lächeln auf den groben Zügen.

Kurz danach bekam der Funkoffizier Kontakt mit einem wartenden Tanker. In der Nähe lag eine kleine Nachrichtenschaluppe, ein schnelles Boot mit einer jungen Besatzung, die in ausgezeichneter körperlicher Verfassung war. Kutuzov diktierte seinen Bericht und schickte ihn mit zwei seiner Kadetten hinüber; gleich darauf beschleunigte die Schaluppe mit drei Grav und jagte zum Alderson-Punkt, wo sie ins System Neukaledonien springen und die Nachricht vom ersten Kontakt der Menschheit mit einer fremden Zivilisation überbringen würde.

Der Tanker brachte Post mit und die Neuigkeiten von nahezu einem Jahr. Es hatte noch ein paar Aufstände im Sektor gegeben. Eine frühere Kolonie hatte sich mit einem gut gerüsteten Unabhängigen-System verbündet und war gegen das Imperium aufgestanden. New Chicago war von der Armee besetzt, und obwohl die Wirtschaft wieder zu funktionieren begann, lehnte ein Großteil der Bevölkerung die imperiale Bevormundung ab. Die Inflation der Krone war unter Kontrolle gebracht worden. Ihre Kaiserliche Majestät hatte einem Sohn, Alexander, das Leben geschenkt, und Kronprinz Lysander war nicht mehr die einzige Garantie für das Fortbestehen des kaiserlichen Hauses. Diese Nachricht musste auf der Lenin natürlich auch gebührend gefeiert werden — und das wurde sie, denn die Feier nahm derartige Ausmaße an, dass Michailov Leute von der Mannschaft der Mac Arthur ausborgen musste, um die notwendigsten Posten in Seinem Schiff bemannen zu können.

Die Schaluppe kehrte mit neuen Nachrichten zurück, die per Maser übermittelt wurden, noch ehe das Kurierboot bei der Lenin anlegte. Die Sektorhauptstadt war in einen Begeisterungstaumel ausgebrochen, und der Vizekönig plante einen Galaempfang für die Split-Botschafter. Kriegsminister Armstrong sandte ein Telegramm mit gedämpftem Lob und tausend Fragen.

Es war auch eine Nachricht für Rod Blaine dabei. Er erfuhr davon, als er von der Infanterieordonnanz des Admirals in Kutuzovs Kabine gebracht wurde.

»Wahrscheinlich geht’s jetzt los«, meinte Rod zu Sally. »Stellt Blaine unter Arrest, bis er vors Kriegsgericht gebracht werden kann.«

»Red’ keinen Unsinn.« Sie lächelte ihn aufmunternd an. »Ich werde hier auf dich warten.«

»Wenn sie mich jemals wieder in meine Kabine lassen.« Er wandte sich an den Infanteristen. »Gehen wir, Ivanov.« Als er die Kabine des Admirals betrat, erlebte er die Überraschung seines Lebens. Rod hatte einen kahlen, funktionellen und ungemütlichen Raum erwartet; statt dessen sah er sich einer verwirrenden Farbenvielfalt gegenüber, Orientteppichen, Wandbehängen, der unvermeidlichen Ikone, dem Bild des Kaisers und noch vielem anderen. In einer Stellage oberhalb von Kutuzovs Schreibtisch standen sogar einige ledergebundene Bücher. Der Admiral wies auf einen Sessel aus spartanischem Rosenteak. »Möchten Sie Tee?« fragte er.

»Nun — ja, danke, Sir.«

»Zwei Gläser, Keemun.« Der Steward schenkte aus einer silbernen Thermosflasche ein, die wie ein alter russischer Samowar geformt war, und servierte den Tee in geschliffenen Gläsern.

»Sie können gehen. — Kapitän Blaine, ich habe in Bezug auf Sie Befehle erhalten.«

»Ja, Sir«, sagte Rod. Er hätte wenigstens damit warten können, bis ich den Tee getrunken habe.

»Sie werden dieses Schiff verlassen. Sobald die Schaluppe längsseits geht, werden Sie sich an Bord begeben und mit der höchsten Beschleunigung nach Neukaledonien zurückkehren, die der Flugsanitäter genehmigt.«

»Jawohl, Sir — ist man so begierig, mich vors Kriegsgericht zu zerren?«

Kutuzov zog erstaunt die buschigen Brauen hoch. »Kriegsgericht? Das glaube ich nicht, Kapitän. Es muss natürlich eine formelle Untersuchung geben. Das schreibt das Reglement vor. Es würde mich jedoch überraschen, wenn das Untersuchungsgericht irgendeine Anklage gegen Sie erhöbe.«

Kutuzov wandte sich seinem kostbar geschnitzten Schreibtisch zu. Auf der seidenglatt polierten Platte lag ein Nachrichtenband. »Das ist für Sie. Es trägt den Vermerk ›Persönlich und Dringend‹ und wird Ihnen wohl die gesuchte Erklärung liefern.« Rod nahm das Band und musterte es neugierig.

»Es ist natürlich im Code für kommandierende Offiziere gehalten«, sagte der Admiral.

»Mein Flaggensekretär wird Ihnen behilflich sein, wenn Sie es wünschen.«

»Ich danke Ihnen.«

Der Admiral rief über die Bordsprechanlage einen Leutnant in die Kabine, der das Band durch die Decodiermaschine laufen ließ, nachdem er einige Daten eingetippt hatte. Der Apparat spuckte schnatternd ein dünnes Blatt mit dem Klartext aus.

»Ist das alles, Admiral?« fragte der Leutnant.

»Ja. Kapitän, ich lasse Sie jetzt allein, damit Sie Ihre Nachricht lesen können. Guten Morgen.« Der Admiral und der Leutnant verließen die Kabine.

Rod riss den Papierstreifen ab und begann in wachsender Verwunderung zu lesen.

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