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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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»Furchtbar, was sie ihr angetan haben«, sagte Miss Cowden und senkte die Stimme, als ob die Gestalt im Sessel sie hören könnte. »Furchtbar!« Nach der Verfolgung und dem Gemetzel blind vor Lust, hatten die englischen Soldaten keine Zeit damit verloren, sie nach ihrem Namen oder der politischen Orientierung ihrer Familie zu fragen. An ihrer Aussprache hatten sie sie als Schottin erkannt, und das hatte ihnen ausgereicht.

Sie hatten sie für tot gehalten und in einem halb mit eiskaltem Wasser gefüllten Graben liegen gelassen, und es war allein die zufällige Anwesenheit einer Familie von Kesselflickern gewesen, die sich aus Angst vor den Soldaten in der Nähe im Gebüsch versteckt hielten, die sie gerettet hatte.

»Ich muss immer wieder denken, schade, dass sie sie gerettet haben, auch wenn es unchristlich ist, so etwas zu sagen«, flüsterte Miss Cowden. »Wenn nicht, hätte die arme Kleine ihr Erdendasein hinter sich gelassen und wäre glücklich vor Gott getreten. So aber …« Sie wies unbeholfen auf die stille Gestalt und trank die letzten Tropfen ihres Likörs.

Margaret hatte zwar überlebt, doch sie redete nicht. Einigermaßen wiederhergestellt, wenn auch stumm, war sie mit den Kesselflickern weitergezogen und mit ihnen nach Süden gewandert, um dem Raubzug zu entgehen, der in der Folge von Culloden über die Highlands kam. Und dann hatte sie eines Tages im Hof eines Wirtshauses gesessen und die Sammelbüchse gehalten, während die Kesselflicker musizierten und sangen, und war von ihrem Bruder gefunden worden, der mit seinem Campbellregiment dort Rast machte, um sich auf dem Rückweg nach Edinburgh zu stärken.

»Sie hat ihn erkannt und er sie, und die Erschütterung über diese Begegnung gab ihr zwar die Stimme zurück, aber nicht den Verstand, armes Ding. Er hat sie natürlich nach Hause gebracht, doch sie verhielt sich weiter so, als sei sie in der Vergangenheit gefangen – irgendwo vor der Begegnung mit dem Highlandmann. Ihr Vater war an der Grippe gestorben, und Tilly Lawson hat gesagt, es war der Schreck, sie zu sehen, der ihre Mutter umgebracht hat, doch es kann genauso gut ebenfalls die Grippe gewesen sein; es gab in diesem Jahr eine Epidemie.«

Am Ende hatte Archibald Campbell zutiefst verbittert sowohl über die Highlandschotten als auch über die englische Armee sein Patent zurückgegeben. Nach dem Tod seiner Eltern war er zwar nicht schlecht gestellt, doch er trug auch die gesamte Verantwortung für seine gebrochene Schwester.

»Er konnte nicht heiraten«, erklärte Miss Cowden, »denn welche Frau hätte ihn genommen, solange sie«, mit einem Nicken zum Feuer, »Teil der Abmachung war?«

In seiner Not hatte er sich Gott zugewandt und war Prediger geworden. Da er weder seine Schwester verlassen noch die Enge seines Geburtshauses in Burntisland ertragen konnte, hatte er sich eine Kutsche gekauft, eine Frau angeheuert, die sich um Margaret kümmerte, und angefangen, kurze Ausflüge in die Umgebung zu machen, um zu predigen. Dabei hatte er sie oft mitgenommen.

Durch seine Predigten hatte er zum Erfolg gefunden, und nun hatte ihn die Gesellschaft der Presbyterianischen Missionare gebeten, seine bislang längste Reise anzutreten, nämlich zu den Westindischen Inseln, um dort in den Kolonien Barbados und Jamaica Gemeinden aufzubauen und Ältestenräte zu benennen. Im Gebet hatte er die Antwort gefunden, und er hatte den Besitz der Familie in Burntisland verkauft und seine Schwester in Edinburgh einquartiert, während er die Reisevorbereitungen traf.

Erneut warf ich einen Blick auf die Gestalt am Feuer. Ihr Rocksaum wehte in der erwärmten Luft, doch abgesehen von diesem Hauch einer Bewegung hätte sie eine Statue sein können.

»Nun«, sagte ich und seufzte, »es gibt leider nicht viel, was ich für sie tun kann. Aber ich werde Euch einige Rezepturen notieren, die Ihr Euch in der Apotheke herstellen lassen könnt, ehe Ihr geht.«

Wenn es nicht half, konnte es zumindest nicht schaden, dachte ich, während ich die kurzen Listen der Zutaten niederschrieb. Kamille, Hopfen, Raute, Rainfarn und Verbene mit einer ordentliche Prise Minze als Beruhigungstropfen. Hagebuttentee konnte helfen, die Symptome der Mangelernährung zu lindern, die mir aufgefallen waren – schwammiges, blutendes Zahnfleisch und ein blasses, aufgedunsenes Gesicht.

»Sobald Ihr Euer Ziel erreicht«, sagte ich und reichte Miss Cowden den Zettel, »sorgt dafür, dass sie viel Obst isst – vor allem Orangen, Pampelmusen und Zitronen. Ihr solltet das auch tun«, fügte ich hinzu und entlockte der Hausdame damit einen Blick des tiefen Argwohns. Ich bezweifelte, dass sie, abgesehen von ihrem täglichen Porridge und gelegentlichen Zwiebeln oder Kartoffeln, überhaupt irgendetwas Pflanzliches aß.

Reverend Campbell war nach wie vor unterwegs, und ich sah eigentlich keinen Grund, auf ihn zu warten. Ich sagte Miss Campbell adieu, und als ich die Tür öffnete, sah ich Ian auf der anderen Seite stehen.

»Oh!«, sagte er verblüfft. »Ich wollte gerade zu dir, Tante Claire. Es ist fast halb vier, und Onkel Jamie hat gesagt …«

»Jamie«, kam die Stimme aus dem Sessel, der hinter mir am Feuer stand.

Miss Cowden und ich fuhren herum und sahen Miss Campbell kerzengerade dasitzen, die Augen unverändert weit geöffnet, doch jetzt hatte ihr Blick ein Ziel. Er war auf die Tür gerichtet, und als Ian eintrat, begann Miss Campbell zu schreien.

Immer noch bestürzt von der Begegnung mit Miss Campbell, suchten Ian und ich unsere Zuflucht dankbar im Bordell, wo uns Bruno ungerührt begrüßte und uns in den rückwärtigen Salon führte. Dort fanden wir Jamie und Fergus in ein Gespräch vertieft.

»Natürlich trauen wir Sir Percival nicht«, sagte Fergus gerade, »aber welchen Zweck sollte es haben, Euch von einem Hinterhalt zu erzählen, wenn nicht tatsächlich ein Hinterhalt in Vorbereitung ist.«

»Der Teufel soll mich holen, wenn ich das weiß«, sagte Jamie rundheraus. Er lehnte sich zurück und reckte sich auf seinem Sessel. »Also gehen wir, wie du sagst, davon aus, dass die Steuereintreiber einen Hinterhalt planen. Zwei Tage, hat er gesagt. Das wäre also Mullen’s Cove.« Dann fiel sein Blick auf mich und Ian; er erhob sich halb und winkte uns, Platz zu nehmen.

»Also nehmen wir die Felsen bei Balcarres?«, fragte Fergus.

Jamie runzelte nachdenklich die Stirn, und die beiden steifen Finger seiner rechten Hand trommelten langsam auf die Tischplatte.

»Nein«, sagte er schließlich. »Lieber Arbroath, das Wäldchen vor dem Kloster. Nur, um ganz sicherzugehen.«

»Also schön.« Fergus schob den halbleeren Teller mit Haferkeksen von sich, mit denen er sich gestärkt hatte, und erhob sich. »Ich sorge dafür, dass es alle erfahren. Arbroath, in vier Tagen.« Er nickte mir zu, schwang sich den Umhang um die Schultern und ging.

»Schmuggelst du wieder, Onkel Jamie?«, fragte Ian wissbegierig. »Ist ein französischer Logger im Anmarsch?« Er nahm sich einen Haferkeks und biss krümelnd hinein.

Jamies Blick war immer noch abwesend, denn er dachte nach, doch dann richtete er sich scharf auf seinen Neffen. »Aye, so ist es. Und du, Junge, hast nichts damit zu tun.«

»Aber ich könnte dir doch helfen!«, protestierte Ian. »Du wirst doch mindestens jemanden brauchen, der die Maultiere festhält!«

»Nach allem, was dein Pa gestern zu dir und zu mir gesagt hat, Ian?« Jamie zog die Augenbrauen hoch. »Himmel, hast du ein kurzes Gedächtnis, Junge!«

Ian setzte ein etwas verlegenes Gesicht auf und nahm sich noch einen Keks, um seine Verwirrung zu überspielen. Ich nutzte sein vorübergehendes Schweigen, um meine eigenen Fragen zu stellen.

»Du gehst nach Arbroath, um ein französisches Schiff in Empfang zu nehmen, das geschmuggelten Alkohol transportiert?«, fragte ich. »Hältst du das nach Sir Percivals Warnung nicht für gefährlich?«

Jamie sah mich zwar mit hochgezogener Augenbraue an, antwortete mir aber geduldig.

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