Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Über die Waffe gebeugt, blinzelte er in die Finsternis, während er die Pistole mit beiden Händen umklammert hielt.
»Nicht schießen, zum Kuckuck!«, zischte ich in sein Ohr. Ich wagte es nicht, nach seinem Arm zu fassen, weil ich Angst hatte, einen Schuss auszulösen, doch ich hatte große Angst, dass er ein Geräusch ausstoßen würde, das die Männer unter uns verraten könnte.
»Ich wäre dir dankbar, wenn du auf deine Tante hören würdest«, erklang Jamies leise, ironische Stimme aus der Schwärze unterhalb der Felskante. »Es wäre mir lieber, wenn du mir nicht den Kopf wegpustest, aye?«
Ian ließ die Pistole sinken, und seine Schultern sackten mit einem Seufzer zusammen, der genauso gut Erleichterung wie Enttäuschung ausdrücken konnte. Der Ginster bebte, und dann stand Jamie vor uns und strich sich die Ginsterstacheln vom Rockärmel.
»Hat dir denn niemand gesagt, dass du nicht bewaffnet kommen sollst?«, fragte Jamie nachsichtig, und sein Ton drückte höchstens theoretisches Interesse aus. »Wer eine Waffe gegen einen Offizier des königlichen Zolls zieht, dem droht der Galgen«, erklärte er an mich gewandt. »Keiner der Männer ist bewaffnet; sie haben nicht einmal ein Fischmesser dabei, falls sie erwischt werden.«
»Aye, nun ja, Fergus hat gesagt, mich würden sie nicht hängen, weil ich noch keinen Bart habe«, sagte Ian verlegen. »Mich würden sie nur deportieren, hat er gesagt.«
Es zischte leise, als Jamie enerviert durch die Zähne einatmete.
»Oh, aye, und ich bin mir sicher, dass deine Mutter begeistert sein würde zu hören, dass du in die Kolonien verschifft worden bist, selbst wenn Fergus recht hatte!« Er streckte die Hand aus. »Gib mir das, Dummkopf. Woher hast du sie überhaupt«, fragte er und drehte die Pistole in seiner Hand. »Und geladen ist sie auch schon. Ich wusste doch, dass ich Pulver gerochen habe. Du hast Glück, dass du dir nicht den Schwanz weggepustet hast, wenn du sie so in der Hose trägst.«
Ehe Ian antworten konnte, zeigte ich auf das Meer hinaus und unterbrach.
»Da!«
Das französische Schiff war kaum mehr als ein Fleck auf der Meeresoberfläche, doch seine Segel schimmerten hell im Schein der Sterne. Es war ein Zweimaster, der langsam an den Klippen vorüberglitt und dahinter lautlos wie eine der verstreuten Wolken zum Halten kam.
Jamies Blick war nicht auf das Schiff gerichtet, sondern nach unten auf eine Stelle, an der die Felsen oberhalb des Sandstrands in einer Geröllmasse endeten. Ich folgte seiner Blickrichtung und konnte ein winziges Licht ausmachen. Mr. Willoughby mit der Laterne.
Licht blitzte flüchtig auf und glänzte auf den nassen Felsen, dann war es fort. Ians Hand lag angespannt auf meinem Arm. Wir warteten mit angehaltenem Atem und zählten bis dreißig. Ians Hand drückte meinen Arm, dann erleuchtete ein weiteres Aufblitzen den Schaum auf dem Sand.
»Was war das?«, sagte ich.
»Was?« Jamies Blick war nicht auf mich gerichtet, sondern er beobachtete das Schiff.
»Am Strand; als das Licht aufblitzte, dachte ich, ich hätte etwas halb im Sand vergraben gesehen. Es sah aus wie …«
Es blitzte zum dritten Mal, und im nächsten Moment leuchtete als Antwort ein Licht auf dem Schiff auf – eine blaue Laterne, ein gespenstischer Fleck, der am Mast hing und sich unten im dunklen Wasser spiegelte.
In meiner Aufregung vergaß ich, was ich erspäht hatte – etwas, das aussah wie ein Haufen Kleider, den man achtlos im Sand vergraben hatte. Jetzt war Bewegung zu sehen, und wir hörten es leise platschen, als etwas über Bord geworfen wurde.
»Die Flut kommt«, murmelte mir Jamie ins Ohr. »Da schwimmen die Fässer; die Strömung wird sie in ein paar Minuten an Land tragen.«
Das löste das Problem der Verankerung des Schiffs – es benötigte keine. Aber wie wurde dann die Bezahlung durchgeführt? Gerade war ich im Begriff, danach zu fragen, als plötzlich unten ein Ruf erscholl und die Hölle losbrach.
Jamie schob sich auf der Stelle durch den Ginster, unmittelbar gefolgt von Ian und mir. Es war zwar nicht viel zu erkennen, doch am Strand herrschte Aufruhr. Dunkle Gestalten stolperten und wälzten sich lautstark über den Sand. Ich hörte die Worte: »Halt, im Namen des Königs!«, und das Blut gefror mir in den Adern.
»Steuereintreiber!« Ian hatte es auch gehört.
Jamie sagte etwas Unflätiges auf Gälisch, dann warf er den Kopf zurück, und seine Stimme gellte über den Strand.
»Éirich ’illean!«, brüllte er. »Suas am bearrach is teich!«
Dann wandte er sich an Ian und mich. »Geht!«, sagte er.
Der Lärm schwoll an, als sich das Klackern fallender Steine zu den Schreien gesellte. Plötzlich schoss eine dunkle Gestalt direkt vor mir aus dem Ginster und raste durch die Finsternis davon. Eine weitere folgte in geringem Abstand.
Ein schriller Schrei kam unten aus der Dunkelheit, so laut, dass er die anderen Geräusche übertönte.
»Das ist Willoughby!«, rief Ian aus. »Sie haben ihn!«
Statt uns an Jamies Befehl zu halten und zu gehen, drängten wir uns beide vorwärts, um durch das Gebüsch zu blicken. Die Laterne war schräg umgekippt, und die Blende war zur Seite gerutscht, so dass sich ihr Lichtstrahl wie ein Scheinwerfer über den Strand breitete, wo jetzt die flachen Gräber im Sand klafften, in denen die Zolloffiziere verborgen gewesen waren. Schwarze Gestalten wankten schreiend umher und kämpften sich zwischen den Bergen aus Seetang umher. Das dumpfe Leuchten rings um die Laterne reichte aus, um uns zwei aneinandergeklammerte Gestalten zu zeigen. Die kleinere trat wild um sich, als sie vom Boden hochgehoben wurde.
»Ich hole ihn!« Ian sprang auf, wurde aber sofort zurückgerissen, weil Jamie ihn am Kragen erwischte.
»Tu, was ich dir gesagt habe, und bring meine Frau in Sicherheit!«
Keuchend wandte sich Ian zu mir um, doch ich hatte nicht vor zu gehen. Ich stemmte beide Füße fest auf den Boden und rührte mich nicht, als er mich am Arm zog.
Ohne uns zu beachten, machte Jamie kehrt und rannte an der Kante der Klippen entlang, bis er in einigen Metern Entfernung stehen blieb. Ich konnte seinen Umriss deutlich vor dem Himmel sehen, als er sich auf ein Knie sinken ließ und die Pistole vorbereitete, sie auf seinen Unterarm stützte und nach unten zielte.
Der Schuss war nicht mehr als ein leiser Knall, der im Getöse unterging. Doch seine Folgen waren spektakulär. Die Laterne explodierte in einer Kaskade aus brennendem Öl, um dann den Strand abrupt in Dunkelheit zu tauchen und das Geschrei verstummen zu lassen.
In der nächsten Sekunde wurde die Stille von Geheul unterbrochen, ein Laut, in dem sich Schmerz mit Entrüstung mischte. Meine Augen, die im ersten Moment durch das Aufblitzen der Laterne geblendet worden waren, gewöhnten sich schnell wieder um, und wieder sah ich etwas leuchten – das Licht mehrerer kleiner Flammen, die sich ziellos auf und ab zu bewegen schienen. Als meine Nachtsicht zurückkehrte, sah ich, dass die Flammen vom Rockärmel eines Mannes aufstiegen, der jaulend auf und ab tanzte und wirkungslos auf die Flammen einhieb, die durch brennende Ölspritzer entstanden waren.
Der Ginster erbebte heftig, und Jamie stürzte sich über die Felskante und war nicht mehr zu sehen.
»Jamie!«
Durch meinen Aufschrei zu sich gebracht, zerrte Ian so fest an mir, dass er mich beinahe umgerissen hätte, und drängte mich mit Gewalt von der Klippe fort.
»Komm mit, Tante Claire! Sie werden gleich hier oben sein!«
Das war nicht zu leugnen; ich konnte die Rufe vom Strand näher kommen hören, als die Männer an den Felsen emporschwärmten. Ich raffte meine Röcke und folgte dem Jungen über das harte Gras auf den Klippen, so schnell mich meine Füße trugen.
Ich hatte keine Ahnung, wohin wir unterwegs waren, doch Ian wusste es anscheinend. Er hatte seinen Rock ausgezogen, und das Weiß seines Hemds war vor mir gut zu sehen und schwebte wie ein Geist zwischen den Erlen und Birken hindurch, die weiter landeinwärts wuchsen.
»Wo sind wir?«, keuchte ich, als ich ihn einholte, weil er am Ufer eines kleinen Bachs langsamer wurde.