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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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»Nein, ich bin auch katholisch – äh, Papistin«, beruhigte ich sie. »Ich habe mich nur gefragt, ob Ihr etwas über die Frau des Reverends und ihre Krankheit wisst.«

Louisa schüttelte den Kopf und wandte sich einem neuen Kunden zu.

»Nein, ich habe die Dame noch nie gesehen. Aber was auch immer sie hat«, fügte sie mit einem Stirnrunzeln in Richtung des verschwundenen Reverends hinzu, »ich bin mir sicher, dass es vom Zusammenleben mit ihm nicht besser wird!«

Das Wetter war kühl, aber klar, und im Pfarrgarten erinnerte nur noch ein schwacher Hauch von Qualm an den Brand. Jamie und ich saßen auf einer Bank an der Mauer und sogen die blasse Wintersonne in uns auf, während wir darauf warteten, dass Ian seine Beichte beendete.

»Hast du deinem Schwager diesen Unsinn erzählt, den er seinem Sohn gestern präsentiert hat? Darüber, wo ich die ganze Zeit gewesen bin?«

»Oh, aye«, sagte er. »Ian ist zwar nicht so dumm, das zu glauben, aber die Geschichte ist ja zumindest plausibel, und er ist ein zu guter Freund, um auf der Wahrheit zu bestehen.«

»Für die Allgemeinheit dürfte es ausreichen«, pflichtete ich ihm bei. »Aber hättest du es nicht Sir Percival erzählen sollen, statt ihn in dem Glauben zu lassen, dass wir frisch verheiratet sind?«

Er schüttelte entschlossen den Kopf. »Och nein. Erstens kennt Sir Percival meinen richtigen Namen nicht, obwohl ich die Einnahmen eines ganzen Jahres darauf verwetten würde, dass er weiß, dass er nicht Malcolm lautet. Ich möchte auf keinen Fall, dass er mich irgendwie mit Culloden in Verbindung bringt. Und zweitens würde eine Geschichte wie die, die ich Ian erzählt habe, für viel mehr Gerede sorgen als die Neuigkeit, dass der Drucker geheiratet hat.«

»Oh, welch verworren’ Netz wir weben«, intonierte ich, »tritt erst die Lüg’ in unser Leben’.«

Er warf mir einen flüchtigen Blick zu, und sein Mundwinkel hob sich ein wenig.

»Mit etwas Übung wird es einfacher, Sassenach«, sagte er. »Versuch, eine Weile mit mir zusammenzuleben, dann spinnst du die Seide aus dem Hintern wie Sch–, äh, so leicht wie nichts.«

Ich brach in Gelächter aus.

»Das möchte ich sehen«, sagte ich.

»Du hast es doch schon gesehen.« Er stand auf und reckte den Hals, um über die Mauer in den Pfarrgarten zu blicken.

»Ian braucht unfassbar lange«, stellte er fest und setzte sich wieder. »Wie kann ein Junge, der noch keine fünfzehn ist, so viel zu beichten haben?«

»Nach dem gestrigen Tag und Abend? Vermutlich kommt es ganz darauf an, wie detailliert Vater Hayes es hören möchte«, sagte ich und musste plötzlich an mein Frühstück mit den Prostituierten denken. »Ist er schon die ganze Zeit dort drinnen?«

»Äh, nein.« Jamies Ohren erröteten sacht im Morgenlicht. »Ich, äh, musste zuerst gehen. Als gutes Beispiel, weißt du.«

»Kein Wunder, dass es eine Weile gedauert hat«, neckte ich ihn. »Wie lange ist denn deine letzte Beichte her gewesen?«

»Ich habe Vater Hayes gesagt, dass es sechs Monate waren.«

»Und stimmt das?«

»Nein, aber ich dachte mir, wenn er mir schon die Beichte dafür abnimmt, dass ich gestohlen, geflucht und mich geprügelt habe, kann er es auch gleich tun, weil ich gelogen habe.«

»Was, keine Hurerei und keine unreinen Gedanken?«

»Gewiss nicht«, sagte er streng. »Man darf sich alle möglichen furchtbaren Dinge ausdenken – solange es dabei um die eigene Frau geht, ist es keine Sünde. Es ist nur dann unrein, wenn man dabei andere Frauen vor Augen hat.«

»Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich zurückkommen würde, um deine Seele zu retten«, sagte ich sittsam, »aber es ist schön, nützlich zu sein.«

Er lachte, beugte sich vor und küsste mich ausgiebig.

»Ich frage mich, ob das als Ablass zählt«, sagte er, als er innehielt, um Luft zu holen. »Zumindest sollte es das, nicht wahr? Es hilft besser als jeder Rosenkranz, einen Mann vor den Flammen der Hölle zu bewahren. Apropos«, sagte er und grub in seiner Tasche, um einen sehr angenagt aussehenden Holzrosenkranz hervorzuholen, »erinnere mich daran, dass ich mein Bußgebet heute noch sprechen muss. Ich wollte gerade damit anfangen, als du aufgetaucht bist.«

»Wie viele Ave-Marias sollst du denn beten?«, fragte ich und betastete die Perlen. Ich hatte es mir nicht eingebildet, dass er angenagt aussah; die meisten Perlen trugen tatsächlich kleine Zahnabdrücke.

»Ich habe letztes Jahr einen Juden kennengelernt«, sagte er, ohne auf meine Frage einzugehen. »Einen Naturkundler, der schon sechsmal um die Welt gesegelt ist. Er hat mir erzählt, dass es sowohl in der muselmanischen als auch der jüdischen Religion als Akt der Tugend gilt, wenn ein Mann und seine Frau miteinander schlafen. Ob das wohl etwas damit zu tun hat, dass sowohl Juden als auch Muselmanen beschnitten sind?«, fügte er nachdenklich hinzu. »Ich bin nicht auf die Idee gekommen, ihn das zu fragen – obwohl er es vielleicht unpassend gefunden hätte, eine solche Frage zu beantworten.«

»Ich glaube nicht, dass eine Vorhaut mehr oder weniger großen Einfluss auf die Tugend eines Mannes hat«, beruhigte ich ihn.

»Oh, gut«, sagte er und küsste mich erneut.

»Was ist mit deinem Rosenkranz passiert?«, fragte ich und hob die Perlenschnur auf, die ins Gras gefallen war. »Er sieht aus, als hätten die Ratten daran genagt.«

»Nicht Ratten«, sagte er. »Kinder.«

»Was denn für Kinder?«

»Oh, wer gerade in der Nähe war.« Er zuckte mit den Schultern und steckte die Perlen wieder ein. »Jamie junior hat jetzt drei und Maggie und Kittie jeweils zwei. Der kleine Michael hat gerade erst geheiratet, aber seine Frau ist schwanger.« Die Sonne stand hinter ihm und tauchte sein Gesicht in den Schatten, so dass seine Zähne plötzlich weiß aufblitzten, als er lächelte. »Das hast du nicht gewusst, dass du siebenfache Großtante bist, aye?«

»Großtante?«, sagte ich verdattert.

»Nun, ich bin ja auch Großonkel«, sagte er fröhlich, »und bis jetzt ist es keine große Herausforderung gewesen, bis darauf, dass die Kleinen an meinen Perlen nagen, wenn sie zahnen – und dass man ständig ›Nonkie‹ genannt wird.«

Manchmal erschienen mir zwanzig Jahre wie ein Augenblick und manchmal wie eine sehr, sehr lange Zeit.

»Äh … es gibt doch hoffentlich keine weibliche Entsprechung für ›Nonkie‹?«

»Oh, nein«, versicherte er mir. »Sie werden dich alle Großtante Claire nennen und dich mit dem größten Respekt behandeln.«

»Danke sehr«, murmelte ich und hatte plötzlich die Geriatrie des Krankenhauses deutlich vor meinem inneren Auge stehen.

Mit der ganzen Erleichterung, die ihm die Befreiung von seinen Sünden geschenkt haben musste, legte mir Jamie lachend die Hände um die Taille und hob mich auf seinen Schoß.

»Ich habe noch nie eine Großtante mit einem so schönen runden Hintern gesehen«, sagte er beifällig und wippte sacht mit den Knien. Er beugte sich vor, und sein Atem kitzelte mich im Nacken. Ich kreischte leise auf, als sich seine Zähne sacht um mein Ohr schlossen.

»Geht es dir gut, Tante Claire?«, sagte Ians Stimme sorgenvoll dicht hinter uns.

Jamie fuhr so heftig zusammen, dass ich ihm fast vom Schoß geplumpst wäre, dann legte er mir die Arme fester um die Taille.

»Och, aye«, sagte er. »Deine Tante hat nur eine Spinne gesehen.«

»Wo denn?«, sagte Ian und lugte neugierig über die Bank.

»Da oben.« Jamie erhob sich, stellte mich hin und zeigte auf die Linde, wo sich tatsächlich das Netz einer Kreuzspinne vor Feuchtigkeit glitzernd in einer Astgabel spannte. Die Spinne selbst saß rund wie eine Kirsche in der Mitte, ein leuchtend oranges Kreuz auf ihrem Rücken.

»Ich habe deiner Tante gerade von einem Juden erzählt, dem ich einmal begegnet bin, einem Naturkundler«, sagte Jamie, während Ian das Spinnennetz mit wimpernloser Faszination betrachtete. »Anscheinend hatte er Spinnen besonders studiert; er war sogar in Edinburgh, um der Royal Society ein wissenschaftliches Papier zu übergeben, obwohl er Jude war.«

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