Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Da vorn ist die Straße nach Arbroath«, sagte er. Er atmete schwer, und auf seinem Hemd war ein dunkler Schmutzfleck zu sehen. »Gleich wird es einfacher. Geht es, Tante Claire? Soll ich dich über den Bach tragen?«
Ich lehnte dieses ritterliche Angebot höflich ab und stellte im Stillen fest, dass ich zweifellos auch nicht weniger wog als er. Ich zog meine Schuhe und Strümpfe aus und watete durch den knietiefen Bach, dessen eisiger Schlamm mir zwischen die Zehen drang.
Heftig zitternd stieg ich aus dem Wasser, und als Ian mir seinen Rock anbot, nahm ich an – er war so aufgeregt und so erhitzt von der Anstrengung, dass er ihn eindeutig nicht brauchte. Ich fror nicht nur vom Wasser und dem eisigen Novemberwind, sondern auch vor Angst, was wohl hinter uns geschehen mochte.
Keuchend traten wir auf die Straße hinaus, und der Wind blies uns kalt in die Gesichter. Meine Nase und meine Lippen wurden in Sekundenschnelle taub, und mein Haar wehte lose hinter mir her und hing schwer in meinem Nacken. Doch der Wind hatte auch sein Gutes; er trug uns die Stimmen entgegen, kurz bevor wir mit ihnen zusammengeprallt wären.
»Irgendein Signal von den Klippen?«, fragte eine tiefe Männerstimme. Ian blieb so abrupt stehen, dass ich mit ihm zusammenstieß.
»Noch nicht«, kam die Antwort. »Ich dachte, ich hätte Schreie aus dieser Richtung gehört, aber dann hat sich der Wind gedreht.«
»Nun, dann wieder ab auf den Baum mit dir, Faulpelz«, sagte die erste Stimme ungeduldig. »Sollte jemand von den Hurensöhnen den Strand verlassen, erwischen wir sie hier. Besser wir bekommen das Kopfgeld als die Kerle am Strand.«
»Es ist kalt«, brummte die zweite Stimme. »Hier im Freien, wo einem der Wind bis ins Mark geht. Hätten wir doch die Wache am Kloster gezogen – da wäre es wenigstens warm.«
Ians Hand umklammerte meinen Oberarm so fest, dass er mit Sicherheit blaue Flecken hinterließ. Ich versuchte, seinen Griff zu lösen, doch er beachtete mich nicht.
»Aye, aber weniger Chancen, die großen Fische zu fangen«, sagte die erste Stimme. »Ah, was ich alles mit fünfzig Pfund tun könnte!«
»Also schön«, sagte die zweite Stimme resigniert. »Obwohl ich keine Ahnung habe, wie wir im Dunklen rote Haare erkennen sollen.«
»Reih sie einfach an den Füßen auf, Oakie; ihre Köpfe können wir uns später ansehen.«
Ian ließ sich schließlich durch mein Ziehen aus seiner Trance wecken und stolperte hinter mir von der Straße fort in das Gebüsch zurück.
»Was meinen sie damit, die Wache am Kloster?«, wollte ich wissen, sobald ich das Gefühl hatte, dass wir außer Hörweite der Posten an der Straße waren. »Weißt du das?«
Ians dunkler Haarschopf wippte auf und ab. »Ich glaube, ja, Tante Claire. Es muss das Kloster von Arbroath sein. Das ist der Treffpunkt, aye?«
»Treffpunkt?«
»Falls etwas schiefgeht«, erklärte er. »Dann macht sich jeder für sich auf den Weg, und alle treffen sich so schnell wie möglich am Kloster.«
»Nun, mehr könnte ja kaum schiefgehen«, stellte ich fest. »Was war es, was dein Onkel gerufen hat, als die Zöllner aufgetaucht sind?«
Ian hatte sich halb abgewandt, um auf eventuelle Verfolger von der Straße zu lauschen; jetzt drehte sich das bleiche Oval seines Gesichts wieder in meine Richtung. »Oh – er hat gesagt, ›Los, Jungs! Über die Felsen, und dann flieht!‹«
»Sehr vernünftig«, sagte ich trocken. »Wenn sie diesen Rat also befolgt haben, sind die meisten Männer vermutlich davongekommen.«
»Bis auf Onkel Jamie und Mr. Willoughby.« Ian fuhr sich nervös mit der Hand durch das Haar; die Geste erinnerte mich unweigerlich an Jamie, und ich wünschte, er würde damit aufhören.
»Ja.« Ich holte tief Luft. »Nun, für die beiden können wir im Moment nichts tun. Aber die anderen … wenn sie auf dem Weg zum Kloster sind …«
»Aye«, unterbrach er mich, »das habe ich gerade auch überlegt; soll ich tun, was Onkel Jamie gesagt hat, und dich nach Lallybroch bringen, oder sollte ich besser zum Kloster laufen und die anderen warnen, wenn sie dort entlangkommen?«
»Lauf zum Kloster«, sagte ich, »so schnell du kannst.«
»Ja, aber … ich möchte dich nicht gern hier allein lassen, Tante Claire, und Onkel Jamie hat gesagt …«
»Manchmal muss man Anweisungen befolgen, Ian, und manchmal muss man selber denken«, sagte ich entschlossen und ignorierte dabei geflissentlich, dass ich ja gerade für ihn dachte. »Führt diese Straße auf das Kloster zu?«
»Aye, nicht mehr als eineinviertel Meilen.« Er scharrte schon mit den Hufen und konnte es kaum erwarten loszulaufen.
»Gut. Halt dich von der Straße fern und lauf zum Kloster. Ich gehe auf der Straße weiter und schaue, ob ich die Zöllner ablenken kann, bis du sicher vorbei bist. Wir treffen uns am Kloster wieder. Oh warte – nimm lieber deinen Rock mit.«
Ich gab den Rock nur widerstrebend aus der Hand; abgesehen davon, dass ich nur ungern auf die Wärme verzichtete, fühlte es sich so an, als gäbe ich meine letzte Verbindung mit einem freundlich gesinnten menschlichen Wesen auf. Sobald Ian fort war, würde ich ganz allein in der kalten Finsternis der schottischen Nacht sein.
»Ian?« Ich hielt ihn am Arm fest, um ihn noch einen Moment zurückzuhalten.
»Aye?«
»Sei vorsichtig, ja?« Einer Eingebung folgend, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die kalte Wange. Ich konnte sehen, wie er überrascht die Augenbrauen hochzog. Er lächelte, und dann war er fort, und ein Erlenzweig schwang hinter ihm in seine ursprüngliche Position zurück.
Es war sehr kalt. Das Einzige, was zu hören war, war das Wisch des Windes im Gebüsch und das ferne Murmeln der Brandung. Zitternd zog ich das wollene Schultertuch fester um mich und hielt wieder auf die Straße zu.
Ob ich ein Geräusch machen sollte?, fragte ich mich. Wenn nicht, war es möglich, dass ich ohne Vorwarnung angegriffen wurde, weil die wartenden Männer ja vielleicht meine Schritte hörten, aber nicht sehen konnten, dass ich kein fliehender Schmuggler war. Andererseits, wenn ich vorbeischlenderte und eine fröhliche Melodie sang, um anzuzeigen, dass ich eine harmlose Frau war, blieben sie vielleicht schweigend in ihrem Versteck, weil sie ihre Anwesenheit nicht verraten wollten – und ihre Anwesenheit zu verraten, war schließlich genau das, was ich vorhatte. Ich bückte mich und hob einen Stein vom Straßenrand auf. Dann trat ich auf die Straße hinaus, noch durchgefrorener als zuvor, und setzte mich wortlos in Bewegung.
Kapitel 31
Schmugglermond
Der Wind wehte so stark, dass er die Bäume und Büsche in ständiger Bewegung hielt und den Klang meiner Schritte auf der Straße tarnte – genau wie die Schritte möglicher Verfolger. Keine zwei Wochen nach dem Samhainfest war es eine jener wilden Nächte, in denen man bereitwillig glaubte, dass böse Geister unterwegs waren.
Es war aber kein Geist, der mich plötzlich von hinten packte und mir die Hand fest auf den Mund presste. Wäre ich nicht auf genau so etwas gefasst gewesen, hätte ich vor Schreck den Verstand verloren. So jedoch tat mein Herz einen Riesensatz, und ich wand mich krampfhaft in der Umklammerung des Angreifers.
Er hatte mich von links gepackt und drückte mir den linken Arm fest an die Seite, während er mir mit rechts den Mund zuhielt. Mein rechter Arm war jedoch frei. Ich rammte ihm die Ferse meines Schuhs vor die Kniescheibe, so dass sein Bein nachgab, und nutzte dann sein kurzes Stolpern, um mich vorzubeugen und ihn mit dem Stein in meiner Hand rückwärts vor den Kopf zu schlagen.
Es war natürlich nur ein oberflächlicher Hieb, doch er traf immerhin so fest, dass der Mann überrascht aufgrunzte und seinen Griff lockerte. Ich wand mich und trat um mich, und als seine Hand über meinen Mund rutschte, bekam ich einen Finger zwischen die Zähne und biss zu, so fest ich konnte.
»Die Kiefermuskeln verlaufen von der Sagittalnaht auf der Oberseite des Schädels bis zur Kinnlade«, erinnerte ich mich dunkel an die Beschreibung in Grey’s Anatomy. »Dies verleiht dem Kiefer und den Zähnen beträchtliche Druckkraft; der durchschnittliche menschliche Kiefer ist sogar imstande, eine Kraft von fast einhundertfünfzig Kilo auszuüben.«