Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Tatsächlich? Hat er dir viel über Spinnen erzählt?«, fragte Ian wissbegierig.
»Sehr viel mehr, als ich wissen wollte«, teilte Jamie seinem Neffen mit. »Es gibt gewiss Zeiten und Orte für Vorträge über Spinnen, die ihre Eier in Raupen ablegen, so dass die Jungen schlüpfen und das arme Tier lebendig verzehren, aber das Abendessen zählt nicht dazu. Eines fand ich aber sehr interessant«, fügte er hinzu und richtete den Blick blinzelnd auf das Netz. Er pustete es sacht an, und die Spinne krabbelte hastig außer Sichtweite.
»Er sagt, eine Spinne kann zwei Arten von Seide spinnen, und wenn man eine Lupe hat – und man die Spinne zum Stillsitzen bewegen kann, vermute ich –, kann man die beiden Drüsen sehen, aus denen sie austreten. Jedenfalls ist die eine Seidenart klebrig, und wenn ein Insekt sie berührt, ist das sein Ende. Aber die andere ist trockene Seide, wie Stickgarn, nur feiner.«
Die Kreuzspinne näherte sich vorsichtig wieder der Mitte ihres Netzes.
»Seht ihr, wo sie entlangläuft?« Jamie zeigte auf das Netz, das mit einer Reihe von Speichen verankert war, die das komplexe Netz in der Mitte stützten. »Die Speichen sind aus der trockenen Seide gesponnen, so dass die Spinne selbst ohne Schwierigkeiten darüber laufen kann. Aber der Rest des Netzes besteht aus der klebrigen Seide – zumindest zum Großteil –, und wenn man eine Spinne längere Zeit genau beobachtet, sieht man, dass sie nur über die trockenen Fäden läuft, denn wenn sie auf die klebrigen treten würde, würde sie selbst hängenbleiben.«
»Tatsächlich?« Ian hauchte das Netz ehrfürchtig an und sah gebannt zu, wie sich die Spinne über ihren rutschfesten Weg in Sicherheit brachte.
»Ich vermute, das Ganze birgt eine Moral für Menschen, die Netze spinnen«, stellte Jamie sotto voce an mich gewandt fest. »Achte darauf, dass du immer weißt, welche deiner Fäden die klebrigen sind.«
»Vermutlich ist es noch hilfreicher, wenn dir das Glück eine Spinne auf den Plan ruft, wenn du sie brauchst«, sagte ich trocken.
»Das hat nichts mit Glück zu tun«, sagte er zu mir. »Es ist Aufmerksamkeit. Ian, kommst du?«
»Oh, aye.« Ian löste sich mit sichtlichem Widerwillen von dem Netz und folgte uns zur Kirchhofpforte.
»Oh, Onkel Jamie, ich wollte dich fragen, kann ich mir deinen Rosenkranz leihen?«, sagte er, als wir auf das Pflaster der Royal Mile hinaustraten. »Der Priester hat mir gesagt, ich muss als Buße fünf Dekaden beten, und das ist zu viel, um es an den Fingern abzuzählen.«
»Gern.« Jamie blieb stehen und fischte in seiner Tasche nach dem Rosenkranz. »Aber vergiss nicht, ihn mir zurückzugeben.«
Der Junge grinste. »Aye, du wirst ihn sicher selber brauchen, Onkel Jamie. Der Priester hat mir gesagt, dass er ein schlimmer Mensch ist«, vertraute Ian mir schelmisch an, »und er hat gesagt, ich soll ja nicht so werden wie er.«
»Mmpfm.« Jamie blickte die Straße auf und nieder und berechnete die Geschwindigkeit eines Handkarrens, der bergab auf uns zukam. Er hatte sich heute Morgen frisch rasiert, und seine Wangen leuchteten.
»Wie viele Dekaden sind denn deine Buße?«, fragte ich neugierig.
»Fünfundachtzig«, murmelte er. Die Farbe auf seinen frisch rasierten Wangen nahm zu.
Ian klappte vor Ehrfurcht der Mund auf.
»Wie lange hast du denn nicht mehr gebeichtet, Onkel Jamie?«, fragte er.
»Sehr lange«, sagte Jamie knapp. »Gehen wir.«
Jamie hatte sich nach dem Essen mit einem gewissen Mr. Harding verabredet, einem Vertreter der Hand in Hand Insurance Society, bei welcher die Räumlichkeiten der Druckerei versichert gewesen waren, um mit ihm die verkohlten Überreste zu inspizieren und den Verlust zu dokumentieren.
»Ich werde dich nicht brauchen, Junge«, sagte er beruhigend zu Ian, der weniger als begeistert über die Vorstellung zu sein schien, den Schauplatz seiner Abenteuer noch einmal aufzusuchen. »Geh mit deiner Tante zu dieser Verrückten. Ich habe keine Ahnung, wie du das anstellst«, fügte er an mich gewandt hinzu und zog eine Augenbraue hoch. »Du bist noch keine zwei Tage in der Stadt, und schon hängen dir alle Kranken im Umkreis von Meilen am Rocksaum.«
»Alle wohl kaum«, sagte ich trocken. »Es ist schließlich nur eine einzige Frau, und noch habe ich sie nicht einmal gesehen.«
»Aye, nun ja. Immerhin ist Irrsinn nicht ansteckend – hoffe ich.« Er küsste mich flüchtig, dann wandte er sich zum Gehen und versetzte Ian einen kameradschaftlichen Klaps auf die Schulter. »Pass auf deine Tante auf, Ian.«
Ian blieb einen Moment stehen und sah der hochgewachsenen Gestalt seines Onkels nach.
»Möchtest du mit ihm gehen, Ian?«, fragte ich. »Ich komme allein zurecht, wenn du …«
»Oh, nein, Tante Claire!« Er wandte sich verlegen zu mir um. »Ich möchte wirklich nicht mitgehen. Es ist nur … ich habe mich gefragt … nun ja, was, wenn sie … etwas finden? In der Asche?«
»Eine Leiche, meinst du«, sagte ich unverblümt. Mir war natürlich klar, dass die durchaus realistische Möglichkeit, dass Jamie und Mr. Harding die Leiche des einäugigen Seemanns finden würden, der Grund dafür war, dass er seinem Neffen aufgetragen hatte, mich zu begleiten.
Der Junge nickte beklommen. Seine Hautrötung hatte zwar inzwischen nachgelassen, doch noch war sie zu ausgeprägt, um seine bange Blässe durchscheinen zu lassen.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich. »Wenn das Feuer sehr heiß geworden ist, ist es möglich, dass es nichts zu finden gibt. Aber mach dir keine Sorgen.« Ich legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. »Dein Onkel wird wissen, was zu tun ist.«
»Aye, das stimmt.« Sein Gesicht erhellte sich, denn er hatte volles Vertrauen in die Fähigkeit seines Onkels, mit jeder Situation fertig zu werden. Ich lächelte, als ich seine Miene sah, doch dann begriff ich zu meiner Überraschung, dass auch ich dieses Vertrauen besaß. Ob betrunkene Chinesen, korrupte Zöllner oder Mr. Harding von der Hand in Hand Insurance Society, ich hatte keinen Zweifel, dass Jamie zurechtkommen würde.
»Dann komm«, sagte ich, und die Kirchenglocke am Canongate begann zu läuten. »Es ist genau zwei Uhr.«
Trotz seines Besuchs bei Vater Hayes hatte sich Ian eine gewisse verträumte Seligkeit bewahrt, die sich jetzt wieder über ihn legte, und wir redeten kaum, als wir die Royal Mile zu der Pension in der Carruber’s Close hinaufstiegen.
Es war ein ruhiges Hotel, das jedoch für Edinburgher Verhältnisse luxuriös war, mit einem gemusterten Teppichbelag auf der Treppe und Buntglas im Fenster zur Straße. Es schien mir eine recht prunkvolle Umgebung für einen Prediger zu sein, doch ich wusste nicht viel über den Klerus der Free Church; vielleicht gab es bei ihnen kein Armutsgelübde wie bei den Katholiken.
Nachdem uns ein Junge in die zweite Etage geführt hatte, wurde uns die Tür von einer fülligen Frau mit einer Schürze geöffnet, die einen besorgten Eindruck machte. Ich vermutete, dass sie Mitte zwanzig war, obwohl ihr bereits einige Schneidezähne fehlten.
»Ihr seid die Dame, von der der Reverend gesagt hat, dass sie kommen würde?«, fragte sie. Ihre Miene erhellte sich ein wenig, als ich nickte, und sie öffnete die Tür ein Stückchen weiter.
»Mr. Campbell musste gerade fort«, sagte sie mit breitem Lowland-Akzent, »aber er sagt, er wäre Euch sehr dankbar für Euren Rat in Bezug auf seine Schwester, Ma’am.«
Schwester, nicht Ehefrau. »Nun, ich werde mein Bestes tun«, sagte ich. »Darf ich Miss Campbell sehen?«
Ich ließ Ian mit seinen Erinnerungen im Salon zurück und begleitete die Frau, die sich als Nellie Cowden vorstellte, in das hintere Zimmer.
Miss Campbell starrte wie beschrieben vor sich hin. Ihre blassblauen Augen standen weit offen, schienen aber nicht auf etwas Bestimmtes gerichtet zu sein – gewiss nicht auf mich.
Sie saß mit dem Rücken zum Feuer auf einem jener tiefen, breiten Sessel, die man als Stillsessel bezeichnete. Das Licht im Zimmer war gedämpft, und das Gegenlicht ließ ihre Züge verschwimmen, nur ihre starren Augen waren klar. Ihre Züge blieben auch aus der Nähe betrachtet verschwommen; sie hatte ein sanftes, rundes Gesicht ohne jede sichtbare Knochenstruktur, das ihm Kontur verliehen hätte, und ihr baby-feines braunes Haar war ordentlich gebürstet. Sie hatte eine Stupsnase und ein Doppelkinn, und ihr rosa Mund hing offen und war so schlaff, dass sein natürlicher Umriss nicht zu erkennen war.