Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Rest der Männer kam pünktlich; sie trafen kurz nach Anbruch der Dunkelheit an der vereinbarten Stelle auf den Klippen ein. Einige der Männer kamen mir vage bekannt vor, doch die meisten waren nur verhüllte Gestalten; es war zwar schon vor zwei Tagen Neumond gewesen, aber die schmale Sichel, die jetzt über den Horizont stieg, spendete auch kaum mehr Licht als die einzelnen Kerzen im Keller des Bordells. Niemand stellte sich vor, und die Männer begrüßten Jamie nur mit unverständlichem Murmeln und Brummen.
Eine Gestalt jedoch war nicht zu verwechseln. Ein großer Maultierwagen erschien klappernd auf der Straße, gefahren von Fergus und einem zwergenhaften Wesen, das nur Mr. Willoughby sein konnte, den ich nicht mehr gesehen hatte, seit er den mysteriösen Mann auf der Treppe des Bordells erschossen hatte.
»Er hat doch heute Abend hoffentlich keine Pistole dabei?«, murmelte ich Jamie zu.
»Wer?«, sagte er und blinzelte in die zunehmende Finsternis. »Oh, der Chinese? Nein, keiner von ihnen hat eine dabei.« Ehe ich fragen konnte, warum nicht, hatte er sich in Bewegung gesetzt, um beim Wenden des Wagens zu helfen, so dass dieser bereitstand, sich nach Edinburgh davonzumachen, sobald die Ware aufgeladen war. Ian schob sich weiter vor, und da ich mir meiner Rolle als Aufpasserin bewusst war, folgte ich ihm.
Mr. Willoughby stellte sich auf die Zehenspitzen, um hinter sich in den Wagen zu greifen, und brachte eine seltsame Laterne mit einem durchlöcherten Metalldeckel und verschiebbaren Metallwänden zum Vorschein.
»Ist das eine Blendlaterne?«, fragte ich fasziniert.
»Aye, so ist es«, sagte Ian wichtigtuerisch. »Wir halten die Seiten geschlossen, bis wir draußen auf See das Signal sehen.« Er griff nach der Laterne. »Gebt sie mir; ich nehme sie – ich kenne das Signal.«
Mr. Willoughby schüttelte nur den Kopf und nahm Ian die Laterne wieder ab. »Zu groß, zu jung«, sagte er. »Tsei-mi sagt«, fügte er hinzu, als sei die Sache damit ein für alle Mal erledigt.
»Was?«, sagte Ian entrüstet. »Was soll das heißen, zu groß und zu jung, du kleiner …«
»Es heißt«, sagte eine gleichmütige Stimme hinter uns, »dass, wer auch immer die Laterne hält, ein erstklassiges Ziel abgibt, falls wir Besuch bekommen. Mr. Willoughby ist so gütig, die Gefahr auf sich zu nehmen, weil er der Kleinste von uns ist. Du bist so groß, dass man dich am Horizont sehen kann, Ian, und so jung, dass du noch keinen Verstand hast. Halt dich beiseite, aye?«
Jamie versetzte seinem Neffen einen kleinen Klaps aufs Ohr und ging weiter, um sich neben Mr. Willoughby auf die Felsen zu knien. Er sagte leise etwas auf Chinesisch, und der Chinese stieß den Hauch eines Lachens aus. Mr. Willoughby öffnete die Seite der Laterne und hielt sie dicht an Jamies hohle Hände. Es klickte zweimal scharf, und ich sah Funken von einem Feuerstein aufflackern.
Es war ein wilder Küstenabschnitt – keine Überraschung, die schottische Küste war fast überall wild und felsig –, und ich fragte mich, wie und wo das französische Schiff vor Anker gehen würde. Es gab hier keine natürliche Bucht, nur eine Kurve im Küstenverlauf, die hinter ein Felsenkliff führte, dem zu verdanken war, dass diese Stelle von der Straße aus uneinsehbar war.
Trotz der Dunkelheit konnte ich die weißen Streifen der Brandung sehen, die über den kleinen, halbmondförmigen Strand liefen. Dies war kein glatter Touristenstrand – kleine Sandflecken lagen zerwühlt zwischen Haufen aus Seetang, Kieseln und scharfen Felsen. Kein einfaches Terrain für Männer, die Fässer trugen, aber praktisch, weil man die Fässer in den umliegenden Felsspalten verstecken konnte.
Eine weitere schwarze Gestalt tauchte plötzlich neben mir auf.
»Alle halten sich bereit, Sir«, sagte sie leise. »Oben in den Felsen.«
»Gut, Joey.« Jamies Profil, das sich auf den frisch entzündeten Docht konzentrierte, flackerte plötzlich auf. Er hielt die Luft an, während sich die Flamme beruhigte und wuchs, indem sie Öl aus der Lampe sog, dann schloss er vorsichtig die Metallblende und atmete seufzend aus.
»Also schön«, sagte er und stand auf. Er blickte an den Klippen im Süden hinauf, betrachtete die Sterne darüber und sagte: »Fast neun Uhr. Sie werden bald hier sein. Hör zu, Joey – niemand bewegt sich, bis ich rufe, aye?«
»Aye, Sir.« Am beiläufigen Ton der Antwort war zu hören, dass dieser Wortwechsel völlig üblich war, und Joey war eindeutig überrascht, als Jamie ihn am Arm packte.
»Sorge dafür«, sagte Jamie. »Sag es allen noch einmal – niemand bewegt sich, ehe ich es sage.«
»Aye, Sir«, sagte Joey, diesmal jedoch respektvoller. Geräuschlos verschmolz er wieder mit der Nacht.
»Stimmt etwas nicht?«, fragte ich gerade so laut, dass er mich trotz der Brecher hören konnte. Obwohl Strand und Klippen einen verlassenen Eindruck machten, drängten mich die dunkle Umgebung und die Heimlichtuerei meiner Begleiter zur Vorsicht.
Jamie schüttelte kurz den Kopf: Er hatte recht gehabt, was Ians Größe betraf, dachte ich – auch sein eigener dunkler Umriss zeichnete sich deutlich vor der blasseren Schwärze des Himmels hinter ihm ab.
»Ich weiß es nicht.« Er zögerte einen Moment, dann fragte er: »Sag mir, Sassenach – riechst du etwas?«
Überrascht holte ich tief Luft, hielt einen Moment den Atem an und atmete wieder aus. Ich roch alles Mögliche, verrotteten Seetang, den stickigen Geruch brennenden Öls, der aus der Blendlaterne drang, und Ian, der dicht neben mir stand und durchdringenden Körpergeruch ausströmte, so sehr schwitzte er vor Angst und Aufregung.
»Nichts Außergewöhnliches, glaube ich«, sagte ich. »Du denn?«
Die Schultern der Silhouette hoben und senkten sich. »Jetzt nicht mehr. Aber gerade hätte ich schwören können, dass ich Schießpulver rieche.«
»Ich rieche nichts«, sagte Ian. Seine Stimme überschlug sich vor Aufregung, und er räusperte sich verlegen. »Willie MacLeod und Alec Hays haben die Felsen abgesucht. Sie haben keine Spur von Steuereintreibern gefunden.«
»Aye, nun ja.« Jamies Ton klang beklommen. Er wandte sich Ian zu und packte ihn an der Schulter.
»Ian, du musst dich jetzt um deine Tante kümmern. Ihr beide versteckt euch dort in den Ginsterbüschen. Haltet euch vom Wagen fern. Falls irgendetwas geschehen sollte …«
Ians Protest wurde im Keim erstickt, anscheinend, weil Jamies Hand fester zudrückte, denn der Junge zuckte mit einem leisen Grunzen zurück und rieb sich die Schulter.
»Falls etwas geschieht«, fuhr Jamie mit Nachdruck fort, »nimmst du deine Tante mit und gehst geradewegs heim nach Lallybroch. Haltet euch nicht auf.«
»Aber …«, sagte ich.
»Onkel Jamie!«, sagte Ian.
»Macht es so«, sagte Jamie eisern und wandte sich ab, denn das Gespräch war beendet.
Auf dem Weg über die Klippen schwieg Ian zwar grimmig, doch er tat, was man ihm aufgetragen hatte, und führte mich pflichtschuldigst hinter die Ginsterbüsche, wo er einen Vorsprung fand, von dem aus wir das Wasser überblicken konnten.
»Von hier aus können wir alles sehen«, flüsterte er unnötigerweise.
So war es. Die Felsen senkten sich unter uns zu einer flachen Mulde ab, einer rissigen Schale, die mit Dunkelheit gefüllt war. Das Licht des Wassers strömte dort mit der zischenden See über den zerbrochenen Rand hinein. Einmal erhaschte mein Auge eine Bewegung, als sich das schwache Licht in einer Metallschnalle fing, doch eigentlich waren die Männer dort unten vollständig unsichtbar.
Blinzelnd versuchte ich auszumachen, wo sich Mr. Willoughby mit der Laterne befand, doch ich sah keine Spur einer Flamme und vermutete daher, dass er hinter der Laterne stand und sie von den Klippen abschirmte.
Plötzlich erstarrte Ian neben mir.
»Es kommt jemand!«, flüsterte er. »Schnell, hinter mich!« Er stellte sich todesmutig vor mich hin und fuhr sich mit der Hand unter das Hemd und in seinen Hosenbund, aus dem er eine Pistole zog; trotz der Dunkelheit konnte ich den schwachen Schimmer der Sterne auf dem Lauf sehen.