Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
Dann lies das, dachte Sylveste. Und hau ab!
»Wenn du mich loswerden wolltest«, sagte Calvin, »hättest du das schon vor Stunden haben können. Aber mir scheint, allmählich hast du mich ganz gerne da, wo ich jetzt bin.«
»Im Moment schon«, sagte Sylveste. »Aber gewöhne dich lieber nicht daran, Calvin. Ich habe nämlich nicht vor, dich auf Dauer bei mir einziehen zu lassen.«
»Deine Frau macht mir Sorgen.«
Sylveste sah die Triumvirn an. Plötzlich wollte er nicht mehr, dass seine Hälfte des Gesprächs öffentlich bekannt wurde, also schaltete er um auf Gedankensprache.
»Mir ebenfalls, aber das geht dich zufällig gar nichts an.«
»Ich habe gesehen, wie sie reagiert hat, als Volyova und Khouri versuchten, sie auf ihre Seite zu ziehen.«
Ja, dachte Sylveste — und wer könnte es ihr verdenken? Es hatte ihn schon schwer genug getroffen, als Volyova den Namen Sonnendieb in die Debatte warf wie eine Wasserbombe. Volyova hatte natürlich nicht wissen können, welche Bedeutung der Name für ihn hatte — und Sylveste hatte einen Moment lang gehofft, seine Frau hätte vergessen, dass und wo sie ihn schon einmal gehört hatte. Aber dafür war Pascale zu intelligent; nicht zuletzt dafür liebte er sie. »Das heißt noch lange nicht, dass es ihnen gelungen ist, Cal.«
»Freut mich, dass du so sicher bist.«
»Sie würde nie versuchen, mich aufzuhalten.«
»Das kommt darauf an«, meinte Calvin. »Wenn sie glaubte, du würdest dich in Gefahr begeben — und wenn sie dich so sehr liebt, wie ich glaube —, dann würde sie das sehr wohl versuchen, aus Liebe ebenso wie aus sachlichen Gründen. Aus Liebe sogar erst recht. Das heißt nicht, dass sie dich plötzlich hasste, es würde ihr auch keine Freude machen, dir deinen Wunsch zu verwehren. Ganz im Gegenteil, ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie sehr darunter leiden würde.«
Sylveste sah wieder zum Display hinüber. Da schwebte Volyovas Brückenkopf, ein perfekter Konus.
»Wenn du meine Meinung hören willst«, fuhr Calvin nach einer Weile fort, »dann steckt hinter alledem sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick erkennt. Wir sollten Vorsicht walten lassen.«
»Das tue ich doch ohnehin.«
»Ich weiß, und ich kann dich auch gut verstehen. Die Aussicht auf eine Gefahr hat an sich schon ihren Reiz; sie ist fast ein Ansporn, immer weiter zu gehen. Das ist es doch, was du empfindest? Jedes Gegenargument, das man vorbringen könnte, würde deine Entschlossenheit nur noch stärken. Denn Wissen macht hungrig, und dieser Hunger ist übermächtig, auch wenn man weiß, dass die Speise tödlich sein könnte.«
»Ich hätte es nicht besser beschreiben können«, sagte Sylveste. Er war für einen Augenblick unsicher geworden. Doch dann wandte er sich an Sajaki und sagte laut: »Wo, zum Teufel, bleibt nur dieses verdammte Weib? Weiß sie denn nicht, wie viel es zu tun gibt?«
»Hier bin ich«, sagte Volyova und betrat, gefolgt von Pascale, die Brücke. Wortlos rief sie zwei Sitze zu sich, die beiden Frauen erhoben sich damit in die Mitte des Raums und steuerten in die Nähe der anderen, wo man das Schauspiel im Innern der Projektionssphäre am besten verfolgen konnte.
»Die Schlacht kann beginnen«, sagte Sajaki.
Volyova nahm Verbindung mit dem Geschützpark auf; zum ersten Mal seit dem Zwischenfall mit dem außer Kontrolle geratenen Weltraumgeschütz sollte eine der Schreckenswaffen eingesetzt werden.
Die Befürchtung, dass eines der Systeme irgendwann genauso reagieren, sie gewaltsam aus der Kontrollschleife werfen und seine Aktionen selbst steuern könnte, war im Hintergrund immer präsent. Auszuschließen war es nicht, aber Volyova war bereit, das Risiko einzugehen. Wenn Khouri die Wahrheit sagte, dann war die Mademoiselle — die das wild gewordene Geschütz gesteuert hatte — inzwischen tot und von Sonnendieb gnadenlos absorbiert worden. Zumindest sie wäre also nicht mehr imstande, Volyova die Geschütze abspenstig zu machen.
Volyova wählte ein halbes Dutzend Geschütze aus, deren Zerstörungspotenzial (nach ihrer Einschätzung) am unteren Ende der Skala angesiedelt war, wo sie die Wirkung der schiffseigenen Bewaffnung ergänzten. Die sechs Geschütze erwachten zum Leben und meldeten — morbiderweise mit pulsierenden Totenkopfsymbolen — über das Armband ihre Einsatzbereitschaft. Dann bewegten sie sich langsam über das Schienennetz des Geschützparks, fuhren in die kleine Schleuse, die nach draußen führte, und bezogen außerhalb des Rumpfes Stellung. Nun waren sie im Grunde nichts anderes als unverhältnismäßig schwer bewaffnete Robotraumschiffe. Die sechs hatten außer der Grundkonstruktion, die bei allen Vernichtungswaffen der Höllenklasse gleich war, nur wenig gemeinsam. Zwei waren relativistische Großprojektilwerfer und zeigten deshalb gewisse Ähnlichkeiten, etwa wie verschiedene Prototypen, die von konkurrierenden Planungsteams nach allgemeinen Vorgaben gebaut worden waren. Mit ihren langen Rohren, den komplizierten Leitungssystemen und den krebsgeschwürähnlichen Zusatzgeräten erinnerten sie an antike Feldhaubitzen. Die anderen vier waren ein Gammastrahlen-Laser (um eine Größenordnung stärker als die schiffseigenen Exemplare), ein Supersymmetrie-Strahler, ein Projektor für beschleunigte Antimaterie-Impulse und ein Quark-Entfesselungs-Geschütz — wobei die Reihenfolge der Aufzählung nichts mit ihrer Vernichtungswirkung zu tun hatte. Es war kein Planetenzerstörer vom Kaliber jenes Geschützes darunter, das sich selbständig gemacht hatte, aber man hätte sich — oder den Planeten, auf dem man gerade stand — trotzdem nicht gern in ihrem Fadenkreuz gesehen. Man wollte Cerberus ja auch nicht unkontrolliert beschießen, erinnerte sich Volyova. Man wollte den Planeten nicht zerstören — man wollte nur eine Öffnung schaffen, und das konnte man auch mit subtileren Mitteln erreichen. O ja… Subtilität.
»Gib mir etwas, womit auch ein Anfänger umgehen kann.« Khouri stand zögernd vor der Ausgabestelle der Waffenkammer. »Aber kein Spielzeug — man sollte einen Feind schon damit aufhalten können.«
»Strahlen- oder Projektilwaffe, Madame?«
»Sagen wir, ein schwacher Energiestrahler. Wir wollen nicht, dass Pascale Löcher in den Rumpf schießt.«
»Eine ausgezeichnete Wahl, Madame. Möchte sich Madame vielleicht setzen und ihre Beine entlasten, während ich etwas heraussuche, was den qualifizierten Ansprüchen von Madame entspricht?«
»Madame bleibt lieber stehen, wenn du nichts dagegen hast.«
Sie wurde von der Gamma-Persönlichkeit der Ausgabestelle bedient, einem trübselig lächelnden Hologramm-Kopf, der auf Brusthöhe über einer mit vielen Schlitzen versehenen Theke schwebte. Zuerst hatte sie nur unter den Waffen gewählt, die hinter Glas und mit kleinen Leuchtplaketten versehen, die Auskunft über ihre Bedienung, ihre Herkunftsepoche und die jeweiligen Einsätze gaben, an den Wänden aufgereiht waren. Dagegen war im Grunde nichts einzuwenden, und sie hatte auch bald zwei leichte Gewehre für sich und Volyova gefunden, elektromagnetische Nadler von ganz ähnlicher Bauart wie die Waffen, die bei den Schatten Verwendung fanden.
Volyova hatte mit Grabesstimme auch schwere Artillerie verlangt, und Khouri hatte sich danach umgesehen, war aber nur zum Teil bei den Ausstellungsstücken fündig geworden. Gefallen hatte ihr ein Plasma-Schnellfeuer-Gewehr, dreihundert Jahre alt, aber keineswegs überaltert, mit einem Zielsuchsystem mit Neuralkopplung, das besonders für den Nahkampf geeignet war. Auch diese Waffe war leicht und lag ihr so gut in der Hand, als sei sie schon seit einer Ewigkeit damit vertraut. Die Schutzhülle aus schwarzem Leder, marmoriert und blitzblank poliert, mit Aussparungen für Schaltelemente, Anzeigen und Anschlüsse, war von einer geradezu obszönen Anziehungskraft. Für sich hatte sie damit das Richtige gefunden, aber was war mit Volyova? Sie hatte die Regale abgesucht, so lange sie es wagte (es konnten höchstens fünf Minuten gewesen sein), doch so viele interessante, ja, verblüffende Stücke sie dabei auch entdeckte, es war nichts darunter gewesen, was ihren Vorstellungen genau entsprochen hätte.