Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Über ihnen wurden hastige Schritte laut. Die drei Männer verschwanden im Stall, ohne das Tor hinter sich zu schließen. Stille folgte. Soneas Mund wurde trocken, als weitere Schritte aus dem oberen Stockwerk erklangen. Es folgte eine Pause, dann wurde eine Tür geschlossen, und einer der Ichani schlenderte in den Hof. In der Mitte des Hofs blieb er stehen und sah sich aufmerksam um. Als er die offene Stalltür entdeckte, ging er darauf zu.
»Es gefällt mir zwar nicht, aber du hast Recht. Inijaka wird mich erkennen«, murmelte Akkarin. »Wir haben keine Zeit, uns einen besseren Plan auszudenken.«
Ein Frösteln überlief Sonea. Dann lag es jetzt also an ihr. All die verschiedenen Möglichkeiten, wie ihre Strategie scheitern konnte, schossen ihr durch den Kopf. Wenn der Ichani sich mit einem Schild schützte und sie ihn nicht berühren konnte, wenn sie ihre heilende Magie nicht würde einsetzen können und…
»Wirst du zurechtkommen?«
»Ja«, antwortete sie. Der Ichani war bereits im Stall verschwunden.
Akkarin holte tief Luft, dann öffnete er ihr die Tür. »Ich werde zuschauen. Wenn es nicht funktioniert, errichte einen Schild. Dann werden wir offen gegen ihn kämpfen.«
Sonea nickte, trat in den Hof hinaus und eilte auf das Stalltor zu. Sie spähte hinein und versuchte, in dem schwachen Licht Einzelheiten zu erkennen. Eine Gestalt bewegte sich durch einen breiten Gang zwischen den Boxen. Der Ichani, vermutete sie. Einen Moment später war er hinter einer Tür auf der gegenüberliegenden Seite verschwunden.
Als Sonea ihm folgen wollte, traten drei Männer hastig aus einer der Boxen. Sie sahen sie und erstarrten. Gleichzeitig erkannte Sonea das Gesicht des kostbar gewandeten Mannes und schnappte nach Luft.
— Du hast mir nicht gesagt, dass es der König ist!
Der Herrscher Kyralias musterte sie von Kopf bis Fuß, dann weiteten sich seine Augen, als er sie ebenfalls erkannte. Eine Mischung aus Abneigung und Zorn stieg in ihr auf, dann eine Erinnerung an die Gildehalle. An den König, wie er ihre Verbannung durch die Gilde gebilligt hatte. Dann dachte sie an die Säuberung und an ihre Familie, die durch diese Maßnahme in die Hüttenviertel getrieben worden war. Sie dachte an die Hüttenleute, die sich in den Tunneln versteckten und die niemand vor der bevorstehenden Invasion gewarnt hatte.
Warum sollte ich mein Leben für diesen Mann aufs Spiel setzen?
Kaum war ihr die Frage durch den Kopf gegangen, hasste sie sich schon dafür. Sie konnte niemanden an die Ichani ausliefern, wie sehr sie den Betreffenden auch verabscheute. Sie straffte die Schultern und trat beiseite.
»Geht«, sagte sie.
Die drei Männer eilten an ihr vorbei. Kurz nachdem sie außer Sicht waren, hörte Sonea aus dem Raum hinter der gegenüberliegenden Mauer ein Geräusch. Als sie sich umdrehte, sah sie, dass der Ichani zurückgekehrt war. Sein Blick traf den ihren, und er lächelte.
Es fiel ihr nicht schwer, Entsetzen vorzutäuschen, als er auf sie zukam. Sie wich zur Tür zurück und spürte das Brennen einer Barriere. Der Ichani machte eine knappe Handbewegung, und eine unsichtbare Macht zwang Sonea, auf ihn zuzugehen. Sie widerstand dem Drang, den Zauber abzuwehren, und stolperte auf den Mann zu. Als sie nur noch einen Schritt von ihm entfernt war, musterte er sie abschätzend.
»Es gibt also doch einige kyralische Frauen hier«, sagte er.
Sonea presste die Arme an den Leib und wehrte sich gegen den Zauber, der sie festhielt. Als der Ichani schließlich so nahe war, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte, begann ihr Herz zu rasen. Der Sachakaner ließ die Hände unter ihr Hemd gleiten. Zu ihrem Entsetzen sah sie, dass sich seine Miene zu einem lüsternen Grinsen verzog.
Eine Woge der Panik strömte durch sie hindurch. Sie konnte sich nicht bewegen, daher konnte sie ihn nicht berühren. Wenn sie ihn nicht berühren konnte, konnte sie ihre heilende Magie nicht gegen ihn einsetzen. Und es konnte jetzt nicht mehr lange dauern, bis er die schwarzen Roben entdeckte, die sie unter ihren gewöhnlichen Kleidern trug.
— Kämpf gegen ihn, drängte Akkarin sie.
Sie sandte eine Welle der Kraft aus. Die Augen des Ichani weiteten sich vor Überraschung, als er plötzlich zurückgestoßen wurde. Sonea setzte ihm nach und griff ihn an. Sofort hob er die Hände und sandte seinerseits einen Zauber aus. Soneas Schild erbebte, und sie taumelte rückwärts.
Der Sachakaner lachte. »Es waren also tatsächlich Roben, die ich unter diesem Hemd gespürt habe. Ich hatte mich schon gefragt, wo all die Magier geblieben sind.«
Hoffnung stieg in Sonea auf. Er hielt sie für eine gewöhnliche Magierin der Gilde. Sie konnte also immer noch so tun, als sei sie erschöpft, und ihn überlisten.
— Ich bin direkt hinter der Tür, sandte Akkarin. Was soll ich tun?
— Warte, antwortete sie.
Als der Ichani sie erneut angriff, ließ sie sich rückwärts treiben, bis sie gegen die Wand prallte. Er kam näher, und bei seinem vierten Zauber ließ sie ihren Schild wanken. Als der Schild in sich zusammenbrach, lächelte der Sachakaner boshaft, holte sein Messer hervor und klemmte es sich zwischen die Zähne.
Sie machte einen Schritt zur Seite, als wolle sie ihm ausweichen. Er packte ihren Arm und drückte sie mit der anderen Hand an die Mauer. Sie umklammerte sein Handgelenk, schloss die Augen und sandte ihren Geist in seinen Körper.
Sie fand sein Herz, gleichzeitig zuckte jedoch ein scharfer Schmerz durch ihren Arm. Da ihr klar war, dass sie sich nicht gleichzeitig heilen und ihrem Widersacher Schaden zufügen konnte, konzentrierte sie sich auf sein Herz. Was konnte er schließlich tun, wenn es erst einmal zu schlagen aufgehört hatte?
Während sein Griff sich verstärkte, schickte sie ihre Energie tiefer in seinen Körper hinein. Dann hörte sie ihn vor Schmerz aufkeuchen und sah, wie sein Gesicht bleich wurde. Er starrte sie anklagend an, ohne jedoch von ihr abzulassen.
Plötzlich breitete sich ein schreckliches Gefühl der Taubheit von ihrem Arm ausgehend in ihrem Körper aus. Obwohl sie sich zu bewegen versuchte, gehorchten ihre Muskeln ihr nicht. Gleichzeitig spürte sie, wie ihre magische Stärke mit erschreckender Geschwindigkeit aus ihr abfloss. Aus den Augenwinkeln nahm sie eine Bewegung wahr, aber sie hatte nicht einmal mehr die Kraft, ihre Blickrichtung zu ändern. Dann hörte der Abfluss von Energie abrupt auf. In den Zügen des Ichani traten Verwirrung und schließlich Entsetzen an die Stelle des Zorns. Sie sah, dass das Messer ihm entglitt. Er ließ sie los und umklammerte seine Brust.
Im gleichen Moment kehrten Soneas Kräfte zurück. Sie griff nach dem Messer und ritzte mit der Klinge die Kehle des Sachakaners auf. Während das Blut aus der Wunde spritzte, presste sie ihm eine Hand auf den Hals und sog seine Kraft in sich hinein.
Energie durchströmte sie, wenn auch nicht so viel, wie sie Parika entzogen hatte. Der Kampf mit der Gilde hatte diesen Ichani geschwächt. Als seine Kraft verebbte, stürzte er zu Boden und blieb reglos liegen.
Hinter ihm stand Akkarin, einen eigenartigen Ausdruck in den Augen. Sie blickte auf ihre blutbespritzten Kleider hinab und schauderte angewidert.
Wenn das alles vorüber ist, dachte Sonea, werde ich diese Macht nie wieder benutzen. Nie wieder.
»Ich habe genauso empfunden, als ich aus Sachaka zurückkam.«
Sie sah zu ihm auf. Er hielt ihr die Hand hin.
»Es muss irgendwelche Kleider im Haus geben, die du anziehen kannst«, sagte er. »Komm, lass uns zusehen, dass wir dich wieder sauber bekommen.«
Trotz seiner Hilfe fiel es ihr schwer aufzustehen. Obwohl sie nicht müde war, zitterten ihre Beine heftig. Einen Moment lang taumelte sie. Dann fiel ihr Blick auf den toten Ichani, und Erleichterung verdrängte das Entsetzen. Es hat funktioniert. Und er hatte keine Chance, Kariko zu warnen. Sie hatte überlebt, und sie hatte sogar…