Ferne Ufer: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #3
- Год: 2016
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ferne Ufer: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich runzelte die Stirn, während ich versuchte, den Knoten zu entwirren.
»Aber Sir Percival hat dich doch Malcolm genannt, und er weiß, dass du Schmuggler bist«, wandte ich ein.
Jamie nickte geduldig. »Die Hälfte der Männer in den Häfen rings um Edinburgh sind Schmuggler, Sassenach«, sagte er. »Aye, Sir Percival weiß sehr wohl, dass ich Schmuggler bin, aber er weiß nicht, dass ich Jamie Roy bin – von James Fraser ganz zu schweigen. Er glaubt, ich importiere undeklarierte Seide und Samt aus Holland – weil ich ihn damit bezahle.« Er lächelte ironisch. »Ich tausche sie bei dem Schneider an der Ecke gegen Brandy ein. Sir Percival hat einen guten Blick für feines Tuch, und seine Frau erst recht. Aber er weiß nicht, dass ich etwas mit dem Alkohol zu tun habe – und schon gar nicht, wie viel –, sonst würde er einiges mehr verlangen als hin und wieder etwas Spitze und ein paar Meter Stoff, das sage ich dir.«
»Könnte einer der Wirtsleute dem Seemann von dir erzählt haben? Sie kennen dich doch gewiss.«
Wie so oft, wenn er überlegte, fuhr er sich mit der Hand durch das Haar, so dass ihm die kurzen Haare auf dem Scheitel zu Berge standen wie ein Wirbel kleiner Stacheln.
»Aye, das haben sie«, sagte er langsam, »aber nur als Kunden. Fergus ist für die Geschäfte mit den Wirtshäusern zuständig – und er geht niemals in die Nähe der Druckerei. Er trifft sich immer hier unter vier Augen mit mir.« Er grinste mich schief an. »Niemand fragt sich, warum ein Mann ein Bordell besucht, aye?«
»Könnte es das sein?«, fragte ich, weil mir plötzlich ein Gedanke kam. »Jeder Mann kann hierherkommen, ohne dass jemand Fragen stellt. Könnte der Seemann, dem Ian gefolgt ist, dich hier gesehen haben – dich und Fergus? Oder gehört haben, wie dich eins der Mädchen beschreibt? Du bist schließlich nicht der unauffälligste Mann, den ich je gesehen habe.« Nein, das war er nicht. Gewiss gab es viele rothaarige Männer in Edinburgh, doch nur wenige hatten seine Körpergröße, und noch weniger schritten mit der unbewussten Arroganz eines entwaffneten Kriegers durch die Straßen.
»Das ist eine sehr gute Idee, Sassenach«, sagte er und nickte mir zu. »Es wird nicht schwer herauszufinden sein, ob in letzter Zeit ein einäugiger Seemann mit einem Pferdeschwanz hier gewesen ist; ich werde Jeanne bitten, ihre Mädchen zu fragen.«
Er stand auf und reckte sich, dass es knirschte, bis seine Hände beinahe die Deckenbalken berührten.
»Und dann, Sassenach, gehen wir vielleicht zu Bett, aye?« Er ließ die Arme sinken und blinzelte mich lächelnd an. »Es ist ein höllischer Tag gewesen, nicht wahr?«
»So ist es«, sagte ich und erwiderte sein Lächeln.
Jeanne wurde gerufen, um Instruktionen entgegenzunehmen, und sie traf gemeinsam mit Fergus ein, der ihr mit der automatischen Vertrautheit eines Bruders oder Vetters die Tür offen hielt. Kein Wunder, wenn er sich hier zu Hause fühlte, dachte ich; er war in einem Pariser Bordell zur Welt gekommen und hatte die ersten zehn Jahre seines Lebens dort verbracht. Seinen Lebensunterhalt hatte er als Taschendieb auf der Straße verdient, und geschlafen hatte er in einem Schrank unter der Treppe.
»Der Brandy ist fort«, berichtete er Jamie. »Ich habe ihn MacAlpine verkauft – und bedaure, dass ich auf einen Teil des Preises verzichten musste, Milord. Ich dachte, je schneller er verkauft ist, desto besser.«
»Besser, ihn loszuwerden«, sagte Jamie und nickte. »Was habt ihr mit dem Toten gemacht?«
Fergus lächelte flüchtig. Sein hageres Gesicht und die dunkle Stirnlocke verliehen ihm ein ausgesprochen piratenhaftes Aussehen.
»Unser Eindringling ist ebenfalls in MacAlpines Wirtshaus umgezogen – angemessen verkleidet.«
»Als was?«, wollte ich wissen.
Das Piratengrinsen richtete sich auf mich; Fergus war ein sehr gutaussehender Mann geworden, trotz der Entstellung durch seinen Haken.
»Als Fass mit Crème de Menthe, Milady«, sagte er.
»Ich glaube nicht, dass irgendjemand in Edinburgh in den letzten hundert Jahren Crème de Menthe getrunken hat«, merkte Madame Jeanne an. »Die schottischen Barbaren sind zivilisierten Likör nicht gewohnt; ich habe noch nie gesehen, dass ein Kunde hier etwas anderes genommen hätte als Whisky, Bier oder Branntwein.«
»Genau, Madame«, sagte Fergus und nickte. »Wir möchten ja nicht, dass Mr. MacAlpines Schankleute das Fass öffnen, oder?«
»Aber irgendjemand wird doch früher oder später mit Sicherheit einen Blick in dieses Fass werfen«, sagte ich. »Ich möchte ja nicht pietätlos sein, aber …«
»Richtig, Milady«, sagte Fergus und verbeugte sich respektvoll vor mir. »Obwohl Crème de Menthe einen sehr hohen Alkoholgehalt hat. Der Keller des Wirtshauses ist nur eine vorübergehende Raststätte auf dem Weg unseres unbekannten Freundes zur ewigen Ruhe. Er wird morgen zu den Docks gebracht und von dort an einen Ort in weiter Ferne. Ich wollte nur nicht, dass er bis dahin auf Madame Jeannes Grund und Boden herumsteht.«
Jeanne richtete auf Französisch eine Bemerkung an die heilige Agnes, die ich nicht ganz verstand, zuckte dann aber mit den Schultern und wandte sich zum Gehen.
»Ich werde mich morgen bei les filles nach diesem Seemann erkundigen, Monsieur, wenn sie freihaben. Bis dahin …«
»Apropos«, unterbrach Fergus, »ob Mademoiselle Sophie wohl heute Abend noch frei ist?«
Madame Jeanne bedachte ihn mit einem Blick voll ironischer Belustigung. »Da sie Euch kommen gesehen hat, mon petit saucisse, gehe ich davon aus, dass sie sich verfügbar gehalten hat.« Ihr Blick fiel auf Ian, der in die Sofakissen gesackt war wie eine Vogelscheuche, aus der man die Strohfüllung entfernt hat. »Und soll ich auch einen Schlafplatz für den jungen Herrn suchen?«
»Oh, aye.« Jamie betrachtete seinen Neffen nachdenklich. »Ihr könntet wohl eine Matratze in mein Zimmer legen.«
»Oh, nein!«, entfuhr es Ian. »Du willst doch sicher mit deiner Frau allein sein, nicht wahr, Onkel Jamie?«
»Was?« Jamie starrte ihn verständnislos an.
»Nun, ich meine …« Ian zögerte, sah mich an und wandte dann hastig den Blick ab. »Ich meine, ihr wollt doch sicher … äh … mmpfm?« Als geborener Highlander brachte er es fertig, ein erstaunliches Maß an angedeuteter Taktlosigkeit in diesen Laut zu legen.
Jamie rieb sich mit den Fingerknöcheln fest über die Oberlippe.
»Nun, das ist sehr rücksichtsvoll von dir, Ian«, sagte er. Seine Stimme bebte sacht vor Anstrengung, sich das Lachen zu verkneifen. »Und es schmeichelt mir, dass du eine derart hohe Meinung von meiner Männlichkeit hast, dass du denkst, ich wäre nach einem solchen Tag im Bett zu etwas anderem imstande, als zu schlafen. Aber ich glaube, ich kann vielleicht für eine Nacht auf die Befriedigung meines fleischlichen Verlangens verzichten – so gern ich deine Tante habe«, fügte er hinzu und lächelte mich schwach an.
»Aber Bruno sagt, heute Abend ist nicht viel zu tun«, meldete sich Fergus zu Wort und blickte sich verwundert um. »Warum geht der Junge nicht …«
»Weil er erst vierzehn ist, zum Kuckuck!«, sagte Jamie entgeistert.
»Fast fünfzehn!«, verbesserte Ian und setzte eine interessierte Miene auf.
»Nun, das ist doch ausreichend«, sagte Fergus und sah Madame Jeanne auf der Suche nach Bestätigung an. »Deine Brüder waren auch nicht älter, als ich sie das erste Mal hergebracht habe, und sie haben sich tapfer geschlagen.«