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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Monte Christo schlug die Augen vom Papier auf und verbeugte sich.

Eine halbe Million, sagte er, Teufel! mein lieber Herr Cavalcanti.

Steht eine halbe Million da? fragte der Lukkeser.

Mit allenBuchstaben, und das muß so sein, der AbbéBusoni ist ein Mann, der ganz genau die großen Vermögen in Europa kennt!

Es mag wohl richtig sein mit der halben Million; doch auf mein Ehrenwort, ich glaubte nicht, daß es sich so hochbeliefe.

Weil Sie einen Intendanten haben, der Siebestiehlt; was wollen Sie, mein lieber Herr Cavalcanti, man muß sich das gefallen lassen!

Und da Sie mir hierüber Aufklärung gegeben haben, so werde ich denBurschen vor die Tür werfen, sagte mit ernstem Tone der Lukkeser.

Monte Christo fuhr fort zu lesen: Und dem nur eines zu seinem Glücke fehlte.

Oh, mein Gott! ja, nur eines, sagte der Lukkeser mit einem Seufzer.

Einen angebeteten Sohn wiederzufinden.

Einen angebeteten Sohn?

Der in seiner Jugend entweder durch einen Feind seiner Familie oder durch Zigeuner geraubt wurde.

Im Alter von fünf Jahren, mein Herr! sagte der Lukkeser mit einem tiefen Seufzer und die Augen zum Himmel aufschlagend.

Armer Vater! sagte Monte Christo.

Der Graf las weiter: Ich gebe ihm die Hoffnung, ich gebe ihm das Leben, Herr Graf, indem ich ihm verkündige, daß Sie ihm diesen Sohn, den er seit fünfzehn Jahren umsonst suchte, wiederfinden können.

Der Lukkeser schaute Monte Christo mit einem Ausdrucke voll unsäglicher Unruhe an.

Ich kann es, sagte Monte Christo.

Der Major richtete sich hoch auf und rief: Ah! ah! derBrief ist alsobis zum Ende wahr?

Zweifelten Sie daran, mein lieber HerrBartolomeo?

Nein, niemals! Ein ernster, eine religiöse Würdebekleidender Mann, wie der AbbéBusoni, hätte sich nie einen solchen Scherz erlaubt; doch Sie haben nicht alles gelesen, Exzellenz!

Ah! das ist wahr, es findet sich hier noch eine Nachschrift.

Ja, erwiderte der Lukkeser, es findet sich… eine… Nachschrift.

Um den Major Cavalcanti nicht in die Verlegenheit zu setzen, Papiere verkaufen zu müssen, schicke ich ihm einen Wechsel von zweitausend Franken für seine Reiseunkosten und akkreditiere ihnbei Ihnen mit der Summe von achtundvierzigtausend Franken, die ichbei Ihnen gut habe.

Der Major verfolgte in sichtbarer Angst diese Nachschrift mit den Augen.

Gut! begnügte sich der Graf zubemerken.

Er hat gut gesagt, murmelte der Lukkeser. Also die Nachschrift wird von Ihnen ebenso günstig aufgenommen, wie der übrigeBrief?

Der AbbéBusoni und ich stehen miteinander in Abrechnung; ich weiß nicht genau, ober achtundvierzigtausend Frankenbei mir gut hat, aber es kommt zwischen uns auf ein paarBanknoten nicht an. Ah! Sie legten also einen großen Wert auf diese Nachschrift, mein lieber Cavalcanti?

Ich muß Ihnen gestehen, antwortete der Lukkeser, daß ich mich, voll Zutrauen zu der Unterschrift des AbbéBusoni, nicht mit andern Geldern versehen hatte; wäre mir diese Quelle entgangen, so würde ich mich in Paris in großer Verlegenheitbefunden haben.

Setzen Sie sich doch, sagte Monte Christo; in der Tat, ich weiß nicht, was ich mache… ich lasse Sie seit einer Viertelstunde stehen.

Der Major zog einen Stuhl an sich und setzte sich.

Nun sagen Sie, sagte der Graf, wollen Sie etwas zu sich nehmen? Ein Glas Xeres, Porto, Alicante?

Alicante, wenn Sie erlauben, das ist mein Lieblingswein.

Monte Christo läutete; Baptistin erschien. Der Graf ging auf ihn zu und fragte leise: Nun…?

Der junge Mensch ist imblauen Salon, antwortete der Kammerdiener.

Vortrefflich. Bringen Sie Alicantewein und Zwiebacke.

Baptistinbrachte das Verlangte.

Der GrafbefahlBaptistin, die Platte in denBereich der Hand seines Gastes zu stellen, der zuerst den Alicante mit dem Rande seiner Lippen kostete, sodann eine Miene der Zufriedenheit annahm und endlich den Zwieback zart in das Glas tauchte.

Sie wohnten also in Lucca? sagte Monte Christo, Sie waren reich, Sie waren vornehmer Abkunft, Sie genossen die allgemeine Achtung, Sie hatten alles, was einen Menschen glücklich machen kann?

Alles, Exzellenz, erwiderte der Major, seinen Zwieback verschlingend, durchaus alles.

Und es fehlte nur zu Ihrem Glück, Ihr Kind wiederzufinden? Dies fehlte mir sehr, rief der würdige Major, schlug die Augen zum Himmel auf und suchte zu seufzen.

Nun reden Sie, mein lieber Herr Cavalcanti, wie verhält es sich mit diesem so sehrbeklagten Sohne? Denn man sagte mir, Sie seien Junggeselle geblieben.

Man glaubte es, mein Herr, und ich selbst…

Ja, versetzte Monte Christo, und Sie selbst suchten diesem Gerüchte Glauben zu verschaffen. Eine Jugendsünde, die Sie vor aller Augen verbergen wollten.

Der Lukkeser richtete sich auf, nahm seine ruhigste und würdigste Haltung an, schlug aber zugleichbescheiden die Augen nieder, sei es, um seine Haltung zu sichern, sei es, um seine Einbildungskraft zu unterstützen, während er von unten herauf den Grafen anschaute, dessen auf seine Lippen festgebanntes Lächeln stets dieselbe wohlwollende Neugierde andeutete. Ja, mein Herr, sagte er, ich wollte diesen Fehler vor der ganzen Welt verbergen.

Nicht Ihretwegen, versetzte Monte Christo, denn ein Mann steht über dergleichen Dingen!

Oh! nein, gewiß nicht meinetwegen, erwiderte der Major, lächelnd und die Achseln zuckend.

Sondern seiner Mutter wegen?

Seiner Mutter wegen, rief der Lukkeser, seiner armen Mutter wegen!

Trinken Sie doch, lieber Herr Cavalcanti, sagte Monte Christo, dem Lukkeser ein zweites Glas Alcante einschenkend; die Erinnerung überwältigt Sie.

Seiner armen Mutter wegen, murmelte der Lukkeser, indem er einen Versuch machte, obnicht die Kraft des Willens den Winkel seines Auges mit einer falschen Zähre zubefeuchten vermöchte.

Welche, glaube ich, einer der ersten Familien Italiens angehörte?

Eine Patrizierin von Fiesole.

Namens?

Marchesa Oliva Corsinari!

Und Sie heirateten sie am Ende, trotz des Widerstrebens der Familie?

Mein Gott! ja, das tat ich am Ende.

Und Ihre Papiere, die Sie mitbringen, sind ganz in Ordnung?

Was für Papiere? fragte der Lukkeser.

Nun, Ihr Trauschein mit Oliva Corsinari und der Taufschein von Andrea Cavalcanti, Ihrem Sohne; heißt er nicht Andrea?

Ganz richtig, Herr Graf, doch mitBedauern muß ich Ihnenbemerken, nicht darauf aufmerksam gemacht, daß ich mich mit diesen Papieren versehen sollte, versäumte ich, sie mitzunehmen.

Ah! Teufel! rief Monte Christo.

Sind Sie denn durchaus nötig?

Unerläßlich, rief Monte Christo; wenn man hier irgend einen Zweifel über die Gültigkeit Ihrer Ehe und die Rechtmäßigkeit Ihres Kindes erhöbe!

Es ist richtig, man könnte Zweifel erheben.

Das wäre sehr unangenehm.

Es könnte ihm dadurch eine glänzende Heirat entgehen.

O peccato!

Siebegreifen, in Frankreich ist man streng. Es genügt nicht, wie in Italien, einen Priester aufzusuchen und ihm zu sagen: Wir lieben einander, verbinden Sie uns! In Frankreich gibt es einebürgerliche Ehe, und um sichbürgerlich zu verheiraten, braucht man Papiere, durch welche die Identität nachgewiesen wird.

Das ist ein Unglück, ich habe diese Papiere nicht.

Zum Glücke habe ich sie.

Ah! mein Herr, rief der Lukkeser, der, als er das Ziel seiner Reise durch den Mangel seiner Papiere verfehlt sah, befürchtete, dieses Vergessen könnte einige Schwierigkeiten inBeziehung auf die achtundvierzigtausend Franken zur Folge haben, ah! mein Herr, das ist ein Glück. Ja, wiederholte er, das ist ein Glück, denn ich hätte nicht daran gedacht.

Bei Gott! ich glaube wohl, man denkt nicht an alles. Glücklicherweise dachte der AbbéBusoni für Sie daran.

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