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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Sehr gern, Herr Graf, antwortete der junge Mann mit einer Zungenfertigkeit, diebewies, daß er ein gutes Gedächtnisbesaß. Ichbin, wie Sie sagten, der Graf Andrea Cavalcanti, Sohn des MajorsBartolomeo Cavalcanti, Abkömmling der in das goldeneBuch von Florenz eingetragenen Cavalcanti. Obgleich noch sehr reich, denn mein Vaterbesitzt ein Zinseneinkommen von einer halben Million, hat unsere Familie doch viel Unglück erfahren, und ich selbst, mein Herr, bin in einem Alter von fünf Jahren durch einen ungetreuen Hofmeister geraubt worden und habe deshalbseit fünfzehn Jahren den Urheber meiner Tage nicht gesehen. Seitdem ich das Alter der Vernunft erreicht und Herr meiner selbstbin, suche ich ihn vergebens. Endlich meldet mir dieserBrief Ihres Freundes Simbad, daß er sich in Parisbefindet, und erteilt mir Vollmacht, mich an Sie zu wenden, um weitere Auskunft zu erhalten.

In der Tat, mein Herr, alles, was Sie mir da erzählen, ist sehr interessant, sagte der Graf, der mit ingrimmiger Zufriedenheit die dreiste Miene des Sprechersbetrachtete, und Sie werden wohl daran tun, wenn Sie in allen Stücken der Aufforderung meines Freundes Simbad entsprechen, denn Ihr Vater ist in der Tat hier und sucht Sie.

Der Graf hatte seit seinem Eintritt in den Salon den jungen Mann nicht aus dem Gesichte verloren; erbewunderte die Festigkeit seinesBlickes und die Sicherheit seiner Stimme. Dochbei den Worten: Ihr Vater ist in der Tat hier und sucht Sie, machte der junge Andrea einen Sprung und rief entsetzt: Mein Vater? Mein Vater hier?

Allerdings, erwiderte Monte Christo, Ihr Vater, der MajorBartolomeo Cavalcanti.

Der Ausdruck des Schreckens, der sich über die Züge des jungen Mannes verbreitet hatte, verschwand fast in demselben Augenblick wieder.

Ah! ja, es ist wahr, rief er, der Major Cavalcanti. Und Sie sagen, dieser liebe Vater sei hier?

Ja, mein Herr. Ich sage noch mehr. Soeben habe ich ihn verlassen; die Geschichte, die er mir von seinem geliebten, einst verlorenen Sohn erzählte, ergriff mich ungemein; seine Schmerzen, seineBefürchtungen, seine Hoffnungen wegen dieses Sohnes klingen wie ein rührendes Gedicht. Endlich hört er eines Tags, die Räuber seines Sohnes seienbereit, den Geraubten gegen eine sehrbedeutende Summe zurückzugeben oder ihm mitzuteilen, wo er sei. Nichts hielt den guten Vater zurück. Die Summe wurde an die Grenze von Piemont geschickt… Siebefanden sich, glaube ich, im Süden Frankreichs? Ja, mein Herr, antwortete Andrea mit einer ziemlich verlegenen Miene; ja, ichbefand mich im Süden Frankreichs.

Ein Wagen sollte Sie in Nizza erwarten?

So ist es, er führte mich von Nizza nach Genua und über Turin nach Paris.

Vortrefflich; er hoffte immer, Ihnen unterwegs zubegegnen, denn dies war die Straße, die er selbst verfolgte.

Aber wenn er mirbegegnet wäre, dieser liebe Vater, sagte Andrea, ich zweifle, ober mich erkannt haben würde; es ist eine ziemliche Veränderung mit mir vorgegangen, seitdem er mich aus dem Gesichte verloren hat.

Ah! die Stimme desBlutes, sagte Monte Christo.

Ah! ja, das ist wahr, erwiderte der junge Mann, ich dachte nicht an die Stimme desBlutes.

Nunbeunruhigt nur ein Gedanke den Marquis Cavalcanti, versetzte Monte Christo; was Sie wohl getan haben, während Sie von ihm entfernt waren; wie Sie von Ihren Verfolgernbehandelt worden sind; obman Ihrer Abkunft die schuldige Rücksicht hat zu teil werden lassen, obnicht die Fähigkeiten, mit denen Sie die Natur so reichbegabte, in jener Umgebung vernachlässigt worden sind, und obSie selbst meinen, den Ihnen gebührenden Rang wieder einnehmen und würdigbehaupten zu können.

Mein Herr, stammelte der junge Mann verwirrt, ich hoffe, es wird kein falscherBericht…, übrigens, er kann ruhig sein. Die Räuber, die mich von meinem Vater entfernten und ohne Zweifel, wie sie es später getan, mich an ihn zu verkaufenbeabsichtigten, berechneten, daß man mir, um einen guten Nutzen aus mir zu ziehen, meinen ganzen persönlichen Wert lassen und ihn sogar, wenn es möglich wäre, steigern müßte. Ich erhielt daher eine ziemlich gute Erziehung und wurde von den Kinderdieben ungefähr sobehandelt, wie einst in Kleinasien die Sklaven, aus denen ihre Herren Grammatiker, Mediziner und Philosophen machten, um sie teuer auf dem Markte zu Rom zu verkaufen. Monte Christo lächelte zufrieden; er hatte, wie es scheint, nicht so viel von Andrea Cavalcanti gehofft.

Wenn sich übrigens, versetzte der junge Mann, bei mir ein Mangel an Erziehung, oder vielmehr an Weltgewandtheit zeigen sollte, so wird man wohl die Nachsicht haben, dies zu entschuldigen, inBetracht der Unglücksfälle, die mich seit meiner Jugend verfolgten.

Nun, Graf, Sie werden daraus machen, was Sie wollen, sagte mit gleichgültigem Tone Monte Christo; denn Sie sind der Herr, und es geht nur Sie an; doch auf mein Wort, ich würde im Gegenteil nicht eine Silbe von all diesen Abenteuern sprechen, denn Ihre Geschichte ist ein Roman, und kaum haben Sie irgend jemand davon erzählt, so wird sie völlig entstellt in der Welt umlaufen. Sie werden nicht mehr ein wiedergefundenes Kind, sondern ein Findelkind sein. Vielleicht wird Ihnen der Erfolg zuteil, daß Sie Neugierde erregen; doch nicht jeder liebt es, der Mittelpunkt vonBeobachtungen und die Zielscheibe von Kommentaren zu sein. Das wird Ihnen etwas unangenehm werden.

Ich glaube, Sie haben recht, Herr Graf, sagte der junge Mann, unter Monte Christos unbeugsamemBlicke unwillkürlich erbleichend; es ist dies eine große Unannehmlichkeit.

Oh! Sie müssen sich andererseits die Sache nicht übertrieben vorstellen, entgegnete Monte Christo; denn das hieße, um einen Fehler zu vermeiden, in eine Torheit verfallen. Nein, es gilt nur, einen Plan des Vorgehens festzustellen, und von einem gescheiten Manne, wie Sie sind, läßt sich dieser Plan um so eher durchführen, als er mit Ihren Interessen im Einklang steht; Sie müssen eben durch Zeugnisse und ehrenwerte Verbindungen allesbekämpfen, was Ihre Vergangenheit etwa Dunkles hat.

Andrea verlor sichtbar seine Haltung.

Gern würde ich mich Ihnen alsBürge anbieten, sagte Monte Christo; doch es istbei mir oberster Grundsatz, stets an meinenbesten Freunden zu zweifeln, und einBedürfnis, auch die andern zum Zweifel anzuregen. So würde ich hier eine Rolle spielen, die nicht in meinem Fache läge, wie die Schauspieler sagen, und ich liefe Gefahr, mich auspfeifen zu lassen!

Herr Graf, versetzte Andrea mit kaltem Tone, ich denke jedoch, in Rücksicht auf Lord Wilmore, der mich Ihnen empfohlen hat…

Ja, gewiß; doch Lord Wilmore verhehlt mir nicht, mein lieber Herr Andrea, daß Sie eine etwas stürmische Jugend hinter sich haben. Oh! sagte der Graf, als er AndreasBewegung sah, ich verlange keineBeichte von Ihnen. Dazu hat man zu IhrerBeruhigung den Herrn Marquis Cavalcanti, Ihren Vater, von Lucca kommen lassen. Sie werden sehen, er ist ein wenig steif, etwas geschraubt; doch das ist schließlich eine Uniformfrage, und wenn man erfährt, daß er seit seinem achtzehnten Jahre in österreichischen Diensten steht, ist alles entschuldigt. Doch, ich versichere Ihnen, er genügt als Vater völlig.

Ah! Sieberuhigen mich, mein Herr, ich verließ ihn vor so langer Zeit, daß ich keine Erinnerung mehr an ihn habe.

Und Sie wissen, ein großes Vermögen läßt über vieles hinwegsehen.

Mein Vater ist also wirklich reich, mein Herr?

Millionär… 500 000 Franken Rente.

Ich werde mich also in einer angenehmen Lagebefinden? fragte ängstlich der junge Mann.

In einer äußerst angenehmen, mein lieber Herr; er gibt Ihnen fünfzigtausend Franken jährlich, solange Sie in Parisbleiben.

Dann werde ich immer hierbleiben.

Ei! wer kann für die Umständebürgen? Der Mensch denkt, Gott lenkt.

Andrea stieß einen Seufzer aus und erwiderte: Aber solange ich in Parisbleibe und kein Umstand mich zwingt, wegzugehen, ist mir das Geld, von dem Sie soeben sprachen, sicher? Ganz gewiß.

Durch meinen Vater? fragte Andrea mit einer gewissen Unruhe.

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