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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ich habe wohl so etwas in Epirus gehört, sagte Monte Christo, aber ich kenne die einzelnen Umstände nicht. Komm, meine Tochter, du wirst sie mir erzählen, sie müssen sehr seltsamer Art sein.

Oh ja, komm, komm! Es ist mir, als müßte ich umkommen, wenn ich diesem Menschen länger gegenüberbleibe.

Und Haydee stand rasch auf, hüllte sich in ihren mit Perlen und Korallen geschmücktenBurnus von weißem Kaschmir und verließ die Loge in dem Augenblick. wo der Vorhang aufgezogen wurde.

Sehen Sie, obdieser Mensch auch nur irgend etwas tut, wie ein anderer! sagte die Gräfin zu Albert, der sich in ihre Logebegeben hatte. Er hört ganz andächtig den dritten Akt an und geht in der Minute, wo der viertebeginnen soll, fort.

Steigen und Fallen

Einige Tage nach diesem Zusammentreffen machte Albert von Morcerf dem Grafen von Monte Christo einenBesuch in seinem Hause in den Champs‑Elyées, dasbereits das Aussehen eines Palastes gewonnen hatte. Er gabaufs neue dem Dank der Frau Danglars Ausdruck, den sie dem Grafen schon vorher in einemBrief mit der UnterschriftBaronin Danglars, geborene Hermine von Servieux, abgestattet hatte.

In AlbertsBegleitung war Lucien Debray, der den Worten seines Freundes einige Komplimente hinzufügte, über deren Quelle jedoch der Grafbei seinem Scharfblicke sich nicht täuschen ließ. Er konnte in der Tat, ohne einen Irrtumbefürchten zu müssen, voraussetzen, daß Frau Danglars, da sie sich außer stande fühlte, mit eigenen Augen in die Geheimnisse eines Mannes zu dringen, der Pferde für dreißigtausend Franken verschenkte und in die Oper mit einer Sklavin ging, die für eine Million Diamanten trug, Debraybeauftragt hatte, ihr so viel wie möglich Auskunft zu verschaffen.

Aber der Graf gabsich den Anschein, als vermute er nicht im geringsten einen Zusammenhang zwischen LuciensBesuche und der Neugierde derBaronin. Sie stehen in fast ununterbrochenem Verkehr mit demBaron Danglars? fragte er Albert von Morcerf.

Ja, Herr Graf, Sie wissen, was ich Ihnen gesagt habe.

Der Planbesteht also noch immer?

Mehr als je, es ist eine abgemachte Sache, sagte Lucien.

Und indem er meinte, mit diesem einen ins Gespräch geworfenen Wort habe er sich das Recht erkauft, sich nun schweigend zu verhalten, klemmte Lucien sein Lorgnon ins Auge, biß auf den goldenen Knopf seines Stöckchens und schritt, mit aller Aufmerksamkeit die Waffen und Gemäldebetrachtend, im Zimmer umher.

Ah! rief Monte Christo, nach Ihren Worten hätte ich nicht an eine so schnelle Lösung geglaubt.

Was wollen Sie? Die Dinge entwickeln sich, ohne daß man's merkt. Wenn wir auch nicht an sie denken, denken sie an uns, und wenn wir uns umdrehen, sind wir erstaunt darüber, wie sie vorgeschritten sind. Mein Vater und Herr Danglars haben miteinander in Spanien gedient, mein Vaterbei der eigentlichen Armee, Herr Danglarsbeim Train. Mein Vater, den die Revolution zu Grunde gerichtet hatte, und Herr Danglars, der von Haus aus vermögenslos war, legten dort den Grund, mein Vater zu seinem großen politischen und militärischen Glück, Herr Danglars zu seinembewunderungswürdigen politischen und finanziellen Glück.

Ja, in der Tat, erwiderte Monte Christo, ich glaube, Herr Danglars erzählte mir davon während desBesuches, den ich ihm machte; und, sagte er, einen Seitenblick auf Lucien werfend, der in einem Albumblätterte, und ist Fräulein Eugenie hübsch?

Sehr hübsch; aber von einer Schönheit, die ich nicht zu schätzen weiß, ich Unwürdiger.

Sie sprechen, als obSiebereits ihr Gatte wären.

Oh! rief Albert, und sah sich dabei ebenfalls nach seinem Freunde um.

Wissen Sie, sagte Monte Christo, die Stimme dämpfend, wissen Sie, daß Sie mir nicht eben sehrbegeistert für diese Heirat zu sein scheinen.

Fräulein Danglars ist zu reich für mich, und das erschreckt mich, erwiderte Morcerf.

Bah! versetzte Monte Christo, ein schöner Grund; sind Sie nicht selbst reich?

Mein Vater hat etwa fünfzigtausend Franken Rente und wird mir vielleicht zehnbis zwölfbei meiner Verheiratung geben.

Das sieht allerdingsbescheiden aus, besonders in Paris, sagte der Graf; aber das Vermögen ist nicht alles auf dieser Welt, ein schöner Name und eine hohe gesellschaftliche Stellung haben auch ihren Wert. Ihr Name istberühmt. Ihre Stellung glänzend, der Graf von Morcerf ist ein Soldat, und man sieht gern die Unantastbarkeit eines Ritters ohne Furcht und Tadel mit der Armut eines Kreuzritters vereinigt. Die Uneigennützigkeit ist der schönste Sonnenstrahl, in dem ein edler Degen erglänzen kann. Ich finde im Gegenteil diese Verbindung im höchsten Grade passend; Fräulein Danglarsbereichert Sie, und Sie adeln das Fräulein!

Albert schüttelte den Kopf undbliebnachdenklich. Es ist dabei noch etwas anderes, sagte er.

Ich gestehe, daß ich diesen Widerwillen gegen ein junges, reiches und schönes Mädchen nichtbegreifen kann, sagte der Graf.

Oh, mein Gott! rief Morcerf, dieser Widerwille, wenn wirklich ein Widerwille stattfindet, kommt nicht ganz von meiner Seite.

Von welcher Seite denn? Sagten Sie mir nicht, Ihr Vater wünschte diese Heirat?

Er kommt von meiner Mutter, und meine Mutter hat ein sicheres Auge. Sie lächelt nicht zu dieser Verbindung, sie hat ein Vorurteil gegen die Danglars.

Oh! das läßt sichbegreifen, sagte der Graf mit etwas gezwungenem Tone; die Frau Gräfin von Morcerf, welche die Vornehmheit, der Adel, die Feinheit in der Person ist, scheut sich, eine gemeinbürgerliche, plumpe, rohe Hand zuberühren, und das ist natürlich.

Ich weiß nicht, obdies der Fall ist, entgegnete Albert, weiß jedoch, daß diese Heirat, wenn sie wirklich stattfindet, meine Mutter unglücklich machen wird. Schon vor sechs Wochen sollte eine Familienversammlung zurBesprechung des Heiratsvertrages stattfinden, aber meine Mutter wurde dergestalt von der Migränebefallen, ohne Zweifel infolge ihrer Abneigung dagegen, daß man die Zusammenkunft auf zwei Monate verschob. Siebegreifen, es eilt nicht, ichbin noch nicht einundzwanzig Jahre alt und Eugenie erst siebzehn; doch die zwei Monate sind in der nächsten Woche abgelaufen, und man muß sich am Ende entscheiden. Sie können sich nicht vorstellen, mein lieber Graf, in welcher Verlegenheit ich michbefinde… Ah! wie glücklich sind Sie doch, Sie freier Mann!

Nun so seien Sie auch frei, wer hindert Sie daran?

Oh, es würde meinem Vater einen so großen Verdrußbereiten, wenn ich Fräulein Danglars nicht heiratete.

So heiraten Sie das Fräulein, sagte der Graf mit einer seltsamenBewegung der Achsel.

Ja, aber meiner Mutter würde diese Verbindung nicht Verdruß, sondern Schmerzbereiten.

Dann heiraten Sie das Fräulein nicht, sagte der Graf.

Ich werde es versuchen; nicht wahr, Sie geben mir Ihren Rat, und wenn es Ihnen möglich ist, entziehen Sie mich dieser Verlegenheit? Oh! um meiner vortrefflichen Mutter keinen Kummer zubereiten, würde ich es, glaube ich, sogar auf einen Konflikt mit meinem Vater ankommen lassen.

Monte Christo wandte sich ab, er schienbewegt.

Ei! sagte er zu Debray, der auf einem weichen Polsterstuhl am Ende des Salons saß und in der rechten Hand einenBleistift, in der linken ein Notizbuch hielt, ei! was machen Sie denn? Eine Skizze nach Poussin?

Ich? Nein, ich mache ganz das Gegenteil davon, ich mache Zahlen und zwar solche, die Sie unmittelbar angehen, Vicomte. Ichberechne, was das Haus Danglarsbei dem letzten Steigen der Hayti‑Papiere gewinnen mußte; von 206 stiegen sie in drei Tagen auf 499, und der klugeBankier hatte viel um 206 gekauft. Er muß 300 000 Franken gewonnen haben.

Das ist noch nicht seinbester Treffer, sagte Morcerf; hat er nicht in diesem Jahre eine Million mit spanischenBons gewonnen?

Sie sprechen von Hayti? fragte Monte Christo.

Oh! Hayti, das ist das Wunderland der französischenBörsenspieler. So hat Herr Danglars gestern zu 409 verkauft und steckt 300 000 Franken ein, hätte erbis heute gewartet, so würde er, da die Papiere wieder auf 205 gesunken sind, statt 300 000 Franken zu gewinnen, 25 000 Franken verloren haben.

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