Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Seine blassen Brauen zogen sich zusammen, während er den Lachs auf die Cracker bröselte. Worauf ich mir angelegentlich die Hand über die Augen hielt und eine Yurok-Frau beobachtete, die auf uns zukam. Als sie den Fuß unseres Felsbrockens erreicht hatte, rief sie herauf:
«Habt ihr ein Glas für mich?« Wir waren normalerweise ungesellig, weshalb wir unseren Alkohol auch am Strand tranken statt in Bars.
Doch die Unterhaltung lief nicht so toll. Ein bisschen Ablenkung, ein paar Minuten, um die Gemüter abzukühlen — warum nicht?
«Klar«, sagte ich.
Pat bedachte mich mit diesem wilden Bullenblick, Gesicht gesenkt, Augenbrauen runter, Nüstern gebläht.
Während sie die Felsen heraufkletterte, murmelte er:»Ich dachte, wir wären hier, weil wir allein sein wollen.« «Hallo«, sagte sie, als sie oben ankam. Sie war schmal, vielleicht vierzig, mit langem braunem Haar und einer leicht abgeflachten Nase und ziemlich dunkler Haut, die gerade hell genug war, dass sich ein paar Sommersprossen zeigten. Sie lächelte breit, hatte aber schlechte Zähne. Ihr schwarzer Hut war fast wie ein Cowboyhut, aber nicht ganz so westernmäßig. Sie setzte sich auf eine nasse Stelle auf dem Felsen, um unsere Decke nicht mit irgendwelchem ekligen Zeug auf ihren Jeans zu beflecken (als ob uns das nicht völlig egal wäre).
«Aha, ein Picknick? Tolle Stelle.« Ich antwortete:»Ja«, weil Pat bloß stinksauer dasaß und schwieg.
Sie nippte am Sekt.»Diesen Strand kennen nicht viele.
Wartet ihr noch auf Leute?« «Nein. Wir sind ziemlich weit weg von zu Hause.« «Ganz schön abgelegen hier, stimmt. «Sie blickte über ihre Schulter und winkte ihren Freunden zu.
«Wir mussten durch Yurok-Gebiet, um hierher zu kommen«, gab ich zu.»Es ist wie verzaubert, und dann das wunderschöne kleine Amphitheater. «Ich war etwas verlegen, wusste nicht, wie ich ihr versichern sollte, dass wir uns anständig betragen hatten. Hinter einem Gebüsch hatte ich mich zwar einmal erleichtern müssen, doch hatten wir kein Kriegsgeheul angestimmt oder sonst was Unpassendes getan.»Ich hoffe, das ist hier kein Privatgrundstück. Hoffentlich ist das kein Privatstrand.« «Nö, Das wäre ein Verbrechen gegen die Natur, oder?« Sie grinste.»Auf der anderen Seite ist ein Trailerpark. Das ist schon ein Privatgrundstück. Aber solange ihr wieder da rausgeht, wo ihr reingekommen seid, gibt’s kein Problem.« «Danke, gut zu wissen. Wir haben schon auf unserer letzten Fahrt in den Norden von diesem Strand gehört, konnten ihn uns aber damals nicht anschauen. Mit den vielen Seehunden und so haben wir gar nicht gerechnet.« «Die beste Jahreszeit, jetzt kommen die Aale den Fluss herunter, um im Meer zu laichen. Manche schwimmen zweitausendfünfhundert Meilen«, erklärte sie.»Für die Yurok ist das ein heiliger Ort, die Flussmündung. «Ein Spalt in der Wolkendecke ließ das Licht schräg unter ihre Hutkrempe fallen und offenbarte ledrige Falten um ihre Augen.»Hier geht’s um lauter Münder. Im Fluss ist der Aal der oberste Mund, der König. Er versteckt sich, wartet, schlägt schnell zu. Aber dann kommt die Zeit, wo er diesem Drang nachgeben muss. Dann schwimmt er direkt in den Rachen des Seelöwen. So ist es!«Sie deutete hinter sich.»Hier und heute findet für den Aal das Jüngste Gericht statt.« Pat warf mir verdrießliche Blicke zu, als wollte er sagen: Jetzt schick doch die Frau endlich weg. Ich ignorierte ihn.
Zugegeben, wir hatten eine Menge zu bereden. Aber wann begegnet man schon mal einer leibhaftigen Yurok, die einem die Bedeutung eines Strandes erklärt?
Sie lag auf der Decke, hielt ihren Pappbecher zum Nachschenken hoch und steckte sich etwas Lachs in den Mund.»Lachs bedeutet Erneuerung«, sagte sie.»Den Lebenszyklus weitertragen und so. Ihr solltet mal den luftgetrockneten Lachs in der Rancheria probieren.« Pat zögerte, bevor er ihren Becher wieder füllte. Ich ließ mir ebenfalls nachgießen.
«Der Königsmund des Flusses, das ist der Aal«, wiederholte sie.
«Der Eel River ist natürlich nach ihm benannt. Aber seine Burg ist der Klamath. Die können außerhalb des Wassers länger überleben als jeder andere Fisch, den ich kenne. Man sieht sie hässlich graugrün in der Brandung blitzen, und zack, hat man sie am Peitschenstiel und wirft sie auf den Haufen. Das macht man eine Zeit lang und hat dann vielleicht an die fünfzehn Stück, und wenn man sich umdreht und sie in den Eimer tun will, sind womöglich schon acht von den kleinen Monstern aus der Grube gehüpft und kriechen im Sand davon. Wenn man sieht, wie weit manche es geschafft haben, muss man daraus schließen, dass sie eine gute halbe Stunde außerhalb vom Wasser überlebt haben. Also, wie ist das möglich?« Ich lag auch auf der Seite, nippte Sekt, hörte zu und beobachtete das großartige Schauspiel hinter ihr in der Ferne: wie Seehunde hochkamen und wieder untertauchten, wie der Fluss ins Meer donnerte und die Wellen wie klatschende Hände zusammenstießen. Ihre Yurok-Freunde waren nicht mehr beim Angeln, sondern unterhielten sich. Einer gestikulierte zu unserem Felsen herüber. Irgendwie hoffte ich, sie würden sich zu uns gesellen. Bloß würde Pat dann erst richtig sauer werden.
Vielleicht war ich auf der Herfahrt wirklich zu weit gegangen. Aber er könnte es mir ja auch einfach durchgehen lassen.
«Es überrascht einen also kaum, was?«, fuhr die Frau fort,»Dass sie Könige des Flusses sind. Gemein und zäh sind sie, haben Zähne wie Nägel. Wenn die größer wären, Mann, dann hätten die Haie keine Chance, geschweige denn die Seehunde. «Sie blinzelte mich an und nahm einen Schluck Sekt.»Weil die vertrackten Viecher sich nämlich mitten im Wasser verstecken können. Mit ihrer schlammbraunen Kotzfarbe können sie direkt vor einem Felsen lauern, nicht etwa dahinter. Die können sich richtig unsichtbar machen. Und dann schwimmt wer oder was auch immer vorbei und fühlt sich sicher und vorsichtig – vielleicht irgendein hübscher Fisch, der den Fluss heraufgekommen ist — und schnapp! schon wird er vom Aal gefressen. Aber der Fluss endet ja irgendwo, wenn ihr versteht, was ich meine? Jeder Fluss hat auch eine Mündung. Es gibt immer noch ein größeres Maul, das nur darauf wartet, dass man reingespült wird, egal, wie schlau und bösartig man bei sich daheim ist. Man gibt diesem Drang nach und verlässt sein Territorium, und schon wird man gefressen.« Pat klopfte mit seiner Fußsohle gegen meine. Klopfte immer drängender, ich sollte was unternehmen.
In dem Moment entschied ich mich: Vergiss das mit dem Heiraten! Er war zu jung. Wollte dieser Yurok-Frau nicht zuhören und klopfte an mir rum, als wollte er sagen: Mach, dass die weggeht, Mom. Ich hatte schon zwei Kinder, die inzwischen erwachsen und aus dem Haus waren. Und nicht viel später war ihr Dad ebenfalls gegangen (obwohl ich den nicht weiter vermisste, die Kinder aber schon, manchmal wenigstens). Jedenfalls konnte ich keinen brauchen, der fünfzehn Jahre jünger war als ich und mir dauernd die Verantwortung zuschanzte.
Meist bezahlte ich die Rechnungen, besorgte das Essen (kochte zwar nicht, kannte aber meine Feinkostläden), räumte im Haus auf, sagte Pat, was er lesen sollte, weil Ingenieure keine blasse Ahnung von Literatur und Geschichte haben, und jedes Mal, wenn man jemanden loswerden musste oder etwas Gesellschaftliches gemacht oder auch bloß ein Geschäftsbrief geschrieben werden musste, ging es klopf-klopf-klopf, ach, Maggie, könntest du bitte …?
Ich griff hinter mich und schob Pats Fuß weg. Wenn er ungesellig sein wollte, sollte er sich selber überlegen, wie er die Frau loswurde. Wir hatten jede Menge Zeit zum Reden, wir beide allein. Ich wollte nicht, dass sie schon ging.
«Habt ihr noch?«, fragte die Yurok.
Ich zog die zweite Flasche aus unserem ziemlich mitgenommenen Rucksack und öffnete sie, wobei ich mich bemühte, Pat nicht anzusehen, weil ich schon wusste, dass er jetzt diesen total finsteren Eremitenblick aufgesetzt hatte.
«Macht ihr öfter so Picknick?«, fragte sie.
«Ja, wir haben immer was im Kofferraum dabei — Wein, Dosenlachs, Cracker. Für alle Fälle. «So war es dann eben auch wieder: Mit Pat hatte ich viel Spaß, er ließ mich bestimmen. Wenn ich» auf, auf «sagte, war er dabei. Das ist total wichtig, wenn man zwanzig Jahre mit einem echten Langweiler verbracht hat.