Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Selbstverständlich anonym. Hypothetisch sozusagen. Zum Schluss habe ich mich mit einem Kerl unterhalten, der in der Nähe von Oracle einen kleinen Handelsposten hat. Der handelt mit so was und sagt, er könnte uns einen Haufen Geld dafür beschaffen. Du errätst nie, wie viel.« «Wie viel?« «Hunderttausend. Auf die Kralle. Das kriegen wir, nachdem der Zwischenhändler seinen Anteil abgezweigt hat. Und das ist das absolute Minimum. Er sagt, wenn die Sammler sich am Ende alle überbieten, könnte der Preis noch viel höher steigen. Kannst du dir vorstellen, was wir mit so einem Riesenbatzen Geld alles machen können?« «Es ist mir egal, wie viel Geld es ist«, erwiderte Agnes ungerührt.
«Das ist es nicht wert. Wir müssen sie herauslassen, Oscar. Sie ist seit Hunderten von Jahren dort eingesperrt.« «Eingesperrt?«, fragte Oscar.»Ich will dir mal was sagen von wegen eingesperrt. Eingesperrt ist man, wenn man dreißig Jahre lang jeden Tag zur Arbeit muss, bei Regen und Sonnenschein, und hofft, dass einem nicht doch ein gottverdammter Köter ein Stück aus dem Bein rausreißt. Eingesperrt ist man, wenn man hofft, dass man nicht auf irgendeiner vereisten Veranda ausrutscht und hinfällt und sich das verdammte Genick bricht.
Eingesperrt ist man, wenn man dauernd arbeitet und knausert und bloß hofft, dass man genug Geld auf die Seite gelegt hat, um sich nicht eines Tages Sorgen machen zu müssen, dass es nicht mehr bis zum Ende reicht. Und jetzt, wo es zum Greifen nah ist, willst du — « Er brach mitten im Satz ab. Sie saßen einander in der winzigen Küchennische gegenüber. Agnes Blick kreuzte sich mit dem von Oscar, und sie sah ihn unverwandt an, ganz ruhig und unerschütterlich. Er konnte erkennen, dass keines seiner Worte auch nur den geringsten Eindruck auf sie gemacht hatte.
Plötzlich war ihm alles zu viel. Wie konnte Agnes ihn nur so im Stich lassen? Oscar sprang auf die Füße, das Gesicht von unbändiger Wut verzerrt.»Wenn das so ist, Aggie …« Er hob die Hand, als ob er sie schlagen wollte. Einen Augenblick lang wartete Agnes ängstlich auf den Schlag.
Er kam nicht. Stattdessen traten Oscars Augen aus den Höhlen. Die unausgesprochene Drohung erstarb ihm in der Kehle. Der einzige Laut, der sich seinen verzerrten Lippen entrang, war ein gepresstes Schluchzen.
Langsam, wie ein mächtiger alter Baum, der der Holzfällersäge zum Opfer fällt, begann Oscar Barkley umzukippen. Stocksteif und reglos, wie die Indianerstatue vor dem Zigarrenladen, wankte er auf die Wand zu und prallte dann am Schrank ab. Erst in dem Moment wich die plötzliche schreckliche Starrheit aus seinem Körper. Seine Knochen schienen sich in Wackelpudding zu verwandeln.
Wie eine schlaffe Stoffpuppe rutschte er am Schrank entlang nach unten.
Erst als er auf dem Boden gelandet war, war ein Laut zu vernehmen, und dann auch nur ein dumpfer Knall — wie wenn jemand eine hüfthohen Sack Mehl fallen lässt.
Agnes sah ihn fallen und tat nichts. Als die Ermittlungsbeamten sie später zu dem zehnminütigen Intervall zwischen der Zeit, als Oscars Uhr zerbrochen und stehen geblieben war, und der Zeit, zu der ihr Anruf bei der Notrufzentrale eingegangen war, befragten, konnte sie es ihnen nicht erklären. Nicht dass zehn Minuten hin oder her so viel ausgemacht hätten. Oscar Barkleys erste und einzige Herzattacke hatte sich sofort als tödlich erwiesen.
O doch, er war gewarnt worden, den Fettverbrauch zu reduzieren und seinen Cholesterinspiegel zu senken, aber Oscar hatte ärztliche Ratschläge ja noch nie sehr ernst genommen.
Am Tag nach der Trauerfeier steckte Gretchen Dixon den Kopf zur Tür des Wohnmobils herein, als Agnes sich in Jeans, Flanellbluse und Strohhut gerade die Tennisschuhe zuband.
«Wie geht’s?«, fragte Gretchen.
«Gut«, antwortete Agnes abwesend.»Wirklich, es geht mir gut.« «Du siehst aus, als wolltest du irgendwohin.« Agnes deutete mit dem Kopf zu dem Metallkästchen mit der Asche hinüber, das der Leichenbestatter ihr gegeben hatte.»Ich gehe raus, die Asche verstreuen«, sagte sie.
«Oscar hat immer gesagt, er wollte mal an den Ufern des San Pedro ruhen.« «Möchtest du, dass ich mitkomme?«, fragte Gretchen.
«Nein, danke dir. Ich schaffe es schon.« «Geht denn sonst noch jemand mit? Die Mädchen vielleicht?« «Die sind heute früh wieder zurückgeflogen.« «Sag bloß nicht, dass dir dieser Schlingel Jimmy Rathbone schon Avancen macht.« «Ich gehe allein«, erwiderte Agnes bestimmt.»Ich will niemanden dabeihaben.« «Ach«, sagte Gretchen.»Entschuldige.« Als Agnes Barkley ein paar Minuten später im Honda vom Wohnmobil wegfuhr, sah es so aus, als wäre sie ganz allein im Auto. Seltsamerweise fühlte sie sich aber überhaupt nicht allein. Und obwohl Oscar ihr gar nicht gesagt hatte, wo genau am Flussufer er den kleinen Topf gefunden hatte, fand Agnes mühelos den Weg dorthin – fast war es, als wiese ihr jemand jeden einzelnen Schritt.
Kaum hatte sie die brüchige Uferböschung erreicht, sank Agnes Barkley auf die Knie. Es war still dort, die spärlichen Reste des Flusses tröpfelten in seinem sandigen Bett etwa dreißig Schritte hinter ihr. Das einzige Geräusch war das leise Dröhnen einer Militärmaschine vom Luftwaffenstützpunkt Davis-Monthan hoch über ihr. Ein Teil von Agnes hörte das Geräusch und ordnete es ein – ein Flugzeug. Ein anderer Teil von ihr schreckte auf wie ein aufgescheuchter Hase, als das, was sie für eine Biene hielt, sich als etwas entpuppte, was völlig außerhalb ihres Verstandes und Begriffsvermögens lag.
Als Agnes mit Oscars Asche nach Hause gekommen war, hatte sie den kleinen Topf sofort in die Metallurne gestellt. Jetzt holte sie ihn mit zitternden Fingern heraus.
Einen langen Augenblick drückte sie ihn liebevoll an die Brust. Dann, während ihr die Tränen übers Gesicht strömten, zertrümmerte sie den Topf in Stücke.
Zertrümmerte ihn an der Metallurne, die Oscar Barkleys eben erst abgekühlte Asche enthielt.
Nun ergriff Agnes entschlossen die Urne. Sie hielt sie vor sich hin und ließ den Inhalt in weitem Bogen herausfliegen, während sie im Kreis herumwirbelte — wie die Person, die vor langer, langer Zeit an eben dieser Stelle genauso getanzt hatte.
Schließlich verlor Agnes Barkley das Gleichgewicht und fiel keuchend und nach Atem ringend zu Boden. Erst Minuten später wurde ihr, als wäre es das erste Mal, richtig bewusst, dass Oscar fort war. Wirklich fort. Und dort, inmitten seiner verstreuten Asche und der zerbrochenen Topfscherben, weinte sie echte Tränen.
Nicht nur, weil Oscar tot war, sondern auch, weil sie nichts getan hatte, um ihm zu helfen. Weil sie bloß hilflos dagesessen und zugesehen hatte, wie er starb, sicher genauso, wie die rätselhafte fremde Frau zugesehen hatte, als das wogende Wasser ihr Kind überwältigt hatte.
Schließlich kam Agnes wieder etwas zu sich. Als sie aufhörte zu weinen, stellte sie überrascht fest, dass sie sich schon viel besser fühlte. Irgendwie erleichtert. Vielleicht war es ja ganz gut so, dass Oscar tot war, dachte sie. Es hätte ihm doch nicht gefallen, mit ihnen beiden verheiratet zu sein — mit Agnes und dem Geist jener anderen Frau, der Mutter des armen ertrunkenen Kindes.
Nur so konnte es überhaupt gehen, sagte sich Agnes. Sie hob ein winziges Stück von den schwarzen Tonscherben auf und hielt es zwischen den Fingern, um damit das gleißende Licht der warmen Nachmittagssonne einzufangen.
Nur so konnten sie alle drei frei sein.
Die Flußmündung
von LIA MATERA
Seit Wilkie Collins’ Zeit rekrutiert sich eine große Anzahl von Krimiautoren aus den Reihen von Anwälten, doch seit etwa zwanzig Jahren ist es eine regelrechte Flut von Anwälten, die darauf hofft, dem Berufsstress auf Stundenhonorarbasis zu entfliehen und dem Erfolg von John Grisham und Scott Turow nachzueifern. Eine Zeit lang war Literatur aus dem Juristenmilieu und überhaupt die Ausübung der Rechtspraxis eine vorwiegend männliche Domäne, was sich in den letzten Jahren jedoch geändert hat. Lia Matera (*1952), als Italoamerikanerin in Kanada geboren, machte ihren Abschluss in Jura am Hastings College of Law der University of California, wo sie auch Chefredakteurin des Hastings Constitutional Law Quarterly war. Später arbeitete sie als Dozentin an der Stanford Law School. Als Verfasserin zweier Reihen über Anwälte, die als Privatdetektive ermitteln, gehört Matera zu den herausragendsten Beispielen der Gattung» Krimischreibende Anwälte«. In ihrer ersten Serie — angefangen mit Where Lawyers Fear to Tread (1987; dt. Studentenfutter), in dem sie aus ihren Erfahrungen als Herausgeberin einer Fachzeitschrift für Juristen schöpft — wird Willa Jansson eingeführt, Tochter radikal links orientierter Eltern. Durch den politischen Hintergrund der Familie erhält die Reihe ein politisches Gewicht, das oft äußerst kontroverse kritische Reaktionen zeitigt. Wie in Contemporary Authors (Band 10, 1999) in einer Erörterung von Hidden Agenda (1987; dt. Mörderische Kanzlei) ausgeführt:»Obwohl ein Kritiker von Publisher’s Weekly fand, der Roman sei ›zornig und frei von Humor und sämtlichen Emotionen außer Hass‹, lobte ein Kritiker von Booklist das Werk als ›ausgefallen und sehr witzig‹.« Mit The Smart Money (1988; dt. Am Rande des Gesetzes) begann eine kürzere Serie über Laura Di-Palma, eine etwas schärfer konturierte, exponiertere Rechtsanwältin.