Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
«Wir sind hierher gekommen, um zu entscheiden, ob wir heiraten sollen«, verriet ich ihr.»Das Problem ist, dass er noch so jung ist. Er ist bloß sieben Jahre älter als meine älteste Tochter. Karrieremäßig läuft es bei ihm nicht gut – er ist gerade entlassen worden. Den ganzen Monat hängt er schon trübsinnig herum und ist mir im Weg. Er ist Ingenieur — ich habe ihn kennen gelernt, als ich für eine Science-Fiction-Story recherchiert habe. Über Politik und Literatur weiß er bloß das, was ich ihm beigebracht habe.« Ich wischte mir die Tränen weg.»Im letzten Jahr ist er sehr gewachsen, seit wir zusammen sind, aber es läuft nicht so wie zwischen ebenbürtigen Partnern. Ich meine, wir haben viel Spaß miteinander, wenn wir nicht gerade über ein ganz bestimmtes Thema reden, denn dann kriege ich lauter halb ausgegorene Studentenideen zu hören. Ich muss ihm Artikel zum Lesen geben und ihm sagen, wie er die Dinge sehen soll — na ja, er ist schon intelligent und hat eine gute Auffassungsgabe. Aber es sind eben doch fünfzehn Jahre.« Sie nahm sich noch ein bisschen Lachs.»Wahrscheinlich hat er den Lieferwagen auf der Straße hierher bemerkt.« «Welchen Lieferwagen?« «Von unserer Gruppe.« «Von den Yurok?« Sie rümpfte die Nase.»Nein. Die sind drüben in Hoopa im Reservat, der klägliche Rest jedenfalls. Die sind ja praktisch ausgestorben.« «Wir dachten, ihr wärt Yurok. Ihr seid alle so dunkel.
Und ihr wisst, wie man dieses Speerding schwingt.« «Ja, okay, wir sind alle dunkelhaarig. «Sie verdrehte die Augen.
«Aber meine Güte, wir sind bloß zu fünft. Sie sind doch auch dunkelhaarig. Und Sie sind keine Yurok. «Ihre Miene hellte sich auf.
«Aber der Peitschenstiel, stimmt, der ist von den Yurok.
Unser Anführer«— sie deutete auf die Nicht-Yurok am Strand, auf welchen, wusste ich nicht —»hat sie gemacht.
Wir durchleben gerade eine etwas andere Kulturerfahrung, könnte man sagen.« Mittlerweile hatte Patrick die Gruppe erreicht und stellte sich vor sie hin, die Schultern bis zu den Ohren hochgezogen, die Hände immer noch in den Hosentaschen vergraben.
«Wie kommt es, dass ihr alle so geschickt seid?« «Geschickt?«Sie lachte.»In der Brandung wimmelt es nur so von Aalen. Wenn wir geschickt wären, hätten wir schon Hunderte gefangen.« «Was seid ihr für eine Gruppe?« Patrick hatte die Hände nun aus den Taschen genommen.
Er streckte sie vor sich aus, während er vor den vier Männern zurückwich.
«Habt ihr den Lieferwagen wirklich nicht gesehen?« «Pat vielleicht. Ich habe die Landkarte studiert. «Ich erhob mich auf die Knie, um ihn zu beobachten. Patrick wich immer noch zurück, inzwischen etwas schneller.
Hier oben, in seiner Angst vor einer Reden schwingenden Frau, hatte er lächerlich gewirkt. Am Strand unten, bei vier langhaarigen Männern, die drohend auf ihn zugingen, war seine Angst zweifellos begründet. Was hatten sie zu ihm gesagt?
«Der Lieferwagen macht den Leuten Angst. «Sie nickte.
«Die Slogans, die wir draufgemalt haben.« «Wer seid ihr?«, fragte ich sie, den Blick immer noch starr auf Patrick geheftet.
«Ich wollte gerade sagen, bevor Ihr Verlobter beleidigt abgezogen ist: Was ist mit den Seelöwen? Die werden ohne jede Anstrengung fett, lassen sich einfach die selbst versklavenden kleinen Aale mit den schwarzen Seelen schmecken. Aber kommen sie ungestraft davon?« Allmählich verdüsterte sich der Himmel. Das Meer war jetzt bleistiftgrau, mit einem hellen Silberband am Horizont. Patrick rannte quer über den Strand auf uns zu.
Zwei von den Männern liefen ihm hinterher.
Ich versuchte aufzustehen, doch die Frau umklammerte mein Fußgelenk mit der Hand.
«Nein«, sagte sie.»Die Freude der Seelöwen währt nicht sehr lange. Die sind auch bloß ein fetter Bissen in der Nahrungskette. Vor der Küste gibt es Haie, jede Menge, die gewaltigsten Futterverwerter überhaupt. Und hier holen sie sich ihr Seelöwen-Sushi am liebsten.« «Was machen die denn da? Was wollen Ihre Freunde?« Meine Stimme war so schrill wie der Wind, der zwischen den Felsbrocken pfiff.
«Die Yurok waren die Aale, die Könige des Flusses, verschlagen und schnell und hungrig. Doch die Obsessionen der Geschichte spülten sie in den Rachen der Weißen, die in der Brandung spielten und sich voll fraßen. «Sie nickte.»Der uralte Fluss trifft auf jenes Etwas, das viel größer ist, das Etwas, das der Aal einfach nicht begreifen will, weil die Erkenntnis zu bitter ist.« Das hatte sie schon mehr als einmal fast genauso gesagt.
Vielleicht war es das, was Pat Angst machte: Ihre Worte waren wie eine Litanei, eine Beschwörung, eine Art Kultgesang. Und die Männer dort unten hatten ihre Gesten nachgeahmt.
Ich schlug ihre Hand von meinem Knöchel weg und begann rückwärts vom Felsen zu klettern. Sie hatte die ganze Zeit nur das räuberische Verhalten von Tieren beschrieben. Sie hatte herausbekommen, dass wir allein waren und keine anderen Leute erwarteten, und sie hatte den Männern am Strand Zeichen gegeben. Und die waren jetzt hinter Patrick her.
Zu verängstigt, um mir klar zu machen, was das bedeutete, zu durcheinander, um meine Schuhe wieder anzuziehen, trat ich in eine glitschige Felsspalte. Ich rutschte aus, verlor das Gleichgewicht und fiel, stürzte über spitz hervorstehende Ecken und scharfe Kanten, die wir als Treppenstufen benutzt hatten. Ich konnte hören, wie Patrick meinen Namen schrie. Ich spürte einen stechenden brennenden Schmerz in Rippen, Hüfte, Knie.
Ich konnte fühlen, wie Blut sich heiß unter meinem Hemd ausbreitete.
Ich wollte Atem holen, versuchte aufzustehen. Die Frau tastete sich vorsichtig einen Weg bis herunter zu der Stelle, an der ich lag.
«Es gibt noch einen anderen Jäger, Maggie. «Ich konnte das Grinsen in ihrer Stimme hören.»Nicht den Aal, der wartet und dann zuschlägt. Nicht den Seehund, der reichlich zu fressen findet. Sondern den Hai. «Sie blieb stehen, ihr Umriss bedrohlich auf der Felsstufe verharrend.
«Der an nichts anderes denkt als an sein Fressen, der sich nicht einfach versteckt wie der Aal oder abwartet wie der Seelöwe, sondern sich aufmacht und unersättlich sucht, etwas aufspüren will — « Patrick schrie, diesmal jedoch nicht meinen Namen.
«Einen, der sich verirrt hat. «Wieder hob sie Arme und Kinn zum Himmel, ließ ihr Haar wild um sich fliegen.
Patrick hatte Recht: Sie sah tatsächlich verrückt aus.
Sie sprang herunter, Patrick schrie wieder. Wir schrieen alle beide, endlich in Übereinstimmung.
Ich hörte einen plötzlichen Knall und wusste, dass es Gewehrfeuer war. Ich sah zu, wie die Frau breitbeinig in die Hocke niederging, ihr Haar sich wild um sie rankte wie die Aale, die sich aus ihren Gruben schlängelten.
O Patrick, wenn ich doch die Uhr zurückdrehen könnte, sagen könnte, dass es mir Leid tut.
Ich blickte zu der Frau hinauf und dachte: zu spät, zu spät. Ich bin den Fluss hinunter direkt in deinen Rachen getrieben.
Wieder ein Schuss. War Pat getroffen?
Vom Sandkliff schallte eine Stimme her:»Lauf weg!« Die Frau sah hoch und lachte. Sie hob wieder die Arme und warf den Kopf zurück.
Beim dritten Knall kletterte sie hastig von den kleinen Felsen und rannte davon, Fußspuren im Sand hinterlassend. Sie schwenkte die Arme wie zum Abschied.
Ich setzte mich mühsam auf — eine Rippe war gebrochen, Haut aufgeschürft, ich konnte es fühlen.
Trotzdem drehte ich mich um und sah am Kliff hinauf.
Im wehenden Gras über mir feuerte ein gedrungener Mann mit langem schwarzem Haar ein Gewehr in die Luft.
Ein echter Yurok, wie Pat und ich später erfuhren.
Skandal im Winter von
GlLLIAN LINSCOTT
Gillian Linscott (* 1944) wurde im englischen Windsor als Tochter eines Schuhgeschäftsführers und einer Verkäuferin geboren. Nach Abschluss ihres Geschichts-und Literaturstudiums in Oxford arbeitete sie zwischen 1967 und 1972 als Zeitungsjournalistin in Liverpool und Birmingham, ging dann bis 1979 zum Guardian nach Manchester und London und wandte sich schließlich dem Rundfunkjournalismus zu. Für die British Broadcasting Corporation (BBC) berichtete sie aus dem Parlament und schrieb auch Hörspiele für den Sender. In ihrem ersten Roman A Healthy Grave (1984), der in einem Nudistencamp spielt, taucht zum ersten Mal ihr kurzlebiger Serienheld Birdie Linnet auf, ein ehemaliger Polizist, den sie in Contemporary Autbors (Band 128, 1990) als ziemlich mittelmäßigen Detektiv beschreibt:»…tatsächlich sticht [er] vor allem dadurch hervor, dass er die Sache immer erst später als alle anderen kapiert. Er ist gutwillig, nicht allzu intelligent und bekommt öfter eins auf den Schädel. «In dieser Beschreibung deutet Linscott an, dass sie die Form der Detektivgeschichte nicht besonders ernst nimmt und deshalb schätzt, weil sie» nicht überkandidelt daherkommt. Meiner Ansicht nach gibt es wenig Bücher, die nicht gewinnen würden, wenn man in ihnen irgendwo eine Leiche ablüde. Der Kriminalroman ist eine vollkommen künstliche Kreation, und ich schere mich nicht besonders um Wirklichkeitsnähe.« Größte Berühmtheit sowie möglicherweise größere Wirklichkeitsnähe erreichte Linscott, als sie sich vom zeitgenössischen Krimi dem historischen Kriminalroman zuwandte, zunächst mit dem im Jahre 1870 angesiedelten Murder, I Presume (1990) und dann mit der Serie über Nell Bray, eine im frühen zwanzigsten Jahrhundert lebende Suffragette. Der erste Titel in dieser Reihe war Sister Beneath the Sheets (1991; dt. Tod in Biarritz).