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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Die Unterhaltung zwischen unseren Eltern am Frühstückstisch über das Thema, was» sie «nun tun würde oder nicht, wurde von der leichten Unruhe unterbrochen, die entstand, als man zwei andere Gäste an ihren Tisch geleitete. Amanda fing meinen Blick auf.

«Silberstock und sein Brummbär gehen Skilaufen.« Beide Herren — ältere Herren, wie uns schien, obwohl sie wahrscheinlich nicht älter als Ende fünfzig waren — trugen schwere Wollpullover, Kniebundhosen aus Tweedstoff und dicke Socken, so wie Vater. Er nickte ihnen über die Tische hinweg zu und wünschte ihnen einen guten Morgen, worauf sie ihm ebenfalls zunickten und einen Gruß entboten. Auch die schwere Sportkleidung konnte nicht verbergen, dass der hoch gewachsene Mann recht merkwürdig und distinguiert war. Er war, glaube ich, der dünnste Mensch, den ich je gesehen hatte. Er ging nicht gebeugt wie so viele große ältere Leute, sondern aufrecht und mit leichtem Schritt. Sein Gesicht mit der Adlernase war tief gebräunt, wie bei einigen von den älteren Dorfbewohnern, im Gegensatz zu ihnen aber faltenlos bis auf die beiden tiefen Kerben, die von der Nase bis zu den Mundwinkeln verliefen. Am meisten beeindruckte uns sein Haar. Es lag wie eine Kappe aus blank geputztem reinem Silber an seinem Kopf an und sah aus wie der Knauf eines kostspieligen Spazierstocks. Sein Gefährte, sowieso schon kräftig und breitschultrig, wirkte in seiner Skiläuferkluft noch kräftiger. Er hatte einen Watschelgang und stolperte bisweilen über Stühle. Er besaß ein rundes, freundliches Gesicht mit hellen, etwas wässrigen Augen, einen gestutzten grauen Schnurrbart, aber nur einen spärlichen Haarkranz um seinen glänzenden kahlen Schädel. Er lächelte uns immer an, wenn wir einander auf der Terrasse oder auf den Korridoren begegneten; er schien nett. Uns war aufgefallen, dass er immer irgendetwas für Silberstock machte, ihm Kaffee einschenkte oder Briefe für ihn einwarf. Irgendwie hatten wir uns in den Kopf gesetzt, dass Brummbär Silberstocks Wärter war. Vielleicht, meinte Amanda, wurde Silberstock bei Vollmond wahnsinnig und Brummbär musste ihn einsperren und laut singen, damit die Leute ihn nicht heulen hörten. Immer wieder erkundigte sie sich, wann denn das nächste Mal Vollmond wäre, aber bisher hatte es ihr niemand sagen können. Ich dachte, er war vielleicht in die Schweiz gekommen, weil er bald an Schwindsucht sterben würde, was seine dünne Figur erklärte, und Brummbär sei sein Leibarzt. Ich passte auf, ob ich einen Hustenanfall hörte, der dies bestätigen würde, aber bisher hatte es noch keine Spur davon gegeben. Als sie sich zu ihrem Frühstück hinsetzten, beobachteten wir sie, so gut wir konnten, ohne dafür getadelt zu werden, dass wir die Leute anstarrten. Brummbär schlug die Zeitung auf, die neben seinem Teller gelegen hatte, und las Silberstock daraus vor. Der nickte hin und wieder über seinen Kaffee hinweg, als hätte er schon die ganze Zeit gewusst, worum es ging. Es war die Times aus London, die bestimmt schon mindestens zwei Tage alt war, weil man sie mit dem Schlitten vom Bahnhof heraufholen musste.

Amanda flüsterte:»Er isst.« Der Kellner hatte ihnen statt der Croissants einen Ständer mit Toast und ein Töpfchen mit Orangenmarmelade an den Tisch gebracht. Silberstock aß Toast wie ein ganz normaler Mensch.

Vater fragte:»Wer isst?« Wir deuteten mit den Augen hinüber.

«Na und, wieso sollte er nicht essen? Zum Skilaufen braucht man viel Energie.« Mutter, die sich zur Abwechslung einmal für unser Gespräch interessierte, meinte, sie seien doch zu alt zum Skilaufen.

«Du würdest dich wundern. Dr.

Watson ist nicht schlecht, aber der andere — nun, der ist an Stellen an mir vorbeigesegelt, die so steil waren, dass selbst der Bergführer sich nicht runtertraute. Und stand am Ende auch noch aufrecht da, wo die meisten von uns bloß ein großes Loch im Schnee hinterlassen hätten. Der Kerl ist so vernünftig, dass ihm überhaupt nichts Angst einjagen kann. Die Angst ist es nämlich, die einen beim Skilaufen Fehler machen lässt. Man kommt an ein steiles Stücke und denkt, jetzt fällt man hin, und meist fällt man dann auch hin. Holmes kommt an dasselbe steile Stück, sieht keinen Grund, wieso er es nicht schaffen sollte — und schafft es.« Meine Mutter meinte, ein wirklich vernünftiger Mensch sei so klug, gar nicht erst Ski laufen zu gehen. Bei einem Wort hatte ich aufgehorcht.

«Brummbär ist ein Doktor? Ist Silberstock denn krank?« «Nicht, dass ich wüsste. Ist noch Kaffee in der Kanne?« Und dabei ließen wir es vorab bewenden. Nun könnte man vielleicht sagen, Amanda und ich hätten gleich wissen müssen, wer die beiden waren, und neun von zehn Kindern in Europa hätten es vermutlich auch gewusst.

Doch hatten wir bisher ein recht ungewöhnliches Leben geführt, was hauptsächlich an Mutter lag, und obwohl wir über vieles Bescheid wussten, was den meisten Mädchen in unserem Alter unbekannt war, hatten wir doch von vielem anderen keine Ahnung, was allgemein bekannt war.

Wir winkten Vater und seinem Bergführer zum Abschied zu, während sie, die Ski geschultert, im Tiefschnee durch die Kiefern davonstapften, und machten dann kehrt, um unsere Schlittschuhe zu holen. An der Auffahrt blieben wir stehen und ließen den nüchternen schwarzen Schlitten vorbei, den, der immer ins Tal hinunter zum Bahnhof fuhr. Es saß zwar keiner drin, doch die Decken lagen bereit und waren ordentlich gefaltet.

«Da kommt jemand Neues«, sagte Amanda.

Ich merkte, dass Mutter mich ansah, doch sie sagte nichts. Weil Amanda und ich innen mit unserer Ferienlektüre beschäftigt waren, als der Schlitten zurückkam, konnten wir nicht sehen, wer darin saß, doch als wir später nach unten gingen, lag eine vibrierende Spannung über dem Hotel, ähnlich dem Gefühl, das einen

überkommt, wenn ein Geiger seinen Bogen knapp über der Saite hält und die zitternde Note einem das Rückgrat auf und ab perlt, bevor man sie vernimmt. Obwohl es erst Nachmittag war, legte sich bereits die Dämmerung über das Tal. Bevor es dunkel wurde, durften wir noch einmal draußen spazieren gehen und steuerten wie üblich auf den Eislaufplatz zu. Bunte elektrische Lämpchen warfen gelbe, rote und blaue Flecken auf die dunkle Fläche. Der Lahme mit der Ziehharmonika spielte einen Strauß-Walzer, zu dem einige Paare tanzten, wenn auch nicht sehr gut.

Andere drängten sich um das Kanonenöfchen am Rand des Eisplatzes, wo ein Kellner in kleinen Gläsern Glühwein ausschenkte. Vielleicht merkte der Mann mit der Ziehharmonika, dass die Tänzer allmählich müde wurden, oder er wollte selbst nach Hause gehen, denn als der Walzer endete, wechselte er zu einer Art wilder Zigeunerweise, nach der schwerer zu tanzen war. Die Paare auf dem Eis versuchten ein paar Schritte, dann gaben sie lachend auf und gesellten sich zu den anderen um das Kanonenöfchen. Eine Zeit lang war die Eisfläche leer, und der Lahme spielte weiter für die Dämmerung und die dunklen Berge.

Da kam plötzlich eine Gestalt auf das Eis geglitten. In ihrem Auftreten lag eine gewisse Entschlossenheit, die sie sofort von den anderen Eisläufern abgrenzte. Die kamen gewöhnlich angestolpert oder anstolziert, je nachdem, ob es Anfänger waren oder ob sie sich für Könner hielten, doch Stolperer wie Stolzierer wirkten immer etwas verlegen, denn sie wussten, dass dies nicht ihre natürliche Umgebung war. Sie dagegen bewegte sich auf dem Eis wie ein Schwan im Wasser oder eine Schwalbe in der Luft. Das Gelächter erstarb, keiner trank mehr etwas, und wir alle schauten zu, wie sie über das Eis flog, sich neigte und ganz allein zu der Zigeunermusik ihre Kreise zog.

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