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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Geillis Duncan, würdest … du … den … Mund … halten!«, zischte ich mit brennendem Gesicht. »Man wird dich hören!«

»Oh, mich hört schon niemand, der …«, begann sie, doch dann hielt sie mit großen Augen inne. Jamie war geradewegs an unserem Tisch vorbeigegangen, als sähe er uns gar nicht. Sein Gesicht war bleich, und er hatte die Zähne fest zusammengebissen, als hätte er eine unangenehme Pflicht zu erfüllen.

»Was ist denn mit ihm los?«, fragte Geilie. »Er sieht ja aus wie Arthur, wenn er rohe Rübchen gegessen hat.«

»Ich weiß es nicht.« Ich schob die Bank zurück, zögerte aber. Er steuerte auf Colums Tisch zu. Sollte ich ihm folgen? Es war eindeutig irgendetwas vorgefallen.

Geilie, die jetzt zum anderen Ende des Saals blickte, zupfte mich auf einmal am Ärmel und zeigte in die Richtung, aus der Jamie aufgetaucht war.

Im Eingang stand ein Mann, der ebenfalls zögerte. Seine Kleider waren staubig und voller Schlammspritzer; ein Reisender also. Ein Bote. Und wie auch immer seine Nachricht lautete, er hatte sie an Jamie weitergegeben, der sich jetzt über Colum beugte, um sie ihm zuzuflüstern.

Nein, nicht Colum. Dougal. Der Rotschopf beugte sich tief zwischen die beiden dunklen Köpfe, und die breiten, attraktiven Züge der drei Gesichter nahmen im Licht der ersterbenden Kerzen eine gespenstische Ähnlichkeit an. Im Hinsehen begriff ich, dass die Ähnlichkeit weniger dem Knochenbau geschuldet war, den sie gemeinsam geerbt hatten, sondern der Miene schockierter Trauer, die sie jetzt alle drei trugen.

Geilies Hand bohrte sich in meinen Unterarm.

»Schlechte Neuigkeiten«, sagte sie unnötigerweise.

»Vierundzwanzig Jahre«, sagte ich leise. »Das scheint mir für eine Ehe wirklich lange zu sein.«

»Aye, das stimmt«, pflichtete mir Jamie bei. Ein warmer Wind spielte über uns in den Ästen und hob mir das Haar von den Schultern, so dass es mich im Gesicht kitzelte. »Länger, als ich überhaupt lebe.«

Er stand an den Koppelzaun gelehnt, hochgeschossen, elegant, kräftig. Ich vergaß immer wieder, wie jung er in Wirklichkeit war; er schien so selbstsicher und kompetent zu sein.

»Andererseits«, sagte er und schnippte einen Strohhalm auf den zerwühlten Koppelboden, »glaube ich nicht, dass Dougal mehr als drei Jahre davon mit ihr verbracht hat. Er lebte die meiste Zeit hier in der Burg – oder unterwegs, um Colums Geschäfte zu regeln.«

Dougals Frau Maura war auf ihrem Anwesen Beannachd gestorben. Eine plötzliche Fiebererkrankung. In Begleitung von Ned Gowan und dem Boten, der gestern Abend die Nachricht überbracht hatte, war Dougal im Morgengrauen aufgebrochen, um sich um das Begräbnis und den Nachlass seiner Frau zu kümmern.

»Dann haben sie sich also nicht sehr nahegestanden?«, fragte ich neugierig.

»So nah wie die meisten Eheleute, nehme ich an. Sie hat sich um die Kinder und das Anwesen gekümmert und hatte damit genug zu tun. Ich glaube nicht, dass sie ihn sehr vermisst hat, obwohl sie sich immer zu freuen schien, wenn er bei ihr war.«

»Stimmt, du hast ja eine Weile bei ihnen gelebt, nicht wahr?« Ich kam ins Grübeln, weil ich mich fragte, ob das wohl Jamies Vorstellung von einer Ehe war; getrennt zu leben und sich nur hin und wieder zu sehen, um Kinder zu zeugen. Andererseits hatten seine eigenen Eltern dem wenigen nach, was er erzählt hatte, eine sehr liebevolle Ehe geführt.

Wieder las er auf diese frappierende Weise meine Gedanken und sagte: »Bei meinen Eltern ist es anders gewesen. Dougal hat eine arrangierte Ehe geführt, genau wie Colum, und es ging dabei mehr um Land und um Geld als darum, dass sie einander wollten. Aber meine Eltern – nun ja, sie haben aus Liebe geheiratet, gegen den Willen beider Familien, deshalb lebten wir auch in Lallybroch … nicht isoliert, aber doch eher für uns. Meine Eltern haben nicht oft Verwandte besucht und hatten nur selten außerhalb des Anwesens zu tun, deshalb glaube ich, dass sie sich einander mehr zugewandt haben, als es Mann und Frau normalerweise tun.«

Er legte mir die Hand in den Rücken und drückte mich dichter an sich. Dann senkte er den Kopf und strich mir mit den Lippen über das Ohr.

»Zwischen uns war es ja auch arrangiert«, sagte er leise. »Trotzdem hoffe ich … vielleicht eines Tages …« Er verstummte verlegen und winkte ab.

Da ich ihn in dieser Hinsicht nicht ermutigen wollte, lächelte ich statt einer Antwort so neutral ich konnte und wandte mich der Koppel zu. Ich spürte ihn dicht an meiner Seite, obwohl wir uns nicht berührten und seine Hände jetzt auf dem Zaun lagen. Ich griff ebenfalls nach dem Zaun, um mich davon abzuhalten, seine Hand zu nehmen. Nichts, was ich lieber getan hätte, als mich ihm zuzuwenden, ihm Trost zu spenden, ihm mit meinem Körper und meinen Worten zu versichern, dass das, was zwischen uns war, mehr war als eine geschäftliche Abmachung. Es war der wahre Kern dieser Feststellung, der mich davon abhielt.

Was zwischen uns ist, hatte er gesagt. Wenn ich mit dir zusammen bin, wenn du mich berührst. Nein, es war alles andere als üblich. Es war auch kein einfaches Verliebtsein, wie ich anfangs gedacht hatte. Nichts konnte weniger einfach sein.

Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich an einen anderen gebunden war, durch ein Gelübde, durch Loyalität, durch das Gesetz. Und durch Liebe.

Ich konnte, konnte Jamie nicht sagen, was ich für ihn empfand. Das zu tun und dann zu gehen, was ja unvermeidlich war, wäre der Gipfel der Grausamkeit gewesen. Doch ich konnte ihn ebenso wenig anlügen.

»Claire.« Er hatte sich mir zugewandt und blickte auf mich hinunter; ich konnte es spüren. Ich sagte nichts, sondern hob ihm das Gesicht entgegen, und er beugte sich zu mir, um mich zu küssen. Auch was das betraf, konnte ich ihn nicht belügen, und ich tat es auch nicht. Schließlich, so dachte ich dumpf, hatte ich ihm Aufrichtigkeit versprochen.

Durch ein lautes Räuspern wurden wir jäh von der anderen Zaunseite her unterbrochen. Aufgeschreckt fuhr Jamie herum und schob mich instinktiv hinter sich. Dann hielt er inne und grinste, weil er Alec MacMahon in seiner schmutzigen Hose dort stehen sah. Dieser betrachtete uns sardonisch mit seinem einen, leuchtend blauen Auge. Der alte Mann hielt eine gefährlich aussehende Kastrationsschere in der Hand, die er ironisch zum Salut hob.

»Eigentlich hatte ich vor, sie bei Mahomet anzuwenden«, sagte er. »Vielleicht wird sie hier aber eher gebraucht, was?« Er schnippte einladend mit den dicken Scherenklingen. »Dann würdest du an die Arbeit denken und nicht an deinen Schwanz, Junge.«

»Damit solltest du nicht einmal scherzen, Mann«, gab Jamie grinsend zurück. »Suchst du mich?«

Alec wackelte mit der Augenbraue, die sich bewegte wie eine pelzige Raupe.

»Nein, wie kommst du denn darauf? Ich dachte, ich versuche einfach zum Spaß allein, einen übermütigen Zweijährigen zu kastrieren.« Er lachte keuchend über seinen eigenen Scherz, dann deutete er mit der Schere zur Burg.

»Ab mit dir, Kleine. Du kannst ihn zum Abendessen zurückhaben – was auch immer er dir dann noch nützt.«

Jamie, der dieser letzten Bemerkung offensichtlich misstraute, streckte den Arm aus und brachte die Schere an sich.

»Ich fühle mich sicherer, wenn ich sie habe.« Er sah Alec mit hochgezogener Augenbraue an. »Geh nur, Sassenach. Wenn ich damit fertig bin, die ganze Arbeit für Alec zu erledigen, finde ich dich schon.«

Er beugte sich zu mir hinunter, um mich auf die Wange zu küssen, und flüsterte mir zu: »Im Stall. Um die Mittagszeit.«

Die Stallungen von Leoch waren stabiler gebaut als viele der Katen, die ich unterwegs mit Dougal gesehen hatte. Steinböden und Steinwände; die einzigen Öffnungen bestanden aus den kleinen Fenstern am einen Ende, dem Stalltor am anderen und den schmalen Schlitzen unterhalb des Rietdachs für die Eulen, die die Mäuse überschaubar hielten. Doch sie sorgten auch für eine gute Belüftung und ließen so viel Licht ein, dass es angenehm im Stall war, aber nicht düster.

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