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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ihre Erziehung schien, wie gewisse Züge ihrer Physiognomie, einen mehr männlichen Charakter zu tragen. Sie sprach mehrere Sprachen, zeichnete sehr leicht, machte Verse und komponierte; besonders leidenschaftlich war sie für die Musik eingenommen, die sie mit einer ihrer Freundinnen aus der Pension studierte, einer jungen Person ohne Vermögen, die jedoch alle Anlagen hatte, eine vortreffliche Sängerin zu werden. Ein großer Komponist hegte, wie man sagte, für sie eine mehr als väterliche Teilnahme, und hatte ihr die Hoffnung eingeflößt, sie würde eines Tags ein Kapital in ihrer Stimme finden.

Die Möglichkeit, daß Fräulein Lucie d'Armilly, so hieß die junge Künstlerin, später einmal auf derBühne auftrat, veranlaßte Fräulein Danglars, wenn sie auch das junge Mädchenbei sich empfing, sich doch nie öffentlich in seiner Gesellschaft zu zeigen. Ohne indessen in dem Hause desBankiers die unabhängige Stellung einer Freundin der Tochter des Hauses zu haben, nahm Lucie immerhin einen höheren Rang ein, als den einer gewöhnlichen Lehrerin.

Einige Sekunden nach dem Eintritt derBaronin Danglars sahen die jungen Leute, daß das Parterre sich erhoben hatte und aller Augen sich auf einen Punkt richteten; ihreBlicke folgten der allgemeinen Richtung und hafteten an der Loge des ehemaligen russischenBotschafters. Ein Mann in schwarzer Kleidung von etwa vierzig Jahren war mit einer Frau in orientalischem Kostüm eingetreten. Die Frau war von der höchsten Schönheit und das Kostüm auffallend reich.

Ah! rief Albert, es ist Monte Christo mit seiner Griechin.

Es waren wirklich der Graf und Haydee. Nach weniger als einer Minute war die junge Frau der Gegenstand der Aufmerksamkeit des ganzen Saales; die Frauen neigten sich aus ihren Logen heraus, um unter dem Feuer des Kronenleuchters diese Kaskade von Diamanten funkeln zu sehen.

Der zweite Akt ging unter dem dumpfen Geräusche vorüber, dasbei versammelten Massen ein großes Ereignis andeutet. Niemand dachte daran, Stillschweigen zu fordern. Diese junge, schöne, blendende Frau war das seltsamste Schauspiel, das man sehen konnte.

Diesmal deutete ein Zeichen von Frau Danglars Albert unzweideutig an, daß er erwartet werde. Sobald der Aktbeendigt war, eilte er auf die Vorbühne. Erbegrüßte diebeiden Frauen und reichte Debray die Hand.

DieBaronin empfing ihn mit reizendem Lächeln und Eugenie mit ihrer gewöhnlichen Kälte.

Meiner Treu, Freund, sagte Debray, Sie sehen in mir einen ganz erschöpften Menschen, der Sie um Hilfe ruft, um wieder zu Kräften zu kommen. Die FrauBaronin drückt mich zuBoden mit Fragen über den Grafen, und ich soll wissen, von wo er ist, woher er kommt und wohin er geht; ichbin, bei Gott, kein Cagliostro, und um mich aus der Klemme zu ziehen, sagte ich: Fragen Sie Morcerf, er kennt seinen Monte Christo an den Fingern auswendig. Hierauf machte man Ihnen ein Zeichen.

Ist es denn glaublich, sagte dieBaronin, daß man, wenn man eine halbe Million geheime Fonds zur Verfügung hat, nichtbesser unterrichtet ist?

Gnädige Frau, entgegnete Lucien, ichbitte Sie, zu glauben, daß ich, wenn ich eine halbe Million zu meiner Verfügung hätte, sie zu etwas anderem verwenden würde, als über Herrn Monte Christo Erkundigungen einzuziehen, denn in meinen Augen hat er kein anderes Verdienst, als daß er zweimal so reich ist, als ein Nabob. Ich habe meinem Freunde Morcerf das Wort abgetreten, besprechen Sie sich mit ihm… mich geht es nichts mehr an.

Ein Nabobhätte mir sicherlich nicht ein Paar Pferde von dreißigtausend Franken, nebst vier Diamanten an den Ohren, von denen jeder fünftausend Franken wert ist, zugeschickt!

Oh! was die Diamantenbetrifft, erwiderte lachend Morcerf, das ist seine Manie. Ich glaube, daß er, wie Potemkin, stets Diamanten in seinen Taschen trägt und sie auf seinem Wege ausstreut, wie es der kleine Däumling mit seinen Kieselsteinen machte.

Er wird eine Mine gefunden haben, sagte Frau Danglars. Sie wissen, daß er einen unumschränkten Kredit auf das Haus desBarons hat.

Nein, das wußte ich nicht, aber es muß so sein, versetzte Albert.

Und daß er Herrn Danglars ankündigte, er gedenke, ein Jahr in Paris zubleiben und hier sechs Millionen auszugeben!

Er ist der Schah von Persien, der inkognito reist.

Und diese Frau, Herr Lucien, fragte Eugenie, haben Siebemerkt, wie schön sie ist?

In der Tat, mein Fräulein, ich kenne niemand, der den Personen Ihres Geschlechts so volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, wie Sie.

Lucien hielt sein Lorgnon an das Auge und rief: Reizend, in der Tat, reizend!

Und weiß Herr von Morcerf, wer sie ist?

Mein Fräulein, sagte Albert, auf diese fast unmittelbare Aufforderung erwidernd; ich weiß es so ungefähr, wie alles, was die geheimnisvolle Personbetrifft, mit der wir unsbeschäftigen. Diese Frau ist eine Griechin.

Das sieht man leicht an ihrer Tracht, und Sie sagen mir nichts, was nichtbereits der ganze Saal so gut wüßte, wie wir.

Es tut mir leid, daß ich ein so unwissender Ciceronebin, entgegnete Morcerf; doch ich muß gestehen, daß sich meine Kenntnisse hieraufbeschränken. Ich weiß überdies nur noch, daß sie vortrefflich musikalisch ist, denn als ich eines Tagesbei dem Grafen frühstückte, hörte ich die Töne einer Guzla, die nur von ihr kommen konnten.

Ihr Graf empfängt also? fragte Frau Danglars.

Und zwar auf eine glänzende Weise, das schwöre ich Ihnen.

Ich muß Herrn Danglarsbewegen, ihn zum Diner und zumBall einzuladen, damit er uns ähnlichesbietet.

Wie! Sie wollen ihnbesuchen? sagte Debray lachend.

Warum nicht? Mit meinem Manne!

Aber der geheimnisvolle Graf ist Junggeselle.

Sie sehen, daß dies nicht der Fall ist, entgegnete dieBaronin, ebenfalls lachend und auf die schöne Griechin deutend.

Diese Frau ist eine Sklavin, wie er uns, Sie erinnern sich, Morcerf, bei Ihrem Frühstück selbst gesagt hat?

Gestehen Sie, mein lieber Lucien, sagte dieBaronin, daß sie vielmehr das Aussehen einer Prinzessin hat.

Aus Tausendundeiner Nacht.

Aus Tausendundeiner Nacht, das sage ich nicht; doch was macht eine Prinzessin aus, mein Lieber? Die Diamanten, und damit ist sie zur Genügebedeckt.

Sie hat sogar zu viele Diamanten an sich, sagte Eugenie; sie wäre schöner ohnedies, denn man würde ihren Hals und ihre reizend geformten Handgelenke sehen. Oh, die Künstlerin! Sehen Sie, wie leidenschaftlich sie wird! sagte Frau Danglars.

Ich liebe alles, was schön ist, sagte Eugenie.

Aber was sagen Sie denn zu dem Grafen? fragte Debray, es scheint mir, er ist auch nicht übel.

Der Graf, entgegnete Eugenie, als wäre es ihr noch nicht eingefallen, ihn anzuschauen, der Graf ist sehrbleich.

Gerade in dieserBlässe liegt das Geheimnis, das wir suchen, sagte Morcerf. Die Ihnenbekannte Gräfin die dort in der Seitenloge sitzt, behauptet, wie Sie wissen, er sei ein Vampir.

Morcerf, Sie sollten Ihrem Grafen von Monte Christo einenBesuch machen und ihn zu unsbringen, sagte Frau Danglars.

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