Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Frau von Villefort nahm mit größter Gier diese furchtbaren Grundsätze, diese schauderhaftenBehauptungen in sich auf, die der Graf mit der ihm eigentümlichen naiven Ironie aussprach.
Nach einem Augenblick des Stillschweigens sagte sie: Wissen Sie, Herr Graf, daß Sie ein furchtbarer Geist sind, und daß Sie die Welt unter einem etwas leichenfarbigen Lichte ansehen? Haben Sie dieses Urteil über die Menschheit gewonnen, indem Sie sie durch Destillierkolben und Retortenbetrachteten? Denn Sie hatten recht, Sie sind ein großer Chemiker, und das Elixier, das Sie meinen Sohn nehmen ließen, rief ihn so schnell zum Leben zurück…
Oh! trauen Sie ihm nicht, sagte Monte Christo, ein Tropfen von diesem Elixier genügte, um den sterbenden Knaben ins Leben zurückzurufen; aber drei Tropfen hätten dasBlut so nach seiner Lunge getrieben, daß sein Herz gar gewaltig geschlagen hätte; sechs hätten ihm den Atem versetzt und eine viel ernstere Ohnmacht verursacht, als die war, in der Sie ihn erblickten, und zehn würden ihn getötet haben. Sie wissen, gnädige Frau, wie rasch ich ihn von den Flaschen entfernte, die er unklugerweiseberührte?
Es ist also ein furchtbares Gift?
Oh, mein Gott! nein! Räumen wir vor allem das Wort Giftbeiseite, denn manbedient sich in der Medizin der stärksten Gifte, die durch die Art, wie man sie anwendet, sehr heilsame Arzneimittel werden.
Was war es denn?
Ein geistreiches Präparat von meinem Freunde, dem vortrefflichen Adelmonte, dessen Anwendung er mich gelehrt hat.
Das muß ein vortreffliches Mittel gegen Krämpfe sein!
Ausgezeichnet, gnädige Frau, ich mache häufig Gebrauch davon; versteht sich mit aller möglichen Vorsicht, fügte der Graf lachend hinzu.
Ich glaube es wohl, versetzte Frau von Villefort in demselben Tone. Ich meinesteils, die so sehr zu Ohnmächten geneigt ist, könnte wohl einen Doktor Adelmontebrauchen, der mir Mittel ersänne, daß ich frei atmen und mich über die Gefahr, eines Tags an Erstickung zu sterben, beruhigen könnte. Da jedoch die Sache in Frankreich schwer zu finden ist und Ihr Abbé mir zuliebe wohl nicht geneigt sein wird, die Reise nach Paris zu machen, so halte ich mich an die krampfstillenden Mittel des HerrnBlanche; auch Minze und Hoffmannsche Tropfen spielen eine große Rollebei mir. Sehen Sie die Pastillen, die ich mirbesonders machen lasse, sind von doppelter Dosis.
Monte Christo eröffnete die Schildpattbüchse, die ihm die junge Frau reichte, und zog den Geruch der Pastillen als ein würdiger Kenner dieses Präparates ein.
Sie sind ausgezeichnet, sagte er, aber sie müssen verschluckt werden, wozu die ohnmächtige Person oft nicht mehr imstande ist. Mein Spezifikum ist mir lieber.
Nach der Wirkung, die ich davon gesehen habe, würde ich es gewiß auch vorziehen, doch es ist ohne Zweifel ein Geheimnis, und ichbin nicht unbescheiden genug, Sie darum zubitten.
Aber ich, gnädige Frau, sagte Monte Christo, gestatte mir, es Ihnen anzubieten.
Oh, mein Herr…
Nur erinnern Sie sich, daß eine kleine Dosis ein Heilmittel, eine große Gift ist. Ein Tropfenbringt wieder zum Leben, fünf oder sechs müßten unfehlbar töten, und zwar auf eine um so schrecklichere Weise, als sie in einem Glase Wein nicht im geringsten den Geschmack verändern. Doch ich schweige, gnädige Frau, denn es siehtbald so aus, als wollte ich Ihnen raten.
Es hatte halbsieben Uhr geschlagen; man meldete eine Freundin der Frau von Villefort, die mit ihr zu Mittag speisen sollte.
Wenn ich die Ehre hätte, Sie zum dritten oder vierten Male, statt zum zweiten Male zu sehen, Herr Graf, sagte Frau von Villefort, wenn ich die Ehre hätte, mich Ihre Freundin nennen zu dürfen, statt nur einfach das Glück zu haben, Ihnen verbunden zu sein, so würde ich daraufbestehen, Siebeim Mittagsessen zubehalten, und ließe mich nicht durch eine Weigerung abweisen.
Tausend Dank, gnädige Frau, erwiderte Monte Christo, ich habe selbst eine Verbindlichkeit, der ich mich nicht entziehen kann. Ich versprach einer mirbefreundeten griechischen Fürstin, die noch nie die große Oper gesehen hat und in dieser Hinsicht auf mich zählt, sie ins Theater zu führen.
Gehen Sie, Herr Graf, aber vergessen Sie mein Rezept nicht!
Wie, gnädige Frau, dazu müßte ich die Stunde vergessen, die ich mit Ihnen im Gespräche zugebracht habe, und das ist völlig unmöglich. Der Graf von Monte Christo verbeugte sich und verließ den Salon.
Frau von Villefortbliebin Träume versunken.
Wahrlich, ein seltsamer Mann! sagte sie, er sieht mir ganz aus, als hieße er mit seinem wirklichen Namen Adelmonte.
Was Monte Christobetrifft, so hatte der Erfolg seine Erwartungen übertroffen.
Das ist ein guterBoden, sagte er im Weggehen zu sich selbst, ichbin überzeugt, daß das Korn, das man daraus fallen läßt, nicht unfruchtbarbleibt.
Und am andern Tage schickte er seinem Versprechen getreu das verlangte Elixier.
Robert der Teufel
Der Vorwand des Opernbesuchs war um so näherliegend, als am Abend eine Feierlichkeit in der Akademie royale de Musique stattfinden sollte.
Morcerf hatte, wie die meisten reichen jungen Leute, seinen Orchestersperrsitz und konnte außerdem in zehn Logen von Personen seinerBekanntschaft einen Platz haben. Chateau‑Renaud hatte seinen Sperrsitz zunächstbei ihm. Beauchamp hatte als Journalist seinen Platz überall.
Lucien Debray war an diesem Tage die Loge des Ministers zur Verfügung gestellt, und er hatte sie dem Grafen von Morcerf angeboten, der auf Mercedes' Ablehnung zu Danglars schickte und ihm sagen ließ, er würde wahrscheinlich am Abend derBaronin und ihrer Tochter einenBesuch machen, wenn die Damen die Loge, die er ihnen antrage, annehmen wollten. Die Damen hüteten sich wohl, die Einladung auszuschlagen. Niemand ist so lüstern nach Logen, die nichts kosten, als ein Millionär. Was Danglarsbetrifft, so erklärte dieser, seine politischen Grundsätze und seine Eigenschaft als oppositioneller Abgeordneter erlaubten ihm nicht, in die Loge des Ministers zu gehen. DieBaronin schriebsogleich Lucien, er möge sie abholen, da sie nicht allein mit Eugenie in die Oper fahren könnte.
In der Tat, wären diebeiden Frauen allein gekommen, so hätte man das sicherlich sehr anstößig gefunden. Wenn aber Fräulein Danglars mit ihrer Mutter und deren Liebhaber erschien, so war dagegen nichts einzuwenden; man muß die Welt nehmen, wie sie ist.
Ah! ah! sagte Chateau‑Renaud, dort sind Personen IhrerBekanntschaft, Vicomte. Was zum Teufel schauen Sie denn rechts! Man sieht Sie.
Albert wandte sich um, und seine Augenbegegneten wirklich denen derBaronin Danglars, die ihn leicht mit dem Fächerbegrüßte. Was Fräulein Eugeniebetrifft, so senkten sich ihre großen, schwarzen Augen kaumbis zum Orchester.
In der Tat, mein Lieber, fuhr Chateau‑Renaud fort, ichbegreife nicht, was Sie, abgesehen von der Mesalliance, gegen Fräulein Danglars einzuwenden haben; es ist wirklich eine sehr hübsche Person.
Allerdings sehr hübsch, erwiderte Albert; doch ich muß Ihnen gestehen, daß ich inBeziehung auf Schönheit etwas Milderes, Zarteres, Weiblicheres vorziehen würde.
So sind die jungen Leute, versetzte Chateau‑Renaud, der sich als ein Mann von dreißig Jahren Morcerf gegenüber ein väterliches Ansehen gab; Sie sind nie zufrieden. Wie, mein Lieber, man findet für Sie eineBraut, die nach dem Muster Dianas geschaffen scheint, und Sie fühlen sich dadurch nichtbefriedigt!
Das ist es gerade, ich hätte mir lieber etwas in der Art der Venus von Milo gewünscht. Stets mitten unter ihren Nymphen, erschreckt mich diese Diana ein wenig; ich fürchte, sie könnte mich als Actäonbehandeln.
In der Tat, einBlick auf das Mädchen erklärte zum Teil Morcerfs Gefühl. Fräulein Danglars war schön, aber von einer etwas starren Schönheit. Ihre Haare waren sehr schwarz, doch in ihren natürlichen Wellenbemerkte man einen gewissen Widerstand gegen die Hand, die ihnen ihren Willen aufnötigen wollte; ihre Augen, schwarz wie die Haare, überwölbt von herrlichenBrauen, die nur den Fehler hatten, daß sie sich zuweilen zusammenzogen, warenbesonders merkwürdig durch einen Ausdruck von Festigkeit, den man in demBlicke eines Mädchens erstaunlich finden mußte. Ihr Mund war etwas groß, aber mit schönen Zähnen geschmückt, welche ihre Lippen nochbedeutend hervorhoben, deren zu lebhaftes Rot von derBlässe ihrer Gesichtsfarbe stark abstach. Ein schwarzes Mal endlich an der Ecke des Mundes verlieh vollends dieser Physiognomie den entschiedenen Charakter, der Morcerf ein wenig erschreckte. Alles übrige an ihr stand indessen im Einklang mit dem Kopf. Sie war, wie Chateau‑Renaud sagte, die jagende Diana, nur mit etwas noch Festerem, noch Muskulöserem in ihrer Schönheit.