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Der Splitter im Auge Gottes

Электронная книга - «Der Splitter im Auge Gottes». Краткое содержание книги:

In ferner Zukunft: Die menschliche Rasse hat einen Teil der Galaxis besiedelt, hat Großreiche gegründet, die wieder zerfielen, hat Bürgerkriege ausgefochten und neue Imperien aufgebaut, ist in interstellares Neuland vorgedrungen — auf eine andere intelligente Rasse ist sie nie gestoßen. Da naht aus dem Bereich des Kohlensack-Nebels, aus einem System, dessen Zentralgestirn Splitter im Auge Gottes genannt wird, ein rätselhaftes Flugobjekt — eine Sonde, die von einem Lichtsegel angetrieben wird. Ein Schiff der Raumflotte fängt das Objekt ab, bevor es in eine Sonne stürzt. Das seltsame Lebewesen, das sich an Bord befindet, kommt bei dem riskanten Bergungsmanöver ums Leben. Es war der Abgesandte einer völlig andersartigen, offensichtlich uralten und technologisch hochentwickelten Rasse. Hatte er die Möglichkeit, vor seinem Tod eine Botschaft an seine Heimatwelt abzusetzen? Hat er die Begegnung mit den Menschen als Angriff auf sich und sein Schiff interpretiert? Es gibt nur eine Möglichkeit, der potentiellen Gefahr zu begegnen und guten Willen zu beweisen: das Heimatsystem der Fremden aufzusuchen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Der Splitter ist ein Werk über die Begegnung von Menschen mit einer anderen hochentwickelten Spezies. Niven und Pournelle haben dafür ein schlüssiges Universum generiert und sich weitgehend an die Erkenntnisse der Physik und Astronomie gehalten.
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Telepathen oder nicht, sie konnten Gedanken lesen. Bury kämpfte seine wachsende Verzweiflung nieder: wenn sogar Admiral Kutuzov begann, den Lügen dieser Wesen zu glauben, welche Hoffnung blieb dann noch dem Imperium? Die neue Technologie würde die Imperial Traders Association, die Händlervereinigung, reizen wie nichts zuvor, und nur die Admiralität hatte genug Macht, um Forderungen der ITA nach Handelsbeziehungen niederzuschlagen. Beim Barte des Propheten, etwas musste unternommen werden! »Ich frage mich, ob nicht Dr. Horvath Sie all zu sehr beeinflusst?« erkundigte sich Bury höflich.

Der Admiral verzog das Gesicht, und Horace Bury lächelte hinter seiner ausdruckslosen Miene. Horvath. Er war der Hebel. Man brauchte nur Horvath gegen den Admiral auszuspielen. Irgend jemand musste ja etwas unternehmen …

Anthony Horvath fühlte sich in diesem Augenblick trotz der Beschleunigung von 1,5 Ge rundherum zufrieden und glücklich. Das Geschenkschiff war geräumig, und es besaß unter seinen zahllosen Wundern auch etliche wohlerwogene Luxusnuancen. Zum Beispiel die Dusche mit einem halben Dutzend drehbarer Brauseköpfen auf allen Seiten und einem Molekularsieb zur Wiederaufbereitung des Wassers. Dann gab es einen Vorrat von tiefgekühlten Split-Gerichten, die nur noch in den Mikrowellenherd geschoben werden mussten. Selbst kulinarische Fehlschläge waren … nun ja, interessant. Es gab Kaffee, der zwar synthetisch, aber gut war, und ein gutbestücktes Weinlager. Zu seiner Zufriedenheit trug auch bei, dass sich die Lenin samt Kutuzov in ausreichender Entfernung befand. An Bord des Kriegsschiffes waren die Menschen zusammengepfercht wie Container im Lagerraum eines Frachtschiffs, mussten sich Kabinen teilen oder in den Gängen schlafen, während Horvath hier jegliche Bewegungsfreiheit und Ruhe hatte. Er zog das Mikrofon näher heran und begann wieder mit dem Diktieren seiner Beobachtungen, nachdem er noch einmal zufrieden geseufzt hatte. So ließ es sich leben …

»Die meisten Produkte der Splits haben mehrfache Anwendungsmöglichkeiten«, sprach er in seinen Taschencomputer. »Dieses Schiff ist per se ein Intelligenztest, beabsichtigt oder nicht: die Splits werden auf jeden Fall viel über unsere Fähigkeiten lernen, indem sie beobachten, wie lange unsere Leute brauchen, um mit dem Antrieb richtig umzugehen. Die Braunen natürlich hätten die Sache in höchstens einer Stunde durchschaut, nehme ich an — aber, um gerecht zu sein, ein Braunes könnte sich auch ohne Schwierigkeiten tagelang auf die Instrumente konzentrieren. Menschen, die intelligent genug sind für solche Aufgaben, würden das unerträglich langweilig finden.

Deshalb hat es sich bei uns zum Beispiel eingebürgert, dass einfache Besatzungsmitglieder Wache stehen, während ihre Offiziere nur irgendwie erreichbar sein müssen, um etwaige auftretende Probleme zu lösen. Das führt dazu, dass wir langsamer reagieren und mehr Leute für Aufgaben benötigen, die einzelnen Splits sehr leicht fallen würden.

Wir haben aber auch viel von den Splits über sie selbst erfahren. So zum Beispiel setzen wir Menschen zur Unterstützung automatischer Systeme ein, obwohl wir manchmal überhaupt auf die Automation verzichten, um den Menschen, die für Notfälle zu Verfügung stehen müssen, ansonsten aber nicht gebraucht werden, einen Dauerposten bieten zu können. Die Splits scheinen uns demnach in Computertechnologie unterlegen zu sein, und sie automatisieren sehr selten etwas.

Statt dessen setzen sie eine oder mehrere Unterarten als biologische Computer ein, von denen sie ja anscheinend eine ausreichende Zahl zur Verfügung haben. Diese Möglichkeit steht uns Menschen nicht offen.« Er brach ab, um nachzudenken, und blickte sich in der Kabine um. »Ah ja. Da wären noch diese Statuetten zu erwähnen.«

Horvath nahm eine in die Hand und lächelte. Er hatte sie wie Spielzeugsoldaten auf dem Tisch vor sich aufgebaut: ein Dutzend Split-Kleinplastiken aus einem durchsichtigen Kunststoff. Die inneren Organe waren in allen Einzelheiten und Farbtönen zu erkennen.

Er musterte die Figürchen noch einmal befriedigt, dann verzog er das Gesicht. Die musste er mitnehmen.

Tatsächlich bestand keine Notwendigkeit dazu, das gestand er sich insgeheim wohl ein.

Der Kunststoff war nichts Besonderes, und die Statuetten hatte man schon in allen Details vermessen und abgebildet. Jeder gute Plastikgussautomat zu Hause konnte darauf programmiert werden, Tausende pro Stunde herzustellen — wahrscheinlich waren diese Exemplare ja auch Massenproduktion. Aber sie waren fremdartig und Geschenke obendrein, und er wollte sie für seinen Schreibtisch haben, oder wenigstens für das Museum von Neuschottland. Sollte sich Sparta doch einmal mit Kopien begnügen!

Die meisten der Gestalten konnte er auf den ersten Blick identifizieren: Techniker, Vermittler, Meister; der mächtige Träger-Typ; ein viel zu muskulöser Techniker-Typ mit breiten, stummelfingrigen Händen und großen Plattfüßen, vermutlich ein Landarbeiter.

Ein kleiner Bastler (diese verdammten Heinzelmännchen! Doch der Admiral, der die Splits nicht bei ihrer Vernichtung helfen lassen wollte, war doppelt zu verdammen). Es gab auch einen kleinköpfigen, schlankfingrigen Arzt. Daneben stand der hagere Läufer, der ganz aus Beinen zu bestehen schien — Horvath zog wieder seinen Computer heran und begann zu sprechen.

»Der Kopf des Läufers ist klein, aber seine Stirn deutlich gewölbt. Ich bin der Ansicht, dass der Läufer nicht intelligent ist, jedoch ein so weit ausgebildetes Sprachzentrum besitzt, dass er sich Botschaften merken und sie wiedergeben kann. Wahrscheinlich kann er einfache Anweisungen ausführen. Der Läufer hat sich vielleicht als spezialisierter Nachrichtenüberbringer entwickelt, bevor die Zivilisation das Stadium des Telefons erreichte, und wird jetzt eher aus traditionellen als praktischen Gründen eingesetzt. Aus der Hirnstruktur ist ziemlich eindeutig zu erkennen, dass der Bastlertyp dagegen niemals imstande ist, sich Botschaften zu merken oder zu überbringen. Die Parietallappen sind nur sehr schwach entwickelt.« Reicht das, Kutuzov?

»Diese Statuetten sind ungeheuer detailliert ausgebildet. Sie lassen sich auseinandernehmen, so dass auch innere Einzelheiten sichtbar werden. Obwohl wir die Funktion der meisten inneren Organe noch nicht kennen, lässt sich wohl mit Sicherheit sagen, dass die Aufgabenverteilung ganz anders aussehen wird als die menschlicher Organe; es wäre sogar möglich, dass sich die bewusste Konstruktionsphilosophie der Splits, nämlich die sich überschneidenden Mehrfachfunktionen jedes Gegenstandes, in ihrer Anatomie wiederholt. Wir haben bis jetzt das Herz und die Lunge identifizieren können; letztere besteht aus zwei verschieden großen, deutlich ausgebildeten Einzellappen.«

Kaplan Hardy stemmte sich in der Tür fest, als die Beschleunigung des Schiffes plötzlich abfiel, dann wieder zunahm. Als die Ingenieure den Antrieb wieder auf konstante Beschleunigung eingespielt hatten, kam er in die Kabine und setzte sich stumm. Horvath winkte ihm zu und setzte sein Diktat fort.

»Die einzige Gegend, wo die Plastiken ungenau und vage ausgebildet sind, ist bei den Fortpflanzungsorganen festzustellen.« Horvath lächelte und blinzelte dem Kaplan zu. Er fühlte sich wirklich wohl hier. »Die Splits sind bei geschlechtlichen Fragen immer recht zurückhaltend gewesen. Diese Statuetten sind vielleicht Lehrmodelle für Kinder; sie wurden jedenfalls sicher in Massenproduktion hergestellt. Wenn das stimmt — wir müssen wirklich die Splits fragen, wenn wir noch einmal Gelegenheit haben —, dann deutet das darauf hin, dass die Split-Kultur mit der menschlichen etliches gemeinsam hat.« Horvath runzelte die Stirn. Sexualerziehung der Jugend trat bei den Menschen nur periodisch auf. Manchmal war sie verbreitet und sehr detailliert, während es in anderen Zeitaltern etwas derartiges überhaupt nicht gab. Gegenwärtig verließ man sich in den zivilisierten Gegenden des Imperiums in diesen Dingen ganz auf Bücher, aber es gab genug rückständige, eben erst wiederentdeckte Welten, wo das Thema für Nicht-Erwachsene überhaupt tabu war.

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