Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
Ja, dachte Sylveste zynisch. Eine Reaktion hatten sie mit Sicherheit ausgelöst, aber wahrscheinlich eine andere, als Alicia erwartet hatte.
Volyova suchte den nächsten Abschnitt in Alicias Bericht. Die Sonden waren abgesetzt worden: winzig kleine automatische Raumschiffe, so zart und wendig wie Libellen. Sie waren auf Cerberus zugestürzt — es gab keine Atmosphäre, die sie hätte abfangen können — und hatten erst im letzten Moment mit einem kurzen Flammenstoß aus ihren Fusionstriebwerken gebremst. Zunächst hatte man sie noch von der Lorean aus beobachten können, helle Fünkchen vor Cerberus’ unerbittlichem Grau. Dann wurden sie immer kleiner und demonstrierten damit, dass selbst diese kleine tote Welt die meisten von Menschen geschaffenen Himmelskörper um mehrere Größenordnungen übertraf.
»Logbuch«, sagte Alicia nach einer Lücke im Bericht.
»Die Sonden haben etwas Ungewöhnliches entdeckt — die Meldung kommt gerade herein.« Sie schaute auf ein Display außerhalb des Projektionsbereichs. »Seismische Aktivität auf der Oberfläche. Eigentlich müssten wir bereits etwas sehen, aber bisher hat sich die Kruste noch nicht bewegt. Dabei ist die Planetenbahn nicht vollkommen kreisförmig, folglich müssten gravitationelle Spannungen auftreten. Fast drängt sich der Verdacht auf, die Sonden hätten das Beben ausgelöst, aber das ist natürlich absurd.«
»Nicht absurder als ein Planet, der alle Spuren eines Kometeneinschlags auf seiner Oberfläche löscht«, bemerkte Pascale. Dann sah sie Sylveste an. »Das war nicht als Kritik an Alicia gemeint.«
»Du magst es nicht so gemeint haben«, gab er zurück, »aber die Kritik wäre berechtigt gewesen.« Er wandte sich an Volyova. »Haben Sie außer Alicias Logbuch noch etwas gefunden? Die Telemetriedaten von den Sonden sollten ebenfalls…«
»Die haben wir«, sagte Volyova vorsichtig. »Aber ich muss sie erst aufbereiten. Sie sind ziemlich konfus.«
»Machen Sie mir eine Neuralverbindung.«
Volyova flüsterte eine Serie von Befehlen in ihr Armband. Die Brücke löste sich auf, und ein Sperrfeuer von Synästhesien brach über Sylvestes Sinne herein. Er tauchte ein in die Daten aus einer von Alicias Sonden — das Sensorium war tatsächlich so konfus, wie Volyova vorhergesagt hatte. Aber darauf war Sylveste mehr oder weniger vorbereitet gewesen. Der Übergang war nicht völlig glatt verlaufen, aber er war auch nicht — wie es oft vorkam — mit unerträglichen Qualen verbunden.
Sylveste schwebte über einer Landschaft. Die Höhe war schwer zu schätzen, da die fraktalen Oberflächenstrukturen — Krater, Spalten und erstarrte, graue Lavaströme — aus jeder Entfernung ähnlich ausgesehen hätten. Aber die Forschungssonde sagte ihm, dass er sich nur einen halben Kilometer über Cerberus befand. Er schaute auf die Ebene hinab und suchte nach Anzeichen der seismischen Aktivität, von der Alicia gesprochen hatte. Cerberus wirkte uralt und so tot, als hätte sich dort seit Milliarden von Jahren nichts mehr verändert. Die einzige Bewegung wurde von den Fusionsjets der Sonde verursacht, die im Leerlauf einen Strahlenkranz von Schatten warfen.
Was hatten die Drohnen gesehen? Sicherlich nichts im visuellen Spektrum. Sylveste tastete sich tiefer in das Sensorium vor — es war, als schlüpfe er in einen fremden Handschuh — und fand die Neuralbefehle zum Öffnen verschiedener Datenkanäle. Zuerst versuchte er es mit den Thermalsensoren, aber auf der ganzen Ebene herrschten konstante Temperaturen. Auch im elektromagnetischen Spektrum gab es keine Anomalien. Die Ströme aus Neutrinos und exotischen Teilchen hielten sich unerschütterlich innerhalb der erwarteten Normen. Doch als er zu den Gravitationsscannern wechselte, erkannte er sofort, dass auf Cerberus die Hölle los war. Ein Netz von bunten, durchsichtigen Gravitationslinien legte sich über sein Blickfeld. Und die Linien bewegten sich.
Unter der Oberfläche strebten eine Reihe von Objekten — groß genug, um von den Massensensoren erfasst zu werden — in einer Zangenbewegung einem Punkt genau unterhalb von ihm zu. Er versuchte sich einzureden, die wandernden Schatten seien nichts als mächtige unterirdische Lavaströme — nahm aber von dieser tröstlichen Vorstellung sofort wieder Abschied.
Diese Gebilde waren nicht natürlichen Ursprungs.
Um einen Punkt der Ebene bildete sich ein Mandala aus sternenförmig nach außen strebenden Sprüngen. Nur am Rande nahm er wahr, dass unter den anderen Sonden ähnliche Sternenmuster erschienen waren. Die Risse wurden größer, erweiterten sich zu drohenden schwarzen Spalten. Darunter sah Sylveste in kilometertiefe, beleuchtete Räume, durch die sich metallische Spiralen schlängelten. Sie hatten bläulichgraue Fühler, die breiter waren als ein Canyon, und bewegten sich rasch, koordiniert und zielbewusst, mit mechanischer Präzision. Sylveste wurde von Ekel geschüttelt, als würde er in einen Apfel beißen, in dem sich ganze Scharen von zappelnden Maden tummelten. Jetzt wusste er Bescheid. Cerberus war kein Planet.
Cerberus war eine Maschine.
Die aufgerollten Spiralen schnellten sich durch das sternförmige Loch in der Ebene und schossen ihm — langsam wie im Traum — entgegen, als wollten sie ihn vom Himmel holen. Einen schrecklichen Moment lang war alles weiß — auf allen Sinnen —, dann brachen Volyovas sensorische Eingaben abrupt ab. Sylveste stürzte so plötzlich in seinen Körper und auf die Brücke zurück, dass er beinahe aufgeschrien hätte. Es war ein Schock, der ihn bis in die Tiefen seiner Existenz erschütterte.
Als er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte war, konnte er noch zusehen, wie Alicia einen stummen Schrei ausstieß und — starr vor Angst oder auch vor Bestürzung — im Augenblick ihres Todes erkannte, wie sehr sie sich die ganze Zeit über geirrt hatte.
Dann ertrank das Bild in weißem Rauschen.
»Jetzt wissen wir wenigstens, dass er verrückt ist«, sagte Khouri Stunden später. »Wenn ihn das nicht abhalten konnte, noch näher an Cerberus heranzugehen, dann ist er ein hoffnungsloser Fall.«
»Vielleicht war die Wirkung gerade entgegengesetzt«, sagte Volyova mit gedämpfter Stimme, obwohl sie im Spinnenraum einigermaßen sicher waren. »Jetzt weiß Sylveste, dass es etwas gibt, das sich zu erforschen lohnt, und ist nicht mehr nur auf Vermutungen angewiesen.«
»Die Maschinen stammen von einer fremden Zivilisation?«
»Offensichtlich. Und vielleicht können wir sogar ihren Zweck erraten. Cerberus ist eindeutig keine echte Welt. Es ist allenfalls eine echte Welt, die sich mit Maschinen, mit einer künstlichen Kruste umgibt. Das erklärt auch, warum der Kometenkrater nie gefunden wurde — vermutlich hatte sich die Kruste selbst repariert, bevor Alicia und ihre Besatzung nahe genug herankamen.«
»Die Kruste wäre demnach eine Art Tarnung?«
»Sieht ganz danach aus.«
»Warum zieht sie dann die Aufmerksamkeit auf sich, indem sie die Sonden angreift?«
Auch darüber hatte sich Volyova offenbar schon Gedanken gemacht. »Die Illusion lässt sich wohl nur auf Distanzen von mehr als einem Kilometer aufrechterhalten. Ich schätze, die Sonden waren im Begriff, die Wahrheit zu erkennen, als sie zerstört wurden. Die Welt hat also nichts verloren, sondern sogar noch gewisse Mengen an Rohmaterial gewonnen.«