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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Sie warten auf den Mann aus Washington.«

«Was für einen besseren Ort gibt es dann dafür als die Botschaft selbst?«Borowski schob seinen Stuhl zurück.»Irgend etwas stimmt da nicht. Verschwinden wir von hier.«

Alexander Conklin, Treadstones Nachfolger, hatte genau sechs Stunden und zwölf Minuten gebraucht, um den Atlantik zu überqueren. Am Morgen würde er in Paris den ersten Concordeflug nehmen und Dulles um 7.30 Uhr nach Washingtoner Zeit erreichen. Gegen 9.00 Uhr könnte er dann in Langley sein. Falls jemand versuchte, ihn telefonisch zu erreichen, oder fragte, wo er die Nacht verbracht hatte, würde ein darauf vorbereiteter Major aus dem Pentagon eine falsche Antwort liefern. Und falls ein Erster Sekretär in der Botschaft in Paris je erwähnte, daß er auch nur ein Sekundengespräch mit einem Mann aus Langley geführt hätte, würde er sofort auf die niedrigste Rangstufe im diplomatischen Dienst degradiert und auf einen Posten in Tierra del Fuego versetzt werden. Das würde man ihm garantieren.

Conklin ging durch die Absperrung geradewegs auf einen Telefonautomaten zu und rief die Botschaft an. Der Erste Sekretär war von dem Gefühl erfüllt, etwas Wesentliches geleistet zu haben.

«Alles planmäßig, Conklin«, sagte der Mann aus der Botschaft und ließ das früher gebrauchte Mister weg, um damit seine Ranggleichheit zu betonen, schließlich kam er ja zu ihm nach Paris.»Borowski ist nervös. Während unseres letzten Gesprächs fragte er wiederholt, warum man ihn nicht hierher bestellte.«

«Hat er das?«Zuerst war Conklin überrascht, dann begriff er. Delta spielte die Reaktionen eines Mannes, der nichts von den Ereignissen an der Einundsiebzigsten Straße wußte. Wenn man ihn aufgefordert hätte, zur Botschaft zu kommen, wäre er geflohen. Er wußte ganz genau, daß es keine offizielle Verbindung geben durfte.»Haben Sie wieder gesagt, daß die Straßen unter Beobachtung stünden?«

«Natürlich. Daraufhin hat er mich gefragt, wer sie beobachtete. Können Sie sich das vorstellen?«

«Ja, das kann ich. Was haben Sie geantwortet?«

«Daß er das genausogut wüßte wie ich, und daß ich es für gefährlich hielte, solche Dinge am Telefon zu besprechen.«

«Sehr gut.«

«Das fand ich auch.«

«Was hat er darauf erwidert? Hat er sich zufriedengegeben?«

«Auf recht seltsame Art, ja. Er sagte >Ich verstehe.< Sonst nichts.«

«Hat er es sich anders überlegt und um Schutz gebeten?«

«Er lehnte ihn weiterhin ab. Auch noch, als ich insistierte. «Der Erste Sekretär machte eine kurze Pause.»Er will nicht beobachtet werden, wie?«sagte er vertraulich.

«Nein, das will er nicht. Wann wollte er wieder anrufen?«

«In etwa fünfzehn Minuten.«

«Sagen Sie ihm, der Mann von Treadstone sei eingetroffen. «Conklin zog eine Landkarte aus der Tasche, auf der bereits mit blauer Tinte eine Route markiert war.»Sagen Sie ihm, das Treffen fände um ein Uhr dreißig auf der Straße zwischen Chevreuse und Rambouillet statt, sieben Meilen südlich von Versailles bei Le Cimetiere des Noblesse.«

«Ein Uhr dreißig, Straße zwischen Chevreuse und Rambouillet… da ist der Friedhof. Weiß er, wie er hinkommt?«

«Er ist schon einmal dort gewesen. Wenn er ein Taxi nehmen will, sagen Sie ihm, er soll die normalen Vorsichtsmaßregeln treffen und es dann wegschicken.«

«Wird ihm das nicht seltsam vorkommen? Dem Fahrer, meine ich. Das ist doch eine sehr ausgefallene Zeit für einen

Friedhofbesuch.«

«Ich habe nur gesagt, Sie sollen >ihm das sagen<. Er wird natürlich kein Taxi nehmen.«

«Natürlich«, sagte der Erste Sekretär schnell und gewann seine Fassung zurück, indem er zustimmte, was unnötig war.»Da ich Ihren Mann hier in Paris noch nicht angerufen habe — soll ich ihn anrufen und sagen, daß Sie eingetroffen sind?«

«Das werde ich erledigen. Haben Sie seine Nummer noch?«

«Ja, natürlich.«

«Verbrennen Sie sie umgehend!«befahl Conklin.»Ich rufe in zwanzig Minuten wieder an.«

Ein Zug donnerte auf der unteren Etage der Metro vorbei, man spürte die Schwingungen am Bahnsteig darüber. Borowski hängte den Hörer am Telefonautomaten an der Betonwand auf und starrte die Sprechmuschel einen Augenblick lang an. Wieder hatte sich irgendwo in den Tiefen seines Unterbewußtseins irgendeine Türe ein Stück geöffnet. Aber das Licht, das durch den Spalt fiel, war schwach… Dennoch tauchte vor seinen Augen die Straße nach Rambouillet auf… durch einen schmiedeeisernen Bogen… eine kleine, flach abfallende Bodenerhebung mit weißem Marmor. Kreuze, groß, größer, Mausoleen… Und überall Statuen. Le >Cimetiere des Noblesse<. Ein Briefkasten, aber mehr als das. Ein Ort, wo Gespräche stattfanden, mitten zwischen den Begräbnissen und den Särgen, die in die Tiefe gesenkt wurden. Zwei Männer, ebenso feierlich gekleidet wie die Menschenmenge, zwei Männer, die sich zwischen den Trauernden bewegten, bis sie sich begegneten und die Worte austauschten, die sie einander zu sagen hatten.

Da war auch ein Gesicht, aber es war nur undeutlich zu sehen, unscharf; er sah nur die Augen. Und jenes unscharfe Gesicht und jene Augen hatten einen Namen, David… Abbott… der Mönch. Der Mann, den er kannte und doch nicht kannte. Der Mann, der Medusa und Cain geschaffen hatte.

Jason blinzelte ein paarmal und schüttelte den Kopf, als könne er damit den Nebel verjagen. Er sah zu Marie hinüber, die fünfzehn Fuß zu seiner Linken an der Wand stand und die Menschen am Bahnsteig musterte, Ausschau hielt nach jemandem, der ihn vielleicht beobachtete. Aber in Wirklichkeit tat sie das nicht, sie sah ihn an, ihr Gesichtsausdruck war besorgt. Er nickte, beruhigte sie; das war kein schlechter Augenblick für ihn, da waren nur wieder

Bilder gewesen. Er war irgendwann schon einmal auf jenem Friedhof gewesen; das wußte er mit Bestimmtheit. Er ging auf Marie zu; sie drehte sich um und schloß sich ihm an, und dann gingen sie gemeinsam auf den Ausgang zu.

«Er ist hier«, sagte Borowski.»Treadstone ist eingetroffen. Ich soll mich mit ihm in der Nähe von Rambouillet treffen. Auf einem Friedhof.«

«Wie makaber. Warum ein Friedhof?«

«Das soll mich beruhigen.«

«Du lieber Gott, wie denn?«

«Ich bin schon dort gewesen. Ich habe mich dort mit Leuten getroffen… einem Mann. Indem Treadstone diesen Friedhof als Treffpunkt benennt — ein ungewöhnlicher Treffpunkt allerdings —, gibt er mir zu verstehen, daß ich an seiner Identität nicht zu zweifeln brauche.«

Sie griff nach seinem Arm, als sie die Stufen zur Straße hinaufgingen.»Ich möchte mit dir gehen.«

«Tut mir leid.«

«Du kannst mich nicht ausschließen!«

«Das muß ich, weil ich nicht weiß, was ich dort finden werde. Es ist besser, da wartet jemand in sicherer Entfernung auf mich.«

«Liebster, das hat doch keinen Sinn! Ich werde von der Polizei gesucht. Wenn die mich finden, schicken sie mich mit der nächsten Maschine nach Zürich zurück; das hast du doch selbst gesagt. Was würde ich dir denn in Zürich nützen?«

«Nicht du. Villiers. Er vertraut uns. Er vertraut dir. Du kannst ihn erreichen, wenn ich bis zum Morgen nicht zurück bin oder zumindest nicht angerufen habe. Er kann einen Skandal machen und dazu ist er, weiß Gott, bereit. Er ist der einzige Verbündete, den wir haben.«

Marie nickte.»Wie wirst du nach Rambouillet kommen?«

«Wir haben doch einen Wagen, erinnerst du dich nicht mehr? Ich bring dich zum Hotel und geh dann zur Garage hinüber.«

Er betrat die letzte Kabine in dem Garagenkomplex in Montmartre und drückte den Knopf ins vierte Stockwerk. Seine Gedanken weilten auf einem Friedhof, irgendwo zwischen Chevreuse und Rambouillet, an einer Straße, auf der er bereits einmal gefahren war, wenn er auch keine Ahnung hatte, wann oder zu welchem Zweck.

Das war der Grund, warum er jetzt dorthin fahren wollte, warum er den vereinbarten Zeitpunkt für das Zusammentreffen nicht abwarten wollte. Wenn die Bilder, die sich in sein Bewußtsein drängten, nicht völlig verzerrt waren, handelte es sich um einen Friedhof von enormen Ausmaßen. Und wo genau in dieser riesigen Fläche von Gräbern und Statuen war der Treffpunkt? Er würde gegen ein Uhr hinkommen und sich eine halbe Stunde Zeit lassen, zwischen den Gräbern auf und ab gehen und nach einem Scheinwerferpaar oder einem Signal Ausschau halten. Dann würden ihm auch andere Dinge wieder einfallen.

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