Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Die Lifttür öffnete sich scharrend. Das Stockwerk war zu drei Viertel mit Wagen gefüllt. Jason versuchte sich zu erinnern, wo er den Renault geparkt hatte; in einer abgelegenen Ecke, daran erinnerte er sich, aber war es rechts oder links? Er setzte sich nach links in Bewegung; denn dort war der Lift gewesen, als er den Wagen vor einigen Tagen hereingefahren hatte. Er blieb stehen, die Logik hinderte ihn plötzlich am Weitergehen. Der Lift war zu seiner Linken gewesen, als er hereingekommen war, nicht nachdem er den Wagen abgestellt hatte; da war die Lifttür diagonal rechts von ihm gewesen. Er drehte sich schnell um, und wieder wanderten seine Gedanken zu der Straße zwischen Chevreuse und Rambouillet.
Ob es nun dieser plötzliche, unerwartete Richtungswechsel war, oder nur die Ungeschicklichkeit dessen, der ihn beobachtete, wußte Borowski nicht. Was auch immer es war, dieser Augenblick rettete ihm das Leben, dessen war er sicher. Der Kopf eines Mannes duckte sich in der zweiten Reihe zu seiner Rechten hinter die Motorhaube eines Wagens; jener Mann hatte ihn beobachtet. Ein erfahrener Beobachter hätte sich jetzt aufgerichtet und ein Schlüsselbund vom Boden aufgehoben oder das Scheibenwischerblatt überprüft und wäre dann weggegangen. Eines jedenfalls hätte er nicht getan — das, was dieser Mann jetzt tat; riskiert, daß man ihn bemerkte, indem er sich wegduckte.
Jason veränderte sein Schrittempo nicht, seine Gedanken werteten die neue Entwicklung aus. Wer war dieser Mann? Wie hatte man ihn ausfindig gemacht? Und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, die Antwort lag auf der Hand. Der Angestellte in der >Auberge du Coin<.
Carlos war gründlich gewesen — er hatte jede Einzelheit der letzten gescheiterten Aktionen überprüft, und eine dieser Einzelheiten war ein Angestellter, der während einer dieser Aktionen Dienst gehabt hatte. Ein solcher Mann mußte überprüft und dann befragt werden; das ist nicht schwierig. Es genügte, ein Messer oder eine Pistole zu zeigen. Die Informationen würden dann förmlich über die zitternden Lippen des Mannes sprudeln, und anschließend konnte Carlos seine Armee anweisen, sich in der Stadt auszubreiten, jedes Viertel würde in Sektoren aufgeteilt werden, und überall würde man nach einem ganz bestimmten schwarzen Renault suchen. Eine mühsame Suche, aber nicht unmöglich, leichter gemacht durch die Nachlässigkeit des letzten Benutzers, der versäumt hatte, die Zulassungsschilder auszutauschen. Wie viele Stunden war diese Garage jetzt schon ohne Unterlaß beobachtet worden? Wie viele Männer waren da? Innen, außen? Wie schnell würden andere eintreffen? Würde Carlos kommen?
Diese Fragen waren jetzt zweitrangig. Er mußte hinaus. Auf den Wagen könnte er zur Not verzichten, aber er brauchte ein Transportmittel, und er brauchte es jetzt. Kein Taxi würde einen Fremden um ein Uhr früh zu einem Friedhof am Rand von Rambouillet fahren. Und schnell einen Wagen auf der Straße zu stehlen, war auch ein gefährliches Unterfangen.
Er blieb stehen, holte Zigaretten und Streichhölzer aus der Tasche, schützte dann die Flamme mit den Händen und legte den Kopf etwas zur Seite. Er konnte aus dem Augenwinkel einen Schatten sehen — breit, untersetzt; der Mann hatte sich wieder geduckt, diesmal hinter den Kofferraum eines näherstehenden Wagens.
Jason duckte sich, sprang nach links und warf sich zwischen zwei nebeneinanderstehenden Wagen aus der Parkgasse heraus, bremste den Fall mit den Handflächen ab; es ging alles völlig lautlos. Er kroch um die Hinterräder des Wagens zu seiner Rechten, seine Arme und Beine arbeiteten schnell und lautlos, krochen die schmale Gasse hinunter wie ein Spinne, die über ein Netz huscht. Jetzt war er hinter dem Mann; er kroch auf die Gasse zu, erhob sich auf die Knie, schob sein Gesicht an dem glatten Metall entlang und spähte um einen Scheinwerfer herum. Der untersetzt gebaute Mann war jetzt deutlich zu sehen, er stand aufrecht. Offensichtlich war er verwirrt, denn er bewegte sich zögernd auf den Renault zu, jetzt wieder geduckt, kniff die Augen zusammen. Was er sah, machte ihm offenkundig noch mehr Angst; da war nichts, niemand. Er schnaufte, es war ganz deutlich zu hören, gleich würde er zu rennen anfangen. Man hatte ihn ausgetrickst; das bedeutete für ihn, sich möglichst schnell aus dem Staub zu machen. Und das sagte Borowski noch etwas. Man hatte dem Mann etwas über den Fahrer des Renault erzählt, ihm die Gefahr vor Augen geführt. Der Mann rannte auf die Rampe der Ausfahrt zu.
Jetzt. Jason sprang auf und rannte los, quer über den Gang, zwischen den Wagen durch zum nächsten Gang, holte den keuchenden Mann ein, machte einen Satz, packte ihn am Rücken und riß ihn mit sich auf den Betonboden. Er drückte den dicken Hals des Mannes mit dem Unterarm zu, preßte seinen Schädel gegen das Pflaster und hatte die Finger der linken Hand in die Augenhöhlen des Mannes gedrückt.
«Sie haben genau fünf Sekunden Zeit, mir zu sagen, wer draußen ist«, sagte er in französischer Sprache und erinnerte sich an das verzerrte Gesicht eines anderen Franzosen in einer Liftkabine in Zürich. Damals waren auch Männer draußen gewesen, Männer, die ihn auch hatten töten wollen, damals an der Bahnhofstraße.»Raus mit der Sprache! Jetzt!«
«Ein Mann, ein einziger Mann, sonst niemand!«
Borowski drückte noch kräftiger zu und bohrte seine Finger noch tiefer in die Augenhöhlen.»Wo?«
«In einem Wagen«, stieß der Mann heraus.»Er parkt auf der anderen Straßenseite. Mein Gott, Sie ersticken mich! Sie blenden mich!«
«Noch nicht. Wenn ich das tue, werden Sie es schon merken. Was für ein Wagen?«
«Ein ausländischer. Ich weiß nicht. Ein italienischer, glaube ich. Oder amerikanisch, ich kann es wirklich nicht genau sagen. Bitte! Meine Augen!«
«Farbe!«
«Dunkel! Grün, blau, sehr dunkel. O mein Gott!«
«Sie arbeiten doch für Carlos, oder?«
«Für wen?«
Jason verstärkte den Druck.»Sie haben es genau verstanden
— Sie kommen von Carlos!«
«Ich kenne keinen Carlos. Wir haben eine Nummer und rufen einen Mann an. Das ist alles, was wir tun.«
«Ist er angerufen worden?«Der Mann gab keine Antwort; Borowski drückte die Finger tiefer in die Augenhöhlen.»Sagen Sie es mir!«
«Ja. Das mußte ich.«
«Wann?«
«Vor ein paar Minuten. Das Münztelefon an der zweiten Rampe. Mein Gott! Ich kann nichts sehen.«
«Doch, das können Sie. Stehen Sie auf!«Jason ließ den Mann los und stieß ihn auf die Füße.»Hinüber zu dem Wagen, schnell!«Borowski stieß ihn zwischen den stehenden Autos zu dem Gang, wo sich der Renault befand. Der Mann drehte sich um, protestierte hilflos.»Sie haben gehört, was ich sage. Schnell!«schrie Jason.
«Ich kriege doch nur ein paar Francs.«
«Jetzt können Sie für die paar Francs fahren. «Borowski stieß ihn zu dem Renault.
Augenblicke darauf jagte der kleine schwarze Wagen über die Ausfahrtrampe auf eine verglaste Zelle zu, in der ein Mann vor der Registrierkasse saß. Jason saß auf dem Rücksitz und preßte die Pistole gegen den zerschundenen Nacken des anderen. Borowski schob einen Geldschein und den Parkzettel zum Fenster hinaus; der Angestellte nahm beide.
«Jetzt los!«sagte Borowski.»Tun Sie genau, was ich Ihnen gesagt habe.«
Der Mann drückte das Gaspedal nieder, und der Renault jagte zur Ausfahrt hinaus. Auf der Straße riß der Mann den Wagen auf quietschenden Reifen herum und bremste ruckartig vor einem dunkelgrünen Chevrolet. Eine Wagentüre öffnete sich hinter ihnen; jetzt waren Schritte zu hören.